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Spieletester bei der USK: So kommen die Games zur Wertung

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Spieletester bei der USK  

So kommen die Games zur Wertung

27.04.2012, 13:41 Uhr | vb / jr, Medienagentur plassma

Spieletester bei der USK: So kommen die Games zur Wertung. Reportage: So arbeiten SPieletester bei der USK (Quelle: USK)

Reportage: So arbeiten SPieletester bei der USK (Quelle: USK)

Geliebt und gehasst: Die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" (USK) sorgt als von den Computerspiel-Verbänden getragene Institution dafür, dass eine laut Jugendschutzgesetz erforderliche Alterskennzeichnung für Videospiele durch ein Gremium aus Sachverständigen und staatlichen Vertretern erfolgen kann. Diese ist in Verkauf und Verleih nach dem deutschen Jugendschutzgesetz bindend. Fünf verschiedene Einstufungen gibt es - von "Ohne Altersbeschränkung" bis hin zu "Keine Jugendfreigabe". Doch wie kommt ein Videospiel eigentlich zu seiner Wertung? Wir haben der USK einen Besuch abgestattet und den Mitarbeitern über die Schulter geschaut.

Bis heute über 30.000 Spiele gesichtet

Die USK hat seit ihrer Gründung im Jahr 1994 bei über 30.000 Titeln eine Prüfung durchgeführt. In den Berliner Büros arbeiten elf feste Mitarbeiter und acht ehrenamtliche Tester. Für die Prüferfahren werden 56 Jugendschutz-Sachverständige und zwei staatliche Vertreter hinzugezogen. Die Sachverständigen werden durch einen Beirat aus Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen und Medienpädagogik, des Bundesfamilienministeriums, der Landesjugendbehörden, der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), der Jugendorganisationen, der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) sowie der Computerspielwirtschaft bestimmt. Träger der USK ist die "Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH". Die gemeinnützige GmbH wird von der Spiele-Wirtschaft durch Prüfgebühren für die eingereichten Spiele finanziert.

Im Archiv stapeln sich die Spiele bis zur Decke

Der Tag eines USK-Spieletesters beginnt ganz individuell - ihre Testzeiten können die ehrenamtlichen Mitarbeiter nämlich selbständig planen. Getestet wird im Bürokomplex in der Torstraße, mitten in im Zentrum von Berlin. Auf dem Weg zum Testraum passiert man das Heiligtum der USK, das große Spiele-Archiv. Hier stehen tausende Games in Regalreihen hoch bis zur Decke gestapelt. Platz für weiteren Nachschub in diesem Jahr ist eigentlich nicht zu entdecken. "Das ist wohl weltweit das größte Archiv seiner Art" erklärt USK-Geschäftsführer Felix Falk stolz, und zieht ein altes Leisure Suit Larry-Exemplar aus dem Regal. Hier möchte jeder Spieler gerne einmal mit seinen Konsolen ein paar Tage eingesperrt sein. Aber mehrere Sicherheitsschranken verhindern dies natürlich. Deshalb wird auch wieder ordentlich abgeschlossen, nachdem man uns das Archiv präsentiert hat. Von den knapp 20.000 Titeln steht ohnehin nur die Hälfte hier in den Regalen, die anderen mussten aus Platzgründen schon ausgelagert werden.

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Kein Spiel kommt an Test-Leiter vorbei

Weiter geht es im Rundgang der vierten Etage der modernen Geschäftsstelle zu Marek Brunner, dem Leiter des Testbereichs. Er war 1994 der erste Spieletester bei der USK und ist nun seit neun Jahren fest angestellt. Über den Schreibtisch in seinem Büro gehen alle Datenträger, die die Publisher einreichen. Sie werden zunächst grob angetestet, um festzustellen, ob diese frühen Beta-Versionen überhaupt spielbar sind. Andere müssen zuvor auf die Datenträger der verschiedensten Konsolen - zum Beispiel auf Cartridges für Nintendo DS - kopiert werden. Probleme gibt es häufig mit unfertigen Titeln. Das ärgert die Sichter, wenn sie beispielsweise den Bossgegner nicht finden können, weil er gar nicht da ist oder weil er einfach nur dumm rumsteht und sich verprügeln lässt. Erst anschließend werden die Spiele an die Tester verteilt.

Komfortabler Testraum

Der Testraum steht voller Monitore. Hier gibt es von hochleistungsfähigen PC über Playstation- und Xbox-Konsolen bis hin zu Gitarre oder Schlagzeug alles was man braucht, um die ganze Bandbreite des Spielekosmos gründlich testen zu können. Neben den üblichen Drehstühlen stehen bequeme Sitzsäcke parat, auf denen man viele Stunden daddeln kann. Insgesamt arbeiten acht ehrenamtliche Tester für die USK. In Stoßzeiten, beispielsweise vor der Gamescom, können aber noch weitere hinzugezogen werden. Die Titel werden den einzelnen Testern zwar zugeteilt, aber jeder kann natürlich seine Wünsche und Vorlieben äußern, wenn sie nicht ohnehin schon bekannt sind. Wichtig ist aber, dass sich keiner nur auf ein Genre versteift. "Bei den verschiedenen Spieleserien sind wir doch schon bemüht, dass der gleiche Tester die einzelnen Teile prüft. Schließlich geht es hier ja auch um Wissen aus dem Vorgänger, die Inhalte oder das Gameplay", erklärt Marek Brunner.

Zwei bis vier Spiele pro Woche

Zwei bis vier Spiele, je nach Umfang der Titel, bekommt jeder Tester pro Woche. Wann er mit seinem Test anfängt, ist ihm überlassen. Aber bis zum Prüfungstermin muss er fertig sein. Mit einem eigenen Schlüssel ausgestattet, hat er als Berechtigter ohnehin zu jeder Zeit Zugang zum Testraum. Da kann man am Nachmittag eintrudeln oder auch mal eine Nacht durchmachen. Es ist auch schon vorgekommen, dass Tester vor Ort auf einer kleinen Couch übernachtet haben. Schließlich kann sich so ein Test bei bis zu 80 Stunden Spielzeit ganz schön in die Länge ziehen.

Prüfen, bis der Bericht fertig ist

Hier werden Keine Kompromisse gemacht: Jeder Titel muss vom Anfang bis zum Ende durchgespielt werden. Bei umfangreichen Games heißt das, dass der Tester zur Not viele Stunden Spielzeit aufbringen und am Ende alles in einer Stunde zusammenfassen muss. Denn so viel Zeit hat er anschließend für die Präsentation vor dem Gutachter-Gremium. Es gibt aber auch kleinere Games, die man schon in vier Stunden oder weniger durchgespielt hat. Wie lange der Test dauert, ist auch eigentlich ohne Belang. Denn in jedem Tester steckt ein Spieler, und der hat auch bei wenigen Stunden Spieldauer Spaß, wenn der Titel gut ist. Wichtig ist aber, dass man beim Testen vor allem auf die Jugendschutz-Aspekte achtet. Da machen die Prüfer dann auch schon einmal die absurdesten Experimente: Was passiert etwa, wenn ich den Feind vom höchsten Dach runter werfe? Oder gibt es ein Achievement, wenn man vorwärts und rückwärts über eine Person fährt? "Wir haben hier schon einige der besten Spieler", betont Brunner, "die Sachen sehen, die im Youtube-Video erst einen Monat nach dem Release auftauchen. Die durchleuchten die Spiele schon sehr genau, und das ist ja eben ihre Aufgabe."

Immer ein Auge auf den Jugendschutz

Das bedeutet dann oft genug auch Nachtarbeit. "Dann sitzen die hier und zocken ihre Horrorspiele" erklärt Marek verschmitzt, "dann kommt der nächste Sichter, fasst ihm auf die Schulter und der Tester geht an die Decke. Das hatten wir auch schon." Ziel des stundenlangen Testens ist zunächst ein Prüfbericht. Hier hält der Sichter auf zwei Seiten seine Eindrücke zu Story,  Gameplay sowie zu für den Jugendschutz relevanten Aspekten fest. Einen Vorschlag für die Einstufung macht der Sichter allerdings nicht. Eine Grafik verdeutlicht zudem die Verteilung der Anteile von Gewalt, Rätsel oder Sprache im Spiel. Dabei müssen die Tester ihre Einschätzungen nach bestimmten Kategorien treffen. Dafür hat die USK ihre "Sichterbibel", in der unter anderem festgelegt ist, wie welches Genre zu sichten ist. "Zum Beispiel, ob man auf Zivilisten schießen, Rot-Kreuz-Zelte abbrennen oder ob man mit einem Wagen über Menschen fahren kann. Alle unsere Erfahrung sind hier eingeflossen, so dass sich zu jedem Genre vier bis zehn Punkte ergeben, worauf man ein besonderes Augenmerk haben sollte", so Marek.

Stichtag

Jeweils Dienstag und Mittwoch stehen zehn bis 20 Prüfungsberatungen an. Dann müssen die Sichter das Ergebnis ihres Tests vier Sachverständigen und einem staatlichen Vertreter präsentieren. Sie zeigen ihnen das Intro, ein mögliches Tutorial und präsentieren mindestens eine Mission aus dem Spiel. Dabei müssen sie gleichzeitig spielen, die wichtigsten Aspekte des Gameplays erklären und Fragen beantworten. Beispielsweise: "Kann man auf am Boden liegende Personen schießen?", "Ist es möglich, die die Hühner wegzutreten?", "Was ist das Schlimmste, was der Charakter sagen kann?". Die Gutachter sehen das ganze Geschehen auf ihren eigenen Monitoren, manchmal spielen sie auch selbst mit. Das kommt zwar selten vor, bei Rennspielen oder Beat’em-Ups wird aber schon mal kollektiv gezockt. Der Sichter beendet die Präsentation dann meistens mit einem spektakulären Bosskampf oder mit dem Multiplayer-Modus.

Gutachter entscheiden über Alterseinstufung

Anschließend beginnt die Beratung im Gremium. Anhand des schriftlichen Berichts und der Präsentation müssen die Jugendschutz-Experten nun die Alterseinstufung festlegen. "Das sind anstrengende Tage", sagt Brunner, "aber wir bemühen uns zu mischen, damit die Berater nicht drei Rennspiele oder sechs Shooter hintereinander sehen müssen." Kommt das Gremium zu keinem eindeutigen Ergebnis oder legt der staatliche Vertreter sein Veto ein, dann muss das Prüfverfahren noch einmal wiederholt werden, und es kommt zu einem neuen Prüftermin mit einem Gremium aus anderen Sachverständigen. "Doch das geschieht nur in zwei Prozent der Fälle", versichert Felix Falk. "Dabei halten sich die Einsprüche der staatlichen Vertreter mit denen der Publisher die Waage."

So wird man USK-Spieletester

Derzeit sind alle acht Stellen für die Sichter besetzt. Zwei von ihnen sind junge Frauen. Wenn es nach Marek geht, dann könnte sich der weibliche Anteil noch weiter erhöhen. Jeder junge Erwachsene kann sich natürlich selbst bei der USK bewerben. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Ausschreibungen in Fachzeitschriften oder Foren im Internet. Was muss ein Sichter für die USK eigentlich mitbringen? "Er muss natürlich mindestens 18 Jahre alt und loyal sein. Er muss gute Deutschkenntnisse haben und auch die englische Sprache beherrschen", umreißt Marek einen Teil der Anforderungen. "Er sollte aber auch gut koordinieren können, eine komplexe Präsentation beherrschen, und vor allem muss er verschwiegen sein." Logisch - die Games landen teilweise lange vor ihrer Veröffentlichung im Testraum. Während die Fachpresse noch orakelt, wie sich der kommende Hit wohl spielen wird, haben die Sichter schon längst ihre Finger am Controller.

Zur Verschwiegenheit verpflichtet

Aber sie dürfen niemandem davon berichten, denn ansonsten wäre ihre Arbeit bei der USK sofort beendet. Ganz schön schwierig. Bewerber gibt es trotzdem immer sehr viele. Den ganzen Tag spielen zu dürfen, wer wünscht sich das nicht? "Viele von uns hätten den Job auch umsonst gemacht", erzählt Marek, "schon wegen des Gefühls, Spiele zocken zu dürfen, die erst noch auf den Markt kommen werden". Die Bewerbungen kommen aus ganz Deutschland, aber wenn es geklappt hat, dann muss man mit seinem Koffer schon nach Berlin reisen, weil man tagelang im Testraum sitzt. Denn nicht nur die Informationen, sondern erst Recht keine Spieltitel verlassen die Räume der USK.

Ehrenamtliche Arbeit

"Wir sind da relativ unabhängig", sagt Tester Paul, "wir können also nicht gezwungen werden, in der nächsten Woche drei Titel zu machen." "In gemeinsamen Besprechungen oder auch per Smartphone planen wir die zukünftige Arbeit", ergänzt Marek. "Wenn einer der Sichter mal ein paar Tage frei haben will oder er vor einer wichtigen Klausur steht und deshalb Zeit braucht, dann können wir das so organisieren. Die Sichter tragen dann in den Kalender ein, dass Paul beispielsweise drei Titel nimmt, Katha keinen, Felix bitte nur einen kleinen. Und danach müssen wir planen. Wir wollen natürlich nicht, dass sie ausgepowert in der Ecke liegen." Die Arbeit eines Sichters ist ehrenamtlich. Die meisten USK-Tester sind Studenten. Mit ihrer Arbeit für die USK können sie nicht reich werden. Aber sie erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung von rund 40 Euro pro Test. "Egal, denn die Arbeit macht Spaß", versichert Paul. "Wer hat sonst schon die Möglichkeit Games zu spielen, die bisher noch keiner kennt? Gut, manchmal wird von den Publishern auch schon ein Spielverderber vorgelegt, bei dem sich die Arbeit quälend hinzieht. Aber das ist halt so wie im richtigen Leben. In einer Kiste Orangen steckt auch mal eine angefaulte."

Berufung aus Leidenschaft

Ehrenamtlicher USK-Spieletester zu sein, das ist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Die Alterseinstufung ist nicht nur für die Industrie und den Abverkauf wichtig, sondern auch für den Jugendschutz. Allerdings ist die Herangehensweise eine völlig andere als beim Spiele-Redakteur: Nicht der Spielspaß, technische Faktoren, die Story und das Gameplay stehen im Vordergrund, sondern vor allem Kriterien des Jugendschutzes, damit das Prüfungsgremium entscheiden kann, in welche Alterskategorie ein Titel gehört. Somit muss man als USK-Sichter in der Lage sein, seine persönlichen Spielvorlieben hinten anstellen und sich voll auf das objektive Sichten von Jugendschutz-relevanten Aspekten konzentrieren zu können. Ein cooler Job ist das trotzdem - nur eben keiner, den man wegen des Geldes macht.

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