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Microsoft verblüfft mit Fuchtel-Interface

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Project Natal für Xbox 360 | Spielkonsolen | Microsoft  

Microsoft verblüfft mit Fuchtel-Interface

11.05.2010, 13:39 Uhr | Christian Stöcker / as, Spiegel Online

Microsoft verblüfft mit Fuchtel-Interface. Project Natal (Bild: Microsoft)

Computer und Elektronik werden noch immer bedient wie in der Technik-Steinzeit. Nun will Microsoft mit Project Natal für die Xbox 360 Gestensteuerung vor den Fernseher bringen. "Spiegel Online" hat das Fuchtel-Interface ausprobiert - und in die Zukunft geblickt.

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Intuitive Bedienung

Der Moment, der wie ein Blick in die Zukunft wirkt, ist dieser: Auf dem Bildschirm ist nichts zu sehen außer einem Schieberegler, ein kugeliger Schalter in der Mitte, je eine Schiene rechts und links. Steht ein Spieler vor dem Fernseher und hebt die Hand, erscheint auf dem Schirm ein bierdeckelgroßer Kreis. Dieser Cursor folgt präzise den eigenen Handbewegungen. Es fühlt sich innerhalb von Sekundenbruchteilen richtig und sinnvoll an, den Kringel mit der Hand zu steuern, schließlich den Schaltknubbel zu "greifen" und nach rechts oder links zu schieben. Wie Tom Cruise in "Minority Report". Als gebe es eine unsichtbare Verbindung zwischen Hand und Bildschirm.

Kontakt zwischen Mensch und Maschine

Ausgerechnet Microsoft hat womöglich ein Problem gelöst, das Entwickler und Nutzer von Unterhaltungs- und Informationselektronik schon lange nervt: Computer können uns heute fast alles zeigen, wir aber sind nach wie vor auf umständliche Prothesen angewiesen, um uns ihnen verständlich zu machen. All die fantastischen Entwicklungen auf der Ausgabeseite - fotorealistische Grafiken, 3D-Landschaften, digitale Aufzeichnung und Wiedergabe, Internet auf dem Fernseher, kristallklarer Digitalsound - haben auf der Eingabeseite so gut wie keinen Widerpart gefunden. Wir drücken auf Fernbedienungen herum, schieben Mäuse hin und her, hämmern auf Tastaturen ein, wie vor 30 Jahren.

Sinnvoller als Touchscreens

Nintendos Wii und die rasante Verbreitung von Touchscreen-Geräten haben dem Zwiegespräch zwischen Mensch und Maschine zwar ein bisschen mehr Eleganz verliehen. Aber für die Wii-Bedienung muss man immer noch ein Stück Plastik in der Hand halten. Touchscreens sind zwar praktisch, aber immer fettverschmiert. Außerdem lassen sie sich nur in manchen Lebenslagen sinnvoll nutzen: Auf dem Schreibtisch stehend sind sie bloß Trainingsgeräte für die Schultermuskulatur, Touch-Funktionen auf Fernsehgeräten einfach Humbug - wer will schon vom Sofa aufstehen, um den Sender zu wechseln? Microsoft schickt sich nun an, den Dialog zwischen Schirm und Sofasitzer auf eine neue Stufe zu heben. Die Bewegungssteuerung mit Arbeitstitel Project Natal für Xbox 360 könnte es schaffen: Interaktive digitale Medien so auf den Fernseher bringen, dass man sie dort tatsächlich nutzen will.

Release im Oktober?

Auf der Videospielmesse E3 im Juni in Los Angeles will der Konzern die ersten Anwendungen und Spiele für Natal präsentieren, gerade erst hat ein Microsoft-Manager aus Saudi-Arabien ausgeplaudert, dass das System im Oktober auf den Markt kommen soll. Und dazu, glaubt man Gerüchten, eine neue kleinere, hoffentlich auch leisere Version der Spielkonsole Xbox 360. Bislang macht die Konsole so viel Krach, dass sie als Wohnzimmergerät für Nicht-Gamer nur wenig geeignet ist. Gedacht ist auch Natal in erster Linie für Videospiele, als Antwort auf den Erfolg von Nintendos Wii, als Konkurrent für Sonys ebenfalls für die E3 heiß erwartetes Bewegungskonzept mit dem Namen Move. Sony und Nintendo haben sich aber, anders als Microsoft, vom Videospiel-Controller nicht verabschiedet: Beide Systeme kommen nicht ohne ein Stück Plastik in der Hand aus.

Freihändig spielen

Microsofts Ansatz dagegen ist puristisch: Ein komplexes System aus Kameras, Infrarotsensor und Mikrofonen soll die Lage des Spielers und einzelner Körperteile im Raum erfassen, freihändig gewissermaßen. In einem ersten Test funktionierte das bereits erstaunlich gut: Ein auf dem Bildschirm dargestellter Avatar folgte jeder Körperbewegung des Spielers mit nur sehr geringer Verzögerung. Tritt ein zweiter Spieler neben den ersten, wird auch seine Körperposition innerhalb von Sekunden erkannt. Das nur zur Demonstration mitgebrachte Spiel ist eine Breakout-Variante namens "Ricochet": Mit dem Körper, Armen, Beinen oder auch dem Kopf müssen Bälle gegen einen Wand geschubst und aufgestapelte Kisten abgeschossen werden. Das funktioniert ordentlich, wenn auch nicht völlig verzögerungsfrei, bringt einen auf jeden Fall ins Schwitzen.

Facebook-Bilder mit einem Wedeln durchblättern

Besonders beeindruckend an Natal aber ist, so seltsam das klingt, die Bedienung der Menüs: Die Bewegung eines Cursors mit bloßen Händen, das Auswählen und Aktivieren von Menü-Objekten klappt so intuitiv, als habe man seinen Fernseher schon immer so bedient. Bei Bedarf soll das System nicht nur die Bewegungen der Gliedmaßen, sondern auch die einzelner Finger erfassen können, Stimmen im Raum lokalisieren. Eine einfache Gesichtserkennungssoftware soll es außerdem ermöglichen, jedem Spieler gleich das richtige Benutzerkonto zuzuweisen. Von Anfang an soll Natal als Eingabemöglichkeit für die gesamte Xbox-Benutzeroberfläche einsetzbar sein. Das würde heißen, dass man künftig etwa seine Facebook-Bildergalerien mit einem Handwedeln durchblättern könnte. Nahezu jede bereits erprobte Eingabemethode für Touchscreens ließe sich mit dieser Technologie gewissermaßen in den Luftraum über dem Couchtisch verpflanzen. Warum nicht Internet-Landkarten mit Handbewegungen über den Fernsehschirm schieben, mit Fingergesten hineinzoomen? Online-Shops oder Videodateien durchblättern? Filme starten und stoppen, Ausschnitte vergrößern?

Andere haben ähnliche Ideen - aber nicht Microsofts Marktmacht

"Control everything by touching nothing", alles kontrollieren, ohne irgendetwas zu berühren - so formuliert es Janine Kutliroff. Die arbeitet allerdings nicht bei Microsoft, sondern ist die Chefin des Start-Ups "Omek Interactive" aus Israel. Das Unternehmen entwickelt eine Technologie, die Ähnliches leisten soll wie Microsofts Natal - aber basierend auf 3D-Webcams und normaler PC-Hardware. Omek strebt an, seine Technologie an die Hersteller von Fernsehern, Settop-Boxen und anderen Unterhaltungselektronikgeräten zu lizenzieren. Konkurrenz gibt es also, andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Konzepten - die Marktmacht von Microsoft allerdings hat keines von ihnen. Bleibt die Frage, wie viel Konsolenrechenkraft Natal wirklich braucht, wie viel es für sich genommen kosten müsste.

Der Konkurrenz voraus

Der Windows-Konzern ist den Konkurrenten Sony und Nintendo in diesem Fall voraus - zumindest was die Breite der Anwendungsmöglichkeiten angeht. Es ist durchaus möglich, dass Sonys Move Bewegungen präziser und schneller erfasst als Natal es kann, weil Sonys Technologie auf Bewährtem aufsetzt: Der Erfassung eines bestimmten, klar definierten Objektes im Raum, nämlich einer beleuchteten Kugel am Controller-Ende. Zudem haben sowohl der Wii- als auch der Move-Controller den Vorteil, dass man sie eben mit Knöpfen bestücken kann, um die zeitlich hochpräzisen Eingaben zu machen, die Videospiele von heute oft erfordern.

Kontrolle für Menschen, die sich lieber wenig bewegen

Für mindestens zwei Gruppen aber wird Microsofts Kandidat aber der attraktivste sein: Menschen, die vor allem auf der Suche nach einem persönlichen Trainer fürs Wohnzimmer sind - und Nichtspieler. Für alle Fernsehsportler sind Wii-Controller, Balance Board, Sonys Konsolenkamera und all die anderen Bewegungsmelder derzeit lästige Krücken. Natal kann ohne zusätzlichen Schnickschnack erfassen, ob die Rumpfbeuge korrekt ausgeführt wurde, die Haltung beim Aufwärtskick wirklich korrekt war. Das größte Geschenk aber dürfte die Bewegungssteuerung für all jene sein, die sich lieber wenig bewegen: Jeder Couchkartoffel könnte Natal ermöglichen, mit der Medienzentrale im Wohnzimmer künftig fast ebenso präzise und vielseitig zu interagieren wie mit einem Computer - ohne ein Stück Plastik in der Hand halten zu müssen.

Den Technikvorsprung wahren

Microsoft müsste sehr schnell handeln, um sein offenbar marktreifes, aber auf die Spielkonsole beschränktes Produkt zum neuen De-Facto-Standard zu machen. Das aber würde bedeuten, dass das eigene System erstens auch ohne subventioniere Hardware erschwinglich sein müsste - und dass der Konzern aus Redmond das Baby seiner Spieleabteilung sehr schnell hinaus in die weite Welt der Unterhaltungselektronik entlassen müsste. Eins ist sicher: Der Kampf ums Wedel-Interface fürs Wohnzimmer hat begonnen.

 

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