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Gamescom 2012: Zeitforscher über Reiz und Gefahr von Computerspielen

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Gamescom 2012: Zeitforscher über Reiz und Gefahr von Computerspielen

10.08.2012, 11:20 Uhr | jr / ams, dapd

Gamescom 2012: Zeitforscher über Reiz und Gefahr von Computerspielen. Spiele-Trend auf der Gamescom 2011: 3D-Gaming (Quelle: Reuters)

Spiele-Trend auf der Gamescom 2011: 3D-Gaming (Quelle: Reuters)

Zeit ist der begrenzende Faktor aller Tätigkeiten: beim Arbeiten genauso wie beim Sporttreiben oder Computerspielen. Vor Beginn der Kölner Computerspiele-Messe Gamescom sprach dapd-Korrespondent Benjamin Palm mit dem Zeitforscher Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena über Zeitmangel und den Reiz von Computerspielen. Weitere Infos zur Spielemesse 2012 gibt's in unserem Gamescom-Special.

Herr Rosa, immer mehr Menschen klagen über Stress und Zeitmangel. Woran liegt das?

Rosa: Ganz praktisch formuliert liegt es daran, dass die 'To-Do'-Listen immer länger werden: Man hat am Ende des Tages so gut wie nie all das geschafft, was man hätte schaffen wollen und sollen. Und wenn man es mal hingekriegt hat, ist man im Rückstand beim Punkt 'Entspannen und Erholen' und wahrscheinlich auch im Punkt 'körperliche Fitness verbessern'. Analysiert man das Problem tiefer, stellt man fest, dass es darin besteht, dass wir zwar alle möglichen Dinge steigern und vermehren können, nicht aber die Zeitressourcen: Die Moderne folgt einem umfassenden Steigerungsprogramm. Seit 1800 haben wir nicht nur die Zahl der Güter, die wir Jahr für Jahr produzieren und konsumieren, gewaltig gesteigert, sondern auch die Zahl der Handlungsoptionen und der Kontakte. Aber wir haben immer noch nur 24 Stunden pro Tag, um sie auf die vielen Optionen, Kontakte und Güter zu verteilen. Das heißt pro Ding, Option oder Kontakt steht uns immer weniger Zeit zur Verfügung.

Bleibt überhaupt noch Zeit für das Spielen am Computer?

Rosa: Ich bin versucht zu sagen: Leider ja. Erstens spielen häufig disprivilegierte Schichten. Und zweitens kann das Spielen durchaus suchtförmigen Charakter annehmen, ganz ähnlich wie das Fernsehen. In empirischen Studien geben viele Befragte notorisch an, sie hätten nie Zeit für das, was ihnen wirklich wichtig ist, für das, was sie eigentlich tun wollten - dabei sehen sie vier Stunden am Tag fern oder spielen viele Stunden Computer. Außerdem verhält es sich so, dass kaufen und konsumieren häufig auseinanderfallen. Viele Menschen kaufen sich Computerspiele, die sie dann gar nicht oder nur kurz oder nur wenige Male spielen. Häufig landen Spiele auch unausgepackt in der Kiste: Wir leisten sie uns, aber wir opfern nicht die Zeit, sie tatsächlich zu konsumieren.

Wie können es die Spielehersteller schaffen, dass Menschen ihre Zeit hergeben?

Rosa: Eigentlich habe ich Skrupel, diese Frage zu beantworten. Ich zweifle daran, dass Computerspielen eine besonders erfüllende Art der menschlichen Tätigkeit ist. Natürlich hängt es auch vom Spiel ab. Generell würde ich sagen: Das Geheimnis des Erfolgs von Computerspielen besteht darin, dass das Verhältnis von Input und Output sehr günstig ist. Man muss nicht viel Zeit, Vorwissen oder Energie investieren, um etwas herauszubekommen. Anders als beim Fußballspielen, wo ich mich sehr anstrengen muss, wo ich mich erst anziehen und herausgehen und mich obendrein mit Freunden verabreden muss, kann ich am PC oder Gameboy sofort loslegen: Ich habe sofort etwas davon, ohne Vorinvestition.

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