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Videospiel-Figuren auf dem Weg nach unten

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Kaputte Helden

26.10.2009, 12:53 Uhr | Richard Löwenstein / tz

Lara Croft (Montage: t-online.de)

Was ist nur mit unseren Helden los? Gibt´s keine strahlenden Ritter in goldener Rüstung mehr - wollen sie keine Vorbilder mehr sein? Wer Bilder von aktuellen Actionspielen sieht, muss das glauben. In Max Payne 3 tauscht der Vorzeige-Cop Max seine Lederjacke gegen ein verdrecktes Doppelripp-Unterhemd. Und der frühere Top-Agent Sam Fisher aus dem kommenden Agenten-Abenteuer Splinter Cell: Conviction? Wirkt um Jahre gealtert, zynisch und brutal. Ja, selbst die strahlende Actionlady Lara Croft soll in ihrem kommenden Tomb Raider-Abenteuer, dem neunten, ein Schritt zurück machen und als verdreckter und verwahrloster Teenager Schätze jagen. Die einst makellosen Helden verkommen, werden zu verbitterten und ausgebrannten Figuren. Sie halten sich an keine Regel mehr, kehren alten Freunden den Rücken, bekämpfen die Dämonen im eigenen Leib. Warum?


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Splinter Cell: Double Agent (Montage: Gamesload)

Absturz mit Methode

Die Wandlung von der strahlenden Heldenfigur zum abgehalfterten Outlaw hat Methode. Die gleiche Figur immer wieder in ähnliche Abenteuer zu schicken, ist langweilig. Irgendwann sind alle Geschichten erzählt. Jetzt suchen Videospiel-Hersteller Wege, um ihren Figuren, die sie über Jahre populär gemacht haben, neues Leben einzuhauchen. Sie wollen das Interesse mit neuen Geschichten wach halten. So kommt es, dass sich Helden verändern. Vorangegangene Einsätze haben Spuren hinterlassen, Narben auf der Haut, Schmerzen in der Seele. Das wirkt menschlich, macht die Super-Männer sympathischer und gibt dem Spieler die Möglichkeit, sich besser mit ihnen zu identifizieren. Denn sein wir ehrlich: Wer ist schon perfekt? "Es ist Teil einer Evolution", erklärt der stellvertretende Entwicklungsleiter Jeronimo Barrera von Rockstar Games im Gespräch. "Als der erste Teil der Max Payne-Reihe erschien, war das Spiel technisch ausgereift, sah gut aus und machte Spaß. Die Technik funktioniert also. Seit diesem Zeitpunkt können wir an anderen den Elementen arbeiten, kümmern uns mehr um die Erzählung und um die Entwicklung des Helden."



Antiheld von Geburt an

Dazu kommt die Rolle aktueller Grafiktechnologien. Nichts ist schwieriger für einen Gamedesigner, als die glaubwürdige Darstellung eines Menschen. Das gilt zumindest für das Actiongenre, wo alles schnell gehen muss. Erst seit kurzer Zeit gelingt diese Portraitierung halbwegs; erst jetzt ist es möglich, auch äußerlich die charakterlichen Nuancen auf den Bildschirm zu bringen, die einen richtigen Kerl ausmachen. Nico Bellic aus Grand Theft Auto IV oder Luis Fernando Lopez aus der neue GTA-Episode The Ballad of Gay Tony zum Beispiel. Keine Kämpfer für Gesetz und Ordnung, sondern Kriminelle mit eigenem Kodex, Figuren, die über die Runden kommen wollen. Ihre Wandlung zum "Good Guy" ist nicht möglich und auch nicht vorgesehen. Doch gerade das macht sie greifbarer, nahbarer und zugleich menschlicher. Ein Blick in die Charts und auf Spiele-Verkaufszahlen belegt außerdem, dass böse Buben Bestseller sind. Das mag sicherlich ein weiterer Grund dafür sein, dass sich ab 2010 sogar eine Lara Croft dreckig gibt. In einer ausführlichen Fotoshow nehmen wir einige der krassesten Niedergänge der Videospiel-Kultur unter die Lupe - und zeigen auf, das Helden auch nur Menschen sind.

 

Fazit

Abgestumpft, zynisch, ausgebrannt, das sind Adjektive, mit denen sich keiner gerne schmückt. Doch den coolen Typen sind sie manchmal auf den Leib geschneidert, denn sie lassen uns ihre Abenteuer noch realer erscheinen. Goldene Rüstungen wird es wohl nach wie vor geben, doch schon der der amerikanischer Schriftsteller Tennessee Williams wusste die Wahrheit über Helden: "Die wahren Helden leben 24 Stunden am Tag. Und nicht nur zwei Stunden in irgendeinem großen Spiel.“



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