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Frauen in Computerspielen: Emanzipation im Pixel-Kosmos

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Frauen in Computerspielen  

Emanzipation im Pixel-Kosmos

09.09.2011, 13:47 Uhr | Medienagentur plassma / jr, Medienagentur plassma

Frauen in Computerspielen: Emanzipation im Pixel-Kosmos. Emanzipation in Spielen: Cate Archer in "No one lives forever" (Quelle: Electronic Arts)

Emanzipation in Spielen (Quelle: Electronic Arts)

Die Zeiten, in denen man ausschließlich männliche Helden durch virtuelle Welten steuerte, sind längst vorbei. Spätestens seit Lara Croft in Tomb Raider mit wohl proportionierten Rundungen und Pistolen-Power die ansonsten von männlichen Protagonisten dominierte Spielwelt aufmischte und zur Games-Ikone avancierte, sind Frauen ein fester Bestandteil von Computer- und Videospielen. Ob Frauen als weibliche Heldin, Sexbombe, Partnerin des Hauptcharakters, wichtige Nebenfigur im Rahmen der Handlung oder gar Oberfiesling eines Spiels - das angeblich schwächere Geschlecht ist querbeet durch alle Genres und in allen Facetten und Bedeutungsstufen vertreten. Doch genau wie in der realen Gesellschaft war und ist die Emanzipation auch in der virtuellen Spielewelt ein langfristiger Prozess. Wir stellen ein Stück des Wegs zur Gleichberechtigung vor.

Power-Heldinnen: Ms. Pacman

Ein kurzer Ausflug in die Historie der Computerspiele zeigt, dass Spiele-Heldinnen anfangs rar gesät waren. Die ersten Computerspiele für zuhause ließen Besitzer von Pionier-Konsolen wie Ataris VCS 2600 Anfang der 80er Jahre vornehmlich in die Rolle von männlichen Abenteurern ("Pitfall", "Jungle Hunt"), angriffswütigen Primaten ("Donkey Kong") oder hüpfende Klempnern ("Mario Bros.") schlüpfen. Doch schon damals gab es eine erste Heldin, die von sich reden machte: Der gigantische Erfolg von "Pac-Man" in der Spielhalle und in der Umsetzung für die Atari-Konsole brachte Publisher Midway auf die Idee, das Spiel 1982 in einer neuen Version zu veröffentlichen - und zwar mit der Ehefrau des Pillenfressers Pac-Man in der Hauptrolle. Fein geschminkt und mit falschen Wimpern versehen, war "Ms. Pac-Man" inhaltlich zwar nur eine minimale Weiterentwicklung des Originalspiels, doch der erste Schritt auf einem langen Marsch in die Emanzipation war getan.

Kampfbraut Samus Aran

Die erste große Spiele-Heldin hatte ihren Auftritt in "Metroid". In dem 1986 für das Nintendo Entertainment System (NES) erschienenen Plattform-Actionspiel staunten nicht wenige Zocker, als sie nach dem Durchspielen feststellen mussten, dass sich in dem Power Suit kein Mann, sondern eine hübsche und dennoch knallharte Blondine befindet. Samus Aran gilt seitdem als Vorreiterin für Frauen in der Rolle der Spieleheldin und hatte in etlichen weiteren "Metroid"-Teilen spektakuläre Hauptdarstellerauftritte - zuletzt in Metroid: Other M für Wii.

Fürchterliches Duo: Die Giana Sisters

In den Folgejahren wurden immer mehr Spiele veröffentlicht, in denen Frauen wichtige Parts oder gar den Hauptcharakter übernahmen. So etwa in dem ungenierten "Super Mario Bros."-Klon "The Great Giana Sisters" von 1987 für den C64, der vom deutschen Entwickler Time Warp Productions erschaffen wurde. Hier drehte sich hier alles um die sympathischen Hüpf-Heldinnen Giana und Maria. Umsetzungen für MS-DOS, Amiga und Atari ST folgten 1988. Lange konnten sich die deutschen Entwickler aber nicht über den von Presse und Fans frenetisch gefeierten Erfolg rund um das kecke Schwesterduo freuen. Aufgrund der starken Ähnlichkeit zum offensichtlichen Vorbild "Super Mario Bros." zog dessen Hersteller Nintendo vor Gericht und gewann. Als Folge des Rechtsstreits mussten sämtliche "Giana Sisters"-Exemplare vom Markt genommen werden. Selbst heute noch sind die Giana-Schwestern unter Sammlern extrem begehrt; Preise von 100 Euro und mehr sind auf Ebay - je nach Version - keine Seltenheit. Die Nintendo DS-Variante hingegen ist frei erhältlich und kostet rund 30 Euro.

Mit Pfiff: Laura Bow

Die Lady aus dem Sierra-Grafikadventure "Laura Bow 1: The Colonel’s Bequest", das 1989 für MS-DOS, Amiga und Atari ST erschien, markiert ebenfalls einen wichtigen Meilenstein. Sie ist die Gamesheldin, die den Frauentyp "intelligent, hübsch und zielstrebig" in Spielen etablierte. Die Handlung ist im Jahr 1925 angesiedelt: Die Studentin und angehende Journalistin Laura ist die Tochter eines Detektivs und wird von ihrer Freundin Lillian zu einer Familienfeier in das Haus deren Onkels, Colonel Henri Dijon, eingeladen. Grund des Treffens ist das Testament des Colonels. Jedoch entsteht unter den Familienmitgliedern ein Streit, in dem es darum geht, wer der geeignete Erbe für das ansehnliche Vermögen von Djion ist. Doch der möchte sein Vermächtnis gerecht unter allen Familienmitgliedern aufteilen. Die Lage spitzt sich schnell zu; Laura findet bald die erste Leiche. Das Problem ist nur, dass der Tote kurz darauf wieder verschwunden ist. Laura ist also die einzige, die weiß, dass irgendetwas nicht stimmt und macht sich in bester Agatha Christie-Manier auf, um das Geheiminis zu lüften. Mit "Roberta Williams' "Laura Bow in: The Dagger of Amon Ra" bekam die die clevere Rätselspezialistin 1992 ein zweites Spiel spendiert, das ausschließlich für den PC erhältlich war.

Die Ex-Ikone Lara Croft

Als Tomb Raider im Jahr 1996 für Sega Saturn, Playstation und PC erschien, revolutionierte das Action-Adventure die Spiele-Welt in zweierlei Hinsicht: Nicht nur, dass man erstmals in für damalige Verhältnisse opulenter 3D-Optik ein spannendes, an die Indiana Jones-Filme angelehntes Abenteuer bestreiten konnte. Vielmehr war die größte Sensation die Heldin Lara Croft. Die Archäologin wurde von Erfinder Toby Guard als sexy, gebildet und athletisch dargestellt und sprach durch diese Attribute sowohl männliche als auch weibliche Spieler an. Der Rest ist Geschichte: Tomb Raider wurde zum Mega-Hit und brach sämtliche Verkaufsrekorde; Lara Croft stieg zum Sexsymbol auf. Sie hüpfte sogar durch ein Musikvideo der deutschen Band Die Ärzte ("Männer sind Schweine") und schaffte 2001 als bislang einzige Spieleheldin den Sprung auf die Kinoleinwand. Tomb Raider mit Angelina Jolie in der Hauptrolle spielte mehr als 130 Millionen US-Dollar ein. Dank Lara Croft veränderte sich das Bild des typischen Computerspiele-Helden. Es war ein "Point of no return" erreicht - die Entwickler trauten auch endlich den Frauen zu, als Zugpferde für ihre Spiele zu fungieren.

Taffe Leute von heute

Besonders nachhaltig war der Effekt bemerkenswerterweise im bis dato männlich dominierten Action-Genre. Wo 1999 mit der rothaarigen Kriegerin Rynn im Playstation-Hack’n’Slay "Drakan: Order of the Flames" erneut eine Frau die Klinge schwang, zeigten vor allem im Jahr 2000 etliche Heldinnen, wo es zukünftig lang geht: So etwa im Ego-Shooter-Hit "No One Lives Forever" (und dessen zweiten Teil von 2002), in dem die attraktive Geheimagentin Cate Archer einem James Bond in Sachen Cleverness und Waffengeschick in nichts nachsteht. Eine äußerst interessante Spiele-Heldin ist zudem Hana Tsu Vachel aus dem Playstation-Adventure "Fear Effect", das im Jahr 2000 von Eidos veröffentlicht wurde. Die Vollwaise agiert als Scharfschützin und Spezialistin für geheime Operationen - und ist lesbisch, was der Spieler en passant in einem Unterplot in "Fear Effect 2 - Retro Helix" erfährt. Weitere Frauen, die als Spiele-Protagonistinnen große Auftritte hatten, sind Horror-Heldin Alexandra Roivas aus "Eternal Darkness" (2002), die taffe Reporterin Jade aus Ubisofts Action-Adventure "Beyond Good & Evil" (2003), Rächerin Nariko aus "Heavenly Sword" (2007), Runnerin Faith aus "Mirror’s Edge" (2008), Söldnerin Ruby aus "Wet" (2009), Scarlett, die Tochter des Todes, im Rollenspiel "Venetica" (2009) oder Hexe Bayonetta aus dem gleichnamigem Actionspiel von 2010. Und in fast jedem zeitgemäßen Rollenspiel wie zum Beispiel Biowares "Mass Effect 2" kann man sich zu Spielbeginn entscheiden, ob man einen männlichen oder weiblichen Helden verkörpern möchte. Das gilt natürlich auch für den Genre-König WoW, der einem ein reichhaltiges Angebot an Nachtelfinnen, Gnomfrauen oder Zwerginnen offeriert.

Starke Frauen als Partnerinnen

Auch in Nebenrollen haben Frauen viele Games-Klassiker geprägt. Die Emanzipation der weiblichen Charaktere ist dabei nicht zu übersehen. Das Paradebeispiel dafür ist Elaine Marley aus dem Adventure-Klassiker "The Secret of Monkey Island" (1990), die Geliebte des Protagonisten und Möchtegern-Piraten Guybrush Threeepwood. Die schöne Rothaarige weist den tollpatschigen Rätselhelden mehr als einmal zurecht und hat in der Beziehung ganz klar die Hosen an. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte "Monkey Island"-Reihe, denn auch in den Nachfolgern läuft Guybrush seiner geliebten Elaine mehr als einmal hinterher und muss sich immer wieder aufs Neue beweisen, um ihre Liebe zu erkämpfen. Den Partnerinnen-Part füllt auch Prinzessin Peach aus Nintendos "Mario"-Spielen aus. Mit einer interessanten Bedeutungsverschiebung: Während die süße Königinnenanwärterin in den ersten Titeln noch den dekorativen Part übernimmt, schüchtern und hilflos agiert und stets vom bösen Bowser entführt wird, um schließlich von Super-Klempner Mario gerettet zu werden, dreht sie in "Super Princess Peach" (2006) für den Nintendo DS den Spieß um: Nicht nur, dass sie zu spielbaren Hauptfigur aufsteigt, obendrein übernimmt sie diesmal den aktiven Part und muss die entführten Brüder Mario und Luigi aus den Fängen von Bowser befreien.

Typen in Nebenrollen

Weitere Beispiele an selbstwussten weiblichen Spiele-Charakteren gibt es zuhauf. So räumen die spielbaren Charaktere Jill Valentine und Claire Redfield in den ersten drei Teilen der "Resident Evil"-Reihe ganze Horden von fauligen Zombies aus dem Weg, greift Hauptdarsteller Max Payne in "Max Payne 2: The Fall of Max Payne" (2003) des Öfteren auf die Hilfe der geheimnisvollen Mona Sax zurück, die in einigen Passagen auch gesteuert werden muss, oder erweist sich Alyx Vance in "Half-Life 2" (2004) als hilfreiche Partnerin, die man zwar nicht selbst übernehmen kann, die durch ihren facettenreichen Charakter der Story aber viel Tiefe verleiht. Überhaupt würzen oft gerade die weiblichen Charaktere ein gutes Spiel um eine selbstbewusst-feministische Komponente. Mit Scharfzüngigkeit und schlagfertigen Argumenten wird den männlichen Helden hier immer wieder verdeutlicht, dass er nicht der Fixstern am Firmament ist.

Als Bösewichte eine Klasse für sich

Dass die Oberfieslinge in einem Spiel längst nicht immer Männer sein müssen, unterstreicht ebenfalls, wie weit sich die Emanzipation in der Gameswelt entwickelt hat. Gerade die Fieslinge sind im Vergleich mit den eindimensional guten Helden ja oft die spannenderen Charaktere. Ein gutes Beispiel dafür liefert das Action-Rollenspiel Dungeon Siege 3, in dem die skrupellose Jeyne Kassynder das Königreich Ehb terrorisiert und zu Spiel-Ende höchstpersönlich als Endgegner besiegt werden muss. Nicht minder gefährlich ist das unheimliche Mädchen Alma Wade aus "F.E.A.R." (2005), das dem Spieler mehr als einmal mächtig Angst einjagt. Auch Blizzards Hack’n’Slay-Klopper "Diablo 2" (2000) setzte den Spielern am Ende des ersten Akts mit Dämonenkönigin Andariel eine brandgefährliche Gegnerin vor. Und im Überraschungshit "Portal", dem Puzzle-Shooter von Valve aus dem Jahr 2007, gibt’s gleich die doppelte Frauen-Portion. So steuert der Spieler die junge Chell und muss sich am Ende einem ganz besonderen, weiblichen Endboss stellen: GlaDOS, eine künstliche Intelligenz und die einzige "Person" mit der man in den Spielstunden vorher zu tun hatte. Ihr feiner Humor und ihre sarkastischen Sprüche erheitern bis zum Ende und haben maßgeblich zum großen Erfolg des Spiels beigetragen. Auch in "Portal 2" ist GlaDOS die Antagonistin des Spielers, der erneut die Kontrolle über Chell übernimmt.

Fazit

Auch wenn sich in einigen kommenden Spiele-Blockbustern, allen voran Ego-Shootern wie "Battlefield 3" oder "Call of Duty: Modern Warfare 3", alles um die geballte Männlichkeit und knallharte Ballerhelden dreht - ohne die Emanzipation der Frauen in Computerspielen wären uns jede Menge interessante Figuren, Storys und Dialoge durch die Lappen gegangen. Die virtuelle Weiblichkeit fühlt sich in den verschiedensten Rollen pudelwohl: Vollblut-Hauptdarstellerinen wie Lara Croft (Tomb Raider) und Samus Aran (Metroid), spielbare Sidesteps à la Mona Sax (Max Payne 2), interessante Nichtspieler-Charaktere wie Alyx Vance (Half -Life 2) oder fiese Bösewichte wie Alma (F.E.A.R.) bereichern Spiele aus allen Genres.

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