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Test "Frachtschiff Simulator": Auf Grund gelaufen und gesunken

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Test Frachtschiff Simulator | Simulation | PC  

Auf Grund gelaufen und gesunken

13.12.2011, 13:59 Uhr | Olaf Bleich (vb / jr), Medienagentur plassma

Test "Frachtschiff Simulator": Auf Grund gelaufen und gesunken. Frachtschiff Simulator (Quelle: media Verlagsgesellschaft)

Frachtschiff Simulator (Quelle: media Verlagsgesellschaft)

"Das Steuer gehört Ihnen", verspricht der Covertext. Also rauf auf den Frachter und ran an die Container. Im mit Simulations-Spielen verwöhnten Deutschland, in dem es fast keine Berufstätigkeit in Handwerk oder Industrie gibt, die nicht künstlich nachgebaut wird, ist natürlich auch für einen "Frachtschiff Simulator" für PC-Spieler Platz. Doch wie viel Spaß macht es tatsächlich, Warenbehälter zu stapeln und Lieferrouten abzuklappern? Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Praktisch keinen.

Im Hafen steht nur ein kleiner Pott

Die Arbeit wartet: Im Hafen steht ein sehr kleines Frachtschiffchen mit acht Containern bereit. Das wirkt gegenüber richtige großen Frachtschiffen wie etwa der vor Neuseeland havarierten "Rena" mit weit über 1000 Containern an Bord doch sehr bescheiden. Aber gut, man fängt ja klein an - im wahrsten Sinn des Wortes. Vier Routen wurden ins Spiel integriert, um die Waren von Bremen nach Verden oder von Berlin-Wannsee nach Hamburg und in noch weitere Häfen zu schippern. Ein Steuerrad? Fehlanzeige! Man kann seinen Kahn zwar aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sieht ihn aber immer nur von außen. Eine Ego-Perspektive wäre in jedem Fall wünschenswert gewesen.

Wo sind die Menschen?

Nach dem Spielstart im stets gleich aussehenden Hafen weisen grün markierte Felder auf Ladeoptionen hin. Hier bekommt man dann Aufgaben der Marke "Müll von Ladeplatz E nach Ladeplatz A bringen" serviert. Diese kann man in der normalen Version absolvieren oder sich ein Zeitlimit aufdrücken lassen. Wer sich nun vorstellt, dass ein Lader Container aufs Schiff lädt, der wird leider schnell enttäuscht. Ladevorgang, Maschinen- und Menschengewusel muss man sich im "Frachtschiff Simulator" vorstellen. Ist das Laden abgeschlossen, startet der Motor, und das Schiff setzt sich per Tastendruck in Bewegung. 

Berlin-Hamburg nach zwei Kurven

Zwar wäre es viel zu zeitaufwändig, dass man in Echtzeit seine Waren von Berlin nach Hamburg schippert, trotzdem ist die Warenabwicklung für Simulations-Fans eine herbe Enttäuschung: Schon nach einer kurzen Fahrt durch einen Kanal oder Fluss ist man im Zielhafen angelangt. Nun gilt es, nur noch die richtige grüne Markierung zu finden. Denn welcher Lade und Entladeplatz wo ist, das wird dem Spieler nicht angezeigt. Ist man schlussendlich fündig geworden und hat seine Fracht entladen, bekommt man die Bestätigung, dass der Auftrag erfüllt ist, und kann sich eine neue Aufgabe suchen.

Wenn Bug und Heck im Beton verschwinden

Grafisch macht der "Frachtschiff Simulator" auf den ersten Blick einen passablen Eindruck. Wasser und Hafenumgebung sind ansehnlich gestaltet. Doch schon während der ersten Fahrt fallen Probleme auf: Entsprechend der Wellenbewegung schaukelt unser Pott im Wasser, und der Bug taucht ständig unter Wasser. Dass das Schiff damit im realen Leben schon längst auf dem Grund liegen würde, ist hier kein Faktor. Noch schlimmer kommt es aber, wenn der Kapitän seinen Kahn an unpassenden Stellen auf dem Flüsschen oder im Hafen wendet. Für den Simulator ist die nicht ausreichende Wasserbreite kein Problem: Dann verschwinden Bug und Heck halt einfach im Uferbereich, und das Schiff kann problemlos gedreht werden.

Wenigstens kann man hupen

Noch hässlicher wirkt die PC-Simulation aber, wenn man zwischen den einzelnen Ansichtsoptionen hin- und her schaltet. Dann hat man plötzlich eine Perspektive, die den Flussverlauf wie einen gemauerten Kanal darstellt, an den sich rechts und links nur Leere anschließt. Da helfen auch gut gezeichnete Blätter nicht, die aus der Seitenperspektive immer mal wieder hübsch den Blick auf den Mini-Frachter stören. Währenddessen kann ein Tastendruck auf das "E", mit dem man das Signalhorn ertönen lässt, wenigstens einmal für Aufmerksamkeit im Spiel sorgen.

Was uns gefällt

Auf jeden Fall die "E"-Taste, denn das zünftige "Tröööt" des Signalhorns ist einer der wenigen Höhepunkte im Spiel. Auch die Grafik ist trotz der mangelhaften Kollisionsabfrage auf einem Niveau, an dass man sich aus zahlreichen anderen Simulationsprogrammen inzwischen gewöhnt hat.

Was uns nicht gefällt

Der Rest. Der "Frachtschiff Simulator" wirkt nicht nur leblos, er spielt sich auch so. Außer auf linearem Weg sein Schiff durch immer gleiche Ufer-Umwelten zu steuern, wird hier keinerlei Abwechslung geboten. Abfahrts- und Ankunftshäfen unterscheiden sich gerade einmal durch das Ortsschild. Der Spieler erfährt nicht, welchen der optisch identischen Ladeplätze er ansteuern muss. Da hilft nur ausprobieren. Zudem lassen sich die Schiffe problemlos auch in viel zu engen Kanälen und Flüssen wenden. Wo sind die sich bewegenden Container, die Arbeiter, die im Hafen für den Warenumschlag sorgen? Hier verschenkt das Spiel sehr viel Atmosphäre und Realismus-Potenzial.

Fazit

Die Flut an Simulationsspielen ist gerade bei uns in Deutschland riesig. Es gibt interessante Beispiele, die wirklich gute Unterhaltung bieten. Aber leider gibt es auch Beispiele, die sogar noch weit unter Freeware-Niveau bleiben. Der "Frachtschiff Simulator" gehört in die letzte Güteklasse und wirkt eher wie ein Fanprojekt. Außer einer Fahrt, bei der ständig das Wasser über den Bug schwappt, passiert hier wenig. Selbst der niedrige Verkaufspreis ist da kein Pro-Argument. Simulations-Anhänger sollten ihr Geld in andere Titel investieren.

Infos zum Spiel

Titel: Frachtschiff Simulator
Genre: Simulation
Publisher / Hersteller: media Verlagsgesellschaft
System: Windows-PC
Release: Im Handel
Preis: zirka 15 Euro
USK-Freigabe: Ohne Altersbeschränkung
Wertung: Mangelhaft

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