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Bayern-Spiel sorgt im Netz für Spott

14.09.2012, 12:14 Uhr | vb / jr

Online-Spiel "Aufbruch Bayern" sorgt im Internet für Spott. Sorgt im Netz für Spott: Das Onlinespiel "Aufbruch Bayern" (Quelle: dpa)

Sorgt im Netz für Spott: Das Onlinespiel "Aufbruch Bayern" (Quelle: dpa)

Der Schuss ging nach hinten los: Ein Onlinespiel, mit dem die bayerische Staatskanzlei für den Freistaat werben wollte, erntet im Netz Hohn und Spott. Stein des Anstoßes sind nicht nur die vermittelten Werte, sondern auch die Umsetzung. Technik und Gameplay entsprechen keinesfalls modernen Standards. In punkto Inhalt und der Aufmachung hat "Aufbruch Bayern" binnen weniger Tage eine steile Karriere vom politischen Kommunikations-Versuch zum Spottobjekt geschafft.

Eine Reise durchs Klischee

Dabei beginnt alles ganz harmlos: Bavaria, die blonde, blauäugige Schutzpatronin Bayerns, entsendet die Spieler zu Beginn auf die Mission, die Tugenden des Freistaates zu erforschen. Familie, Bildung, Fortschritt - welchen der zur Wahl stehenden Wege man auch einschlägt, die Reise durch sämtliche vorstellbaren Bayern-Klischees hat gerade erst begonnen. In deren Verlauf ist stets die bayerische Familienpolitik präsent, derer sich die CSU immer wieder gerne rühmt. Dass dabei auch mal Fakten unter den Tisch fallen, stört nicht. So vermeldet "Aufbruch Bayern" etwa die überwiegende Beitragsfreiheit des dritten Kindergartenjahres, während die Realität anders aussieht. Wie die "Süddeutsche Zeitung" vorrechnet, fallen in München monatlich mehrere hundert Euro an Kindergartenkosten an. Die werden im Spiel mit keinem Wort erwähnt.

"Gehen einen ziemlich kreativen Weg"

Überhaupt wird das Spiel nicht müde, die Erfolge der Landesregierung hervorzuheben und dabei kräftig Phasen zu dreschen. Dem Ziel, "ernsthafte und harte Themen zu vermitteln", wie die Staatskanzlei die Intention hinter "Aufbruch Bayern" beschreibt, wird man so nur mäßig gerecht. Angesichts der vom Steuerzahler berappten Kosten für das Onlinespiel - Gerüchten zufolge hat "Aufbruch Bayern" mehr als 100.000 Euro an Produktionskosten verschlungen, die aus dem Etat für Öffentlichkeitsarbeit stammen - ist das ärgerlich. Die aufkommende Kritik am spiel ficht die bayerische Staatskanzlei nicht an. Laut "Spiegel Online" sieht man sich vielmehr als Innovationstreiber: "Für eine staatliche Behörde gehen wir einen ziemlich kreativen Weg", äußerte sich ein Sprecher gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Kein Telefonjoker in der Staatskanzlei

Die Zielgruppe sieht das anders: Im Netz hat die Imagekampagne nicht das beabsichtige Bewusstsein für traditionelle bayerische Werte ausgelöst, sondern vorrangig Spott und Häme hervorgebracht. Die Kommentare unter dem Making-of-Video des Onlinegames, das bei Youtube zu finden ist, könnten eindeutiger nicht sein: "Bierdosen-Tetris hört sich besser an", fasst ein Nutzer die Misere in wenigen Worten zusammen. "Wie können Menschen sowas abliefern und dafür 100.000 Euro verlangen, das ist doch rotzfrech", fragt ein anderer. "Kann ich meinen Telefonjoker in der Staatskanzlei anrufen?", hofft ein Spieler via Twitter leider vergebens. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte: "Aufbruch Bayern" kann hier gespielt werden.

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