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Test zu Dark Souls für PS3 und Xbox 360: Ein strenger Lehrer

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Test Dark Souls | Rollenspiel | PS3, Xbox 360  

Ein strenger Lehrer

10.10.2011, 09:25 Uhr | Volker Bonacker / jr

Test zu Dark Souls für PS3 und Xbox 360: Ein strenger Lehrer. Dark Souls (Quelle: Namco Bandai / From Software)

Dark Souls (Quelle: Namco Bandai / From Software)

Fieser geht immer: Im Rollenspiel "Dark Souls", das für PS3 und Xbox 360 erhältlich ist, kämpft man in verwunschenen Burgen und finsteren Verliesen gegen tödliche Gegner, die nur wenige Schwertstreiche brauchen, um das digitales Alter Ego des Spielers zu vernichten. Doch es ist nicht nur der Schwierigkeitsgrad, der beim Nachfolger des 2009 erschienenen "Demon's Souls" fasziniert. Stattdessen begeistert das Spiel mit etwas, das angesichts viel zu einfacher Games, in denen selbst blutige Anfänger ohne große Anstrengungen den Sieg davon tragen, längst verloren geglaubt schien: Es fordert - und weiß Fleiß und Hartnäckigkeit angemessen zu entlohnen.

Der Tod wartet um die Ecke

Nur noch um diese eine Ecke, denn dort hinten auf dem Vorsprung über dem Abgrund leuchtet etwas hell in der Finsternis. Ob das eine jener Soldatenseelen ist, die einen dicken Bonus an dringend benötigten Seelen geben, den wir für den nächsten Level-Aufstieg brauchen? Vermutlich. Und sie ist schon fast zum Greifen nahe, nur noch wenige Meter trennen vom begehrten Gut. Da bricht rechts aus einem Tunneleingang, der in der Gier übersehen wurde, der Gegner heraus, ein Skelett-Krieger mit Fackel in der Hand, die bei einem Treffer mächtig Schaden hinterlassen wird. Instinktiv wird der Schild nach oben gerissen, seine tödliche Attacke in allerletzter Sekunde geblockt und der Angreifer mit schweren Hieben des Morgensterns zurückgeschlagen. Ehe er jedoch das Zeitliche segnet, greifen seine Verbündeten an, die weiter vorne gelauert haben. Das wird knapp, verdammt knapp. Besser schnell nach hinten in den Tunnel, aus dem wir gekommen sind, flüchten und die Feinde mit dem Zauber, den unser Held bei sich führt, aus der Distanz töten. Gerade noch mal gut gegangen - denn dieser Hinterhalt hätte binnen Sekunden das Ende der Partie bedeuten können.

Kein Feierabend-Vergnügen

Schließlich steht Dark Souls dem Vorgänger in Sachen Härte in nichts nach - das Motto "Eier. Wir brauchen Eier" gilt folglich weiterhin: Wer dieses Spiel nicht zu jeder Sekunde respektiert und sich nicht langsam und mit Bedacht durch die Burgmauern, Verliese und versunkene Geisterstädte vorkämpft, erlebt das digitale Ableben seiner Spielfigur schneller, als er das Gamepad gegen die Wand schleudern kann - ein Impuls, der während des Kampfes um jeden Meter der Spielwelt ein ums andere Mal auftaucht. Nein, das hier ist keine Spielerfahrung für ungeübte Feierabend-Zocker, das hier ist die volle Ladung Core-Game, das jene Gamer meistern, die vor einer steilen Lernkurve, frustrierenden Momenten und zunächst scheinbar übermächtigen Gegnern nicht zurückschrecken. Dafür jedoch eine Belohnung erhalten, die kaum ein anderer Titel jemals derart schön geboten hat.

Eine Frage des Charakters

Denn so schwer Dark Souls auf den ersten Blick wirken mag - unfair ist das Rollenspiel nicht. Es verzichtet lediglich darauf, den Menschen vor dem Bildschirm zu jeder Sekunde an der Hand zu nehmen und behutsam durch die Level zu führen, als hätte er noch nie ein Gamepad in der Hand gehabt. Stattdessen zwingt es einen, sich mit der gigantischen Vielfalt an Optionen und Möglichkeiten, die geboten werden, auseinanderzusetzen. Das beginnt bereits beim Erschaffen des Charakters, denn jeder davon bringt eigene Spezialfähigkeiten mit sich. Der Ritter etwa ist in Sachen Stärke schon recht weit ausgebaut, seine Nahkampfangriffe vernichtend. Der Dieb derweil bringt als Extra einen Generalschlüssel mit, der zahlreiche ansonsten verschlossene Türen öffnet - ebenfalls ein sehr wertvolles Gut. Zuletzt entscheiden wir uns dennoch für den Zauberer, der von Beginn an den "Soul Arrow"-Spruch beherrscht, dafür allerdings in Sachen Lebenspunkte und Stärke zurückstecken musste. Wie man sich auch entscheidet - letztlich kann man im Verlauf des Spiels noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen und somit auch einen Krieger die Geheimnisse der Magie lehren oder einen Kleriker mit schwerer Rüstung versehen.

Rettungsanker Feuerstelle

Dafür nötig sind jedoch die Seelen erlegter Gegner. Hat man genug davon gesammelt, kann man ein Level aufsteigen. Anfangs genügen hierfür wenige hundert Seelen, mit der Zeit sind jedoch mehrere tausend nötig. Es sollte also schon zu Beginn des Abenteuers mit Bedacht gewählt werden, welche Fähigkeiten man wie ausbaut, denn mit fortschreitendem Spiel wird ein Umbau der Figur immer teurer. Aufgestiegen wird an einem der Lagerfeuer, denn den vom Vorgänger her bekannten "Nexus" als zentralen Punkt der Spielwelt gibt es dieses mal so nicht mehr. Stattdessen sind im Verlauf der Reise an verschiedenen Stellen Feuerstellen zu finden. Entfacht man sie, kann gerastet werden, um die mitgeführte Flasche mit neuen Lebenstränken aufzufüllen, ein Level aufzusteigen oder den Charakter wieder ins Leben zurückzurufen. Üblicherweise beschreitet man die Level nämlich als "Hülle" - eine Art Zombie. Verwandelt man sich jedoch wieder in menschliche Gestalt zurück, stehen verschiedene Optionen offen, die sonst nicht verfügbar sind. Etwa das Hinzurufen befreundeter Spieler via PSN oder Xbox Live. Das ganze hat natürlich einen Haken, denn es kostet einen Punkt "Menschlichkeit", ein begehrtes Gut, das man nur selten im Spiel findet. Und sollte die Spielfigur sterben und damit wieder zur Hülle werden, ist der Punkt weg - ebenso wie alle Seelen. Immerhin kann man letztere wieder erlangen, wenn man es abermals durch die wieder aufgetauchten Gegner-Horden zum Ort seines Todes schafft. Das ist zwar fair, aber auch jedes Mal ein Drahtseilakt, bei dem nichts schiefgehen darf.

Wer sucht, wird belohnt

Und doch wird der eigene Recke mit der Zeit spürbar besser. Mächtigere Waffen werden gefunden oder beim Schmied aufgerüstet, neue Schilde und Rüstungen angelegt und verschiedene Zauber erlernt. Und dann sind da ja auch noch verschiedene Ringe, von denen jeweils zwei zur gleichen Zeit getragen werden können. Die Schmuckstücke geben teils mächtige Boni - wenn man sie nur mal findet. Denn wie schon Demon's Souls ist auch Dark Souls komplett offen gestaltet, das Erkunden der riesigen Spielwelt obliegt dem Spieler. Vorgaben, in welcher Reihenfolge die Gegner und Level angegangen werden müssen, gibt’s nicht. Nein, Dark Souls nimmt den Spieler wahrlich nicht an der Hand, sondern entlässt ihn stattdessen in eine Welt voller Möglichkeiten – die zunächst gefunden werden wollen. Selten hat sich Erkunden derart gelohnt wie hier, selten hat es so viel Spaß gemacht, einzelne Wege auszuprobieren und neue zu suchen. Und damit etwa Abkürzungen zu aktivieren, die das vorankommen anschließend deutlich einfacher gestalten, weil sie etwa die Rückwege zum letzten Lagerfeuer verkürzen.

Der Schritt durch den Nebel

Trotz aller Detailverbesserungen in Form von Lagerfeuern, einer stets vorhandenen Flasche mit Gesundheitstränken sowie kleinen Überarbeitungen in Sachen Balancing: Im Kern ist Dark Souls ein extrem forderndes Spiel, inklusive brachialer Bossfights, die einem das Äußerste abfordern. Tritt man erst mal auf den Zinnen des Klosters den Gargoylen gegenüber oder tief unter der Erde dem gigantischen Boss "Klaffdrachen", weiß man: Ein Fehltritt, einmal den falschen Button gedrückt, und das war es. Und schon ist es wieder da, das Zittern in den Händen, die Angst davor, durch die Nebelwände zu treten, die die Level in einzelne Abschnitte unterteilen und hinter denen von Abkürzungen bis Bossgegnern so einiges warten kann. Und doch gibt es keinen Weg darum herum. Allerdings auch nichts, das der Euphorie gleichkommt, die man verspürt, wenn einer der Obermotze tot vor einem zusammenkracht und damit wieder ein großer Schritt auf dem Weg zum Finale getan ist. Das schaffen wahrlich nur wenige Games in dieser Form.

Was wir mögen

Dark Souls ist in jeder Hinsicht ein strenger Lehrer, der aber nicht nur fordert, sondern auch fördert. Erkunden und Ausprobieren von neuen Items, Waffen und Charakter-Attributen wirken sich mit der Zeit spürbar auf den Spielverlauf aus. Man wird besser und das Game damit zumindest für wenige Sekunden leichter, schaffbarer. Bis der nächste turmhohe Gegner vor einem steht.

Was wir nicht mögen

Derartige Herausforderungen sind nicht jedermanns Sache. Während sich Spieler der alten Schule, denen der Schwierigkeitsgrad nicht hoch genug angesetzt sein kann, über ein Game, das definitiv alle Sinne und Reflexe fordert, freuen, verzweifeln Einsteiger binnen weniger Minuten. Wer nur mal eine gelegentliche Runde spielen und dabei möglichst rasch Erfolge feiern und Achievements sammeln will, der ist hier definitiv falsch.

Fazit

Selten hat eine Spielwelt so gefesselt, das behutsame Schleichen durch moosüberwachsene Burgzinnen und finstere Tunnels voller Ratten so viel Spaß bereitet und ein Game nächtelang derart zu fesseln gemocht, dass man sich beinahe sagen hört "Nur noch ein Gegner, dann gehe ich auch schlafen, versprochen!" Und diese Spannung vermag Dark Souls über Dutzende von Stunden aufrecht zu erhalten. Immer mit an Bord: Die Angst vor dem, was hinter der nächsten Ecke lauern könnte und der Respekt vor den Herausforderungen, die einem das Spiel vorsetzt. Gefühle, die heutzutage leider viel zu selten im Spieler hervorgerufen werden. Schön, dass es derartige Games noch gibt. Der Geheimtipp für lange Herbstabende geht in diesem Jahr klar an Dark Souls.

Titel: Dark Souls
Genre: Rollenspiel
Publisher: Bandai-Namco
Hersteller: From Software
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 50 Euro
System: PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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