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"Enslaved - Odyssey to the West": Muskelprotz trifft Mauerblümchen

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Test Enslaved: Odyssey to the West | Action-Adventure | PS3, Xbox 360  

Muskelprotz trifft Mauerblümchen

06.10.2010, 09:58 Uhr | Richard Löwenstein / vb, Richard Löwenstein

"Enslaved - Odyssey to the West": Muskelprotz trifft Mauerblümchen. Enslaved - Odyssey to the West von Namco-Bandai für Xbox 360 und PS3

Enslaved - Odyssey to the West (Bild: Namco-Bandai)

Das hier ist die Action-Überraschung des Jahres. Ein Abenteuer, faszinierend wie "Final Fantasy", actionreich wie "God of War" und cineastisch wie "Uncharted 2" - und dabei doch eigenständig, mit frischen Ideen und intelligentem Gameplay. Dabei hätte noch vor wenigen Monaten wohl kaum jemand vermutet, dass aus der Geschichte um den bulligen Monkey und die zierliche Trip ein derart spielenswertes Game für Xbox 360 und Playstation 3 entstehen könnte. Warum? Das Entwicklerstudio Ninja Theory ist noch recht neu, das Debütwerk "Heavenly Sword" konnte 2008 nicht vollends überzeugen. "Enslaved: Odyssey to the West" hingegen bringt alles mit, was ein gutes Game ausmacht: fantastische Abenteuer, actiongeladene Kämpfe, mitreißende Story und charakterstarke Figuren.

Gemeinsam stark

Die Handlung mag Klischees bedienen, setzt sie aber zumindest interessant in Szene. In der fernen Zukunft ist die Erde durch einen gigantischen Roboterkrieg fast vollkommen zerstört, die Menschheit nahezu ausgerottet. Anders als in vielen Apokalypse-Szenarien ist New York City - der Ausgangsort - jedoch nicht aschgrau, fahl und düster gezeichnet, sondern bunt, überladen und beinahe kitschig farbenfroh. Das Chrysler Building ist mit Ranken überwuchert, der Hudson River strömt querfeldein, die Natur hat die Stadt sichtbar zurückerobert. Das sieht brillant aus, und macht sich gut als Abenteuerspielplatz. Denn in dieser Umgebung müssen sich der Held Monkey und seine junge Begleiterin namens Trip einen Weg zurück in die Heimat bahnen. Vorbei an gefährlichen Naturgewalten, einstürzenden Ruinen und den Relikten eines längst vergangenen Krieges: alten, aber noch einsatzfähigen Kampfrobotern im Amokmodus. Die Reisegemeinschaft scheint allerdings eher zweckmäßig zu sein, denn leiden können sich die beiden eingangs nicht. Keine gute Basis für gutes Teamwork? Richtig. Aber sehr wohl für urkomische Dialoge, die hervorragend eingedeutscht sind.

Gefährliche, neue Welt

Das Teamwork ist klar strukturiert: Der bullige Monkey in der Heldenrolle lässt sich willig führen, dafür steht die handliche Steuerung gerade. Trip wiederum erhält über ein Befehlsmenü Kommandos und eilt beizeiten zur Hilfe. Während etwa Monkey mit seinem Kampfstab ein paar Roboter verdrischt, lenkt Trip die nahende Verstärkung auf Befehl mit einem Laserpointer ab, öffnet versperrte Türen oder scannt Umgebungen auf gefährliche Minen. Das alles erledigt die KI derart unauffällig und zuverlässig, dass das Fehlen eines echten Koop-Modus für zwei Spieler nicht allzu beklagenswert scheint. Zumal das Gameplay sehr vielseitige, mit blendendem Timing ins Gameplay eingeflochtene Facetten entfaltet. Wenn Bossgegner auf spektakuläre Weise ins Bild stürzen und Monkey zum Kampf auffordern; und wenn der nach großem Sieg wie ein Affe an korrodierten Gebäuden, Simsen und Regenrinnen dem nächsten Etappenziel entgegen hangelt, dann sieht das großartig aus. Auch der überzeugenden Weitsicht und der sehenswerten Gestik und Mimik aller Figuren wegen.

Was wir mögen

Die Figuren Monkey und Trip punkten mit Charme, Humor und Natürlichkeit - und machen sich somit prima als Dreh- und Angelpunkt für ein sorgfältig abgestimmtes Action-Potpourri aus Klettereien, Kämpfen und Knobeleien. Die bemerkenswerte Fairness und die sorgfältige Platzierung von Rücksetzpunkten sorgen dafür, dass es jederzeit vorangeht. Der Spielfluss ist überzeugend, ein ums andere Mal erwischen wir uns dabei, wieder die Zeit aus den Augen verloren zu haben und nicht einen langen Abend, sondern gleich eine ganze Nacht mit dem Spiel verbracht zu haben.

Was wir nicht mögen

Beizeiten wirken die Charaktere etwas stereotyp: Monkey, der muskelbepackte Krieger, der mit freiem Oberkörper durch die Level streift und Trip, die fragile, zierliche Schöne, die es zu beschützen gilt - hier wäre mehr Emanzipation drin gewesen. Die geradlinige Spielstruktur ist zudem nichts für Open-World-Fans. Denn trotz großartiger Inszenierung ist Enslaved von Beginn bis Ende geskriptet und muss stur abgelaufen werden. Auch das Kampfsystem ist zu schnell verinnerlicht und bietet weniger Abwechslung als vergleichbare Prügler. Derartige Mängel sind jedoch Klagen auf einem hohen Niveau - und stehen der grandiosen Präsentation nicht entgegen.

Fazit

Mit diesem Knüller hat wohl kaum jemand gerechnet. Enslaved kommt aus dem Nichts und entpuppt sich als Action-Geheimtipp des Jahres, der durchsetzt ist mit liebevollen Details, brillantem Humor und etlichen Höhepunkten. Wer über kleine Schönheitsfehler hinwegsehen kann und Wert auf intelligente Unterhaltung und reichlich Abwechslung legt, holt sich hiermit einige wundervolle Abende auf die Konsole.

Infos zum Spiel

  • Titel: Enslaved - Odyssey to the West

  • Genre: Action-Abenteuer

  • Publisher: Namco-Bandai

  • Hersteller: Ninja Theory

  • Release: Im Handel

  • Preis: zirka 60 Euro

  • System: Xbox 360, PS3

  • USK-Freigabe: Ab 16 Jahren

  • Wertung: Sehr gut

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