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Actionspiel "L.A. Noire": Jeder zahlt drauf

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First-Look "L.A. Noire" | Action | PS3, Xbox 360  

Jeder zahlt drauf

22.11.2010, 11:12 Uhr | Volker Bonacker, t-online.de

Actionspiel "L.A. Noire": Jeder zahlt drauf. L.A. Noire Actionspiel von Rockstar für PS3 und Xbox 360 (Quelle: Rockstar Gamess)

L.A. Noire (Quelle: Rockstar Gamess)

"Das hier ist etwas anderes als das, was wir sonst machen", begrüßt man uns an einem verregneten Freitagnachmittag in München zur Pressevorführung von "L.A. Noire". Lange war es still um Rockstars neuesten Streich, den erstmals ein externer Entwickler umsetzt, namentlich das australische Studio Team Bondi. Nachdem vor wenigen Tagen ein Trailer und kurz darauf auch Bilder veröffentlicht wurden, rollt die PR-Maschine langsam an. Schließlich soll das Actionspiel schon im Frühjahr 2011 für PS3 und Xbox 360 erscheinen. Und so steht uns ein Nachmittag im Los Angeles der späten 40er Jahre bevor mit einem Cop, der ebenso rau und undurchsichtig wie unbestechlich ist. Willkommen in der Welt von Cole Phelps, Los Angeles Police Department (LAPD).

Von Kriegshelden und Scheinwelten

Wie zu erwarten, richtet sich das Spiel ganz klar an Erwachsene. Denn die Stadt der Engel ist zum Zeitpunkt der Handlung ein Moloch aus Kriminalität, heimgekehrten Kriegsveteranen und grassierender Arbeitslosigkeit. Über all dem thront eine Scheinwelt namens Hollywood. In diese Stadt kehrt Phelps nach Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Hoch dekoriert mit dem Silver Star-Orden, den er unter zweifelhaften Umständen erhalten hat, versucht er - und damit der Spieler - sein Glück als Gesetzeshüter. Es beginnt eine Hard Boiled-Story, wie sie Film Noir-Streifen der Marke L.A. Confidential oder die Bücher von Raymond Chandler kaum besser hinbekommen hätten.

Schweigen ist Gold

Denn auf eines kann man sich in dieser Stadt verlassen: Das niemand die geringsten Anstalten macht, einen Cop bei seinen Ermittlungen zu unterstützen oder ihm gegenüber die Wahrheit zu sagen. Und so liegt es am Spieler, herauszufinden, was wirklich geschehen ist. In unserem Fall namens "Das gefallene Idol" heißt das: Wieso fährt eine alternde B-Movie-Schauspielerin namens June Ballard mit Vollgas einen Abhang hinab, auf dem Beifahrersitz die 15-jährige Ausreißerin Jessica? Was bedeutet der zerrissene Slip des Teenagers, den wir am Tatort finden? Und vor allem: Wie viel verschweigt die gerissene June uns?

Spiele-Video 
L.A. Noire

Das Warten hat ein Ende: Der erste Trailer zum neuen Rockstar-Epos ist veröffentlicht. zum Video

Wer einmal lügt...

Schon bald wird klar: Im Gegensatz zu GTA 4 oder Red Dead Redemption greift man hier nicht so häufig zum Schießeisen, sondern schaltet stattdessen das Hirn ein. Dank einer neuartigen Motion-Scan-Technologie ist es den L.A. Noire-Machern Team Bondi gelungen, die Mimik und selbst kleinste Blinzeleien der Zeugen, Opfer oder auch Täter derart überzeugend einzufangen, dass man ihnen die Lügen nicht immer ansieht. Und das auch nicht soll, denn nach jeder Antwort, die man von ihnen enthält, stehen drei Optionen zur Wahl: Glaubt man ihnen, setzt man sie unter Druck oder bezichtigt man sie schlicht der Lüge und macht richtig Trouble? Es liegt am Spieler, den Verlauf und die Ergebnisse der Unterredungen zu bestimmen - und damit die Handlung voranzutreiben. Für die Auswahl "Nicht glauben" gilt allerdings: Erst, wenn stichhaltige Beweise vorliegen, sollte man aufs Ganze gehen. Denn die Verhörten sind keineswegs auf den Mund gefallen. Im Gegenteil: Legt Cop Phelps für seine Anschuldigung keine Beweise vor, so reagieren die Befragten derart wütend, dass ein Gesprächsabbruch droht. Und der Weg zur Wahrheit damit andernorts gefunden werden muss.

Nicht ohne meinen Hut

Doch keine Angst: Die Fragerunden sind fair gestaltet. Am Ende bekommt man beispielsweise Feedback, auf wie viele der Antworten man richtig reagiert hat. In unserem Fall führt das trotz richtigen Verhaltens zu weiteren Verwirrungen. Neue Figuren treten auf den Plan, und schnell wird klar, dass die junge Jessica nicht nur ein Mißbrauchsopfer ist, sondern hinter der ganzen Sache eine großangelegte Erpressung steckt, bei der sich jeder der Beteiligten die Hände schmutzig gemacht hat. Und nach Abschluss des Falls ist das Game noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Statt Missionen setzt Rockstar dieses Mal auf einzelne Fälle, die nacheinander gelöst werden. Während Phelps diesen Fall als Mitarbeiter des Verkehrsdezernats löst, steigt er später weiter in den Rängen auf, bekommt neue Partner und auch heiklere Fälle, etwa als Ermittler bei der Sitte.

Liebe zum Detail

Schön: Die Spielwelt ist frei begehbar, auch abseits der Hauptstory warten diverse Aufgaben. Hinsichtlich der Umgebung gibt man sich Mühe, das Flair der späten 40er einzufangen: Überall wird geraucht, ein Lederhut als modisches Accessoire zum karierten, dunkelbraunen Anzug ist Pflicht, und selbst die Autos entsprechen den Vehikeln der damaligen Zeit. Saubere Recherche: Die Fälle sind so entweder tatsächlich geschehen oder an historische Kriminalfälle angelehnt. Schon jetzt lässt sich sagen, dass Rockstar einmal mehr mit Liebe zum Detail ans Werk geht. L.A. Noire hat den Anspruch, ein düsterer Detective-Thriller zu werden, der sich in Sachen interaktives Entertainment durchaus mit Heavy Rain messen kann.

Alles im Blick

Womit Rockstar teilweise Neuland betritt. Immerhin: Wer die aktuellen Games der Entwickler gespielt hat, findet das eine oder andere bekannte Element. Etwa die Radaranzeige am linken, unteren Bildschirmrand, die uns zeigt, wo der nächste Zeuge wartet oder welchen Wagen wir verfolgen müssen. Gleiches gilt für die Action: Die Prügeleien und Schusswechsel ähneln denen aus Red Dead Redemption und GTA 4 im Ablauf stark, etwa was Deckung suchen und zielen betrifft. Selbst die Zufallsbegegnungen, die man aus dem Western-Epos noch kennt, finden wieder den Weg ins Spiel.

Fazit

Das alles macht L.A. Noire allerdings nicht nur für Kenner bisherigen Rockstar-Games interessant. Denn mit dem neuen Setting begibt man sich in eine Ära, die noch unverbraucht ist und großes Potenzial hat. Interessant wird etwa die Frage nach dem Hintergrund von Cole Phelps sein. Was treibt den Detective an, weshalb ist er derart abgehärtet, und was hat es mit den zweifelhaften Umständen, unter denen er an seinen Orden kam, auf sich? Hier kann Rockstar mit einer packenden Story viel Boden gutmachen. Und für Begeisterung bei erwachsenen Spielern sorgen. Denn an diese wird sich L.A. Noire richten. Allerdings nicht aufgrund ausufernden Schusswaffengebrauchs, sondern dank deftiger Sprache, komplexer Fälle und letztlich auch der Film-Noir-typischen Portion Sex. Schaffen es die Entwickler, einen Titel abzuliefern, der eine Geschichte der Marke Der große Schlaf in Spiel-Form packt, steht erwachsenen Action-Fans 2011 ein großer Titel ins Haus.

Infos zum Spiel


  • Titel: L.A. Noire
  • Genre: Action
  • Publisher: Rockstar
  • Hersteller: Team Bondi
  • Release: 2. Quartal 2011
  • Preis: noch nicht bekannt
  • System: PS3, Xbox 360
  • USK-Freigabe: noch nicht bekannt
  • Einschätzung: Sehr gut


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