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Diebstahl, Patentverletzung, Ideenklau: Games vor Gericht (1/2)

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Streitfall Videospiel  

Games vor Gericht

29.10.2008, 12:24 Uhr | GEE-Magazin, Danny Kringiel / jr, t-online.de

Spiele vor Gericht (Bild: t-online.de)Spiele vor Gericht (Bild: t-online.de)Konami verklagt die Rock Band-Macher wegen Patentverletzung. Die Universal Studios verklagen Nintendo, weil Donkey Kong bei King Kong geklaut haben soll. Die Eltern von Amoklauf-Opfern verklagen GTA-Publisher Take Two. Und Bully klagt gegen "Bully". Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, heißt es. Was aber, wenn alle über alles streiten?

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Fall 1: Bully gegen „Bully“

Bully (Bild: Rockstar)Bully (Bild: Rockstar)Die Leute schauen ihn an. Das heißt, eigentlich nicht wirklich ihn - nicht die brav zurückgebundenen Haare, sein mildes Lächeln oder das tiefrote Halstuch seiner Pfadfinderuniform. Eigentlich starren sie alle nur auf das schwere -Repetiergewehr in seinen Händen. Plötzlich ist Musik zu hören, und er beginnt zu singen: „Mit der Pumpgun / Auf zur Bank, ja! / Gott sei Dank, Mann / Gibt’s ne Pumpgun!“ Die Menge grölt und applaudiert. Seit 17 Jahren bringt der Comedian Michael Herbig unter dem Künstlernamen „Bully“ Menschen zum Lachen. Doch nun ist dem 40-Jährigen das Lachen vergangen. Der Grund ist ein Videospiel über die Abenteuer eines 15-jährigen Rotzlümmels, der sich im harten Schulalltag eines Landinternats durchschlagen muss - und das oft nicht nur im übertragenen Sinne. Es heißt: Bully - Die Ehrenrunde. Herbig ist von dieser Namensverwandtschaft wenig begeistert und lässt verlauten, er wolle nicht mit einem „Gewaltspiel“ in Verbindung gebracht werden. Er befürchtete, das Spiel könne mit ihm in Verbindung gebracht werden. Er klagte vor dem Landgericht München gegen Take Two: Der weitere Verkauf des Spiels solle gestoppt und eine Strafzahlung geleistet werden. So ist es aber nicht gekommen: Michael "Bully" Herbig hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Das Landgericht München urteilte, dass „Bully“ ein beschreibender Begriff sei, der etwa für einen Transporter von VW verwendet würde, aber auch für einen Anstoß beim Eishockey oder einen Schläger-Typ. Daher müsse eine Verwendung des Namens möglich sein. Zudem mache der vollständige Titel des Spiels klar, dass Bully: Die Ehrenrunde nichts mit dem Komiker zu tun habe. Dessen Name habe im Videospielbereich „keine relevante Bedeutung“.

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Fall 2: Haiti gegen „Vice City“

GTA: Vice City (Bild: Rockstar)GTA: Vice City (Bild: Rockstar)Fast lautlos rollt unser Wagen an den Straßenrand. Die drei anderen steigen mit mir aus. Das hier ist ein hässlicher Teil der Stadt, aber der Sonnenuntergang taucht die Graffiti, den Müll und die leeren Warenauslagen der Geschäfte in Pastelltöne. Wir werden erwartet: „Schön, dass ihr es geschafft habt“, sagt ein sonnengebräunter Mann in Jeans und T-Shirt. Und fügt hinzu: „Dieses stinkende Haitianer-Nest! Wir bringen sie alle um!“ In der Luft vor ihm schweben plötzlich Buchstaben: „Tötet alle Haitianer.“ Niemand wundert sich. Wir zücken die Waffen und tun es. Mario Dupuy hingegen ist erbost: „Dieses rassistische Spiel ist psychologisch extrem gefährlich und stiftet zum Völkermord an“, wettert er. Dupuy ist haitianischer Konsularbeamter, und das Spiel, von dem er redet, ist GTA Vice City. Es ist das Frühjahr 2004, und gerade sind kubanische und haitianische Bürgerrechtsverbände gegen Publisher Take Two wegen der Spielmission "Cannon Fodder" vor Gericht gezogen. Sie fordern 15.000 Dollar Entschädigung und einen Verkaufsstopp. Der öffentliche Druck wächst: Hunderte Immigranten demonstrieren vor Supermärkten und skandieren „Stoppt Vice City!“ Als sich auch Politiker für ein Verbot aussprechen, veröffentlicht Take Two eine -entschärfte Version des Spiels und bittet um Entschuldigung für den verursachten „Schmerz und Zorn“. Die Klage wird fallen gelassen.

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Fall 3: Avatar gegen Avatar

Second Life (Bild: Linden Lab)Second Life (Bild: Linden Lab)Alles fängt mit einem Bett an. Dem „Sex Gen“-Bett. Kevin Alderman aus Florida hatte ein Wunderbett erfunden, das seinen Benutzern mehr als 150 Sexstellungen ermöglichte - rein virtuell zumindest, denn das Möbelstück befindet sich in der Onlinewelt Second Life. Dennoch bringt es Alderman ganz reales Geld ein: 12.000 Linden-Dollar kostet es pro Stück, immerhin also etwa 45 US-Dollar. Er gründet ein kleines Unternehmen - „Eros LLC“ - zum Vertrieb der Sexbetten, und die verkauften sich wie im Schlaf. Bis im April 2007 ein anderer Avatar auftaucht, der „Volkov Catteneo“ heißt und ein fast identisches Sexbett auf den Markt bringt. Fast identisch, bis auf den Preis: 15 Dollar. Alderman zieht vor Gericht, 
als sein Absatz einbricht. Und da Catteneos realer Hintermann nicht auszumachen ist, verklagt er kurzerhand den Avatar selbst und engagiert den Privatdetektiv Richard Slatkin, seinen Konkurrenten in der echten Welt aufzustöbern. Es ist der Abend des 25. Oktober 2007, als der Detektiv nach monatelanger Odyssee einen Namen findet: Robert Leatherwood. Slatkin hält vor einem heruntergekommenen Haus, geht an einem kaputten Auto vorbei die Auffahrt hoch, klingelt - und steht „Volkov Catteneo“ gegenüber. Kein Hacker, kein arbeitsloser Programmierer, kein Geschäftsmann. Nur ein übergewichtiger 19-Jähriger mit langen Haaren, der bei seinem Onkel und seiner Großmutter lebt. Nur ein Anfänger ohne Anfängerglück. Der Richter urteilt: Leatherwood darf sein Bett nicht mehr vertreiben und entgeht so einer Geldstrafe. Kevin Aldermann geht in Berufung.

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Fall 4: Esther Walker gegen Nintendo

Nintendo N64 (Bild: Nintendo)Nintendo N64 (Bild: Nintendo)In jeder Computerspiel-Hülle findet sich heute dieser Hinweis: „Bei manchen Personen kann es zu epileptischen Anfällen kommen, wenn sie bestimmten Lichteffekten ausgesetzt werden. Diese Personen können bei der Benutzung von Computern einen Anfall erleiden.“ Der Grund hierfür heißt Esther Walker. Esther Walker ist eine ältere Dame aus Louisiana. Und keine Epileptikerin. „Falls bei Ihnen oder einem Ihrer Familienmitglieder unter Einwirkung von Blitzlichtern Anfälle aufgetreten sind“, geht der Text weiter, „wenden Sie sich bitte vor der Nutzung des Spiels an Ihren Arzt.“ Und genau hier nahm das Unglück im Jahr 1999 seinen Lauf: Damals ist dieser Packungshinweis noch unüblich. Und damals hat Frau Walker noch einen Sohn, den 30-jährigen Benjamin. Im Frühling 1999 kauft er sich eine N64-Konsole, mit der er fortan ständig spielt. Sechs Tage die Woche, acht Stunden pro Tag. Vier Monate nach dem Kauf der Konsole hat er vor dem Bildschirm seinen ersten epileptischen Anfall. Doch er drosselt seinen Spielkonsum nicht, und auch seine Mutter schreitet nicht ein. Nicht nach seinem zweiten Anfall, und auch nicht nach dem dritten, vierten und fünften. Bei seinem sechsten am 22. Januar 2001 schlägt er hart mit dem Gesicht gegen eine Tischkante und verletzt sich tödlich. Esther Walker verklagt Nintendo, diese hätten ihrem Sohn ein mangelhaftes Produkt ohne angemessene Warnungen bezüglich der von ihm ausgehenden Gesundheitsrisiken verkauft. Sie fordert die Deckung von Krankenhaus- und Beerdigungskosten, Entschädigung für ihren seelischen Schmerz sowie Ausgleichszahlungen für die verlorenen zukünftigen Einkünfte ihres Sohnes. Nintendo streitet jedes Fehlverhalten ab. Wie der Prozess endete, ist nicht bekannt - was dafür sprechen könnte, dass es eine geheime, außergerichtliche Einigung gab.

Magazin Die Retro-Spiele-Welle: Von wegen "Altes Eisen"

Fall 5: Atari gegen Sega

Im Grunde ist der Computerspielmarkt nicht viel mehr als ein Ideenbasar. Da scheint es nahe liegend, das eigene geistige Eigentum rechtlich zu schützen. Die eigenen Spielkonzepte. Eigene Spielgeschichten. Doch im Laufe der Computerspiel-Historie sind schon Patente auf ganz andere Dinge aufgestellt worden: „Sidescrolling“ zum Beispiel. 1994 verklagte der Spielehersteller Atari den Spielehersteller Sega, da dieser mit dem Einsatz von horizontalem Scrolling in einem Game ein Patent Ataris verletze. Das Gericht stellt fest, dass Segas Sidescrolling tatsächlich technisch ähnlich funktioniert wie Ataris Sidescrolling. Dennoch kam die Klage nicht durch, da das Gericht keinen „irreparablen Geschäftsschaden“ durch die Patentverletzung feststellen konnte.

Magazin Die zehn größten Konsolen-Flops aller Zeiten

>> Weiter zur Seite 2 von "Spiele vor Gericht"

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