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Formel-1-Pilot Buemi im Interview zum Rennspiel "F1 2010" für PS3, Xbox 360 und PC

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Formel-1-Pilot Buemi über "F1 2010"

20.09.2010, 14:30 Uhr | Richard Löwenstein / ams

Formel-1-Pilot Buemi im Interview zum Rennspiel "F1 2010" für PS3, Xbox 360 und PC. Sébastien Buemi (Foto: Richard Löwenstein)

Formel-1-Pilot Sébastien Buemi (Foto: Richard Löwenstein)

Der 28. August 2010, die Rennstrecke Spa-Francorchamps in den belgischen Ardennen. Im Motorhome von Red Bull trifft Videospiel-Journalist Richard Löwenstein im Auftrag von www.t-online.de den Formel-1-Piloten Sébastien Buemi: geboren am 31. Oktober 1988 in schweizerischen Aigle, heute in Monaco lebend, seit zwei Jahren in Diensten des Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso. Sébastien hat gerade das Qualifying hinter sich gebracht - und sich einen Rüffel der Rennkommissare eingehandelt, die ihn wegen Behinderung des Mercedes-Piloten Nico Rosberg um drei Startplätze nach hinten strafversetzten. Der Ärger verraucht schnell; und Sébastien plaudert über die kommende Formel-1-Simulation "F1 2010"(hier im Test), die am 23. September 2010 für PC, PS3 und Xbox 360 erscheint.

www.t-online.de: Sébastien, wenn Autofahrer im Stau stehen, dann träumen sie davon, die da vorne alle mit Vollgas zu überholen. Sie haben einen gefährlichen Traumjob. Was treibt sie an, ihr Leben bei über 300 Sachen aufs Spiel zu setzen?

Sébastien Buemi: Rennen fahren. Kämpfen. Formel 1  ist so ein Gefühl, das ist schwierig zu erklären. Wenn du die Eau-Rouge-Kurve hier in Spa mit 300 Sachen nimmst, haarscharf am Limit, dann ist das einfach völlig unglaublich. So eine Befriedigung kriegst du nirgends sonst.

Vielen jüngeren Piloten im Feld sagt man einen Hang zum Videospiel nach. Es heißt, Sebastian Vettel trainiert mit Rennspielen seine Streckenkenntnis. Sie auch?

Klar, ich spiele schon sehr lange. Meine erste Konsole war dieser kleine graue Kasten von Nintendo mit Mario drauf... das NES. Das erste Formel-1-Spiel habe ich 1996 oder 1997 von meinem Vater geschenkt bekommen, auf dem Nintendo 64. Und seitdem, Überraschung, Überraschung, mag ich Autorennspiele. Finde zum Beispiel "Forza Motorsport" richtig klasse. Leider hat´s die letzten Jahre keine neuen Formel-1-Simulationen mehr gegeben. Deshalb freue ich mich jetzt  auf die PS3-Fassung von "F1 2010". Ich habe schon eine Version spielen können, und mir vom Hersteller die Ausstattung erklären lassen.

Zentraler Bestandteil ist, dass man eine komplette Karriere als Pilot nacherleben kann. Für welches Team gehen Sie an den Start?

Ich würde auf jeden Fall ein schlechtes Team nehmen, eines mit einem langsamen Auto. Vielleicht das vom Hispania Racing F1 Team.

Sie wollen wohl nicht gewinnen?

Doch, klar. Aber  mit so einem Auto fühlt sich das viel wertvoller an, wenn ich  Punkte erobere, als  mit einem schnellen Fahrzeug, mit dem jeder siegen kann. Das ist meine Grundeinstellung zum Leben. Ich mag es, wenn ich Resultate erkämpfe. Wenn ich irgendwann belohnt werde, zum Beispiel mit einem schnellen Auto, dann ist das umso schöner.

Und welches Auto würden Sie in Wirklichkeit gerne mal ausprobieren?

Den Renault. Ich denke, das Team hat ein sehr gutes Auto gebaut, auch wenn viele Leute etwas anderes glauben. Renault hat gut gearbeitet über die Saison. Die waren am Anfang ziemlich weit unten, und haben den Weg nach oben gefunden. Sowas passiert nicht oft.

Zurück zum Videospiel. Ich mag die Startszenen in "F1 2010". Die kommen sehr intensiv rüber. Wenn ich da draußen auf dem Grid stehe, gemeinsam mit 23 anderen Piloten; wenn die Motoren dröhnen und ich dem Start entgegen fiebere - das prickelt. Sie haben das Spiel schon ausprobiert, kennen diese Szene aber auch aus dem wahren Leben. Fühlt sich das ähnlich an?

Das ist schwierig zu vergleichen. Ich glaube, der entscheidende Unterschied ist, dass Du in Wahrheit sehr viel mehr Stress spürst als im Spiel. Wenn Du am Start wartest, dann weißt du, du hast nur eine Chance. Du musst alles richtig machen. Es gibt keine zweite Chance und keine Rückspul-Funktion. Trotzdem sind Videospiele in den letzten Jahren sehr viel besser geworden darin, wie sie einen die Intensität der Starts und der Positionskämpfe spüren lassen. 

Wenn Rennspiel-Simulationen so nahe dran sind an der Realität: was wäre, wenn ein richtig guter Videospieler in das Cockpit eines echten Formel-1-Autos steigt - wäre er konkurrenzfähig?

Interessante Frage. Ich glaube, wenn sich ein Videospieler in einem richtigen Formel-1-Auto wieder findet, dann würde er soviel Druck spüren - das ist nicht absehbar, was dann passiert. Er wäre aber bestimmt besser unterwegs als jemand, der nicht mit einer Renn-Simulation geübt hat. Nur, es braucht sehr viel Mut, Praxis und auch körperliches Training, um ein Formel-1-Auto schnell und sicher zu bewegen. Das sieht man ja jetzt an Michael Schumacher. Er war nur wenige Jahre weg, und selbst er braucht jetzt eine Eingewöhnungsphase. 

Vor einiger Zeit bin ich gemeinsam mit anderen Journalisten ein Wettrennen gegen den damaligen Formel-1-Piloten Ricardo Zonta gefahren: in der Simulation "F1 2002". Der Kerl hatte das Game noch nie gesehen, und ist uns trotzdem um die Ohren gefahren. Er hat praktisch keine Eingewöhnungszeit gebraucht. Sind F1-Piloten außergewöhnlich begabt?

Wenn du weißt, wie  schnelles Fahren funktioniert: also wann du bremsen und wann du  wieder Gas geben musst, dann funktioniert dieses Wissen auch in einer Videospiel-Simulation. Zumindest wenn sie gut ist. Aus Geschichten wie deiner kannst du ablesen, wie gut die Umsetzung der Realität ins Videospiel inzwischen funktioniert. Videospiele lassen dich spüren, wie sich das Auto bewegt, ob es untersteuert oder übersteuert. Du kannst die Reaktionen des Autos beobachten und darauf reagieren, wie du es da draußen auf dem Asphalt tun würdest. Bei "F1 2010" kannst du mit dem Setup experimentieren, und das Verhalten des Autos an deine Vorlieben anpassen. Allein deswegen freue ich mich total auf das Spiel.

Praktisch alle Formel-1-Piloten trainieren mit Simulatoren für ihre Rennen. Es heißt, die Scuderia Toro Rosso nutzt das Gerät von Red Bull Racing. Sind Profi-Simulator und Videospiel-Simulation vergleichbar?

Das sind zwei Welten. Der Simulator von Red Bull Racing ist ein sehr komplexes Teil. Du sitzt in einem richtigen Monocoque, einem Cockpit, das an hydraulischen Elementen aufgehängt ist. Du fühlst dich wie in einem richtigen Formel-1-Auto. Die Simulations-Software berücksichtigt alle Daten, die du dir nur  vorstellen kannst. Aerodynamik, Asphaltqualität, Reifenverschleiß, das Drehmoment des Motors unter wechselnden Außenbedingungen. Im Simulator spüre ich die Wirkung von neuen Teilen am Fahrzeug, kann die Unterschiede zwischen verschiedenen Autos fühlen. Bei "F1 2010" ist das nicht so, da fahren sich die Autos sehr ähnlich. Dafür ist die Grafik besser. Im Simulator erkennst du nur Asphalt und Bordsteine, aber nicht das Drumherum, Zuschauer und Kulissen. "F1 2010" sieht besser aus als unser Simulator.

Hand auf´s Herz: nutzt ihr den Simulator für heiße Runden und Highscore-Attacken?

Nein, wirklich nicht. Der Simulator ist ein teures Werkzeug, ein Tag im Simulator ist fast so aufwändig wie ein Testtag an der Rennstrecke. Wir probieren neue Fahrzeugteile virtuell aus, bevor wir sie bauen. Das ist teuer, da bleibt keine Zeit für Spielereien.

Ich würde mich als sportlichen Autofahrer bezeichnen, bin aber kein Motorsport-Profi. Würde ich mich in den Simulator setzen, könnte ich die Wirkung unterschiedlicher Fahrzeug-Teile ebenfalls spüren?

Ich weiß nicht, wie du fährst. Aber vermutlich würdest du kaum Unterschiede feststellen. Die Wirkung aerodynamischer Teilen entfaltet sich erst im Grenzbereich, also wenn du das Auto am absoluten Limit bewegst. Einem untrainierter Fahrer wird das Fahrzeug nicht so weit treiben können...

Bildet "F1 2010" alle Facetten eines Rennfahrer-Lebens ab?

Ich kenne noch nicht alle Aspekte von "F1 2010". Aber ich weiß. dass viele Merkmale und Szenen vorhanden sind, die ich bisher noch in keinem anderen Spiel gesehen habe. Du kannst das Zimmer des Piloten und die Hospitality des Teams betreten, und kommst mit der Presse in Berührung. Da kommt schon viel Atmosphäre rüber. Aber es fehlen wohl auch viele Momente. Die Fitness des Piloten zum Beispiel ist überhaupt kein Thema. Dabei entscheidet sie darüber, ob jemand Erfolg in der Formel 1 haben kann oder nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, und viel Glück für die nächsten Rennen!

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