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Fans finanzieren die Entwicklung von Spielen  

Phänomen Crowdfunding: "Kickstarter" macht Schule

11.04.2012, 15:30 Uhr | vb / jr, Medienagentur plassma

Phänomen Crowdfunding: Kickstarter macht Schule. Entwickler Al Lowe wirbt via Kickstarter für ein "Leisure Suit Larry"-Remake. (Quelle: Kickstarter)

Entwickler Al Lowe wirbt via Kickstarter für ein "Leisure Suit Larry"-Remake. (Quelle: Kickstarter)

Wenn heute ein Spiele-Studio ein neues Projekt angehen möchte, dann muss vor allem eines gesichert sein: die Finanzierung. Denn die Entwicklung von Games verschlingt längst Summen in Millionenhöhe. Doch was tun, wenn man keinen Publisher, keine Bank oder keinen Investor findet, um das nötige Startkapital aufzutreiben? Das neue Zauberwort in der Spiele-Branche heißt "Crowdfunding": Die Entwickler rufen die Fans dazu auf, für ihr Projekt zu spenden, versprechen ihnen dafür - gestaffelt nach Höhe der eingezahlten Summe - als Gegenleistung die direkte Beteiligung am Entstehungsprozess, exklusive Gimmicks und notfalls auch ein persönliches Treffen. Untrennbar verbunden ist der Begriff mit der Plattform Kickstarter. Doch was ist dran am Hype?

Double Fine schafft Sensation

Obwohl das Crowdfunding-Konzept per se kein neues ist, macht der Begriff seit einer Aktion von "Double Fine Productions" die Runde. Der Leiter des Studios, Entwickler-Legende Tim Schafer ("The Secret of Monkey Island", "Day of the Tentacle",  "Full Throttle"), rief im Februar 2012 auf der Finanzierungsplattform "Kickstarter.com" dazu auf, für das neue Spiele-Projekt seines Studios zu spenden, um die Produktion eines Point’n‘Click-Adventures mit dem Arbeitstitel "Double Fine Adventure" zu sichern. Mit gigantischem Erfolg: Binnen fünf Wochen kam die unglaubliche Summe von 3.336.371 US-Dollar zusammen.

Viel mehr Spenden als erwartet

Dabei hatten sich Schafer und Mitstreiter Ron Gilbert ("Maniac Mansion", "Zak McKracken"), sein kongenialer Adventure-Partner aus Lucas Arts-Zeiten, mit 300.000 US Dollar ein eher moderates Finanzierungsziel gesetzt. Diese Summe sollte innerhalb eines Monats realisiert werden. Beim Erreichen der 400.000-US-Dollar-Marke versprach Schafer zusätzlich eine  "Making of"-Dokumentation zur Entwicklung des Spiels. Schon nach acht Stunden war die 400.000er-Grenze geknackt; gut 24 Stunden nach dem Start des Kickstarter-Projekts befand sich bereits rund eine Million US-Dollar in der Kasse des Entwicklers.

Fans zahlen – und machen mit

Insgesamt haben das Double Fine-Projekt rund 87.142 Personen unterstützt. 47.946 davon haben mindestens 15 US-Dollar gespendet und sich somit neben einem Download-Exemplar des Spiels auch einen Beta-Zugang gesichert. 11.530 Fans haben sogar 100 Dollar und mehr gezahlt und erhalten somit neben allen bisherigen Inhalten noch eine Blu-Ray/DVD-Dokumentation sowie eine exklusive Retail-Version des Spiels. Weitere Belohnungen wie Autogramme der Produzenten, Zeichnungen der am Spiel mitwirkenden Grafiker, ein Abendessen mit Tim Schafer und Ron Gilbert oder eine Studiotour in San Francisco sind Viel-Spendern vorbehalten. Zudem will Double Fine das Feedback der Spieler explizit in die Entwicklung einfließen lassen und Wünsche, Ideen und Anregungen umsetzen. Die Veröffentlichung des noch namenlosen Adventures, das in jedem Fall ein zweidimensionaler, klassischer Genre-Vertreter werden soll, ist für Oktober 2012 geplant.

Auch andere Entwickler versuchen ihr Glück

Von Schafers Erfolg angespornt, sprangen binnen kürzester Zeit zahleiche weitere Entwickler auf den Crowdfunding-Zug auf. Dazu gehörte auch Brian Fargo ("Baldur's Gate"), der bei Kickstarter investierende Interessenten für den zweiten Teil seines in den achtziger Jahren entstandenen Endzeit-Rollenspiels "Wasteland" sucht. Das angepeilte Ziel von 900.000 US-Dollar ist schon vor Ende der Aktion am 17. April übertroffen: Mehr als 2,2 Millionen US-Dollar an Zuwendungen ermöglichen es den Machern, den kommenden Titel auch für andere Plattformen wie Apples OS X und Linux umzusetzen. Im Falle von Double-Fine sind mittlerweile selbst Ableger für iOS und Android-Betriebssysteme geplant. Der Hype reißt damit aber nicht ab, sondern beginnt gerade erst: Zuletzt meldete sich Entwickler-Legende Al Lowe zu Wort. Er wirbt auf Kickstarter für ein Remake des ersten "Leisure Suit Larry". Binnen zehn Tagen sammelte Lowe bereits über 200.000 US-Dollar. In einem Video, das eigens zu diesem Meilenstein veröffentlicht wurde, äußert sich Lowe kritisch über das Investitionsverhalten in der Branche. Wer keinen Blockbuster wie Angry Birds plane, könne nicht mit Geld rechnen, so der O-Ton. Im Video zur Wastelands-Kampagne schlägt Fargo ähnliche Töne an. Also müsse man sich andere Wege suchen.

Fazit

Ist Crowdfunding via Kickstarter also der neue heilige Gral für Entwickler, um unabhängig von Kapitalgebern ihre Traumspiele verwirklichen zu können? Das sicherlich nicht. Aber der Erfolg von Tim Schafer zeigt deutlich, dass es genügend treue Fans gibt, die bereit sind, in ihre Lieblingsdesigner und Spiele jenseits des Mainstreams zu investieren. Ein bekannter Name sowie attraktive Gegenleistungen der Entwickler können durchaus ausreichen, um genügend Aktivisten zu motivieren. Der Sensationserfolg von Tim Schafers Adventure-Projekt hat sich mittlerweile nicht nur wiederholt, sondern scheint auch zum funktionalen Gegenentwurf zu werden, was die Finanzierung von Spielen betrifft. Werden kreative Entwickler mit Visionen und dem Mut, diese auch umzusetzen, künftig darauf verzichten können, ihre Werke von finanzkräftigen Publishern gemäß deren Konditionen finanzieren zu lassen? Zumindest in einigen Fällen könnte die Rechnung aufgehen. Ob sich das Prinzip jedoch mit einer steigenden Anzahl an Spendenaufrufen nicht abnutzt und sich Crowdfunding dauerhaft als Finanzierungs-Alternative etablieren kann, muss sich noch zeigen.

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