Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Ubisoft-Chef Yves Guillemot über Bewegungssensoren, Raubkopierer und Shooter-Schwund

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ubisoft-Chef Yves Guillemot im Interview  

"Es ist ein guter Kampf"

05.07.2010, 15:46 Uhr | Christian Stöcker / jr, Spiegel Online

Ubisoft-Chef Yves Guillemot über Bewegungssensoren, Raubkopierer und Shooter-Schwund. Ubisoft-Chef Yves Guillemot (Bild: Ubisoft)

Ubisoft-Chef Yves Guillemot (Bild: Ubisoft)

Neben Activision und EA ist das französische Unternehmen Ubisoft der dritte Software-Gigant der Spielebranche. Konzernchef Guillemot sprach mit Spiegel Online über Bewegungssensoren, den Kampf mit Raubkopierern, wütende Kunden - und kündigte einen Shooter-Schwund an.

Nach Nintendo haben nun auch Sony und Microsoft Systeme zur Bewegungssteuerung vorgestellt. Ist es für einen Softwarehersteller wie Ubisoft nicht lästig, nun drei verschiedene Technologien bedienen zu müssen?

Yves Guillemot: Das ist eine Riesenchance. Dass die Hersteller diese Technik jetzt nutzen, ist für uns sehr wichtig. Wir haben schon zwei Jahre vor Microsofts Ankündigung mit der 3-D-Kamera zu arbeiten begonnen, haben Prototypen entwickelt, um zu sehen, was damit möglich ist. Wir dachten sofort: 'Das funktioniert, das wird die Welt verändern.'

Es hat sich also nicht Microsoft zuerst an Sie gewandt?

Guillemot: Nein, wir haben die Technik zuerst bei Prime Sense gesehen, dem Unternehmen aus Israel, das sie entwickelt hat. Wir haben gleich gesagt: 'Mit Euch wollen wir zusammenarbeiten.' Dann haben wir Projekte entwickelt, um bereit zu sein, wenn Sony, Microsoft oder Nintendo zuschlagen würden. Deshalb nutzen wir jetzt als erstes die Projektionstechnik, kein anderer Spieleverlag ist da so weit .

Projektionstechnik?

Guillemot: Im Fitness-Spiel "YourShape" und dem von uns angekündigten Michael-Jackson-Spiel werden Sie ein genaues Abbild ihres eigenen Körpers auf dem Bildschirm sehen können. Die Technik sagt ihnen genau, was sie gerade tun, sie können Ihren Körper zur Steuerung einsetzen.

Mit Sonys System würde das aber nicht funktionieren? Entwickeln sie dafür auch ein Fitness-Spiel?

Guillemot: Wir werden verschiedenen Titel für die unterschiedlichen Plattformen entwickeln. Das Fitness-Spiel ist derzeit exklusiv für Microsofts Konsole.

Ist Controller-basiertes Spielen am Ende?

Guillemot: Nein, es wird weiterhin verschiedene Arten von Steuerung geben. Die neuen Techniken können neue Leute hereinholen, aber das heißt nicht, dass sie ebenso gut wie andere Systeme geeignet sind, um beispielsweise Shooter zu spielen.

Wird denn die starke Konzentration auf Shooter durch die zu erwartende Erweiterung der Zielgruppe nachlassen?

Guillemot: Um in den Top Ten der Verkaufscharts zu landen, werden die Publisher ihre Produkte anpassen müssen. Jedesmal, wenn wir neue Kunden gewinnen, verändern sich die Top Ten. Erfolg hat man nur, wenn man mit einem Spiel im Startmonat in den Top Ten ist, also wird der neue Kundenkreis, den die Bewegungssteuerung anzieht, automatisch die Zahl der Shooter auf dem Markt verringern. Aber wir brauchen Zeit.

Schon seit den achtziger Jahren tobt der Krieg zwischen Spielebranche und Kopierschutz-Knackern, mit oft unangenehmen Auswirkungen für ehrliche Käufer. Sie sind gerade erst massiv dafür kritisiert worden, dass sie ihre Kunden zwingen, während des Spielens permanent online zu sein ...

Guillemot: Es ist ein ständiger Kampf, und es hat Zeiten gegeben, in denen wir nicht so gut waren, wie die Leute, die unsere Spiele raubkopieren, und andere Zeiten, in denen wir besser waren. Es ist ein guter Kampf. Jede Seite will sicherstellen, dass alle Spiele auch gespielt werden können. Aber wir wollen sicherstellen, dass die Schöpfer auch bezahlt werden, die anderen sagen: 'Wir wollen spielen, ohne zu bezahlen.' Das Wichtigste, was wir online erreichen können, ist Menschen zu verbinden, damit sie zusammen spielen, Teil einer Gemeinschaft sein können. Wir müssen erreichen, dass es besser für sie ist, wenn sie bezahlen, als wenn sie nicht bezahlen.

"Assassin's Creed 2" für den PC zwingt die Spieler, eine Internetverbindung zu Ihren Servern zu haben. Dann gab es einen Server-Crash und niemand konnte mehr spielen.

Guillemot: Daraus haben wir gelernt. Wir haben das große Potential entdeckt, dass es mit sich bringt, wenn Leute beim Spielen online sind: Man kann dafür sorgen, dass all diese Leute gemeinsam Neues schaffen, wenn sie zusammen spielen. Dass sie das Spiel selbst verändern können.

Aber als die Server zusammenkrachten und Ihre Kunden nicht mehr spielen konnten, obwohl sie doch bezahlt hatten, wurden viele sehr wütend. Werden Sie dieses System trotzdem aufrechterhalten?

Guillemot: Wir werden sicherstellen, dass das nicht wieder vorkommt. Wir waren selbst sehr enttäuscht, dass es nicht funktioniert hat. Aber jetzt arbeiten wir an völlig neuen Konzepten, so dass es selbst dann, wenn Sie allein spielen, eine Rolle spielt, was andere Spieler tun. Ein Beispiel: In einem in der Entwicklung befindlichen Spiel ist die Gesamtenergie der Spielwelt begrenzt. Wenn andere Spieler zu schnell zu viel Energie verbrauchen, wird man reagieren müssen - entweder, indem man andere im Spiel beeinflusst, um sie davon abzuhalten, Energie zu verbrauchen. Oder, indem man politisch aktiv wird, um den Verbrauch anderer Arten von Energie zu fördern. Im Spiel selbst wird man allein sein, aber man wird im Sinne der Gemeinschaft handeln müssen.

Bei der E3 in Los Angeles haben Sie zwei Titel vorgestellt, die auf Spezial-Hardware basieren: Ein "Räuber und Gendarm"-Spiel mit Plastikwaffen namens "Battle Tag", und einen Meditations- oder Entspannungstitel namens "Innergy", mit einem Sensor, der die Variabilität des Herzschlags misst. Sind die Gewinnspannen größer, wenn man auch Hardware statt nur Software verkauft?

Guillemot: Die Gewinnspanne ist nicht größer, wir wollen einfach neue Spielkonzepte ausprobieren. Und eins ist sicher: So etwas kann niemand raubkopieren.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal