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Interview mit Irrational Games-Creative Director Ken Levine über Bioshock Infinite

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Interview mit Irrational Games-Creative Director Ken Levine über Bioshock Infinite  

Der dicke Wurm im roten Apfel der Geschichte

19.02.2013, 14:54 Uhr | Michael Förtsch (jr / nic), Richard Löwenstein

Interview mit Irrational Games-Creative Director Ken Levine über Bioshock Infinite. Interview mit Irrational Games Creative Director Ken Levine über Bioshock Infinite (Quelle: Irrational Games / Richard Löwenstein)

Ken Levine (Quelle: Irrational Games / Richard Löwenstein)

Ken Levine hat mit Bioshock eine der intelligentesten und vielschichtigsten Spiel-Reihen des Jahrzehnts erdacht. Hier verbindet der Creative Director und Mitgründer des Entwicklerstudios Irrational Games geschickt rasante Action mit den Themen Wirtschaft, Philosophie und Freiheit des Geistes. Mit dem Spielort - der Unterwasserstadt Rapture - schuf Levine ein in der Videospiel-Welt einmaliges Szenario. Über das er nun hinausgeht: Mit dem für Ende März angekündigten "Bioshock Infinite" will der Amerikaner die Spieler in den Himmel entführen. Darüber, über Religion, Geschichte und kalte Füße haben wir mit dem Designer gesprochen. Noch mehr Infos über Ken Levine, seine aktuellen und vergangenen Games gibt's in unserer Foto-Show!

T-Online.de Spiele: Mit der Spielwelt von Bioshock Infinite hast du das pure Gegenteil dessen geschaffen, was die Spieler in Bioshock gesehen haben. Statt unter Wasser schickst du sie in die Wolkenstadt Columbia. Wieso das?

Ken Levine: Es wurde Zeit für etwas anderes. Wir haben einfach alles erzählt, was es über Rapture zu wissen gibt: die Welt, seine Bewohner, was da alles schief lief. Außerdem ist das, sagen wir, Universum von Bioshock nicht auf Rapture begrenzt, sondern etwas Großes und Umfassendes - ein Gedanke oder ein Konzept, wenn man so will. Wir hatten nach dem ersten Bioshock lange gegrübelt, wo wir jetzt hin wollten und kamen dabei auf die Stadt in den Wolken.

T-Online.de Spiele: Columbia, die fliegende Stadt, ist wunderschön anzusehen. Sie ist bunt, wirkt wie ein Paradies. Ist aber dennoch beängstigend. Denn ihre Bewohner sind radikal, rassistisch und Untertanen eines religiösen Führers. Ist das alles als Kommentar auf die Politik Amerikas zu verstehen? Ist da ein tieferer Sinn?

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Ken Levine: Ich sehe das so: Wir versuchen, eine vielschichtige Geschichte zu erzählen. Eine, die sich auf die amerikanische Geschichte stützt, damit spielt. Wir haben uns von vielen Dingen inspirieren lassen und dabei nicht auf die USA begrenzt - religiöser Fanatismus, Nationalismus und das Selbstverständnis der Vorherrschaft. Es gibt Facetten, die zu bestimmten Zeiten sehr prägnant waren. Aber wir wollen mit Bioshock Infinite keinen großen Kommentar oder eine Studie der Historie der Vereinigten Staaten abliefern. Wir wollen ein Gefühl vermitteln und eine Geschichte erzählen.

T-Online.de Spiele: Dennoch ist Columbia übersät mit Verweisen auf die amerikanische Geschichte: Statuen von Washington, Plakate gegen Ausländer und getrennte Waschräume für Weiße und Schwarze.

Ken Levine: Das stimmt. Du fühlst dich, als würdest du einen Teil der amerikanischen Geschichte betreten, der so allerdings nie existierte. Es ist wunderschön, aber gleichzeitig dunkel und bizarr. Es ist, als würdest du in einen schönen roten Apfel beißen. Aber dann entdeckst du, dass ein ekliger, dicker Wurm drinsteckt. Die Sache ist die: Geschichte wird im Nachhinein immer verklärt. Betrachtet man, wie die Gründungsväter der USA heute charakterisiert werden, wirken sie meist wirklich wie Übermenschen und makellose Heilsbringer. Ist man realistisch, waren sie aber auch nur Menschen und Politiker, die zu ihrer Zeit auch stark umstritten waren.

T-Online.de Spiele: Das erste Bioshock stützte sich stark auf die Thesen der Philosophin Ayn Rand. Jetzt hingegen scheint es vielmehr um Religion zu gehen - und den selbsternannten Propheten Comstock. Wie kam es dazu?

Ken Levine: Religion ist immer da und immer wieder der Grund für Konflikte und Auseinandersetzungen. Ich selbst bin nicht religiös und brauchte daher auch erst etwas Zeit, um mich in Comstock und seine Anhänger einzufühlen, um das Gefühl und die Befriedigung einer Religion zu verstehen. Doch all dem wohnt eine innere Logik inne. Zu Anfang war all das einer der am schwersten zu schreibenden Teile des Spiels. Ich hatte viele Unterhaltungen über Religion und Glauben, denn wir haben auch einige tief gläubige Leute bei uns im Team. Es ging mir sehr darum, zu begreifen, wie Religion, Gott- und Prophetenvertrauen funktionieren und welches Vertrauen und Hingabe Menschen hierbei entwickeln. Das hat mir sehr geholfen und diese Welt auch glaubhafter gemacht.

T-Online.de Spiele: Aber ursprünglich war der Aufhänger ja ein anderer…

Ken Levine: Ja, früh im Entwicklungsstadium drehte sich der Konflikt in Columbia um den Krieg zwischen den Technologen und den Fortschrittsgegnern. Das war ein guter Ansatz, aber letztlich nicht so interessant. Es gab keine echte Verankerung in der Geschichte, und daher entwickelte sich der Ansatz weiter und weiter bis zum heutigen Punkt. Alles ist im Fluss…

T-Online.de Spiele: Was Bioshock und auch Bioshock Infinite auszumachen scheint, ist die Frei- und Offenheit der Welt. Die Spielwelt wirkt fast wie ein Themenpark, durch den man läuft. Eine Reihe von Attraktionen, die sich dann doch sehr voneinander unterscheiden können…

Ken Levine: Ja, mir liegt viel daran, dass das Erzählen einer Geschichte und Vermitteln einer Situation am besten visuell funktioniert. Wir versuchen die Ideale, die Geschichte dieser Welt durch Bilder zu vermitteln. Man muss herumgehen, sich Kulissen anschauen und mit ihnen interagieren können - eben wie in einem Vergnügungspark. Der Spieler muss sich die Zeit zum Umschauen und Verarbeiten nehmen, Dinge und Kleinigkeiten entdecken können. Ich glaube, das ist wichtig und macht vieles einfacher.

T-Online.de Spiele: Etwas, das für viele Spieler bei Bioshock so entscheidend war, war die große Wendung in der Geschichte. Also der Schluss und die Frage: Spielt der Spieler das Spiel, oder wird mit ihm selbst gespielt. Bei Bioshock Infinite deutet sich ähnliches an. Das Spiel mit der Zeit, mysteriöse Charaktere und Held Booker, der auch Dreck am Stecken zu haben scheint.

Ken Levine: Ich kann sicher sagen, dass wir uns nicht wiederholen werden. Aber ich weiß auch, dass es viele Spieler überraschen wird, wie und wohin sich die Geschichte und das Spielgeschehen entwickeln

Weitere Informationen über Kevin Levine und das neue Bioshock-Spiel gibt's in unserer Foto-Show.

Infos zum Spiel

Titel: Bioshock Infinite
Genre: Ego-Shooter
Publisher: 2K Games
Hersteller: Irrational Games
Release: 26. März 2013
Preis: Noch nicht bekannt
System: PC, PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Einschätzung: Sehr gut

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