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Nintendo Wii: Senioren entdecken die Konsole als Jungbrunnen

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Spielend fit werden  

Senioren-Bowling auf der Wii

09.05.2008, 16:49 Uhr | Richard Löwenstein / tz / jr, t-online.de

Wii Sports Meisterschaft (Bild: Nintendo)Wii Sports Meisterschaft (Bild: Nintendo)Sämtliche Altersklassen sind mit Spielen versorgt. Moment, wirklich alle? Kinder spielen Jump & Runs, junge Erwachsene vertreiben sich die Zeit mit Action- oder Rollenspielen, und die Generation “über 40“ frönt dem Knobelspiel. Nur Senioren werden stets in dem Wust von Neuerscheinungen übersehen. Das Bild der Skat und Rommee spielenden, moderne Technik ablehnenden älteren Menschen hat sich in der Gesellschaft offensichtlich zu sehr manifestiert, als dass Entwickler sich wirklich darum bemühen würden, auch die übriggebliebene Zielgruppe in ihre Pläne mit einzubeziehen und die Marktlücke zu füllen. Nach knapp 40 Jahren Videospielgeschichte macht Nintendo seit einigen Monaten erfolgreich den ersten Schritt - und versuchte Bewohnern von Seniorenheimen ihre Wii-Konsole schmackhaft zu machen.

Foto-Show Senioren-Bowling auf der Wii
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Kinderleichte Steuerung

Bowling Wii SportsBowling mit Wii Sports (Foto: Nintendo)Die Voraussetzungen scheinen ideal: Die Beherrschung des Controllers, der so genannten Wiimote, ist von der Motorik her selbst für Einsteiger leicht zu erlernen. Durch die Sensoren werden völlig natürliche Bewegungen wie Schlagen, Werfen oder auf den Fernseher zeigen möglich. So kommen auch ältere Menschen schnell zum Erfolg, gewinnen ihr erstes Tennismatch in Wii Sports oder werfen alle zehn Pins beim Bowling um. Der Vorteil des Bedienkonzepts: Man muss nicht schnelle Seit- oder Vorwärtsbewegungen mit dem ganze Körper ausführen - kleine Schlenker der Hand reichen völlig aus. Das einfache Spielprinzip der Wii weckt in kürzester Zeit eine ungeahnte Spielfreude, komplizierte Controller, die mit über zehn Tasten daher kommen, gehören der Vergangenheit an. Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Seniorenresidenzen wie der Erickson Community oder der Riderwood Retire Community in Washington reiste auch Nintendo mit zwei Studenten der Sozialwissenschaften, Josef Kiener und Markus Deindl von der Hochschule München, von Heim zu Heim und macht ältere Menschen nicht nur mit der Technik vertraut, sondern veranstaltet sogar richtige Wii-Bowling-Meisterschaften.



Spontaner Gedanke

Wii Sports Meisterschaft (Bild: Catonsville Times)Wii Sports Meisterschaft (Bild: Catonsville Times)Der Großteil der später begeisterten Bowler stand der modernen Technik zunächst äußerst skeptisch gegenüber. Ähnliches hatte auch Markus Deindl erlebt, der seine Konsole vor dem Experiment zunächst zu seinen Großeltern mitnahm. Obwohl seine „Großeltern nie an meinen neuen Videospiel-Konsolen interessiert“ waren, konnte schnell Neugierde geweckt werden. Er stellte ihnen zehn Minuten lang die Steuerung vor, und schließlich standen sie „zu viert vor dem Fernseher: Opa, Oma und die beiden Enkel“. Spontan kam ihm ein Geistesblitz: „Wenn meine Oma und mein Opa das können, dann können das wohl auch viele andere ältere Leute“. Der Erfolg gibt ihm Recht, denn sogar seinen Professor Hans-Peter Heekerens überzeugte er restlos. Vor jeder Meisterschaft stellen die beiden Studenten zunächst die Konsole vor und erklären Hintergründe, etwa die Geschichte Nintendos, und dass eben jene Firma auch für den kleinen Gameboy, mit dem die Enkel immer zu Besuch kommen, verantwortlich ist. Nach einer Übungsphase von etwa 30 Minuten, in der jeder Teilnehmer sich mit der Steuerung vertraut machen kann, beginnt das große Spektakel.

Gute Stimmung und Spielspaß

Wii Sports Bowling (Bild: Nintendo)Wii Sports Bowling (Bild: Nintendo)Während der virtuellen Bowling-Meisterschaften herrscht eine feuchtfröhliche Stimmung, die es beinahe mit der Fankurve in einem Fußballstadion auf sich nehmen kann. Grundsätzlich steht aber nicht der Erfolg, sondern schlichtweg der Spielspaß im Vordergrund, wie eine 78-jährige Bewohnerin des BRK Senioren- und Pflegeheims in München zu berichten weiß: „Wie viel ich getroffen habe, ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass wir unterhalten wurden und Spaß hatten“. Als besonderer Ansporn winkt nach jedem Turnier eine Siegerurkunde sowie ursprünglich dem Gesamtsieger stellvertretend eine Wii für das ganze Heim. Nintendo entschloss sich aber freundlicherweise, kurzerhand allen teilnehmenden Einrichtungen eine Konsole zu spendieren und sorgte damit für ausgiebigen Jubel.

Die Bewohner fit halten

Das Spielen mit der Wii soll allerdings nicht nur dem reinen Vergnügen dienen, sondern alle Teilnehmer sowohl physisch als auch psychisch auf Trab halten. „Durch die Spiele können zusätzlich geistige und motorische Fähigkeiten unserer Senioren trainiert werden“, berichtet auch die Logotherapeutin Gudrun Mehring vom Münchner Roten Kreuz. An den Meisterschaften können schließlich beinahe alle Menschen teilnehmen - völlig egal, ob sie auf einen Rollstuhl angewiesen oder demenzkrank sind. Gudrun Mehring sieht bei Letzteren sogar einen klaren Vorteil, da sie „sich ganz spontan entweder darauf einlassen oder nicht. Das gesellschaftliche Spielen steht bei ihnen im Vordergrund“. Darüber hinaus kann ebenfalls das Interesse an moderner Technik geweckt werden. Während “Computer“ oder “Internet“ meist immer noch als Fremdwörter gelten, die die Kinder und Enkel immer mal wieder fallen lassen, kann die Wii als Einstieg in das moderne Zeitalter funktionieren. „Ältere Menschen haben wesentlich weniger Vorurteile, weil sie nicht mit der Vernunft an die Dinge rangehen, sondern rein mit der Emotion“, so Mehring.

Bisher vernachlässigte Zielgruppe

Wii Sports Meisterschaft (Bild: Nintendo)Wii Sports Meisterschaft (Bild: Nintendo)Der Geschäftsführer von Nintendo Deutschland, Bernd Fakesch, sieht die Entwicklung als völlig natürlich an. „Es ist doch ganz einfach: Wir haben in Deutschland mehr 50-jährige Menschen als 15-jährige", sagt er gegenüber dem Spiegel. Dennoch ist er sich bewusst, dass Senioren nicht grundlos „in den Elektromarkt schlendern“, sondern gezielt angesprochen werden müssen. Werbung über das Internet sei hierbei genauso ineffektiv wie das Schalten von Werbespots, die die jüngeren Generationen ansprechen. Mit einem zweistelligen Millionenbudget werde man nun allerdings alles daran setzen, den Markt für sich zu gewinnen, unter anderem durch solche Meisterschaften, aber auch durch gezieltes Werben um die Gunst der Generation “über 50“. Es wird allerdings ein weiter Weg sein, bis die Zielgruppe überzeugt wird und die Vorurteile aus den Köpfen verbannt sind.


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