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Trotz politischem Druck: "Crysis 2" bekommt Deutschen Computerspiel-Preis

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Trotz politischem Druck: "Crysis 2" bekommt Deutschen Computerspiel-Preis

27.04.2012, 11:55 Uhr | jr / ams, dpa

Trotz politischem Druck: "Crysis 2" bekommt Deutschen Computerspiel-Preis. Crysis 2 Ego-Shooter von EA für PC, PS3 und Xbox 360

Crysis 2 (Bild: EA)

Der Ego-Shooter "Crysis 2" des Frankfurter Entwicklerstudios Crytek hat den Deutschen Computerspielpreis bekommen - trotz einer heftigen politischen Kontroverse: Die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag sprach von einem "Killerspiel". Das stößt auf Kritik - auch in den eigenen Reihen. Der erstmals 2009 vergebene Deutsche Computerspiel-Preis wird von mehreren Branchenverbänden und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) getragen; der Hauptpreis ist mit 50 000 Euro dotiert.

Computerspiel soll gegen die Menschenwürde verstoßen

"Furchterregende Kreaturen beherrschen die Straßenschluchten von Manhattan. Alle Systeme, Elektrizität und Kommunikation, versinken im wilden Chaos." So beginnt das Computerspiel Crysis 2, das am Donnerstagabend den Deutschen Computerspielpreis bekommen hat. Einen Quest, also eine Spielmission ganz eigener Art haben CDU und CSU im Bundestag gestartet: Sie kritisierten das Spiel und die Jury der Computerspielpreise - obwohl sie dort selbst vertreten sind. "Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind", erklärte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, im Namen der Unionsfraktion. Der Politiker brachte sogleich eine Neubesetzung der Jury für die Vergabe der Computerspielpreise ins Gespräch. Er warf dem Gremium vor, den kulturell-pädagogischen Gehalt aus Artikel 1 des Grundgesetzes - "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - zu ignorieren.

Jury verweist auf inhaltliche Kriterien

Grundlage für die Preisvergabe sei ein Bundestagsbeschluss von 2007, wonach inhaltliche Kriterien höher bewertet werden müssten als die technische Qualität einer Spielsoftware. Bei der Entscheidung für "Crysis 2" habe der rein technisch-innovative Aspekt im Vordergrund gestanden. Die Jury hingegen lobte in ihrer Entscheidung: "Das Spiel besticht durch hohen Spielspaß, eine innovative Spielmechanik und eine herausragende Grafik." Die entstand übrigens in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut, während Oscar-Preisträger Hans Zimmer den Soundtrack besteuerte. Staatsminister Neumann unterstützte die Kritiker. Man müsse darüber nachdenken, ob weiterhin Spiele ohne Jugendfreigabe ausgezeichnet werden könnten. "Ein Spiel, das aufgrund von Gewaltdarstellungen nicht für Jugendliche geeignet und deshalb nur für Erwachsene zugelassen ist, kann schwerlich 'kulturell und pädagogisch wertvoll' sein", betonte er. Dies sei aber 2007 die Zielsetzung des Bundestags gewesen. Mit den Abgeordneten des Kulturausschusses habe er vereinbart, dass über die Vergabekriterien erneut diskutiert und entschieden werde.

Publisher Electronic Arts weist Kritik zurück

Der Spiele-Anbieter EA , der "Crysis 2" vertreibt, wies Börnsens Kritik zurück. Beim Computerspielpreis gelte es, unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen - neben dem pädagogischen Wert auch die Unterhaltung, erklärte Sprecher Martin Lorber der Nachrichtenagentur dpa. "Genau wie bei Buch, Film oder anderen Medien setzen Spiele-Entwickler unterschiedliche Stilmittel ein, um bei den Spielern eine Emotion zu erzeugen." Das könnten auch Gewalt und Aggression sein. Beim Branchenverband BIU hieß es, die unabhängige Jury werde durch die Kritik aus der Union beschädigt.

Gegenstimmen aus der Politik

Kritische Stimmen gab es aber auch aus dem Bundestag: Der Vorsitzende des Unterausschusses Neue Medien, Sebastian Blumenthal (FDP), meinte: "Es ist nicht hilfreich, wenn die Politik in diesem Zusammenhang in eine undifferenzierte Killerspiel-Rhetorik verfällt - da waren wir schon mal weiter." In der SPD-Bundestagsfraktion erklärte der Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien, Siegmund Ehrmann, allein die Verwendung des Begriffs «Killerspiel» wecke Zweifel, ob die Union ein Interesse an einer sachlichen und differenzierten Debatte habe. Die unabhängige Jury, der auch Vertreter der Unionsfraktion angehörten, habe ihre Entscheidung mit Zweidrittelmehrheit getroffen und dürfe nicht diskreditiert werden. Für die Grünen erklärten Malte Spitz und Tabea Rößner als Sprecher für Netz- und Medienpolitik: "Computerspiele sind grundsätzlich ein kulturelles Gut, damit genießen sie sowohl Kunstfreiheit wie auch die Freiheit, nicht gefallen zu müssen." Sie warfen Börnsen vor, in "alte Schützengräben" zurückzufallen. Zurechtgewiesen wurde Börnsen auch aus den eigenen Reihen. Der kürzlich von mehreren Unionsabgeordneten gegründete Verein "Cnetz" hielt dem Kollegen entgegen, er habe sich offenbar gar nicht selbst mit dem Spiel beschäftigt. Auch die Unionsabgeordneten in der Jury - Peter Tauber und Thomas Jarzombek - gaben Börnsen kräftig Contra. "Bei einigen Kollegen würde ich mir manchmal wünschen, dass sie, wenn sie nichts Qualifiziertes sagen können, dann einfach auch mal nichts sagen", ließ sich ersterer vernehmen. Jarzombek verwies darauf, dass Kunst eben nicht immer pädagogisch sei. Crysis 2 ist im März 2011 für PC, PS3 und Xbox 360 erschienen und wurde von Fachpresse und Kunden überwiegend positiv aufgenommen. Der Ego-Shooter hat von der USK eine Altersfreigabe "Ab 18 Jahren" bekommen und darf damit nicht in die Hände Minderjähriger gelangen - egal ob mit oder ohne Deutschen Computerspielpreis.

Die weiteren Preisträger

Zu den weiteren Preisträgern des Deutschen Computerspiel-Preises zählen in diesem Jahr das Adventure "Harveys neue Augen" vom Hamburger Entwickler Daedalic Entertainment (bestes Jugendspiel: 75.000 Euro), das Kinderspiel "The Great Jitters: Pudding Panic" (75.000 Euro) vom Berliner Anbieter kunst-stoff und bei den "Mobile Games" der für iPhone und iPad entwickelte Titel "Das verrückte Labyrinth HD" (50.000 Euro) von Ravensburger Digital. Bei den "Serious Games" - Spielen mit Informations- und Bildungshintergrund - setzte sich die Kunsthalle Bremen mit der Anwendung "Vom fehlenden Fisch - Die geheimnisvolle Welt der Gemälde" (50.000 Euro) durch. Das beste Nachwuchskonzept aus dem Schüler- und Studentenwettbewerb präsentierten Studenten der Kunsthochschule Kassel mit "About Love, Hate and the Other Ones" (35.000 Euro), während Drakensang Online von Bigpoint in der Kategorie "Bestes Browsergame" (50.000 Euro) triumphierte. Der von "Gruner & Jahr Entertainment" organisierte Lara Award für das beste internationales Spiel ging an das Rollenspiel "The Elder Scrolls 5: Skyrim" von US-Entwickler Bethesda.

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