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Tetris wird 25 Jahre alt: Liebesgrüße aus Russland

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Liebesgrüsse aus Russland

04.06.2009, 15:02 Uhr | Volker Bonacker

Tetris NintendoTetris (Bild: Nintendo)Immer noch zum Bauklötze staunen: Tetris, das berühmteste Casual-Game der Welt, wird 25 Jahre alt. Nur wenige Spiele haben sich derart rasant und weit verbreitet wie der Puzzle-Titel des russischen Programmierers Alexej Paschitnow. Dabei erinnert die Story hinter dem Siegeszug des Klötzchenspiels eher an einen Hollywood-Thriller, gespickt mit Kommunisten ohne Erfahrung auf dem Games-Markt, Copyright-Problemen und zahlreichen tragischen Verlierern. Ein Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Videospielgeschichte.

Denkbar einfach

Alles beginnt im Jahr 1984 an der Wissenschaftsakademie in Moskau. Der damals 29-jährige Programmierer Paschitnow entwickelt dort angelehnt an das russische Brettspiel Pentamino die erste Tetris-Version. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Unterschiedlich aussehende, aber stets aus vier Quadraten bestehende Blöcke fallen einen Behälter hinab und müssen so gedreht werden, dass Reihen ohne Lücken entstehen. Diese verschwinden dann vom Spielbildschirm. Gibt es jedoch Lücken, türmen sich die Reihen mehr und mehr auf - am oberen Ende des Behälters angekommen, heißt es dann „Game Over“.

2

7 Kilobyte erobern den Ostblock

Tetris NintendoTetris (Bild: Nintendo)Ähnlich einfach wie das Spielprinzip war auch die Entwicklung: Die auf Pascal programmierte Version von Tetris hatte 1600 Zeilen Text und machte kompiliert gerade einmal 27 Kilobyte aus. Da es im Russland der achtziger Jahre kein Copyright gab, gehörte das Spiel der Gemeinschaft. Die es ziemlich schnell aufnahm: Auf 5,25 Zoll großen Disketten gelangt das Spiel bis Ungarn - wo es mit Robert Stein erstmals einem westlichen Vertreter der Gamesbranche in die Hände fällt. Und daraufhin einen Jahre dauernden Wirtschaftskrimi par excellence auslöst.

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Vom Coup zum Desaster

Tetris NintendoTetris (Bild: Nintendo)Stein bietet 10.000 Pfund Vorschuss - ohne zu verstehen, dass die Russen aufgrund des fehlenden Copyrights bislang nicht einmal daran dachten, mit Software Geld zu verdienen. Nun sind die Tetris-Macher überfordert und wollen Bedenkzeit - was Stein fatalerweise als Zusage wertet und die Vertriebsrechte an Tetris direkt weiterverkauft. Die damals bedeutende Maxwell Corporation schlägt zu, PR-Kampagnen für eine Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten und England werden geplant. Doch der sicher geglaubte Coup geht gründlich daneben, als sich die russische Elektronorgtechnica meldet - und die Pläne von Maxwell und einem halben Dutzend weiterer Firmen, die mittlerweile in den Vertrieb involviert sind, mit einem einzigen Telex zunichte macht. Elektronorgtechnica, kurz Elorg, ist die russische Lizenzvergabestelle für Software und bestellt Stein umgehend nach Moskau. Obwohl man ihm klar macht, dass seine Geschäfte illegal seien und man die Rechte nie verkauft habe, kommt es nach zähen Verhandlungen Steins zu einem Abschluss: Die Rechte für eine Computer-Version von Tetris gehen an Stein, Konsolen-Portierungen und Spielautomaten dagegen bleiben weiterhin in russischer Hand. Ein grober Fehler, denn nun entsteht genau hierüber ein Streit ungeahnten Ausmaßes.

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Die Gameboy-Legende

Nintendo GameboyGameboy (Bild: Nintendo)Tetris wird auf dem PC zum Hit. Wenig verwunderlich also, dass zahlreiche westliche Publisher an einer Lizenzierung für Konsolen interessiert sind. Erneut zitieren die Russen mehrere Vertreter nach Moskau, wo getrennt verhandelt wird. Der Gewinner ist Henk Rogers, ein US-Software-Spezialist. Denn der hat neben einem guten Verhältnis zu Paschitnow ein unschlagbares Ass im Ärmel: Nintendo. Die Japaner sind an einer Tetris-Version interessiert, um sie einem Gameboy benannten Handheld, an dem gerade gearbeitet wird, beizulegen. Der Rest ist Legende: Tetris wird auf dem Gameboy zum Verkaufshit, geht mehr als acht Millionen mal über die Ladentheken und verhilft der mobilen Spiele-Konsole zum absoluten Durchbruch.

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Kehrseite der Medaille

Doch kein Licht ohne Schatten: Auf der Verliererseite stand zunächst Atari. Das US-Unternehmen hatte darauf gebaut, dass Maxwell die Konsolen-Rechte ergattert und bereits mit der Entwicklung einer eigenen Tetris-Version begonnen. Nun standen die Amerikaner ohne Lizenz da - und hatten Millionen Dollar versenkt. Zuletzt jedoch ist der wohl größte Verlierer von allen Beteiligten Paschitnow selbst. Der Mann hinter dem zur Legende gewordenen Spiel hat bis 1996 keine Gewinnanteile oder Zahlungen bekommen. Nachdem er 1991 in die USA ausgewandert war, arbeitete Paschitnow nach dem Ende seiner eigenen Firma lange für Microsoft, wo er unter anderem das Casual-Game Hexic entwickelt hat. Betrogen fühlt er sich auch nach all den Jahren nicht. In einem 2007 geführten Interview hatte er nur eine Botschaft: „Genießt das Spielt, schämt euch nicht zu spielen, egal was eure Eltern oder Freunde oder Verwandte oder sonst wer sagt: Genießt jede Minute, die ihr spielend verbringt!“


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