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Faszination "Minecraft": Warum das Aufbauspiel Millionen Spieler anlockt

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Faszination "Minecraft": Das Wunder im Klötzchen-Format

31.08.2011, 14:57 Uhr | Medienagentur plassma / ams, jr, Medienagentur plassma

Faszination "Minecraft": Warum das Aufbauspiel Millionen Spieler anlockt. Minecraft (Quelle: Mojang)

Minecraft (Quelle: Mojang)

Hätte man Markus Persson vor ein paar Jahren gesagt, dass er bald zu den reichsten Männern der Games-Branche gehören würde, hätte er einen vermutlich für verrückt erklärt. Und reich wurde Persson, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Notch“, nicht etwa als Kopf eines vielköpfigen Entwicklerstudios, wie es zum Beispiel ein Peter Molyneux (Lionhead, "Fable") oder Ray Muzyka und Greg Zechuk (Bioware, "Mass Effect") betreiben, sondern als schlichter Einzelkämpfer: In einem inzwischen fast schon legendären Alleingang stampfte Persson das PC-Phänomen "Minecraft" aus dem Boden.

Spektakulärer Millionenerfolg

Inzwischen toben sich über elf Millionen registrierte User weltweit in Perssons Kosmos aus - und mindestens drei Millionen davon haben Minecraft hochoffiziell für anfangs zehn, später 15 Euro erstanden. Und das nicht etwa als Box oder mit Hilfe einer renommierten Download-Plattform wie Steam, sondern schlicht und einfach über die Internet-Adresse "www.minecraft.net". Drei Millionen bezahlte Downloads bei durchschnittlich 12,50 Euro machen 37,5 Millionen Euro, die Persson mit seinem Hit ungefähr verdient hat - selbst nach Abzug aller Unkosten und Steuern ein (außer)ordentlicher Batzen Geld. Natürlich ist "Notch" nach dem phänomenalen Erfolg nicht mehr allein - längst beschäftigt der Indie-Star einen kleinen Stab aus angestellten Programmierern: Während ihr Chef durch die Weltgeschichte und von Termin zu Termin jettet, um den Boom weiter anzufeuern, sind seine Mitarbeiter damit beschäftigt, Minecraft auf die offizielle Veröffentlichung Ende dieses Jahres vorzubereiten. Denn das ist wohl das Erstaunlichste: Tatsächlich befindet sich der Welterfolg offiziell noch immer im Beta-Stadium.

Klötzchen-Kunst

Aber was ist das eigentlich für ein Spiel, das - obwohl nicht mal fertiggestellt - Millionen Menschen verführt und mit einem Entwicklungsbudget im Selbstausbeutungs-Bereich zum größten Zeitkiller seit World of Warcraft avanciert? Tatsächlich stimuliert Minecraft einen elementaren Instinkt - nämlich den Wunsch, etwas zu erschaffen. Schöpferisch tätig sein und mit den eigenen (virtuellen Knubbel-)Händen etwas zu bauen, zu basteln, aus dem Boden stampfen - und das Bauwerk im Idealfall sogar selbst zu beziehen. Das ist ein Drang, der das Genre der Aufbaustrategie (Anno) besonders in Deutschland groß gemacht hat. Heute gesellt sich eine inzwischen ganze Fülle von Spielen hinzu, die weiter gehen und den Spieler zum Mit- respektive Selbermachen motivieren. Darunter etwa Sonys putziges PS3-Jump'n'Run "Little Big Planet", in dem der Spieler die zu bewältigenden Levels auch selber konstruieren darf. "User Generated Content" (oder kurz UGC) heißt die Bewegung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Der Spieler wird aus seiner passiven Rolle heraus geholt und schafft selbst Inhalte. Die Werkzeuge dafür gibt ihm freilich der Entwickler des Spiels vor. Eine Gratwanderung, denn üblicherweise gilt: Je größer die kreative Freiheit ist, die man dem Spieler gewährt, desto komplexer sind die Werkzeuge - und je simpler die Tools, desto kleiner der schöpferische Freiraum.

Grenzenlose Freiheit

Obwohl "Notch" scheinbar die goldene Mitte gefunden hat, sieht Minecraft auf den ersten Blick nicht gerade einfach aus: Persson setzt den Spieler in einer wilden, aus klobigen Bauklötzen konstruierten Welt aus, ohne ihm zu verraten, um was es eigentlich geht. Die Blöcke, aus denen dieser klotzige Kosmos per Zufallsgenerator erschaffen wird, wirken wie die 3D-Version antiker, verpixelter 8-Bit Grafik, türmen sich zu gigantischen Gebirgen, weiten Wäldern, glühenden Wüsten und endlosen Meeren auf. Tatsächlich ist dieses blockige Universum so riesig, dass man - so Persson - drei Jahre lang ununterbrochen in ein und dieselbe Richtung laufen kann, bevor man sein Ende erreicht hat. Damit weckt der schwedische Entwickler also zunächst mal den Forscher- und Experimentierdrang des Spielers. Bis dieser schließlich merkt, dass er in der scheinbar so stillen 3D-Welt nicht allein ist: Kaum bricht die erste Nacht herein, kriechen die ersten kantigen Kreaturen aus ihren Löchern - und obwohl sie mit all ihren plumpen Ecken und Kanten wenig gefährlich aussehen, machen sie dem wagemutigen Abenteurer das Leben doch zur Hölle.

Komplexer Ressourcenkreislauf

Höchste Zeit also, sich gegen die hungrige Meute zu schützen - und zwar durch den Bau eines gemütlichen Eigenheims mit dicker, einbruchssicherer Tür. Einfacher gesagt als getan, denn vor dem Bau steht die Gewinnung von Ressourcen: Aber Holz, Erde, Stein, Eisenerz, Diamanten und andere Rohstoffe wollen nicht nur gewonnen, sondern müssen außerdem mühevoll weiterverarbeitet werden. Beispielsweise mit Hilfe eines neuen Werkzeugs (das ebenfalls vorher konstruiert werden muss) oder eines Ofens. So wird aus einem gefällten Baum Holz, aus dem Holz eine Latte, aus der Latte ein Stecken und aus dem Stecken schließlich Holzkohle - vorausgesetzt, man hat zuvor Stein abgebaut und in einen Ofen verwandelt. Die Holzkohle schlussendlich hilft bei der Herstellung von Fackeln, ohne die nachts kein Baumeister auskommt, wenn er von hungrigen Klötzchen-Wölfen belagert wird. Im Minecraft-eigenen Wiki wuchern mittlerweile hunderte Tabellen, die Aufschluss darüber geben, was womit und in welcher Menge kombiniert werden will, um das gewünschte Material oder Objekt zu erhalten. Denn das Spiel selber bleibt diese Antworten schuldig - und reizt vielleicht gerade daher zum Experimentieren.

Virtueller LEGO-Baukasten

Trotz des offenkundigen Mangels an Komfort begeistert Minecraft nicht nur Profis, sondern auch solche Spieler, denen selbst ein Angry Birds komplex vorkommt. Kein Wunder, denn die kolossalen Bauten der Minecraft-Meisterarchitekten sind kleine digitale Weltwunder. Diese Götter der Klotz-Kunst setzen eigene Mehrspieler-Server auf, um zusammen mit ihren Freunden Bauvorhaben von geradezu epischen Ausmaßen zu realisieren und Kolosse aus dem virtuellen Boden zu stampfen, gegen die sich die Pyramiden ausmachen wie Spielzeuge. So verwandeln sie prominente Vorbilder aus Film, Fernsehen, Literatur oder auch der Realität in blockige Prachtbauen. Ob die Minen von Moria aus "Der Herr der Ringe", Jack Sparrows "Black Pearl", das "Schloss im Himmel" von Zeichentrickstudio Ghibli, das komplette Raumschiff Enterprise oder aber das prachtvolle Taj Mahal - keine Konstruktion ist den Architekten zu komplex,. Selbst simple technische Vorgänge sind möglich. So hat manch ein fleißiger Baumeister mit Hilfe der Redstone-Schaltkreise ganze Computer gebastelt - denn genauso wie unsere Rechenknechte kennt Redstone zwei Zustände: "An" und "Aus". Sogar seine eigene Hölle hat Perssons Hit: Aber wer hier besonders seltene Materialien abbauen will, der muss zunächst Rohstoffe und Rezept für das nötige Dimensionsportal auftun… .

Die eigenen Träume verwirklichen

Für den schnellen Bau der eigenen Wunschwelt überaus nützlich, aber bei den meisten Mincraftlern verpönt ist übrigens die Nutzung von Mods und Editoren, die einiges an lästiger Handarbeit ersparen. Echte Baumeister tüfteln für die Erschaffung ihrer Welt Hilfsmittel wie Gruben oder Baugerüste aus, die selbst den alten Ägyptern zur Ehre gereicht hätten. Denn schließlich geht es um nicht weniger als die Umsetzung der eigenen Träume und darum, sie mit den eigenen Händen zu verwirklichen - etwas, das in der echten Welt immer schwieriger wird. Selbst Bauen und dann das Lob der Community ernten, das ist ein Erlebnis, vor dem sich höchstens solche Kreativlinge versperren, die einen echten 3D-Editor bedienen können. Alle anderen greifen willig zu Perssons charmantem Lego-Baukasten. Minecraft soll in der endgültigen Fassung Ende des Jahres erscheinen und wird 20 Euro kosten.

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