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Die Wahrheit über den "E.T. Landfill"

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Retro-Spiele  

Die Wahrheit über den "E.T. Landfill"

11.02.2009, 16:24 Uhr | Retro-Magazin (Boris Kretzinger / vb), t-online.de

E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)An Außergewöhnliches sind die Einwohner der Mittelstadt Alamogordo in New Mexico durchaus gewöhnt. Etwa einhundert Kilometer nördlich von dort wurde 1945 die erste Atombombe gezündet; nur einen Steinwurf entfernt liegt Roswell, wo angeblich 1947 ein Raumschiff abgestürzt sein soll. Dass jedoch im Herbst 1983 ein weiterer Mythos in der 25.000-Seelen-Gemeinde in New Mexico entstehen sollte, damit konnten die Einwohner kaum rechnen.

Es ist der 22. September 1983. Nichts deutet darauf hin, dass es ein ungewöhnliches Datum sein könnte. Doch gegen Abend rollt eine Kolonne Lkws durch die Stadt Richtung Deponie. Ein paar kleinere Fahrzeuge begleiten sie. Der Vorgang erscheint zumindest ein paar Jugendlichen skurril genug, um sich auf ihre Fahrräder zu schwingen und zur Deponie zu fahren. Dort angekommen, trauen sie ihren Augen kaum: Die Laster sind randvoll mit Atari- Spielen und -Konsolen. Unverkaufte, zurückgegebene, defekte Module, allen voran E.T. - Der Außerirdische, sowie Pac-Man. Die Lastwagen stammen aus Texas, wo sie Ataris Lagerhaus vollgepackt in Richtung Norden verließen. Planierraupen stehen bereit, um den abgeladenen Elektroschrott sofort mit Schutt zu überrollen und damit unbrauchbar zu machen. Atari zahlt gut dafür, dass die Ladungen auch wirklich vernichtet werden.

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Wahrheit oder Mythos?

Müllkippe in Alamogordo (Bild: Alamogordo Daily News)Müllkippe in Alamogordo (Bild: Alamogordo Daily News)Dennoch gelingt es einigen Jugendlichen, ein paar Spiele aus dem anfangs kaum bewachten Haufen heraus zu ziehen. Stolz präsentieren sie ihre Beute in der Stadt und versuchen teilweise sogar, sie an Videospielhändler zu verkaufen, um ihr Taschengeld aufzubessern. Das Wort von Ataris Deponieaktion macht rasch die Runde, und schon einen Tag später bewachen Sicherheitskräfte die Deponie, um weitere Schatzjäger abzuhalten. Dabei war die Deponie in Alamogordo nicht zuletzt deshalb ausgesucht worden, weil dort striktes Zutrittsverbot herrschte. Wie viel Wahrheit steckt in der Geschichte? Und wie konnte es so weit kommen, dass aus Videospielen - Anfang der 80er noch mit einer Lizenz zum Gelddrucken gleichzusetzen - buchstäblich Müll wurde?

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Goldgräberstimmung in der Industrie

Müllkippe in Alamogordo (Bild: Alamogordo Daily News)Müllkippe in Alamogordo (Bild: Alamogordo Daily News)Atari hatte mit seiner 2600-Konsole einen Boom ausgelöst und damit neben einigen Konkurrenten auch unzählige Firmen für die Unterstützung des eigenen Produkts gewinnen können. Doch die zunehmende Konkurrenz, der beginnende Siegeszug der Heimcomputer und der damit einhergehende Rückgang des für unerschöpflich gehaltenen Markts drohten Atari 1983 nach einem gefloppten Weihnachtsgeschäft zu ruinieren: mit 500 Millionen US-Dollar stand man derart tief in den roten Zahlen, dass Besitzer Time Warner händeringend nach einem Käufer für den Videospielgiganten suchte. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Misere hatte auch Ataris Videospielumsetzung des Blockbuster-Films E.T. - Der Außerirdische, dessen Lizenz sie für einen zweistelligen Millionenbetrag einkauften, um daraus ein halbgares Produkt zu machen. Auch zahlreiche andere Anbieter hatten den Markt in der Hoffnung überschwemmt, mit miserablen Spielen schnelle Gewinne machen zu können. Das Ende des Videospielbooms drohte zum Ende für Atari zu werden.

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Wie die Legende entstand

E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)Es muss wohl im Hochsommer 1983 jemanden bei Atari gegeben haben, der - vielleicht aus Übermut - den Vorschlag machte, dass es besser sei, die unverkauften und zurückgegebenen Module gleich zu verschrotten als zu verkaufen. Böse Zungen vermuten sogar eine betrügerische Absicht dahinter. Genaueres zur Entsorgungs-Entscheidung lässt sich nicht rekonstruieren, und so wird dieser Teil der Geschichte für immer im Dunkeln bleiben. Dass Atari jedoch aus seinem Lager in Texas Waren nach New Mexico bringen und dort verschrotten ließ, lässt sich anhand verschiedener Zeitungsartikel und Zeitzeugenaussagen belegen. Doch die Art und Weise, wie Atari den Mantel des Schweigens über die Sache hing, die es sogar bis in die New York Times schaffte, beflügelte die Fantasie einiger Verschwörungstheoretiker ebenso wie die wenig aussagekräftigen Bilder, die in diesem Zusammenhang erschienen. Nicht ein einziges Modul oder eine Konsole waren dort zu erkennen. Sogar der Programmierer des Spiels E.T., Howard Scott Warshaw, äußerte noch vor vier Jahren in einem Interview Zweifel an der Geschichte. Er mutmaßte, dass Atari zumindest die Modulgehäuse ausgeschlachtet hätte.

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Was bleibt?

E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)Fakt ist, dass zwischen dem 22. und dem 27. September etwa 20 Lkw voll mit Atari-Lagerbeständen aus El Paso ihre Fracht in der 90 Meilen entfernten Deponie in Alamogordo abluden. Wie einige Vertreter der Branche eröffneten, sei der Vorgang an sich keineswegs ungewöhnlich, lediglich der Umfang sei erstaunlich. Der aktuelle Bürgermeister der Stadt, Donald Carroll, erinnert sich dunkel an den Vorfall: „Sie haben alles mit Beton übergossen, weil es Probleme mit Leuten gab, die Spiele herausziehen wollten.“ Dem damaligen Stadtbediensteten erschien der Vorgang wenig spektakulär, wie er in einem Interview 2005 erklärte.

Für immer begraben

E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)E.T. Der Außerirdische (Bild: Boris Kretzinger)Der Mythos bleibt jedoch bestehen, und die Hoffnung, den genauen Ort des Geschehens herauszufinden, und vielleicht sogar ein kleines Souvenier aus dem Staub zu graben, treibt Videospielenthusiasten noch heute an. Zuletzt spielte der Mythos in Constantin Gilliess Roman „Extraleben“ eine Rolle, ohne dass die Protagonisten jedoch Licht ins Dunkel der Geschichte bringen konnten. Atari wählte die richtige Deponie aus, denn noch heute ist der Zugang zum Gelände untersagt. Und wo wäre ein Außerirdischer, wenn auch nur ein digitaler, besser begraben als in New Mexico?


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