Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Uncharted 3 – Drake`s Deception: Pflichtkauf für PS3-Besitzer

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test Uncharted 3 | Action-Adventure | PS3  

Popcornkino zum Nachspielen

01.11.2011, 12:38 Uhr | Volker Bonacker / jr

Uncharted 3 – Drake`s Deception: Pflichtkauf für PS3-Besitzer. Uncharted 3 (Quelle: Naughty Dog / Sony)

Uncharted 3 (Quelle: Naughty Dog / Sony)

Großartige Inszenierung, bombastische Grafik und filmreifes Gameplay: Die Entwickler Naughty Dog machen mit Uncharted 3 genau dort weiter, wo sie mit Teil zwei (Among Thieves) aufgehört haben. Das PS3-exklusive Action-Adventure bietet damit zwar im Vergleich zum Vorgänger wenig Neues, aber das dürfte niemanden stören. Denn die Mischung geht ein drittes Mal voll auf und überzeugt zu jeder Sekunde des Spiels. Wir haben uns ins 22 Kapiteln von London bis zum Schlusskapitel in der Rub al Khali-Wüste gehangelt und geschossen und verraten im Test, warum PS3-Besitzer auch um den neuesten Ableger der Serie einfach nicht herumkommen.

Zeitreise

Der Einstieg in Nathan Drakes drittes Abenteuer ist sehr bedächtig inszeniert, fast schon ein wenig langsam: Der Held und sein Mentor Victor "Sully" Sullivan treffen nach einem Faustkampf in einem Pub auf die Gegenspielerin Katherine Marlowe, die offenbar hinter dem Ring her ist, den Nathan schon seit Teil eins des Spiels um den Hals trägt. Was hat es mit dem Artefakt auf sich? Und wie gelangte Nathan überhaupt in dessen Besitz? Darüber klären die folgenden Kapitel auf, die einen Rückblick in die Jugend des Helden bieten und die bisher bestehende Lücke in der Erzählung schließen - ein gelungener narrativer Trick, mit dem die Entwickler der Story ein wenig mehr Tiefe verleihen.

Von London bis in die Rub al Khali

Wenig später geht es jedoch in bekannter Manier weiter: Nathans Reise führt ihn von London über Frankreich in den Jemen und nach einem Zwischenspiel auf einem Friedhof für Schiffwracks schlussendlich mitten in die Rub al Khali, die größte Sandwüste der Erde. Die den "Uncharted"-Stories zugrunde liegende Legende um Sir Francis Drake wird im dritten Teil durch den Bezug zu den Erzählungen des Archäologen und Geheimagenten T.E. Lawrence - besser bekannt als Lawrence von Arabien - um weitere attraktive Elemente ergänzt - der Kontext des Spiels wird um einiges komplexer. Doch dabei kommt in keinem Fall die Inszenierung zu kurz: Die Abwechslung in Sachen Settings - ein Markenzeichen der Serie - sowie die Liebe zum Detail, mit der die einzelnen Szenen erstellt wurden, sorgen für beste Unterhaltung. Was Grafik- und Level-Designer hier geleistet haben, muss sich vor keinem Konkurrenten verstecken, sondern setzt im Gegenteil erneut Maßstäbe - und das nicht nur auf der PS3. Die Spielwelt strotzt nur so vor Leben. Beim Gang über einen arabischen Markt herrscht zum Beispiel ein buntes Gewimmel von Passanten und Käufern, Händler bieten Nüsse, Früchte und andere Waren feil, und man wähnt sich von einer Sekunde auf die andere hineinversetzt in eine orientalische Szenerie aus Tausendundeiner Nacht. Dabei geht man als Spieler völlig im Fluss des Spiels auf.

Videos 
Glücksritter auf Schatzsuche

TV-Spot zu "Uncharted 3", dem PS3-exklusiven neuen Abenteuer des Action-Archäologen Nathan Drake. zum Video

Film trifft Spiel

Dieses von Psychologen als "Flow" benannte Phänomen ist das prägend Element von Uncharted 3. So man nicht den digitalen Tod stirbt und damit einzelne Partien wiederholen muss, gleitet man geradezu durch die verschiedenen Szenen und kommt sich wie im Film vor - ein weiteres Trademark der Reihe. Noch Spiel oder schon Film? Die Grenzen scheinen manchmal nicht vorhanden, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass auch Uncharted 3 auf fest vorgegebenen Wegen spielt und ein Abweichen davon nicht erwünscht ist. Stattdessen hangelt, kämpft oder rätselt man sich durch die einzelnen Level weiter, und das stets in einem von den Entwicklern festgelegten Rhythmus.

Abwechslung ist Trumpf

Und diese Choreografie vermag erneut zu begeistern, denn Abwechslung in sowohl Level-Design als auch Gameplay sind es, die keine Langeweile aufkommen lassen. Ist man in der einen Minute noch damit beschäftigt, ein Schalter- oder Puzzlerätsel zu lösen, steht wenig später schon die Flucht vor einer Übermacht an Gegnern oder fiesen Spinnenwesen an, die Nathan keine Chance lassen, wenn er nicht schnell und präzise handelt. Oder eine Verfolgungsjagd auf Pferden durch die hügelige, karge Landschaft der Wüste. Soll's das nicht sein, runden Kletterpartien das Portfolio ab. Ein Actionfilm der Marke "Indiana Jones" könnte nicht besser aufgebaut sein. Naughty Dog gehen hier mit großem Gespür für den Aufbau eines Spannungsbogens vor und setzt zum genau richtigen Zeitpunkt neue Schlüsselreize.

Und Action!

Dabei sind die Kämpfe ein wesentliches, unvermeidliches Element. Wie in den Vorgängerspielen verfügt Nathan über kein üppiges Arsenal, sondern kann maximal zwei Waffen und eine Handvoll Granaten tragen. Die Feuergefechte laufen ebenfalls nach bekanntem Muster ab: In Gears of War-Manier sucht man Deckung und tritt nur zum Feuern daraus hervor. Da die meist in Gruppen auftretenden Gegner meist rasch nach vorne preschen und das Umzingeln des Helden anstreben, sind Positionswechsel Pflicht. Das bringt einiges an Dynamik ins Spiel und sorgt für packende Momente. Notfalls macht Nathan auch im Nahkampf eine gute Figur. Die Auswahl an Moves wurde überarbeitet, der Abenteurer kann nun etwa auch herumliegende Gegenstände wie Flaschen oder gar Fische nutzen, um auf die Feinde einzuprügeln. Besonders fies: Im Kampf die am Gürtel des Feindes hängende Granate scharf machen, anschließend den Gegner mit einem Tritt nach hinten wegstoßen und auf die Explosion warten. Kombattanten können zudem gegriffen und durch die Gegend geworfen werden, um sich Raum zu verschaffen. Abseits davon lässt das Spiel dem Spieler einige Hilfe zukommen. Muss Nathan beispielsweise einem Faustschlag entgehen, wird die Dreieck-Taste eingeblendet, damit auch Anfänger wissen, dass sie selbige nun besser drücken müssen - ein Novum im Vergleich zum Vorgänger, wo man sich lediglich auf sein Augenmaß verlassen konnte, was gegnerische Attacken betraf.

Hals- und Beinbruch

Hat die Kampagne erst einmal Fahrt aufgenommen, will man den Controller im Prinzip gar nicht mehr aus der Hand legen. Schließlich stehen auch abseits der Kämpfe einige großartige Momente an: Die Stunts, die Nathan ein ums andere Mal vollführt, sind teils derart abgedreht und realitätsfern, dass die meisten Actionstreifen einpacken können. Sprünge aus dem Flugzeug ohne Fallschirm? Kein Problem. Hangelpartien an rostigen Schiffsplanken mehrere dutzend Meter über dem Wasser? Lässig werden sie bewältigt. Aus einem brennenden Gebäude entkommen, in dem man knapp über dem Feuer entlang klettert, ohne geröstet zu werden? Für Nathan ist das maximal Frühsport. Denn Angst ist im Vokabular des Helden unter der Rubrik "unbekannte Fremdworte" zu finden. Stattdessen gibt's nach bestandenen Abschnitten durchaus mal den einen oder anderen lockeren Spruch, entweder vom Helden selbst oder dessen Begleitern. Die übrigens mehrheitlich aus alten Bekannten bestehen: die Journalistin und insgeheim-Liebschaft Elena Fisher ist wie der zuvor erwähnte Sully wieder mit an Bord, die taffe Chloe ebenso. Zwischen Vertrautem und Neuen hält Uncharted 3 äußerst geschickt die Balance.

Lebendige Figuren

Das Gesamtprodukt überzeugt nicht zuletzt auch wegen der wunderbar gemachten Animationen von Freund und Feind. Die Figuren agieren dank umfangreicher Motion-Capturing-Arbeiten von ihrem Gang bis hin zur Gesichtsmimik absolut lebensecht. Läuft Nathan an einer Wand entlang, stützt er sich gelegentlich mit der Hand ab, beim Gang durch die Stadt wirft er bisweilen verstohlen einen Blick über die eigene Schulter. Gleiches gilt für das Auftreten der Nebencharaktere, vor allem, was die Gestik während der Zwischensequenzen betrifft. Ein Glaubwürdigkeitsproblem in Sachen Aufmachung hat Uncharted auch im dritten Anlauf nicht - andere Games können hiervon nur träumen. Da stört es auch wenig, dass die Geschichte zwar mit actionreichen Highlights und der einen oder anderen nicht unerwarteten Wendung glänzt, wirklichen Tiefgang aber vermissen lässt . Das Ganze ist eben Popcornkino zum Nachspielen, markige Sprüche und leicht machohaftes Auftreten inklusive. Statt nachzudenken schaltet man hier einfach ab und lässt sich von Aufmachung, Effekten, Darbietung und grandiosen Kamerafahrten in jeder Szene aufs neue verzaubern.

Was uns gefällt

Uncharted 3 verwischt stellenweise die Grenzen von Film und Spiel und schafft diese Verbindung der unterschiedlichen Medien derart gekonnt, dass Langeweile zu keiner Sekunde der rund acht bis zwölf Stunden dauernden Kampagne aufkommt. Die Aufmachung überzeugt dabei vom großen Ganzen bis ins kleinste Detail, ist glaubwürdig und vermag es wie selten ein Spiel, den Menschen vor dem Bildschirm in ihren Bann zu ziehen. Dabei stört es nicht einmal, dass der Spieler im Action-Abenteuer über das Standard-Programm hinaus nicht gefordert wird. Das gilt freilich nicht für den Multiplayer-Modus, den Naughty Dog in Sachen Umfang abermals aufgebohrt hat. Wer danach immer noch nicht genug hat, bekommt mit dem Online- beziehungsweise Splitscreen-Koop-Modus weitere Spielstunden geboten.

Was uns nicht gefällt

Ein wenig mehr Mut zu Neuerungen wäre nett gewesen. Uncharted 3 schreibt im Grunde genommen die Erfolgsformel der Vorgänger fort und überrascht in dieser Form keinen Kenner der Serie - das Ergebnis entspricht den Erwartungen. Das gilt auch für die zuvor bekannten Tücken: Die Gegner-KI überzeugt nicht immer, zudem sehen viele der Gegner einfach gleich aus - Copy-Paste-Ware von der Stange. Wer die Vorgänger bereits kennt, wird zudem auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal" nicht nur keinerlei Probleme haben, sondern geradezu leicht durch das Spiel marschieren. Wer eine Herausforderung sucht, dem sei der Einstieg auf dem Level "Schwierig" geraten.

Fazit

Größer, schöner, actionreicher: Uncharted 3 ist ein Spiel, das mit Superlativen beschrieben werden will. Über kleinere Fehler schaut man dabei gerne wohlwollend hinweg, so sehr geht man im Game auf und vergisst alles darum herum. Diese Leistung vermögen nur wenige Titel zu erbringen. Und keiner davon kommt derart schön gemacht daher. Im Vergleich mit dem Vorgänger vermissen Serienveteranen zwar den einen oder anderen Aha-Moment oder erinnern sich an Szenen, die sie in ähnlicher Form bereits in Uncharted 2 gespielt haben - aber selbst das will man dem Spiel nicht zum Vorwurf machen. Uncharted 3 will schließlich gefallen, packen, mitreißen und unterhalten. Und das schafft es mit erneut mit Leichtigkeit. Für PS3-Besitzer der Pflichtkauf dieses Jahres!

Titel: Uncharted 3
Genre: Action-Adventure
Publisher: Sony
Hersteller: Naughty Dog
Release-Termin: 2. November
Preis: zirka 50 Euro
System: PS3
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal