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Jagged Alliance: Back in Action - Rückkehr eines Klassikers

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Test Jagged Alliance: Back in Action | Strategie | PC  

Rückkehr eines Strategieklassikers

26.03.2012, 10:11 Uhr | Benedikt Plass-Fleßenkämper / vb, Medienagentur plassma

Jagged Alliance: Back in Action - Rückkehr eines Klassikers. Jagged Alliance: Back in Action (Quelle: bitComposer / Kalypso Media)

Jagged Alliance: Back in Action (Quelle: bitComposer / Kalypso Media)

Was haben die Fans der beiden "Jagged Alliance"-Strategiespiele einer Fortsetzung der Serie entgegen gefiebert. 13 Jahre ist es nun bereits her, dass man in "Jagged Alliance 2" exquisite Taktik-Gefechte mit einem Team von Söldnern ausfocht. Doch die Neuauflage mit dem Untertitel "Back in Action" überzeugt trotz großer spielerischer Freiheit und XXL-Umfang nicht durchgehend: Mängel bei der Gegner-KI und im Spieldesign sowie die fehlende Nähe zum Original drücken auf die Spielspaßbremse. Ein schlechtes Spiel ist "Jagged Alliance: Back in Action" dennoch nicht geworden. Wir verraten, für wen sich die Reise nach Alruco lohnt.

Alte Story…

"Jagged Alliance: Back in Action" versteht sich als Remake des zweiten Teils im modernen Gewand. Deswegen werden gestandene Veteranen viele Mechaniken und vor allem die Handlung wiedererkennen. Wie schon Jagged Alliance 2 spielt auch Back in Action auf der Insel Alruco, wo man im Dienste des gestürzten Präsidenten dem Treiben dessen Frau, der skrupellosen Diktatorin Deidranna, ein Ende bereiten soll. Mit einer schlagkräftigen Söldnertruppe, die man aus lokalen Rebellen rekrutiert, um sie anschließend zu trainieren und zu bewaffnen, ist es nun das Ziel des Spielers, das Land schrittweise zurückzuerobern und die unterdrückte Bevölkerung Alrucos zu befreien.

…neuer Ansatz

Entwickler Coreplay hat einschneidende Änderungen am bewährten Spielprinzip vorgenommen: Die bedächtigen Rundenkämpfe weichen einer Echtzeit-Variante und einige der komplexeren Spielmechaniken fliegen komplett aus dem Mix. Der Spieler absolviert zahlreiche Schusswechsel, in denen das neue Echtzeit-Kampfsystem zum Einsatz kommt. Während und zwischen den Gefechten sammelt man Ausrüstung von besiegten Gegnern ein oder kauft neue Waffen im Online-Shop und verbessert die Fähigkeiten seiner Kämpfer.

Spiele-Videos 
Söldner-Trupp auf der Insel

Trailer zum neuen "Jagged Alliance: Back in Action". zum Video

Kopflose Gegner

Der actionreichere Ansatz funktioniert im Grunde recht gut und liefert ein angenehm flüssiges Spielerlebenis. Jedoch raubt die zwischen Aggressivität und Naivität schwankende Feind-Intelligenz den Gefechten einiges an Spielspaß: Erregt der Spieler die Aufmerksamkeit der Widersacher durch zu lautes Vorgehen, stürmen die gegnerischen Soldaten zum Ort des Aufruhrs. Dies führt dann nicht selten zu unfairen Situationen, bei denen man von einer ganzen Horde übermächtiger Feinde überrannt wird. Oder es passiert das genaue Gegenteil: Wer seine Söldner nämlich halbwegs klug hinter Deckungsmöglichkeiten verschanzt, der bringt in Windeseile ein ganzes Dutzend Angreifer unter die Erde. Fortgeschrittene, sorgfältig geplante Aktionen mittels des "Plan & Go"-System sind somit selten nötig.

Vorteil dank Waffenpower

Die Spielbalance ist nicht immer ausgewogen. Hat man zu Beginn noch seine liebe Mühe, die oft zahlenmäßig überlegenen Feindverbände auszuschalten, gerät das Spiel viel zu einfach, sobald der Spieler stärkere Waffen mit größerer Reichweite in seinem Arsenal hat. Außerdem verfügt man schnell über reichlich Geld, da man überzählige Waffen verkaufen kann und für jeden eroberten Sektor mit barer Münze entlohnt wird. Den Profit investiert der Spieler dann in neue Wummen. Mehr als 50 Waffentypen, unterschiedliche Granaten beziehungsweise Sprengsätze und zahlreiche Waffenmodifikationen wie Schalldämpfer oder Zielfernrohr stehen zur Auswahl. Gegenstände lassen sich jedoch nicht mehr wie in Jagged Alliance 2 kombinieren; der Spieler darf lediglich noch die Modifikationen an seine Waffen schrauben.

Original-Flair fehlt

Besonders schade für Fans von Jagged Alliance 2: Die Atmosphäre des Originals kommt einfach nicht rüber. Es fehlen sowohl der optionale Science-Fiction-Modus aus als auch die Zwischensequenzen in Deidrannas Palast. Zu Spielbeginn hat man zudem keine Möglichkeit, einen eigenen Söldner zu erstellen. Die meisten Änderungen hat Coreplay an der Strategiekarte vorgenommen, auf der man nunmehr lediglich das nächste Ziel seiner reisenden Söldnertruppe auswählt. Milizen in befreiten Gebieten lassen sich nämlich nicht mehr in andere, gefährdete Regionen verschieben. Auch das Training der Bürgerwehren fällt flach. Statt wie früher zwischen den Kämpfen Gegenstände zu reparieren, geschieht das nur noch in der Taktik-Ansicht. Die Gesundheit verwundeter Söldner regeneriert sich zudem neuerdings automatisch, wenn die Einheiten nicht im Einsatz sind.

Ballern statt Spannung

Weggefallen ist der "Fog of War": Anders als in Jagged Alliance 2 sind sämtliche Gegner von Beginn an sichtbar, im Pausemodus pulsieren sie sogar in einem auffälligen Rot. Dadurch verliert das Spielprinzip an Spannung. Man muss nicht länger jederzeit damit rechnen, dass ein durch einen lauten Schuss alarmierter Gegner um die Ecke biegt und seinem Trupp in den Rücken fällt. Stattdessen ist man stets über die Positionen der Feinde informiert. Die Herausforderung besteht nunmehr eher darin, die Gegner möglichst effektiv auszuschalten.

Schwächen bei Steuerung und Präsentation

Während die Maussteuerung der Söldner und das Anwählen von Trefferzonen im Kampf prima funktionieren, ist die Verwaltung des Inventars umständlich. Zudem schränkt die wuchtige Benutzeroberfläche mit ihren drei großen Balken am Bildschirmrand die Übersicht ein. Auch grafisch ist Back in Action kein Highlight: Zwar stellt die 3D-Engine über 40 Schauplätze wie von Palmen gesäumte Oasen oder einige liebevoll eingerichtete Innenräume detailliert dar. In den zahlreichen Wüstenregionen von Arulco herrscht dagegen optische Eintönigkeit. Auch die spärliche Sprachausgabe sorgt kaum für Stimmung, sondern nervt mit sich ständig wiederholenden Kommentaren.

Was wir mögen

Die neue Echtzeit-Variante spielt sich angenehm flott, lässt dem Spieler dank Pausefunktion aber immer noch Raum für taktische Manöver. Auch der Umfang ist riesig: Bis man die riesige Strategiekarte komplett abgeklappert und ganz Alcruco befreit hat, ist man locker 40 Spielstunden und mehr beschäftigt. Ebenso viele Söldner stehen bereit, dem Team des Spielers beizutreten, allesamt mit speziellen Vorlieben, Abneigungen, Stärken und Schwächen ausgestattet. Das Ausrüsten seiner Kämpfer und die Verbesserung ihrer Fähigkeiten dank Erfahrungspunktesystem sorgen für Rollenspiel-ähnliche Motivationsschübe.

Was wir nicht mögen

Lahme Gegner-KI, missglückte Balance, sperrige Steuerung und unspektakuläre Inszenierung - bei Back in Action hakt es vielfach. Vor allem nervig: Wenn Gegner hinter Zäunen oder in Unterständen stehen, ist es oftmals schwierig, sie aufgrund der unflexiblen Kameraperspektive genau anzuvisieren.

Fazit

Mittlerweile findet sich ein umfangreiches Update, das einige der hier angesprochenen Punkte verbessert beziehungsweise Fehler beheben soll (den kompletten Changelog gibt es hier). Unser Test basiert auf der ungepatchten Version. Für diese gilt: Coreplay hat die Chance verpasst, Serien-Neulingen und alten Hasen eine würdige Neuauflage des Strategiespiel-Oldies zu servieren. Zwar protzt "Jagged Alliance: Back in Action" mit einem monströsen Umfang, kommt mit reichlich Waffen und Modifikationen daher und bietet dem Spieler viel Freiraum beim Zusammenstellen eines individuellen Söldner-Teams und dem Lösen der Missionen. Und das neue Echtzeit-Kampfsystem funktioniert besser, als befürchtet. Allerdings hinterlassen vor allem die mäßige Gegner-KI, Bedienungsschwächen, kleinere Bugs und fehlendes Original-Flair einen schalen Beigeschmack. Da wäre mehr drin gewesen.  

Infos zum Spiel

Titel: Jagged Alliance: Back in Action
Genre: Echtzeitstrategie
Publisher: bitComposer / Kalypso Media  
Hersteller: Coreplay Game Developement  
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 40 Euro
System: Windows-PC
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Befriedigend

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