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Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)  

Zwischen den Fronten

12.02.2009, 11:49 Uhr | GEE (Tim Rittmann) / vb, t-online.de

USK-Leiterin Schulz (Bild: Nina Lüth)USK-Leiterin Schulz (Bild: Nina Lüth)Die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" (USK) hat einen schwierigen Stand. Für die einen ist sie ein Spielverderber. Für die anderen macht sie mit der Industrie gemeinsame Sache. Wir waren in Berlin, um zu sehen, was sie wirklich macht.

"Vor dem Hintergrund spezieller Spruchpraxis, Kontextberücksichtigung und Gesamtwirkung vergeben wir ein Kennzeichen“, sagt Jürgen Hilse und klingt dabei, als zitiere er einen Gesetzestext. Das ist kein Zufall, denn Hilse ist hier der Staat - oder zumindest ein halber. Der 61-Jährige ist einer von zwei ständigen Vertretern der Obersten Landesjugendbehörden bei der USK in Berlin. Er vertritt die staatlichen Jugendschutzinteressen, wenn das USK-Gremium Empfehlungen ausspricht, ob ein Videospiel Kindern, Jugendlichen oder nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden sollte - und welches keine Kennzeichnung erhält. Was bedeutet, dass es zwar verkauft werden darf, seine Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aber sehr wahrscheinlich ist.

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Zahnloser Tiger oder Zensurbehörde?

Die Büros der USK (Bild: Nina Lüth)Die Büros der USK (Bild: Nina Lüth)Mit dieser Praxis stehen Jürgen Hilse und die USK im Kreuzfeuer der Kritik: Für die Spieler ist die USK eine Zensurbehörde, die mit deutscher Akribie den Spaß aus ihren Spielen streicht. Für die Hersteller ist sie ein notwendiges Übel. Und für notorische Videospielgegner ist sie ein zahnloser Tiger, der gemeinsame Sache mit der Industrie macht und gefährliche Software auf den Markt lässt. Dabei besitzt Deutschland das weltweit strengste Prüfverfahren, um Jugendschutz zu gewährleisten - zumindest so weit der Arm des Staates reicht.

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Keine Definition des Gewalt-Begriffs

Das Archiv der USK (Bild: Nina Lüth)Das Archiv der USK (Bild: Nina Lüth)Wenn der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) also fragt, warum „extrem gewaltgeneigte Spiele in der Praxis nur mit einer Altersbeschränkung versehen und nicht gänzlich indiziert“ werden, wünscht er sich nicht nur eine Ausweitung der staatlichen Kompetenzen und fordert mehr Zensur - er beschreibt ungewollt den Kern des Problems: Es gibt keine Definition, was „gewaltgeneigte“ oder „gewalt-haltige“ Spiele eigentlich sind. Der Terminus „Killerspiel“ ist kein wissenschaftlicher, sondern ein politischer. Zwar bezeichnet der bayrische Entwurf für ein neues Jugendschutzgesetz „Killerspiele“ als „Spielprogramme, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen“ - aber wann genau eine Darstellung dem entspricht ist, wird nicht ausgeführt.

Halbwissen und Vorurteile

Jürgen Hilse und Lidia Grashof (Bild: Nina Lüth)Jürgen Hilse und Lidia Grashof (Bild: Nina Lüth)Willkommen also auf dem eigenen Kriegsschauplatz der USK. Etwa 3000 Spiele wurden im vergangenen Jahr abgenommen, seit ihrer Gründung 1994 kommt sie auf 23.000 Prüfungen. Waren ihre Alterskennzeichen in den ersten Jahren nur Empfehlungen, sind sie seit 2003 für den Handel verpflichtend. Das sind die Fakten - wie aber die Praxis des Jugendschutzes aussieht, wissen wenige. Oder sie glauben nur, es zu wissen: „Viele Leute denken, die USK mache irgendwelche Freigaben“, sagt Hilse, „aber das macht sie nicht!“ Er kennt die Vorurteile und Vorverurteilungen, seine Geduld wirkt strapaziert. Denn ab welchem Alter ein Spiel freigegeben wird, entscheiden allein die staatlichen Vertreter, also Jürgen Hilse und Lidia Grashof.

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Kein Einfluss für die Hersteller

Resident Evil 5Resident Evil 5 (Bild: Capcom)Die USK bereitet die Prüfung lediglich vor. Dabei kann sie auf 53 Gutachter zurückgreifen, auf Sozialpädagogen und Abgesandte der Kirchen, auf Journalisten oder Mitarbeiter der Jugendämter. Auf Spezialisten in Sachen Jugendschutz mit Grundkenntnissen in Videospielen. Immer vier aus dieser Riege werden für die Gremiumssitzungen der USK in einen kleinen, mit Bildschirmen und Konsolen voll gestopften Prüfungsraum nach Berlin-Friedrichshain gerufen. Auf das, was dann passiert, haben die Hersteller der Spiele keinen Einfluss. Sie finanzieren zwar den Prüfbetrieb, aber ansonsten sind sie, wie auch die Kirchen und diverse soziale Einrichtungen, nur mit zwei Vertretern in dem 16-köpfigen Beirat vertreten, der die Prüfgrundsätze festsetzt. In anderen Ländern haben die Hersteller weitaus mehr zu sagen: Die "Pan European Game Information" (PEGI), das resteuropäische Pendant zur USK, kennt keine Entscheidungen plural besetzter Gremien. Hier schätzen die Publisher in einem Fragebogen selbst die Jugendgefährdung des eigenen Produkts ein.

Das Böse herauskitzeln

Fallout 3 - Operation: Anchorage (Bild: Bethesda)Fallout 3 - Operation: Anchorage (Bild: Bethesda)Diese Vorgehensweise kann Lidia Grashof nicht nachvollziehen: „Atmosphäre, Spannung und Immersion sind für eine Bewertung relevant. Ich kann sie aber nicht über einen Fragebogen herausfinden.“ Die 44-Jährige überwacht erst seit Juli 2008 den Prüfungsprozess, hat sich mit dessen Feinheiten aber schon vertraut gemacht: „In Experimenten haben wir Spiele ohne Ton gespielt. Es kommt vor, dass zwar auf der optischen Ebene ein 6er-Rating fällig wäre, aber aufgrund der Bedrohungssituation durch Explosionen und das Schreien der Spielfiguren aus der sechs eine 12 wird - nur weil die Soundkulisse so drastisch ist.“ Alle Prüfungen werden akribisch vorbereitet. Dafür beschäftigt die USK fünf ehrenamtliche Spielesichter, darunter Benjamin Rostalski. Er spielt jedes Spiel komplett durch, macht sich Notizen, legt Spielstände an und präsentiert seine Ergebnisse dann dem Gremium. Bis zu vier Spiele testet er pro Woche, mit zunehmender Erfahrung auch schwierige Fälle.

>> zu Teil 2 von "Zwischen den Fronten"




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