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Microsoft hat "aggressive Ziele" für Europa

21.06.2010, 15:47 Uhr | cis / vb, Spiegel Online

Microsoft hat "aggressive Ziele" für Europa. Gears of War 3 von Epic für Xbox 360

Microsofts Xbox 360 hat es in Deutschland nicht leicht. Manche Blockbuster-Spiele für die Konsole sind zu brutal für den hiesigen Jugendschutz, das Action-Image der Konsole hält Käufer fern. Nun hofft man hierzulande auf Besserung - doch gerade jetzt verkauft sich Sonys Konkurrenzkonsole bestens.

Cliff Bleszinski kennen in Deutschland nur wenige Eingeweihte. Als der Spieleentwickler jedoch vergangene Woche die Bühne der Microsoft-Pressekonferenz bei der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles betrat, brach das Publikum in Jubel aus. In den USA ist Bleszinski ein Star - denn sein Studio Epic Games produziert mit der "Gears of War"-Serie einen Mega-Blockbuster nach dem anderen. Sogar in Japan verkaufen sich die Titel, in denen stets voluminöse SciFi-Marines gegen vielgestaltige Alien-Monster kämpfen. Eine ihrer Waffen dabei ist ein Gewehr mit einem sehr speziellen Bajonett, einer mit dem Lauf verbundenen Kettensäge, mit der sich Gegner im Nahkampf entzweisäbeln lassen. So etwas mag der deutsche Jugendschutz gar nicht - "Gears of War" kam hierzulande deshalb erst gar nicht erst auf den Markt, und auch der dritte Teil der Serie wird deutschen Gamern nicht als legal verkäufliches Produkt zugänglich sein.

Image-Problem

Für Oliver Kaltner, bei Micorosoft fürs deutsche Geschäft mit der Xbox 360 zuständig, ist das Beispiel "Gears of War" Teil seines Problems: Die Xbox 360 hat ein - in den USA sehr erfolgreiches - Action-Image. Die überwiegend jungen, männlichen Spieler lieben Shooter, warten sehnsüchtig auf Spiele mit Online-Multiplayer-Möglichkeiten. Doch einige Toptitel werden in Deutschland eben gar nicht erst vertrieben, andere verkaufen sich hierzulande nicht ganz so gut wie in anderen Märkten.

Jetzt aber soll sich das Image der Konsole ändern, und Kaltner hofft auch auf Unterstützung aus dem eigenen Haus. Wenn die neue, kleinere, leisere Xbox kommt und die Bewegungssteuerung namens Kinect, soll sich das Xbox-Image in Deutschland ändern. "Das Geräusch war natürlich auch ein zentrales Thema", erklärte Kaltner im Gespräch mit "Spiegel Online". Ebenso wichtig sei aber die Positionierung der Xbox 360 als familien- und wohnzimmertaugliche Konsole, als sozialer Knotenpunkt.

Auf dem Weltmarkt liegt Nintendo weiter weit vorne

Mit farbenfrohen bis kindgerechten Titeln wie "Kinectimals" (einer Art "Nintendogs" für den Wohnzimmerfernseher) und "Kinect Adventures" will Microsoft der auch hierzulande extrem erfolgreichen Nintendo-Konsole Wii Marktanteile abnehmen. Im Moment ist die Xbox 360 hier die Nummer drei hinter Wii und Playstation 3 - in Wahrheit wohl sogar die Nummer vier, wenn man Sonys Playstation 2 mitzählt, die immer noch in vielen Haushalten steht und für die sich Partytitel wie "Singstar" und "Buzz" immer noch verkaufen.

Im weltweiten Vergleich sieht die Sache anders aus: Mit 71,6 Millionen verkauften Exemplaren liegt Nintendos Wii auf dem Weltmarkt weiterhin unangefochten vorn. Dem Branchendienst "VGChartz" zufolge hat Microsoft bislang gut 40 Millionen Xbox 360-Konsolen verkauft, Sony aber nur gut 35 Millionen PS3s. Die PS3 verkauft sich derzeit jedoch sowohl weltweit als auch in Europa besser als die Xbox 360. Sony holt also auf, wohl nicht zuletzt, weil der integrierte Blu-ray-Player der Konsole mit wachsendem Angebot im HD-Format auch für Mainstream-Käufer interessanter wird.

"Aggressive Ziele für Europa"

Sein nächstes Ziel sei aber, hierzulande auf Platz zwei zu kommen, sagt Microsoft-Manager Oliver Kaltner, und dazu hofft er auch auf Unterstützung aus dem Mutterhaus. Um die neue Hardware dürfte es innerhalb des Konzerns zu Beginn erst einmal Verteilungskämpfe geben, Kaltner hofft auf ordentliche Stückzahlen, um am deutschen Markt Boden gutzumachen. Xbox-Europachef Chris Lewis verriet dem Branchendienst "Gamesindustry.biz", es gebe verstärkten Druck aus den USA, im europäischen Markt mit dem aufpolierten System zu reüssieren. Xbox-Chef Don Mattrick sei "nicht zurückhaltend, was aggressive Ziele für Europa angeht, weil er weiß, dass wir jetzt mehr als je zuvor die richtigen Angebote für unser Publikum hier haben." Die Konsole sei gerade erst "in der Mitte ihres Lebenszyklus angekommen", man habe "weitere fünf Jahre mit dieser Generation" vor sich. Dazu aber braucht man zusätzliche Marktsegmente.

Das neue Image der Familienkonsole soll auch die Videochat-Funktion befördern, die Kinect mitbringt: Bildtelefonie von Sofa zu Sofa, mit der Möglichkeit, parallel Fotos auszutauschen oder gar gemeinsam Filme oder TV-Sendungen anzusehen, das soll die verteilten Großfamilien unserer mobilen Gesellschaft zumindest virtuell näher zusammenbringen. Wegen des zweifelhaften Rufes von Videochat-Anwendungen, die gerne mal für eher nicht jugendfreie Arten von Kommunikation verwendet werden, macht sich Xbox-Live-Chef Marc Whitten keine Sorgen. Kinder, die sich mit ihrem Profil an der Konsole anmeldeten, würden standardmäßig keinen Zugang zu dem Dienst haben, erklärte Whitten auf Nachfrage von Spiegel Online. Für alle Nutzer werde voreingestellt sein, dass sie zunächst nur den eigenen Xbox-Live-Freundeskreis als Videochat-Kontaktliste sehen könnten.

Hausinterner Streit über die Preisvorgabe für Kinect?

Xbox Live hat nach Microsofts Angaben weltweit derzeit 25 Millionen Nutzer - eine nach wie vor ziemlich kleine Klientel, wenn man das Netzwerk mit Internet-Communitys wie Facebook mit seinen über 400 Millionen Nutzern vergleicht. Doch der Großteil der Xbox-Live-Kunden zahlt: Das Abo für Online-Spiele, Video- und Musik-Downloads, Twitter-, Facebook- und andere Funktionalitäten ist kostenpflichtig. Im Gegensatz zu Sonys Konsolennetz: Das ist kostenfrei, solange man keine Filme oder Musik herunterladen möchte.

Geld werden die Kunden selbstverständlich auch investieren müssen, um in den Genuss der neuen Bewegungssteuerung zu kommen, wieviel aber hat Microsoft noch nicht verraten. Die Videospiel-Analysten Michael Pachter und Edward Woo mutmaßen, es gebe derzeit einen internen Konflikt im Hause Microsoft. Ein Lager wolle den Kinect-Preis bei etwa 100 Dollar ansetzen, ein weiteres Lager fordere einen Eingangspreis von 150 Dollar. Letzterer, fürchten die Analysten, könne jedoch "Verkäufe ernstlich einschränken". Den Selbstkostenpreis für Kinect schätzen Pachter und Woo auf etwa 70 US-Dollar.

Sony attestieren die beiden für sein Konkurrenzsystem Move eine unübersichtliche Preispolitik - die diversen Gerätschaften, die für das Bewegungssteuerungs-System Move notwendig sind, können einzeln oder in Paketen erworben werden. Insgesamt wird man für eine Move-Ausrüstung für zwei Spieler hierzulande wohl etwa 160 Euro ausgeben müssen.

Die Softwarehäuser stützen die neuen Bewegungs-Systeme zwar überwiegend mit eigenen Titeln - viel versprechen sie sich in diesem Jahr aber noch nicht von diesem Markt. Frank Gibeau, Chef der Games-Sparte des Branchenriesen Electronic Arts (EA), sagte Spiegel Online, er rechne nicht mit allzu substantiellen Verkäufen - man plane hier aber langfristig. Das beste an den neuen Eingabesystemen sei für Dritthersteller wie EA, dass sich der Lebenszyklus bereits vertrauter Hardware verlängere: "Unsere Entwickler müssen sich nicht auf eine neue Prozessorarchitektur einstellen." Diesen Effekt nimmt mit Sicherheit auch der derzeitige Marktführer Activision gerne mit - ohne aber sein Scherflein beizutragen. Activision-Chef Bobby Kotick, für knallharte Kalkulationen berüchtigt, hat entschieden, derzeit keine Bewegungsspiele entwickeln zu lassen - weder für Move noch für Kinect. Der Markt, war zu hören, solle lieber erstmal ohne Activisions Hilfe wachsen.

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