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Playstation Network (PSN): Sony nach Datenklau massiv unter Druck

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Sony nach millionenfachem Datenklau massiv unter Druck

03.05.2011, 11:24 Uhr | vb, dpa

Playstation Network (PSN): Sony nach Datenklau massiv unter Druck. Playstation 3 (Quelle: Sony / Montage: t-online.de)

Playstation 3 (Quelle: Sony / Montage: t-online.de)

Millionen von Sony-Kundendaten sind in falsche Hände geraten - jetzt muss das Unternehmen für den Angriff auf das Playstation Network (PSN) mit juristischen Konsequenzen rechnen. Aber auch der Bundesregierung werden in Sachen Datenschutz Versäumnisse vorgeworfen - schärfere Gesetze sollen her.

"Außerhalb der EU ist praktisch nichts zu holen"

Der Einbruch in die Online-Datenbank von Sony hat eine heftige Debatte über den Umgang mit digitalen Daten ausgelöst. Experten kritisierten die Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwaltung von Kundendaten für das Sony Playstation Network und andere Online-Dienste des japanischen Konzerns. Politiker und Datenschützer forderten schärfere Gesetze, um weltweit tätige Firmen bei Datenpannen auch in Deutschland belangen zu können. Bei einem Gericht in den USA ist bereits die erste Klage eines Verbrauchers gegen Sony anhängig. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei schwer, Datenschutzverstöße von Weltkonzernen zu verfolgen. Bei Verstößen könnten Bußgelder von maximal 300.000 Euro erlassen werden. "Dann sagen die aber, wir sitzen in den USA, vollstreckt mal. Bei einem Sitz außerhalb der EU ist praktisch nichts zu holen", sagte Weichert. Vorschläge, um an dieser Situation etwas zu ändern, habe die Bundesregierung bislang nicht aufgegriffen.

Missbrauch nur schwer nachzuweisen

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, forderte die Regierung ebenfalls zum Handeln auf: Nach dem "größten Hackerangriff aller Zeiten" sei die Bundesregierung in der Pflicht, endlich das Datenschutzrecht zu ändern. Obwohl Sony seinen Sitz nicht in Deutschland hat, sehen Experten den Anbieter in der Haftung. Die Nutzer hätten ihre Daten in die Obhut des Unternehmens gegeben, und dieses sei nicht sorgsam damit umgegangen, sagte der Fachmann für Internetrecht, Christian Solmecke, am Donnerstag in Köln. Die Konsequenzen daraus müsse Sony tragen. "Hier gilt ganz normales deutsches Zivilrecht, unser Bürgerliches Gesetzbuch regelt solche Haftungsfragen." Einen Missbrauch nachzuweisen, sei allerdings für Verbraucher sehr schwierig, erklärte Thomas Hoeren, Professor für Medienrecht an der Universität Münster.

Passwörter nicht verschlüsselt gespeichert

Die Ministerien für Justiz und Verbraucherschutz forderten von Sony eine schnelle Aufklärung. "Es ist äußerst bedenklich, dass das Unternehmen erst nach einigen Tagen die massive Panne eingeräumt hat", sagte ein Sprecher von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Der IT-Sicherheitsspezialist Holger Heimann von der Firma it.sec in Ulm sagte, Sony habe die Passwörter der Nutzerkonten offenbar nicht verschlüsselt gespeichert." Das ist ein deutlicher Hinweis auf ein mangelndes Sicherheitsmanagement - ein elementarer Lapsus." Die Passwort-Panne hätte Sony möglicherweise vermeiden können, etwa mit Penetrationstests, bei denen Fachleute einen Angriff simulieren.

Update vom 03.05: Sony hat inzwischen klargestellt, dass die von den Hackern gestohlenen Passwörter zwar nicht verschlüsselt, dafür aber durch eine kryptografische Hash-Funktion verändert waren. Das Passwörter waren nicht in Klartext-Form in der gehackten Datenbank gespeichert.

Erste Klage in San Francisco

Vor einem Gericht in San Francisco verklagte der PS3-Besitzer Kristopher Johns Sony auf Schadenersatz. Dabei handelt es sich um eine Sammelklage - bei einem Schuldspruch hätten alle 77 Millionen Inhaber von Nutzerkonten die gleichen Ansprüche gegenüber Sony, auch wenn sie selbst nicht geklagt haben sollten. Johns verlangt Schadenersatz für den Fall des Missbrauchs von Kreditkartendaten sowie für den Ausfall der Online-Dienste nach dem Hacker-Einbruch. Außerdem fordert er die Verhängung einer Geldstrafe gegen Sony. Auch erste Spiele-Hersteller erwägen wegen des eingetretenen finanziellen Schadens infolge der PSN-Abschaltung inzwischen rechtliche Schritte. Viele kleine Entwicklerstudios bieten ihre Games exklusiv als Download-Version im Playstation Network an. Ihre Umsätze über diesem Vertriebskanal sind seit dem 19. April weggebrochen.

Auf der Jagd nach den Verursachern

Der Playstation-Hersteller will die gehackte Online-Plattform neu aufsetzen. In einem Blog-Beitrag kündigte Firmensprecher Patrick Seybold die rasche Bereitstellung eines Software-Updates an, das alle Nutzer zur Änderung ihres Passworts veranlasst. Es werde Tag und Nacht daran gearbeitet, um das Playstation-Network und die Qriocity-Dienste für Musik und Filme zu sichern und innerhalb einer Woche wieder in Betrieb zu nehmen. Gemeinsam mit den Behörden und einer Sicherheitsfirma arbeite Sony daran, die Verantwortlichen für den Datendiebstahl zu ermitteln, schrieb Seybold. Die Täter hätten sich Zugang zu einer unverschlüsselten Datenbank mit Personendaten der Nutzer verschafft. Es gebe keine Hinweise, dass sie auch an die verschlüsselten Kreditkartendaten gelangt seien - allerdings könne dies auch nicht ausgeschlossen werden.

Sony sucht nach Gesten des guten Willens

Im Playstation Blog hat Sony mittlerweile auf Anfragen reagiert und beteuert, man werde sich etwas Ausdenken, um die Kunden für ihre Geduld während der Abschaltung des PSN zu entschädigen. Während der Offline-Zeit in Singleplayer-Matches erspielte Trophäen sollen nach dem Wiederhochfahren des Dienstes automatisch synchronisiert werden. Freundeslisten und Playstation Plus-Sicherungen seien ebenso wenig verloren gegangen wie die Download-Historie über bezahlte und heruntergeladenen Spiele, beteuert Sony.

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