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Gamescom 2010: Bewegungssteuerung Move oder Kinect - eine Glaubensfrage

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Gamescom-Topthema Bewegungssteuerung  

GC 2010: Move oder Kinect - "eine Glaubensfrage"

20.08.2010, 10:28 Uhr | Christian Stöcker / jr, Spiegel Online

Gamescom 2010: Bewegungssteuerung Move oder Kinect - eine Glaubensfrage. Gamescom 2010: Kinect versus Move - eine Glaubensfrage (Bild: dpa, Sony, Microsoft / Montage: www.t-online.de)

Gamescom 2010: Kinect versus Move - eine Glaubensfrage (Bild: dpa, Sony, Microsoft / Montage: www.t-online.de)

Der Kampf der Giganten ist das zentrale Thema der Spielemesse Gamescom. Die Branche ist in gespannter Erwartung, im Weihnachtsgeschäft wird abgerechnet. Wer hat das bessere Bewegungssteuerungs-System, Microsoft oder Sony?

Alle sollen mitspielen

Kudo Tsunoda sieht nicht so aus, wie man sich einen Microsoft-Mitarbeiter vorstellt. Er ist ein großer, schlaksiger Mann mit beinahe schulterlangem schwarzem Haar, stets mit einer Trainingsjacke, Jeans und Turnschuhen bekleidet, immer mit einer Sonnenbrille auf der Nase. Tsunoda ist Microsofts Mann für Kinect, das Bewegungssteuerungs-System, mit dem der Konzern Nintendo Kunden abjagen und Sonys Konkurrenzprodukt Move schlagen will. Tsunodas Botschaft für die Gamescom in Köln ist: Kinect macht das Spielen sozialer. Im Gespräch mit Spiegel Online betont er immer wieder, dass Technologie die Menschen derzeit eher vereinzele, "Sie sind bei einer Party, und die Leute sitzen da und tippen auf ihren Handys herum". Bei Kinect dagegen sei der zentrale Aspekt der Spiele, "dass man mit den anderen Leuten kommuniziert und interagiert". Solche Sätze verraten etwas über Microsofts Strategie: Kinect ist vorerst ganz explizit kein Produkt, das Hardcore-Gamer, die klassische Xbox-Klientel, begeistern soll. Microsoft will neue Zielgruppen erschließen und vertraut darauf, dass die alten das nicht allzu übel nehmen werden.

Sony-Manager: "Shooting-Games machen jedem Spaß, auch Frauen"

Der Deutschlandchef von Sonys Konsolengeschäft, Uwe Bassendowski, dagegen sagt: "Wir wollen den Markenkern mit Move nicht verwässern." Sony preist sein eigenes Bewegungssteuerungs-System für Playstation 3 als die einzige Möglichkeit, sowohl Hardcore-Gamer als auch die in diesen Tagen überall umworbene Spezies des eher spaß- als leistungsorientierten Gelegenheitsspielers glücklich zu machen. Sony führt deshalb bei der Messe auch eher nicht familientaugliche Spiele wie "The Fight" vor, ein ruppiges Prügelspiel im Stil der Kellerkämpfe aus "Fight Club". Auch "Killzone 3" und "Socom", zwei Egoshooter, kann man mit Move spielen. Bassendowski glaubt, dass man so auch neue Zielgruppen erreichen kann - aber etwas anders, als man sich das bei Microsoft und Nintendo vorstellt: "Shooting Games machen jedem Spaß, auch Frauen", sagt der Sony-Manager, "sie sind bloß viel zu kompliziert". Der Move-Controller könne das ändern.

Spagat zwischen Casual und Hardcore

Auch Michael Denny, bei Sony für die Entwicklerstudios zuständig, betont, man dürfe "den Hardcore-Konsumenten nie aus den Augen verlieren". Deshalb, sagt Denny, ohne den Konkurrenten Microsoft explizit zu erwähnen, brauche man einen physischen Controller, der "die Präzision und Genauigkeit" liefere, die man für Spiele wie Egoshooter nun mal brauche. Den sogenannten Casual-Bereich, den Nintendo mit der Wii im Handstreich erobert und kräftig ausgebaut hat, habe Sony ja ohnehin schon immer bedient, sagt Bassendowski. Mit Titeln wie "SingStar", der "Buzz"-Quizspielreihe oder Bewegungsspielen für die Eyetoy-Kamera. Diesen Markt wolle man "nicht kampflos aufgeben, sondern zurückerobern", und dazu sei Move ebenfalls geeignet. Kinect-Mann Tsunoda dagegen will diesen Spagat gar nicht erst versuchen. Zwar verrät er nebenbei, dass man sich bei Microsoft durchaus mit Shooter-Lösungen mit Kinectsteuerung beschäftigt. Doch sein Marketing-Mantra für die Messe enthält nur Begriffe wie "sozial", "kommunikativ" und "Interaktion". Der Begriff "Hardcore" kommt darin nicht vor.

Jeder will das Beste haben

Wie zu erwarten geben sich beide Hersteller überzeugt, das bessere, präzisere System entwickelt zu haben. Tsunoda berichtet, man habe Tests durchgeführt, in denen die Versuchspersonen auf Kommando entweder mit einer Faust in die flache Hand schlagen mussten, was von der Kinect-Kamera erfasst wurde, oder einen herkömmlichen Controller-Knopf drücken. Die Kinect-Tester seien nicht immer, aber oft ebenso schnell gewesen wie die Knöpfedrücker, "manchmal auch schneller". Die gerade für schnelle Spiele wichtige Latenzzeit des Systems sei also sehr gering. Bewegungen würden ebenfalls sehr genau erfasst. Sony-Mann Bassendowski verweist zur Illustration der Move-Genauigkeit ausgerechnet auf ein Problem: Die Move-Controller in den Messehallen seien nicht immer hundert Prozent präzise - weil es dort zu laut sei. Der gewaltige Hintergrundlärm, den eine Spielemesse wie die Gamescom ununterbrochen produziert - in den Hallen klingt es, als finde auf einem überfüllten Jahrmarkt ein Krieg statt - verursache Vibrationen, die von den Plastikkugeln an den Move-Controllern aufgenommen würden. Die winzigen Bewegungen, die diese Vibration verursache, beeinträchtigten die Präzision, was wiederum zeige, wie genau das System die Position der Leuchtkugeln erfasse. Beim in einem Move-Sportpaket enthaltenen Tischtennisspiel könne man den Schläger drehen, indem man sein Handgelenk drehe, um den Ball anzuschneiden - das funktioniere nur, wenn man tatsächlich einen Controller mit eingebauten Sensoren in der Hand halte.

Sony will bis März 2011 500.000 Move-Controller verkaufen

Uwe Bassendowski will bis kommenden März in Deutschland 500.000 Move-Controller absetzen und hofft, dass sowohl Spieler zugreifen werden, die bereits eine Playstation 3 besitzen als auch echte Neukunden. Doch wie viele Menschen werden tatsächlich bereit sein werden, die Summen zu investieren, die man für eine Kinect- oder Move-Ausrüstung braucht? Eine Wii kostet derzeit mit zwei Spielen und einem Controller unter 200 Euro. Aber sie kann keine HD-Grafik, eignet sich nicht als Film- oder Musikspieler fürs Wohnzimmer. Für eine Xbox plus Kinect und ein Spiel muss man etwa 400 Euro ausgeben. Ab November wird es eine Arcade-Xbox geben, mit nur vier Gigabyte Speicher, einer Kinect-Steuerung und einem Spiel - das alles soll zusammen 299 Euro kosten. Eine Playstation 3 mit einem Satz Move-Zubehör (einem Controllerpaar) kostet etwa 410 Euro, nur mit einer "Demo-Disk". Für diese Summe bekommt man nur die Ausrüstung für einen einzelnen Spieler. Jedes weitere Controllerpaar kostet weitere 70 Euro. Sony-Manager Michael Denny betont jedoch, dass "alle Launchtitel sich auch nur mit dem Move-Controller allein spielen lassen", man also gar nicht unbedingt jeweils zwei Stück brauche. Ein bisschen verwirrend ist das schon, und auch Denny selbst hat die Preise im Interview mit Spiegel Online gerade nicht im Kopf.

Fazit

Wessen System wirklich das genauere ist, ist derzeit schlicht nicht zu entscheiden. Beide Konzerne präsentieren stark unterschiedliche Titel für ihre Bewegungssensoren. Ein echter Vergleichstest wird erst dann möglich sein, wenn die Systeme auf dem Markt sind und Dritthersteller Titel in Ausführungen für beide Plattformen auf den Markt bringen. Vorerst, das wiederholt Playstation-Manager Uwe Bassendowski immer wieder, sei das Ganze "eine Glaubensfrage".

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