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Politiker machen "Counter-Strike" salonfähig

24.02.2011, 11:39 Uhr | Peter Zschunke / vb, dpa

Politiker machen "Counter-Strike" salonfähig. Counter-Stirke Source (Bild: Valve)

Counter-Stirke Source (Bild: Valve)

Das gab es im Bundestag noch nie: Abgeordnete spielen Counter-Strike und setzen sich beim virtuellen Autorennen vors Lenkrad. Die Idee zum ersten "Politiker-LAN" hatten drei Politiker, die sich an der oft einseitig geführten Debatte über Computerspiele und Gewalt stören.

Der ewige Sündenbock

Streng mahnt die Software den Abgeordneten: "Sei vorsichtig, du hast Dreck am Reifen!" Der FDP-Politiker Manuel Höferlin rechtfertigt sich: "Der hat mich abgedrängt!" Am Ende aber ist er zufrieden: "Wir haben viele verschiedene Spiele ausprobiert und sind darüber ins Gespräch gekommen." Rund 50 Bundestagsabgeordnete folgten der Einladung zum ersten "Politiker-LAN" im Berliner Reichstagsgebäude. Zusammen mit seinen Kollegen Jimmy Schulz (FDP), Vorsitzender der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" und Dorothee Bär (CSU) wollte Höferlin so einen Beitrag leisten zu "einer sachlichen, vorurteilsfreien Debatte über ein Thema, das Kinder und Jugendliche in ihrer direkten Lebenswelt betrifft". Denn viele leidenschaftliche Computerspieler fühlen sich von Politik und Medien stigmatisiert. Nach einer Bluttat wie dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 wird stets gefragt, ob der Täter schon mal mit einem Ego-Shooter gespielt hat - diese Art von Computerspielen vermittelt eine realitätsnahe Perspektive, selbst durch Gänge und Räume zu laufen und dabei auf virtuelle Gegner zu schießen.

Im Reichstags wird nur gedämpft geballert

Wie das geht, zeigen den Abgeordneten Profispieler wie Fabian Riegsinger, der beim Online-Shooter "Counter-Strike" in der Electronic Sports League (ESL) um Ruhm und Geldpreise kämpft. Die LAN-Party im Bundestag findet der 21-jährige Student aus Friedberg in Hessen sehr gut: "Wir haben als Spieler sonst kaum eine Chance, den Politikern zu zeigen, dass sie ihre Meinung überdenken sollten." Zur Auwahl standen neben übrigens nicht nur Gewaltspiele: Neben dem erwähnten Counter-Strike waren zwar auch die nur für Erwachsene freigegebenen Titel "Halo" und Homefront mit von der Partie, dafür aber auch friedfertige Spiele wie "DJ Hero 2", Fifa 11, Gran Turismo 5, "Mario Kart" und "Sports Champion".

Üble Instinkte im Menschen wachrufen

Dennoch blieben Hardliner wie der Abgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) der Veranstaltung am Mittwochabend fern. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenpolitik in der CDU/CSU-Fraktion hatte nach dem Amoklauf von Winnenden "geeignete Maßnahmen des Jugendschutzes" gefordert. Denn dort habe sich erneut gezeigt, "dass der Täter im Vorfeld seiner Tat sich intensiv mit sogenannten Killerspielen" wie Counter-Strike beschäftigt habe. Erst kürzlich äußerte sich Uhl im Nachrichtenmagazin "Spiegel" abwertend über die Veranstaltung. Er wisse nicht, weshalb er lernen solle, wie man ein Killerspiel spielt, so der CSU-Mann. Derartige Genres würden "üble Instinkte im Menschen" wachrufen.

Ein Bündel von sozialen Problemen

Das macht allerdings auch MdB Sebastian Blumenthal (FDP): "Ich spiele privat gern Ego-Shooter wie Counter-Strike", sagt der Politiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Verleiten diese Spiele zu Gewalt? Das sehe ich nicht so." Die Ursachen von Gewalt seien vielmehr in einem Bündel von sozialen Problemen zu suchen. Auf dem Politiker-LAN interessierte sich Blumenthal vor allem für "Serious Games" wie einen Titel mit therapeutischem Anspruch zur Unterstützung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS).

Erleben der Spiele ermöglichen

In kaum einem Land seien Computerspiele so umstritten wie in Deutschland, klagte während der Veranstaltung der Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Olaf Wolters.
"Vorurteile beruhen auf Unkenntnis und mangelnder Erfahrung. Genau hier setzt die dankenswerte Initiative der Abgeordneten an." Wie auf anderen LAN-Partys sind Unternehmen der Branche auch auf dem Politiker-LAN präsent - Computerspiele sind ein Milliardengeschäft. Höferlin betont aber im Gespräch mit dpa: "Wir machen uns nicht zu Lobbyisten." Es gehe darum, den Kollegen das Erleben der Spiele zu ermöglichen. "Es ist an der Zeit, das einmal aus der Nähe gesehen zu haben."

Nachhilfe in der Familie

Gut haben es da Politiker, die wie die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) schon ein wenig Nachhilfe in der Familie nehmen konnten: "Mit meinem Neffen habe ich schon Die Siedler
gespielt, das finde ich gut." Eine gute Figur machte sie beim virtuellen Tennis an der Spielkonsole. Nur beim Autorennen hatte auch die Sozialdemokratin Probleme: "Da ist mir richtig schlecht geworden.
Das muss ich nicht nochmal machen."

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