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Spiele auf dem Index: Jugendschutz in Deutschland

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Spiele auf dem Index: Jugendschutz in Deutschland  

"Das gehört doch verboten..."

14.04.2009, 17:15 Uhr | Medienagentur plassma / jr, t-online.de

Spiele auf dem Index (Bild: Activison / Montage: t-online.de )Spiele auf dem Index (Bild: Activison / Montage: t-online.de )Kaum ein Thema sorgt unter Computerspielern für so viel Wirbel wie Indizierungen. Deutsche Zocker fühlen sich oftmals bevormundet, wenn die für den Jugendschutz zuständige "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" (kurz: BPjM) ein neues Spiel auf die so genannte "Liste A" setzt und es damit aus dem freien Markt zieht. Doch was genau bedeutet es eigentlich, wenn ein Spiel indiziert wird? Und steht nicht auch im Grundgesetz, dass eine Zensur in Deutschland nicht stattfindet?

In den letzten Jahrzehnten haben es so einige "schwarze Schafe" auf den Index geschafft und den Jugendschützern der dem Familienministerium zugeordneten BPjM den Schweiß auf die Stirn getrieben. Doch pixelige 8-Bit-Kloppereien locken heutzutage keinen Jugendschützer mehr hinter dem Ofen hervor - das hat auch die BPjM erkannt. Also sind viele gescholtene Klassiker von damals mittlerweile wieder frei erhältlich. Wir stellen einige aktuelle und ältere Fälle der (Selbst-)Zensur und Indizierung vor, die manchmal berechtigt, oftmals diskutabel und gelegentlich einfach nur absurd sind.
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Foto-ShowSpiele auf dem Index

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Spiele-Prüfung

USK-Logo: Spiel nur für Erwachsene (Bild: USK)USK-Logo: Spiel nur für Erwachsene (Bild: USK)Ganz am Anfang prüfen die Experten der USK ein neues Spiel und geben am Ende eine Altersempfehlung ab. Diese wird vom Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) bei der USK entweder übernommen oder per Veto verworfen. Danach bekommt der Publisher das Prüfergebnis mitgeteilt. Wenn dieser nicht seinerseits Berufung einlegt und so eine erneute Prüfung auslöst, erhält das Spiel sein Alterskennzeichen durch den Ständigen Vertreter der OLJB. Diese Erteilung der Altersfreigabe ist ein rechtsverbindlicher Akt. Das bedeutet: Jedes Spiel darf nur gemäß dieser Maßgabe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Händlern, die gegen diese Regelungen verstoßen, drohen Ordnungsstrafen bis zu 50.000 Euro. Verweigert die USK einem neuen Spiel diese verbindliche Einstufung (also zumindest das rote Siegel mit dem Aufdruck "Keine Jugendfreigabe", die besagt, dass das jeweilige Game nur von Volljährigen gekauft werden darf), kann es zur Indizierung vorgeschlagen werden. Die Indizierung wird durch ein Fachgremium der BPjM ausgesprochen, in der neben den zuständigen Beamten auch Mitarbeiter von Jugendorganisationen, Künstler, Lehrer und Verbandsvertreter mitwirken. Das betroffene jugendgefährdende Spiel landet auf einer Liste, die öffentlich nicht zugänglich ist. Nur wer ein "begründetes Fachinteresse" vorweisen kann - also etwa Händler, Produzenten und Presse - darf die Liste einsehen. Der Grund dafür ist, dass man Werbeeffekte bei Kindern und Jugendlichen ausschließen will. Seit der letzten Jugendschutzgesetz-Änderung nach der Amok-Tat von Erfurt kann die BPjM auch in Eigeninitiative tätig werden. Allerdings darf sie einen Titel, der von der USK einmal eine Altersfreigabe erhalten hat, nachträglich nicht mehr indizieren - die einmal vergebene Kennzeichnung ist allgemeingültig und für einen Zeitraum von 25 Jahren bindend. Danach muss das indizierte Objekt wieder freigegeben oder neu geprüft werden.

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Warum wird indiziert?

Resident Evil (Bild: Capcom)Resident Evil (Bild: Capcom)Der Ausschlag gebende Grund für die Indizierung eines Spiels ist der angenommene Grad der Jugendgefährdung. Dafür nennt das Gesetz eine Reihe von interpretationsfähigen Merkmalen. USK und BPjM reagieren vor allem bei der Darstellung von Gewalt als sinnvollem Konfliktlösungsmittel, bei Selbstjustiz, bei detaillierter Mord- und selbstzweckhafter Gewaltdarstellung (etwa mit Hilfe der Ragdoll-Technik, die in Spielen physikalisch korrekt das Verhalten von Gegenständen und Körpern simuliert) allergisch. Wenn ein Gegner nach dem tödlichen Schuss lebensecht zusammensackt und mit seiner digitalen Leiche gar noch Unsinn getrieben wird, ist das ein sicherer Indikator für die drohende Indizierung. Auch die Verherrlichung des Krieges, das Zeigen staatsfeindlicher Symbole oder die Missachtung der Menschenwürde sind für die Prüfer der BPjM ein rotes Tuch. Die Folge: Weltkriegs-Shooter werden für den deutschen Markt angepasst; aus Hakenkreuz-Flaggen werden vorsorglich weiße Wimpel, aus Nazis schlichtweg “deutsche Soldaten“. Damit ein Spiel gar nicht erst auf den Index kommt, investieren die Entwickler viel Zeit und Geld in die “typisch deutschen“ Modifikationen. In manchen Games fallen nur marginale Details wie Grafikelemente der Schere zu Opfer, für andere Titel muss hingegen die komplette Hintergrund-Story neu geschrieben werden - weil aus den grimmigen Söldnern des englischen Originals in Deutschland plötzlich “Killer-Roboter“ geworden sind. Generell bringen die Publisher viele krasse Titel hierzulande gar nicht erst auf den Markt - oder eben in einer deutlich abgeschwächten Version.

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Spiele auf dem Index

Entgegen der vorherrschenden Meinung ist eine Indizierung nicht identisch mit einem Verbot. Insofern fällt der Zensur-Vorwurf schon einmal flach. Was beschränkt wird, ist der Zugang. Landet ein Spiel (oder Film oder Buch) auf dem Index, darf es nicht mehr frei beworben werden. Das bedeutet: Händler dürfen entsprechende Games weiterhin im Sortiment führen und legal verkaufen, allerdings nur gegen Nachfrage und Altersnachweis, quasi “unter der Ladentheke“. Das betroffene Game darf nicht ausgestellt oder angekündigt werden. Auch die "gegenstandsneutrale Werbung" (sprich: die Werbung selbst ist nicht jugendgefährdend) für ein indiziertes Games ist verboten. Klar, dass sich auf diese Art und Weise kein großer Umsatz machen lässt. Der Versandhandel mit indizierten Games ist ebenfalls verboten. Der übliche Ausweg, die Bestellung über das Internet, bietet auch nicht mehr Freiräume: Auch im Online-Vertrieb müssten die Händler über ein wirksames Altersverifikationssystem absolut sicherstellen, dass keine Kinder und Jugendlichen als Käufer auftreten können - in der Praxis mit vertretbarem Aufwand nicht zu leisten.

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Folgen für die Presse

GTA: Vice City (Bild: Rockstar North)GTA: Vice City (Bild: Rockstar North)Die Presse darf auch nach der Indizierung eines Spiels darüber berichten - das grundgesetzliche Privileg der Pressefreiheit gilt weiterhin, und alles andere wäre ja auch kontraproduktiv für die in einem demokratischen Gemeinwesen essentielle öffentliche und private Meinungsbildung. Doch es gibt Einschränkungen, die in der Berichterstattung zu beachten sind: Zum einen darf der Bericht nicht die Gewaltdarstellungen aus dem Spiel in Wort oder Bild übernehmen. Blutrünstige Screenshots und ein unkritisches Schwelgen und Splatter-Metaphern können dazu führen, dass der Bericht selbst indiziert wird. Auch darf der Pressebericht nicht als Werbung im juristischen Sinn angesehen werden. Bei einem kritischen und wahrheitsgemäßen Text kein Problem - selbst nicht bei einem positiven Fazit. Sehr wohl aber ein Problem, wenn das Auge des Gesetzes Interessenkonflikte von der Art erspäht, dass etwa das Presseorgan dem gleichen Konzern wie der Spiele-Produzent angehört oder dass in Zusammenhang mit der Berichterstattung Gewinnspiele ausgelobt werden. Wenn durch derartige geschäftliche Verquickungen die Grenze zwischen Werbung und redaktionellem Beitrag verschwimmt, kann man ganz schnell in den Fokus staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen geraten.

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Achtung bei Fansites

Was auf den oft liebevoll und mit viel Aufwand kreierten Fanseiten zu einem Spiel zu finden ist, gilt den Juristen als private Meinungsäußerung. Und auch dafür gilt das angesprochene Werbeverbot, wenn das betroffene Spiel auf dem Index gelandet ist. Auch eine "Sachliche Schilderung", die Medien ja weiterhin erlaubt ist, könnte hier problematisch werden. Laut gängiger Rechtsprechung gehört es zum Wesen einer Fanseite, für das jeweilige Spiel Begeisterung zu empfinden und beim Betrachter ebendieses Gefühl auch hervorrufen zu wollen. Da von einer kritischen Auseinandersetzung damit keine Rede mehr sein kann, wird automatisch eine werbende Absicht unterstellt. Der einzige Ausweg wäre hier eine geschlossene Benutzergruppe, weswegen sich aber wohl niemand der Mühe für den Pflege einer solche Seite unterziehen wird.



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