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Heavy Rain: Krimi-Abenteuer von Quantic Dream für PS3

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Test Heavy Rain | Krimi-Adventure | PS3  

Nackte Haut im Dauerregen

15.11.2012, 16:56 Uhr | (as / jr), Richard Löwenstein, t-online.de

Heavy Rain: Krimi-Abenteuer von Quantic Dream für PS3. Heavy Rain (Quelle: Sony)

Heavy Rain (Quelle: Sony)

Wenn das französische Studio Quantic Dream alle Jubeljahre ein Spiel produziert, dann ist es meist etwas Besonderes. Das galt für das 2005 veröffentlichte Fahrenheit und gilt auch für das Krimi-Abenteuer Heavy Rain, das exklusiv für PS3 erhältlich ist. Das Game bietet nicht nur eine spannende Handlung und Figuren, die man ins Herz schließt, sondern schafft etwas, das nur wenige Spiele vermögen: Es sprengt die Grenze zwischen Film und Videospiel. Heavy Rain weckt Gefühle auf so stilsichere, seriöse Art und Weise, dass sich auch erwachsene Spieler ernst genommen fühlen. Das hier ist düster, emotional, reif: Hollywood zum Mitspielen.

Heavy Rain: Leckerbissen für Hobby-Ermittler

Das Ganze beginnt harmlos: Man begleitet die vier wechselnden Charaktere - den Architekten Ethan Mars, die Journalistin Madison Paige, den Privatdetektiv Scott Shelby und den FBI-Agenten Norman Jayden - durch den Alltag. Lernt sie in aller Ruhe und Ausführlichkeit beim Duschen, Rasieren und anderen Nebensächlichkeiten kennen, bevor es richtig los geht. Denn die heile Welt, in der zum Beispiel Vater und Sohn im Garten balgen, findet ein jähes Ende, als der Regen einsetzt. In diesem herbstlichen Szenario schlägt der "Origami-Killer" zu. Seine Opfer sind stets kleine Jungs zwischen neun und 13 Jahren. Wenn sie wenige Tage nach ihrem Verschwinden ertrunken aufgefunden werden, immer mit einer aus Papier gefalteten Figur bei sich, nimmt eine düstere Geschichte voll verzweifelter, kaputter Charaktere ihren Lauf. Zentral darin sind Stimmungen wie Hass, Trauer und auch Liebe. Schon hier setzt Heavy Rain Maßstäbe, denn selten war ein Spiel so beklemmend und düster - selbst Horror-Granden wie Silent Hill wirken hiergegen kindisch und naiv.

Abwechslungsreichtum

Zunächst wird die Geschichte um den Origami-Killer in kleinen Häppchen erzählt, jede Szene dauert kaum länger als 15 Minuten. In jedem Abschnitt übernimmt ein anderer Charakter die Hauptrolle. Das zeigt verschiedene Blickwinkel und ist abwechslungsreich. Das Gameplay ist einzigartig. Die Spielfigur bewegt sich, wenn man die R2-Taste auf dem Controller gedrückt hält. Der linke Stick ändert die Blickrichtung. Mit Tastenkombinationen oder Stick-Drehungen, auf die per Bildschirmsymbol hingewiesen sind, ahmt man Aktionen wie das Öffnen von Türen nach. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber schon bald erscheinen die Bewegungen logisch und gehen leicht von der Hand. In gefährlichen Spielsituationen ist oft eine schnelle Reaktion gefragt. Hier gilt es, teils recht komplizierte Tastenfolgen rechtzeitig zu drücken, soll die gewünschte Aktion nicht scheitern. Doch keine Panik: Heavy Rain kennt keinen "Game Over"-Bildschirm, sondern bindet die dramatischen Geschehnisse geschickt in die Handlung ein und erzählt die Geschichte weiter. Geht eine Aktion also daneben, nimmt die Story einen anderen Lauf. Dadurch entstehen bei jedem Durchspielen neue Geschichten, die Handlung kann sich so oder so entwickeln.

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Wer spielt mit wem?

Diese Freiheit in der Erzählung ist es, die Heavy Rain zu einer derart komplexen Angelegenheit macht. Denn was auf den ersten Blick nach der richtigen Wahl aussieht, bringt im weiteren Verlauf mitunter dramatische Konsequenzen mit sich. So entsteht ein dauerhaftes Gefühl der Ungewissheit. Steht das Schicksal der Figuren vielleicht schon fest und ist jede Handlung damit zwecklos? Weiß man wirklich alles über ihre Absichten und was sie mit ihrem Handeln bezwecken? Die Entwickler lassen hier bewusst Lücken. Die Entscheidung darüber, was zu tun ist, bleibt dem Spieler allein überlassen. Das hebt die Form des interaktiven Erzählens, die Quantic Dream mit Fahrenheit erstmals auf den Bildschirm zauberte, auf eine ganz neue Stufe. Bisweilen wirkt Heavy Rain mehr wie das Spiel zu den Hard-Boiled-Krimis von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett, allerdings ohne die Gewalt-Komponente. Geschossen wird nämlich selten, die Konflikte im Spiel finden viel mehr in den Köpfen der Charaktere - und damit den Spielern, die sie lenken - statt. Auch dabei jonglieren die Entwickler ein ums andere Mal mit den Gefühlen der Gamer. Es stellt sich die Frage, wer hier mit wem spielt.

Was wir mögen

Die Charaktere wirken lebensecht und besitzen einen hohen Sympathiewert - nicht zuletzt dank der hübschen Hingucker-Grafik. Die zahlreichen Dialoge wurden hervorragend eingedeutscht. Die vielen verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel bescheren unzählige unterschiedliche Verläufe der Story. Als kleines Schmankerl kann man im Verlauf der Handlung Boni wie Konzeptzeichnungen und "Making of"-Videos freispielen.

Was wir nicht mögen

Zwar bietet Heavy Rain vier Schwierigkeitsgrade, wirklich herausfordernd ist aber keiner davon. Hin und wieder fallen technische Schwächen ins Auge - vor allem Bewegungen wirken manchmal etwas steif. Einige Spieler dürften sich von den vielen Reaktionstests auf Dauer genervt fühlen.

Fazit

Heavy Rain bringt die nötige Reife und Qualität mit, um auch Erwachsene so richtig zu fesseln. Da sieht man gerne über die ab und an auftretenden Technik-Schwächen - ungelenke Animationen zum Beispiel - hinweg. Dieses Spiel ist eine Gefühls-Achterbahn zwischen den Polen Thriller und Drama und sprengt dabei die Grenzen dessen, was man bislang unter dem Begriff "Spiel" subsumiert hat. Einen derart erwachsenen, anspruchsvollen Titel, der einerseits erfrischend klischeefrei daherkommt und auf der anderen Seite beklemmend wie kaum ein Game zuvor ist, findet sich derzeit weder auf PC noch auf anderen Konsolen. Heavy Rain ist für jeden empfehlenswert, der rund zwölf Stunden lang ganz großes Kino erleben mag, das auch lange, nachdem der Abspann über den Bildschirm geflimmert ist, noch nicht loslässt.

Infos zum Spiel

Titel: Heavy Rain
Genre: Krimi-Abenteuer
Publisher: Sony
Hersteller: Quantic Dream
Release: Im Handel
Preis: zirka 60 Euro
System: PS3
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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