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Diebstahl, Patentverletzung, Ideenklau: Games vor Gericht (2/2)

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Streitfall Videospiel  

Games vor Gericht (2/2)

30.10.2008, 13:02 Uhr | GEE-Magazin, Danny Kringiel / jr, t-online.de

Fall 6: Ehefrau gegen EA

Knastkugel (Bild: GEE)Knastkugel (Bild: GEE)Am 25. April 2006 ist es raus: „EA Spouse“ gibt es wirklich, auch wenn viele es nicht glauben mochten. „EA Spouse“ ist Erin Hoffman, die Frau von Leander Hasty. Ach ja, und die 14,9 Millionen werden gezahlt. Denn eineinhalb Jahre früher, am 11. November 2004, hatte Erin Hoffman unter dem Decknamen „EA Spouse“ (EA-Ehefrau) einen folgenschweren Blogeintrag geschrieben. Sie will Gerechtigkeit für ihren Mann. Hoffman fordert keine Entschädigungs- oder Krankenhauskosten, denn ihr Mann ist nicht tot. Aber auf dem Wege, sich tot zu ackern. Er ist Angestellter bei dem Spielentwickler Electronic Arts und „EA Spouse“ alles andere als glücklich über seine Arbeitsbedingungen: Sie klagt über 90-Stunden-Wochen, über die Abschaffung jeglichen Überstundenausgleichs und die völlige physische und psychische Ausbeutung der Belegschaft. Anscheinend will sie sich nur ihren Frust von der Seele schreiben, doch ihr Blog stößt eine Lawine los: Zeitungen interessieren sich für den Fall, und ihre Recherchen ergeben, dass bereits Sammelklagen frustrierter Electronic-Arts-Angestellter in Vorbereitung sind. Das Medienecho bringt weitere wütende Mitarbeiter dazu, ihrem Unmut Luft zu machen. Sie fordern vor Gericht von dem Publisher Ausgleichszahlungen für ihre unbezahlten Überstunden: insgesamt 14,9 Millionen Dollar. Der Rechtsstreit dauert fast zwei Jahre, und das öffentliche Interesse bringt EA unter erheblichen Imagedruck. Schließlich werden die Ausgleichszahlungen bewilligt und die Überstundenbezahlung für 200 Mitarbeiter wieder eingeführt.

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Fall 7: Kämpfer gegen „Mortal Kombat“

Mortal Kombat (Bild: Midway)Mortal Kombat (Bild: Midway)28. Mai 1997, Bezirksgericht Illinois. Katalin Zamiar ist seit 12 Jahren Karatekämpfer und trägt den ersten Schwarzgurt. Philip Ahn betreibt seit 20 Jahren Kampfsport und trägt den vierten Schwarzgurt im Taekwondo. Elizabeth Malecki hat ein Diplom in Balletttanz und Modern Dance und arbeitet als Aerobictrainerin. Sie alle haben für Geld zugeschlagen und getreten. Immer und immer wieder. Fünf Jahre ist das nun her. Fünf Jahre zuvor hatte Midway das Automatenspiel Mortal Kombat veröffentlicht, und die Spieler waren begeistert: So brutale Kampfmanöver, so realistische Darstellungen hatte man noch nie gesehen. Anders als damals üblich, waren die Animationen der Spielfiguren nicht von Hand gezeichnet, sondern die Bewegungen realer Personen aufgezeichnet und digitalisiert worden. Die Bewegungen der realen Zamiar, Ahn und Malecki. Im Spiel wurden sie zu übermenschlichen Wesen, die meterhoch springen, Blitze schleudern oder sich in Tiere verwandeln konnten. 1997 reichte den Klägern ihr Status als Kriegsgötter nicht mehr: Mortal Kombat boomte und brachte immer weitere Fortsetzungen hervor. Längst wurden Versionen für Heimkonsolen hergestellt. Der Rubel rollte, aber die drei Sportler sahen keinen Cent mehr. Also klagten sie gegen Midway. Sie wollten anerkannt werden als Miturheber des Spiels, Einblick in die Unternehmensbuchführung erhalten und für die Konsolenumsetzungen entlohnt werden. Doch der Richter zerschlägt ihre Hoffnungen: „Es erscheint dem Gericht offensichtlich, dass die übermenschlichen Drehungen und Luftsprünge der Spielfiguren der Kläger fantasievolle Produkte der Vorstellungskraft der Programmierer sind.“ Daher seien die Kläger nicht als gleichberechtigte Urheber des Spiels anzusehen. Und so bleiben sie nur Götter der Zerstörung. Ohne eine eigene Schöpfung.

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Fall 8: Baer gegen Bushnell

Die Retro-Welle (Bild: t-online.de)Die Retro-Welle (Bild: t-online.de)Ralph Baer, der als Erfinder des Videospiels gilt, ist ein Mann, der nichts gerne dem Zufall überlässt. Vielleicht, weil die sprichwörtliche deutsche Gründlichkeit ihm noch immer anhaftet, obwohl er sein Geburtsland schon als 16-Jähriger verlassen musste, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Es ist jedenfalls diese Tugend Baers, die Nolan Bushnell zum Verhängnis werden sollte. Im Jahr 1972 nämlich besucht Bushnell, der ebenfalls als Erfinder des Videospiels gilt, eine Elektronik-Fachmesse. Er ist das genaue Gegenteil des Radiotechnikers Baer: ein Lebenskünstler, ein IT-Hippie, ein visionärer Anarchist. Aber niemand, der sich über Zufälle Sorgen machen würde. Vielleicht hätte er sonst nichts ins Gästebuch der Messe geschrieben an jenem Tag, an dem er zum ersten Mal mit der von Baer entwickelten Magnavox Odyssey-Konsole spielt. Vermutlich hätte er sonst auch nicht so schnell beschlossen, aus dem einfachen Tischtennis-Game, das er dort gespielt hat, einen eigenen Spielautomaten namens Pong zu machen. Und ganz bestimmt hätte er sonst auch nicht vergessen zu prüfen, ob Baer seine Erfindung per Patent geschützt hatte. Pong wird zum ersten großen Videospielhit. Und Bushnell zum Ziel der ersten großen Urheberrechtsklage der Videospielgeschichte. Baer zieht vor Gericht - mit seinem Patent und dem Gästebuch der Messe. Erst nach langem, heftigem Streit einigen sich Bushnell und Baer schließlich auf eine Zahlung von 700.000 Dollar. Der erste große Kampf der Branche ist vorüber.

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Fall 9: Konami gegen Harmonix

Rock Band (Bild: Harmonix Music)Rock Band (Bild: Harmonix Music)Der Aufstieg des kleinen Entwicklers Harmonix scheint nicht zu stoppen: Seit 2005 hat er mit der Guitar Hero-Serie den Games-Markt aufgerollt. Kaum eine Party mehr ohne Plastikgitarren. Und nun, 2008, legt Harmonix mit Rock Band noch mal kräftig einen drauf. Rock Band ist wilde, ungestüme Power. Rock Band ist kochendes Adrenalin. Und Rock Band ist eine „Musik wiedergebende Spielapparatur“, die auf eine „darbietungsanleitende Bilddarstellungsmethode“ zurückgreift, „ein lesbares Speichermedium abspeicherndes, darbietungsleitendes Bilderformungsprogramm“. Sagt der Spielentwickler Konami. Und da Konami genau darauf ein Patent hat, zieht der Entwickler von Musikspielen wie Dance Dance Revolution und Beatmania am 9. Juli dieses Jahres gegen Harmonix vor Gericht. Offen bleibt derweil, weshalb Konami mit der Klage so lange gewartet hat - denn das Patent besteht schon seit dem Jahr 1998. Weiterhin wird zu klären sein, inwiefern das Patent noch gültig ist.

Magazin Honis Spiele-Konsole

Fall 10: Columbine gegen die Spielebranche

Doom 3 (Bild: id Software)Doom 3 (Bild: id Software)Ihr Schmerz und Zorn ist alles, was ihnen geblieben ist. Seit drei Jahren, seit die Kinder tot sind. Richter Lewis Babcock muss das spüren, als er am 2. Mai 2002 im Bezirksgericht Denver das Urteil verkündet: „Wenn ich alle persönliche Abneigung einmal beiseite lasse, wie ich es muss, ist es offensichtlich, dass expressive und imaginäre Formen der Unterhaltung einen sozialen Nutzen haben - selbst, wenn sie Gewalt beinhalten.“ Freispruch für die Angeklagten, Schmerz und Zorn für die Kläger, Entschuldigungen von niemandem. Nicht von Richter Babcock, denn nicht seine Hand führte die Pumpgun, aus der vier tödliche Schüsse auf Rachel Scott abgefeuert wurden. Nicht von den elf angeklagten Videospielherstellern, denn nicht sie schossen mit einem halbautomatischen Karabiner in Lance Kirklins Gesicht. Und nicht von Dylan Klebold und Eric Harris - denn die hatten sich am 20. April 1999 in der Bibliothek der Columbine High School selbst gerichtet, nachdem sie Rachel, Lance und elf weitere Schüler erschossen hatten. Nachdem sie immer wieder Egoshooter am Computer gespielt, eine ihrer Schrotflinten nach einer Figur im Spiel Doom benannt und Harris in seinem Tagebuch notiert hatte, ihre Rache werde wie Duke Nukem und Doom zusammen sein. Der Fall wirkt bis heute nach.

Magazin Klima-Killer Spiele-PC

Fall 11: Universal gegen Nintendo

Donkey Kong (Bild: Nintendo)Donkey Kong (Bild: Nintendo)Ein Klempner in Latzhose, der seine Freundin zu retten versucht, während ein orangefarbener Affe ihn mit Fässern bewirft: Was auch immer Shigeru Miyamoto durch den Kopf gegangen ist, als er 1981 das Videospiel Donkey Kong erfand - es waren keine gängigen Hollywoodklischees. Oder? Die Universal Studios sehen das 1982 anders und verklagen Nintendo. Die Anschuldigung: Donkey Kong sei eine schamlose Kopie des Filmklassikers King Kong aus dem Jahr 1933. Als Beweismittel werden dem Richter mehrere Spielrezensionen vorgelegt, die Parallelen zu dem Filmaffen ziehen. Dennoch bekommt Universal kein Recht. 
Der Filmriese stolpert nämlich über die eigene Bananenschale: Im Verfahren stellt sich heraus, dass Universal Jahre zuvor in einem anderen Verfahren eine Anerkennung erstritten hatte, dass King Kong lizenzfreies Allgemeingut sei. Süß: Der damals zuständige Richter hieß Robert W. Sweet, Nintendos Anwalt war John Kirby. Ob Nintendo seine Videospielfigur „Kirby“ nach seinem erfolgreichen Anwalt Kirby benannt hat, ist nicht bekannt.

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