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Spielekonsolen  

Das Sterben der Konsolen

20.02.2009, 10:37 Uhr | Medienagentur plassma / vb

Alex St. John (Bild: Promo)Alex St. John (Bild: Promo)Konsolen boomen wie nie - könnte man meinen: Nintendos Wii hat sich im Massenmarkt längst etabliert und dank Erfolgstiteln wie Wii Sports zur Lieblingsmaschine der “Casual Gamer“ gemausert. Hardcore-Zocker kommen mit den Next-Gen-Konsolen Xbox 360 und PS3 voll auf ihre Kosten und genießen dort Edelgrafik im High-Definition-Gewand. Ob Metal Gear Solid 4 auf Seiten der Sony-Konsole oder Fable 2 für die Microsoft-Maschine - die Zeiten, in denen Konsolen-Zocker neidisch auf die Grafikpracht von PC-Spielen schielen mussten, sind längst vorbei.

Auch trendige Musikspiele wie die Guitar Hero-Games oder die Karaoke-Software Singstar sorgen für enorme Umsätze. Trotzdem: Der dank Online-Vertrieb und neuartiger Abo-Lösungen à la World of WarCraft wesentlich flexiblere PC wird auf längere Sicht das Rennen machen - behaupten zumindest Branchen-Insider wie Alex St. John, Miterfinder der Grafikschnittstelle DirectX und heute Boss der erfolgreichen Onlinespiele-Firma Wild Tangent. Andere Experten sehen hingegen in komplett neuen „All in one“-Geräten die Entertainment-Maschine der Zukunft.

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Konsolen: populär, aber nicht rentabel

Xbox 360 MicrosoftXbox 360 (Bild: Microsoft)So technisch fortschrittlich und unter Zockern beliebt Xbox 360 und PS3 auch sind, von der eierlegenden Wollmilchsau kann man weder bei Microsoft noch bei Sony reden. „Die jetzige Generation von Konsolen ist die letzte in der Form, wie wir sie kennen“, sagt St. John in einem Essay für das Magazin "Making Games". Und führt als Grundlage für diesen Schluss an, dass der Markt für Konsolenhersteller zu wenig Profit abwirft und die Fertigungskosten für leistungsstarke Geräte immens sind. „Sony und Microsoft haben mit ihren Investitionen in die aktuelle Konsolengeneration Milliarden verloren, die sie nie wieder hereinholen werden (…). Warum also sollten sie jemals eine weitere Konsole entwickeln? Wenn Sony sagt, dass die Lebensdauer der Playstation 3 auf zehn Jahre angesetzt ist, dann meinen sie in Wirklichkeit, dass sie es schlicht nicht vertreten können, in absehbarer Zeit eine weitere Konsole zu produzieren. Wenn man Microsoft fragt, welcher Verantwortliche im Haus die nächste Generation der Xbox entwirft, erhält man keine Antwort.“

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Ausnahmefall Wii

Wii Nintendo SpielekonsoleWii (Bild: Nintendo)Die Ausnahme bestätigt bekanntlich die Regel, und das ist derzeit laut Alex St. John auch im Konsolenbereich so. Marktführer Nintendo freut sich als weißes unter den schwarzen Schafen dank seiner Wii-Konsole über hervorragende Verkaufszahlen. Und zwar aus dem Grund, weil man einen anderen Weg eingeschlagen hat: Die Wii-Hardware ist technisch kaum besser als die des Vorgängers Gamecube und deshalb im Herstellungsprozess wesentlich günstiger als die Konkurrenz-Konsolen. Dafür führte Nintendo mit der Wii-Fernbedienung neue Steuerungskonzepte ein, die genau den Nerv der Zeit treffen: Ob beim virtuellen Bowling, Boxen oder Tennis, Millionen von Menschen schwingen begeistert die Wiimote und freuen sich über die leichte Zugänglichkeit vieler Wii-Titel.

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Nutznießer PC?

Aufgeräumtes Innenleben: Gut für die Luftzirkulation (Bild: t.online.de)Aufgeräumtes Innenleben: Gut für die Luftzirkulation (Bild: t.online.de)„Am PC führt kein Weg vorbei“, sagt St. Johns. Dies begründet er nicht nur mit dem Mega-Erfolg von gebührenpflichtigen Online-Rollenspielen wie World of Warcraft, dessen dritte Erweiterung Wrath of the Lich King bei seiner Veröffentlichung Ende November 2008 sämtliche Verkaufsrekorde brach. „Die offene Struktur der Plattform PC erlaubt dem Spielemarkt, das antiquierte Einzelhandelsgeschäft mit seinen Spieleschachteln durch ein diversifiziertes Online-Modell zu ersetzen, das Ertrag aus einer Kombination aus Direktverkauf, Werbung, Gebühren und Mikro-Transaktionen erwirtschaftet.“ Das klassische PC-Spiel in der dicken Papp-Box gehört laut St. Johns also der Vergangenheit an, stattdessen wird sich der Markt immer mehr in Richtung Download-Verkauf orientieren.

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Online-Vertrieb wird immer wichtiger

Wow: Wrath of the Lich King (Bild: Blizzard)Wow: Wrath of the Lich King (Bild: Blizzard)Auch hier ist World of Warcraft Vorreiter: Wer will, kann sich das Spiel nebst aller bisher erschienenen Add-Ons direkt herunterladen und seinen Account auf jedem beliebigen PC oder Laptop nutzen. Und da im Konsolensektor seit jeher mit den Spielen und nicht den teuer herzustellenden Konsolen selbst Geld verdient wurde, haben es Sony & Co. nach St. Johns Ansicht zukünftig immer schwerer. „Der einzige Grund, warum Einzelhändler Konsolen erkaufen, ist die Erwartung, mit den Spielen Geld zu machen. Je mehr Spieler aber über das Internet vertrieben und an Online-Geschäftsmodelle wie Werbung oder Abogebühren verknüpft werden, desto stärker sinkt der Bedarf an klassischer Schachtelware - und entsprechend das Interesse daran, Konsolen im Einzelhandel zu verkaufen.“ St. Johns weiter: „Das ist genau das, was der Musikindustrie passiert ist (…). Ganze Regale voller CDs wurden durch ein paar iTunes-Karten ersetzt, die an der Kasse hängen.“

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Die Zukunft: Alles in einem?

Raffiniert: Das Netzteil am Boden des PC (Bild: t.online.de)Raffiniert: Das Netzteil am Boden des PC (Bild: t.online.de)Weder der PC noch die Konsolen sind die Zukunft, meint hingegen Sandy Duncan, ehemaliger Vice President von Xbox Europe. „Die Videospieleindustrie wird hauptsächlich von Technologie getrieben. Das Geschäftsmodell ist sehr riskant und die Kosten in Bezug auf das Entwickeln neuer Hardware unglaublich hoch.“ Laut Duncan wird sich in den nächsten Jahren die gesamte Industrie verändern. „Es gibt definitiv eine ‘Konvergenz’ mit anderen Geräten wie Set-Top-Boxen. Es gibt keinen besonderen technischen Unterschied zwischen einigen Festplatten-Videorekordern und zum Beispiel einer Xbox 360. Tatsächlich glaube ich nicht, dass wir in fünf bis zehn Jahren überhaupt noch eine Box unter dem TV-Gerät sehen. Denn das meiste Zeug wird ‘virtualisiert’ sein als Web-Services vom Content-Anbieter.“ Im Klartext meint Duncan, dass man in Zukunft statt einer Xbox 720 und einem zusätzlichen Blu-ray-Player nur noch ein einziges, mit dem Internet verbundenes Gerät besitzen wird, das alle möglichen Funktionen bietet: Spiele oder Filme können beispielsweise dank schneller Breitbandverbindung in wenigen Minuten abgerufen und sofort genutzt werden. Die meisten Services werden, so Duncan, virtualisiert ablaufen und von einem “Content Provider“ - etwa Sony oder Microsoft - per Web abgewickelt. Dies würde für Spiele-Publisher wie Electronic Arts, Activision oder Ubisoft bedeuten, dass auch diese ihr Geschäfts- und Vertriebsmodell anpassen müssten.

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Fazit

Die Spieleindustrie ist nicht zuletzt dank des Internets im Umbruch. Ob die klassische Konsole wirklich ausstirbt, das kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Denn so teuer die Next-Gen-Daddelkisten Xbox 360 und PS3 in der Herstellung auch sind, die Gamer greifen nach wie vor begeistert zu Spitzenspielen wie GTA 4, Call of Duty 5 oder dem aktuellen FIFA. Allein die deutschen Gamer haben im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr rund 25,5 Prozent mehr Geld für Games ausgegeben. Mit insgesamt 625 Millionen Euro Umsatz wurde ein neues Rekordergebnis erreicht. Den Grund für die positive Entwicklung sehen Marktforscher in den Konsolen: Wii, Xbox 360 und PS3 sind die Umsatztreiber der Branche geworden - letztlich auch, da alle über einen Online-Zugang verfügen und Spiele oder Zusatz-Inhalte verstärkt per Internet geladen werden. St. John behält in Punkt Blizzard allerdings ebenso recht: Mit Wrath of the Lich King, dem zweiten Add-On des für World of Warcraft (WoW), holte das Unternehmen souverän den ersten Platz der bestverkauften Titel. Platz zwei und drei gingen mit dem World of Warcraft-Hauptspiel und der ersten Erweiterung The Burning Crusade ebenfalls an Blizzard. Ob sich letztendlich der PC, die Konsolen oder gar ein neuartiges Rundumglücklich-Konzept durchsetzten wird, bleibt folglich abzuwarten. Sicher ist jedoch: Gespielt wird auch in den nächsten Jahren, denn der Bedarf an Games-Software war noch nie so hoch wie heute.


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