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Muss sich Lara emanzipieren?

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Frauenfeindlichkeit in Spielen  

Muss sich Lara emanzipieren?

19.02.2009, 13:21 Uhr | Medienagentur plassma / vb, t-online.de

Tomb Raider: Underworld (Bild: Eidos)Tomb Raider: Underworld (Bild: Eidos)Nach den schleppenden Verkäufen von Tomb Raider: Underworld will Publisher Eidos künftige Spiele mit der wehrhaften Heldin Lara Croft “frauenfreundlicher“ gestalten. Der Hintergrund: Man möchte die neue Zielgruppe der weiblichen Action-Adventure-Fans verstärkt ansprechen. Erste Andeutungen, dass das Ganze in Richtung einer optischen Retusche gehen soll, haben bereits für Diskussionen in der Gamer-Szene gesorgt.

Doch darüber hinaus bleibt die Frage: Sind Computerspiele-Macher und Helden tatsächlich so frauenfeindlich gestrickt, dass eine moralische und optische Grundrevision fällig ist?
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Spielend emanzipieren

World of Warcraft (Bild: Blizzard)Die Zeiten, in denen Computerspiele fast eine reine Männerdomäne waren, sind lange vorbei. Immer mehr Frauen greifen weltweit zu Tastatur, Maus und Gamepad und vor allem zur Wiimote, um Drachen und Untote zu bekämpfen oder die virtuelle Welt vor dem Untergang zu retten. Und mit dem Klischee, Frauen würden sich fast ausschließlich mit Titeln wie Die Sims beschäftigen, muss mittlerweile gründlich aufgeräumt werden. So ist der Frauenanteil in Online-Rollenspielen wie World of Warcraft oder Der Herr der Ringe Online durchaus beträchtlich. Nicht selten kommt es vor, dass Paare sich hier gemeinsam ins virtuelle Abenteuer stürzen oder gar erst über das Spiel zueinander gefunden haben.

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Lachen über Larry

Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude (Bild: Sierra)Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude (Bild: Sierra)Betrachtet man die Entwicklung der Computerspiele in den letzten 20 Jahren, erscheint der Vorwurf, die Helden würden ausschließlich männliche Interessen bedienen und Frauen nur als dümmliche, willenlose “Objekte“ mit üppigen Rundungen darstellen, ziemlich haltlos. Man mag Al Lowes augenzwinkernde Kultspiel-Reihe um Larry Laffer, den Frauenhelden mit dem Polyester-Anzug und den zweideutigen Anmach-Sprüchen, als sexistisch abtun. Aber im Ernst: Ist hier nicht der schmächtige, notorische Versager Larry die lächerliche Projektionsfläche, neben der die attraktiven Frauen der Games als die Gewinnerinnen dastehen?

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Kreativ vor und hinter den Kulissen

Jade Raymond (Bild: Ubisoft)Jade Raymond (Bild: Ubisoft)Auch was die kreative Seite angeht darf man gängige Vorurteile getrost vergessen. Viele legendäre Computerspiel-Reihen des ausklingenden 20. Jahrhunderts wurden von Frauen entwickelt. Hier muss man insbesondere Roberta Williams´ King´s Quest-Serie, die Quest for Glory-Abenteuer von Lori Cole sowie Gabriel Knight von Jane Jensen nennen. Und die Geschichte geht weiter: Im letzten Jahr landete Ubisoft-Producerin Jade Raymond mit Asssassin's Creed einen Riesenhit. Schon sehr früh wurde zudem begonnen, weiblichen Spielern wahlweise auch eine Heldin als Identifikationsfigur anzubieten - beispielsweise in Infogrames´ Gruselabenteuer Alone in the Dark von 1992. Eine lange Tradition haben auch Spiele, in denen man im Lauf der Handlung zwischen weiblichen und männlichen Helden hin- und herwechselt, so beispielweise in Primal, Michel Ancels Beyond Good & Evil oder auch in Adventures der jüngsten Zeit wie Jack Keane oder Memento Mori. Meist agieren weibliche Helden in Computerspielen zudem gewitzt, selbstständig und souverän - von naiven “Dummchen“ keine Spur.

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Weibliche Reize ausspielen

Lula 3D (Bild: CDV)Lula 3D (Bild: CDV)Zwar gibt es immer wieder Versuche, den sexistischen Aspekt in Spielen in den Vordergrund zu rücken und damit die Abverkäufe anzukurbeln. Das funktioniert jedoch so gut wie nie: CDVs Lara-Kopie Lula (Wet, Wet Attack) und ihren Schwestern blieb der Durchbruch versagt. Die Spieler nahm das offensichtliche Bemühen, mit Hilfe von üppig dimensionierten Hauptdarstellerinnen über mangelnden spielerischen Inhalt und nicht vorhandenes Gameplay hinweg zu täuschen, eher peinlich berührt zur Kenntnis. Stattdessen sind sowohl Heldin April aus dem Adventure-Klassiker The Longest Journey als auch Lara Croft selbst als stilbildende Ikone durchaus beliebt - wie ließe sich sonst auch erklären, dass Frau Crofts Art, sich zu kleiden, seit Jahren auch in der Modebranche der realen Welt gerne zitiert wird? Die Heldinnen wirken selbstständig, intelligent und unabhängig - attraktiv und emanzipiert im besten Sinne. Kein Wunder also, dass Eidos´ Idee einer “frauenfreundlicheren“ Lara in der Spielergemeinde weitgehend auf Unverständnis stieß. Um der Reihe wieder höhere Verkaufszahlen zu bescheren, wäre wohl eher eine grundsätzliche Überarbeitung des mittlerweile ziemlich ausgeschöpften Spielkonzepts anstelle von etwas “Kosmetik“ an Laras Erscheinungsbild vonnöten.

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Fazit

Ein grundsätzliches Bedürfnis zur "frauenfreundlicheren" Gestaltung der Hauptdarsteller und Darstellerinnen ist schwer zu erkennen: Die Emanzipation vor und auf dem Computerspiele-Bildschirm hat dafür glücklicherweise bereits einen zu weiten Weg zurück gelegt. Daher sollten sich Entwickler und Publisher, statt an Äußerlichkeiten herumzudoktern, ganz einfach darauf konzentrieren, spannende und unterhaltsame Games zu kreieren, die über Charisma und Stil verfügen. Dann darf man sich auch sicher sein, dass sie von Männlein und Weiblein gleichermaßen gern gezockt werden.


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