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Papo & Yo: Junge und Monster gehen durch die Suchthölle

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Test Papo & Yo | Puzzle-Plattformer | PS3  

"Papo & Yo": Der Weg durch durch die Suchthölle

22.08.2012, 09:12 Uhr | Volker Bonacker (jr)

Papo & Yo: Junge und Monster gehen durch die Suchthölle. Papa & Yo (Quelle: We Are Minority / Sony)

Papa & Yo (Quelle: We Are Minority / Sony)

Muss ein Spiel Spaß machen, gut enden und den Menschen, der es gespielt hat, glücklich zurücklassen? Vander Caballero würde vermutlich alle drei Fragen mit "Nein" beantworten. Doch während andere Erzählmedien wie Film und Buch lange schon Geschichten für ein erwachsenes Publikum bieten, tut sich das Medium Videospiel auch 2012 noch schwer damit, mehr als bloße Unterhaltung zu offerieren. Ein Umstand, an dem "Papo & Yo", das PS3-exklusive Erstlingswerk von Caballeros Studio "We Are Minority", rütteln will. Der ungewöhnliche, autobiographische Download-Titel dreht sich um die Geschichte von Caballeros alkoholkrankem Vater und weist trotz Schwächen in der technischen Umsetzung eine inhaltliche Dichte auf, die lange Zeit ihresgleichen suchen wird.

Flucht ins Fantasiereich

Die Reise in die Vergangenheit beginnt mit einer Einblendung, in der der Entwickler seiner Familie dafür dankt, das Monster in seinem Vater überlebt zu haben - der vermutlich schwermütigste Einstieg, den sich je ein Spiel (frei übersetzt bedeutet Papo & Yo natürlich "Vater und ich") geleistet hat. Gefolgt von Bildern, die einen kleinen Jungen zeigen, der sich zusammengekauert in einem Schrank versteckt. Durch dessen Lamellen dringt das Außenlicht - und der Schatten eines tobenden Monstrums. Der Vater. Der Junge leidet Todesängste, als plötzlich mitten in seinem Versteck eine aus weißen Linien gezeichnete Tür erscheint. Ohne zu überlegen tritt er durch die magische Pforte, um sich wenige Sekunden später an einem Ort weit weg von allem zu befinden - er findet Zuflucht in seiner Fantasie.

Du bist verflucht

In dieser Favela-artigen Landschaft scheinen alle Probleme weit weg: Die Sonne scheint, leichte Töne begleiten die ersten Schritte des Jungen durch die verwinkelten Gassen, über die Dächer kleiner, bunter Häuser hinweg und mit aufwendigen Graffitis verzierte Hinterhöfe entlang. Spielerisch macht Papo & Yo mit den wenigen Tätigkeiten vertraut, die es zu tun gibt: Hier einen Schlüssel drehen oder da an Schaltern ziehen, um weitere Wege freizulegen, mal eine Leiter nach oben steigen oder kleinere Rätsel lösen. Etwa, in dem Häuser aufeinandergestapelt oder gleich die ganze Gegend in "Inception"-Manier verbogen wird. Das ist schließlich ein Fantasiereich. Ganz alleine ist Junge dabei nicht: Wenige Minuten nach seinen ersten Gehversuchen im Fantasiereich taucht ein Mädchen auf. Sie führt Quico, so der Name des Helden, durch die Szenerie, warnt ihn aber schon frühzeitig mit deutlichen Worten: "Du bist verflucht!"

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Mein Freund, der Feind

Verflucht, weil noch eine weitere Figur Quicos Weg kreuzt: Monster. Die roséfarbene, gigantische Kreatur mit Hörnern trifft wenig später auf den Jungen - und attackiert ihn ungeachtet ihres diabolischen Äußeren nicht. Denn Monster ist die meiste Zeit über ein friedlicher, etwas tumber Zeitgenosse, der träge dahintrottet, nicht sprechen kann und zufrieden ist, wenn Quico ihm hin und wieder eine der gelben Kokosnüsse hinwirft, die es überall zu finden gibt. Damit lockt man Monster an, was zur Lösung einiger Rätsel nötig ist. Hat er etwa genug davon gefressen, schläft er ein, worauf hin Quico auf seinen Bauch klettert und von dort aus höher gelegene Punkte erreichen kann. Die Botschaft ist klar: Die beiden kommen nur mit vereinten Kräften weiter - von "Ico" und "Majin & The Forsaken Kingdom" her kennt man das Prinzip. Im Gegensatz zu den herzlichen Freundschaften dort gilt hier aber: Der Spieler ist nicht einem Gleichgesinnten unterwegs, sondern einer Kreatur, die sich jederzeit vom Paulus zum Saulus wandeln kann.

Ein Biest in Flammen

Denn sobald Monster einen grünen Frosch frisst, bricht die Ambivalenz in der Beziehung der beiden Protagonisten voll durch. "Monster findet Frösche viel interessanter als Kokosnüsse", warnt das Spiel noch vor der symbolischen Darstellung des Alkohols (die darauf zurückgeht, dass sich Caballeros Tochter eines Tages vor einem Frosch erschrocken hat). Und wenig später ist es geschehen. Die Kreatur verwandelt sich in ein flammenloderndes Biest, das nur noch eines kennt: Quico angreifen, packen, wegschleudern und wieder und wieder attackieren. Der kann sich nicht wehren und nur eines tun: weglaufen. Die Gewalt gegen den panisch schreienden Jungen ist grausam, aber nicht tödlich - vergleichbar mit dem, was ein Alkoholabhängiger den Menschen um ihn herum antut.

Nicht der Fänger im Roggen

Quico kann Monster allerdings helfen, indem er eine blaue Kokosnuss sucht und den Wutanfall damit kuriert. Das Damoklesschwert eines erneuten Ausbruchs schwebt dennoch permanent über dem Spiel - und das die gesamten drei bis vier Stunden über, die man benötigt, um den Abspann von Papo & Yo zu erreichen. Bis dahin finden sich immer wieder einzelne Szenen, die so voller Zärtlichkeit sind, dass man Monster einfach nicht hassen kann - trotz allem, was er Quico und dessen später noch hinzukommendem Begleiter Lula antut (die kleine Figur, die Quico sich auf den Rücken schnallt, ermöglicht Doppelsprünge und das Lösen weiterer Rätsel). Etwa, wenn Monster friedlich auf einem überdimensional großen Holzbett schlummert und man sich wünschen mag, Quico möge sich einfach an den imaginären Vater kuscheln und alles sei gut. Was es niemals sein wird - und mit dieser Botschaft entlässt einen Papo & Yo auch konsequenterweise, als der Rückweg aus der Fantasiewelt ansteht und damit die Erkenntnis, dass alle Flucht einmal ein Ende findet und es nur einen Ausgang geben kann: Quico muss lernen, Monster ziehen zu lassen und nicht versuchen, den Fänger im Roggen zu geben. Nicht der Beschützer für jemanden zu sein, den man vor seinem ärgsten Feind niemals schützen kann - sich selbst.

Eine endlose Distanz

Zwar wird Papo & Yo auch für seine viel zu einfachen Rätsel und die teils mangelhafte technische Umsetzung (es finden sich vereinzelt Clipping-Fehler) in Erinnerung bleiben, das stört jedoch kaum. Denn "We Are Minority" ist nicht nur dank der einzigartigen Optik und den gelungenen Klängen dazu etwas gelungen, was nur äußerst wenige Spiele schaffen: Die Papo & Yo-Macher berühren den Spieler auf traurige Weise und lassen ihn nicht mit einem Lächeln, sondern vielen offenen Fragen zurück. Wenige Meter vor dem Ende fahren Monster und Quico zusammen auf einer Gondel einen Berg hinauf, als sich der Begleiter plötzlich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelt. Getrennt durch einen Zaun ist es dem Jungen nicht möglich, zum Vater zu gelangen - ganz egal, wie er es auch versuchen mag, die Distanz zwischen ihnen ist unüberwindlich. In jener Minute und angesichts derart brillanter Metaphorik mag man sich die Beziehung zwischen Caballero und seinem Vater ähnlich vorstellen. Und trotz aller Ernsthaftigkeit in der Thematik froh darum sein, dass das Medium Videospiel um einen derart erwachsenen Vertreter reicher geworden ist.

Infos zum Spiel

Titel: Papo & Yo
Genre: Puzzle-Plattformer
Publisher: Sony
Hersteller: We Are Minority
Release: Als Download via PSN erhältlich
Preis: zirka 15 Euro
System: PS3
USK: Nicht geprüft
Wertung: Sehr gut

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