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Krieg und Spiele: Alles Propaganda, oder was?

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Krieg und Spiele  

Alles Propaganda, oder was?

22.10.2010, 09:15 Uhr | vb, Richard Löwenstein

Krieg und Spiele: Alles Propaganda, oder was?. Krieg und Spiele (Montage: Richard Löwenstein)

Krieg und Spiele (Montage: Richard Löwenstein)

Wir schreiben das Jahr 2000. Über 140 Konflikte sind weltweit am toben, die Anzahl der Opfer ist nicht bezifferbar. Genau in diesem Jahr wird US-Colonel Casey Wardynski bei Führungskräften der Abteilung für Nachwuchsgewinnung der US Army vorstellig. Der patriotische Soldat unterbreitet den Anwesenden ein ungewöhnliches Konzept: Ihm schwebt ein Videospiel vor, das bei der Jugend die Lust und das Interesse am Militärdienst neu entfachen soll. Realistisch soll es sein, spaßig, gemeinsam online spielbar - und vor allem kostenlos. Aus dieser Idee heraus wird das PC-Game "America’s Army" geboren. Als Werbemaßnahme. Laut Wardynski eine "zeitgemäße Kommunikationsstrategie" für die "beste Landstreitmacht der Welt". Kritiker hingegen bezeichnen das Vorhaben als "dreiste Propaganda" und "militärisches Killerspiel, das Kindern am Bildschirm das Morden beibringt".

Das lustige Soldatenleben

Nach dem Erscheinen der ersten Version von America's Army am 4. Juli 2002, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, wird das Spiel zunächst von vielen Medien als kurzfristiges Phänomen abgetan. Doch es kommt anders: America's Army überzeugt sowohl das Pentagon als auch viele Videospiel-Journalisten und Spieler. Ein Ergebnis der intensiven Mitarbeit von echten Soldaten und talentierten Spielentwicklern, die wissen, wie man aus einem Werkzeug der US-Army einen überzeugenden Ego-Shooter macht. Was Actionfans an America’s Army und anderen derartigen Propaganda-Games überzeugt: der hohe Grad an Realismus. "Nicht jeder bemerkt einen Unterschied in Reichweite und Streuungswinkel einer AK-47 und einer M-4, aber trotzdem verleiht sowas zusätzliche Tiefe", erläutert Mike Capps, heute Chef des Videospiel-Entwicklers Epic Games, seinerzeit Produzent von America's Army.

Gewalt ist kein Thema

Tatsächlich absolviert der Spieler eine Art Grundausbildung, bevor es richtig losgeht. Er lernt die Aufgaben eines Sanitäters, Militärgeschichte, Waffenkunde und andere Fachbereiche kennen. Die Macher beschreiben ihr Werk als ein "Unterhaltungsprodukt mit einer soliden Basis an Authentizität". Doch wie realistisch sind solche Kriegs-Shooter wirklich? America’s Army lässt die Werte Ehre, Mut und Pflichtbewusstsein einfließen und beschränkt die Darstellung von Gewalt auf das Mindeste. Anders als bei Call of Duty, Medal of Honor und anderen Unterhaltungs-Produkten spritzt kaum roter Lebenssaft. Keine Wunden, keine Verstümmelungen. Kritiker vermuten dahinter eine perfide Botschaft: Die Armee ist cool. US-Soldaten müssen nicht bluten.

Zuviel des Guten?

Sonst ist das in Kriegs- und Konflikt-Shootern ganz anders. Titel wie "Modern Warfare 2" und "Medal of Honor" wollen schockieren. Hier fegt's die Kameraden bei Treffern durch die Gegend, Blutspritzer auf dem Schirm inklusive. An Effekthascherei und Grausamkeit wird nicht gespart. Zwar sind diese Games für Kritiker keine Propaganda, dennoch steckt eine Botschaft dahinter. Platter, promilitärischer Patriotismus. Das wird deutlich, wenn man die Titel der beiden großen Shooter-Reihen ins Deutsche übersetzt: "Die Pflicht ruft" und "Die Ehrenmedaille" - da heben US-Amerikaner fast schon automatisch die Hand zum Flaggengruß.

400 neue Rekruten

Dreckige Momente werden in solchen Spielen zu Momenten der Ehre stilisiert. Und jeder Tote und Verwundete ist ein Held. Das sollte zu denken geben, denn die Realität wird komplett ausgeblendet. Während des Irakkrieges haben schätzungsweise 4.500 US-Amerikaner ihr Leben verloren. Nahezu 30.000 weitere wurden bei Kampfhandlungen verletzt oder verstümmelt. Nun stelle man sich vor: Nur einer dieser Soldaten wurde durch America’s Army oder ein anderes Kriegs-Spiel zum Kriegsdienst motiviert. Das reicht allerdings nicht aus, denn laut Casey Wardynski würden sich die Investitionen in das Spiel erst lohnen, wenn sich dadurch 300 bis 400 zusätzliche Rekruten pro Jahr gewinnen ließen.

Fazit

Dass Konflikt-Shooter wie America’s Army, Call of Duty oder Medal of Honor eine Wahrheit verschweigen, hat einfache Gründe: Das Soldatenleben ist meistens langweilig. Und wenn nicht, dann sind Drill, Dreck, Schlafmangel und sterbende Kameraden unschön anzuschauen. Außerdem fordern Videospieler die realistische Abbildung von Waffen und anderem Kriegsgerät - folgerichtig arbeiten Spielhersteller bei der Produktion eng mit Militär und der Waffenindustrie zusammen. Es wäre naiv, von dieser Seite allzu heftige Kritik am Kriegshandwerk zu erwarten.

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