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Crysis 3: Interview mit "7 Wunder"-Regisseur Albert Hughes

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Interview mit Regisseur Albert Hughes: Wie die Spiele-Industrie Hollywood beeinflusst  

Hollywood meets Games

08.03.2013, 16:09 Uhr | Benjamin Kratsch (jr / ams), Medienagentur plassma

Crysis 3: Interview mit "7 Wunder"-Regisseur Albert Hughes. Hollywood- Regisseur Albert Hughes (Quelle: Medienagentur plassma, Crytek)

Hollywood- Regisseur Albert Hughes (Quelle: Medienagentur plassma, Crytek)

"Also eigentlich müsste ich jetzt in der Wüste New Mexicos mit Russell Crowe ("Gladiator"), Gerard Butler ("300") und Mark Wahlberg ("Ted") einen verrückten Film drehen, in dem der Protagonist nur einen Satz sagt“, erklärt uns Hollywood-Regisseur Albert Hughes mit einem verschmitzten Grinsen gleich zu Beginn des Interviews. Hughes gilt als Visionär unter den Regisseuren, als ein Mann, der ambitionierte Projekte verwirklichen will. Beispielsweise erzählt sein Film "The Book of Eli" die Geschichte von Eli (Denzel Washington), der sich nach einem apokalyptischen Krieg durch die USA schleppt, um eine Bibel abzuliefern. Ein spiritueller Streifen, in dem ihn sein Gegenspieler Gary Oldman ("The Dark Knight Rises") erbittert jagt. Der an an große Kaliber aus Hollywoods Schauspielergilde gewöhnte Hughes hat kürzlich aber auch zum Ego-Shooter-Hit Crysis 3 eine Kurzfilm-Reihe mit dem Titel "Die 7 Wunder von Crysis" gedreht.

T-Online.de Spiele: Warum diese Hinwendung zur Games-Industrie, Herr Hughes?

Albert Hughes: Mich fasziniert die künstlerische Vision, wie Crytek Manhattan mit einem Dschungel organisch verwachsen lässt. Crysis 3 hat diese unglaubliche Grafik-Power: Mit einer Sonne, die einen förmlich blendet. Und einer Physiksimulation, die sogar Blätter umknickt, wenn sich das Rotorblatt eines Helikopters senkt. Diese ganzen Special Effects gibt's für verhältnismäßig wenig Geld.

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T-Online.de Spiele: Mister Hughes, Sie wollten eigentlich "Motor City" drehen, einen Film über verfeindete Motorrad-Gangs mit sehr wenig Dialogen. Klingt sehr künstlerisch, "Crysis 3" fühlt sich dagegen doch eher an wie ein Hollywood-Blockbuster. Trotzdem spannend für Sie?

Albert Hughes: Motor City war der Film, den ich immer machen wollte. Die Finanzierung hat nicht geklappt, ich war ziemlich niedergeschlagen, und dann gab es da dieses Angebot von einem Entwickler namens Crytek. Ich kannte sie ehrlich gesagt vorher nicht, aber durch Youtube kann man ja heutzutage blitzschnell Videos anschauen. Ich habe diesen Grafik-Bombast namens "Crysis 2" gesehen, der New York und vor allem Manhattan so unglaublich plastisch und echt wiedergegeben hat. Crysis 3 fügt eine gewisse künstlerische Vision hinzu, indem sie Manhattan in einen Urwald verwandeln. Das klang verrückt, da musste ich an Bord springen (lacht).

T-Online.de Spiele: Lässt sich die Arbeit als Regisseur von einem Spiel eigentlich mit einem Film vergleichen? Was sind die größten Unterschiede?

Albert Hughes: Games sind unglaublich kreativ, weil diese neuen Technologien alles so einfach machen. Als ich bei Crytek in Frankfurt war, war ich total fasziniert, wie schnell das alles geht. Ich kann die Kamera frei im Raum drehen und Effekte über eine Szene legen, die ich noch im Editor in einer Rohfassung anschauen kann. Wow! Das ist ein ganz anderer Prozess als in einem Film, wo ich normalerweise meine Schauspieler vor einem Greenscreen filme und der gesamte Hintergrund erst hinterher digital eingebaut wird. Das dauert sehr lange, ich kann also nicht einfach mal per Mausklick eine Szenerie für die Schauspieler erstellen und wild rumexperimentieren. Genau das haben wir aber mit Crysis 3 und speziell der Video-Dokumentation "Die 7 Wunder von Crysis" gemacht.

T-Online.de Spiele: Sie haben im Vorgespräch immer wieder von der Verschmelzung zwischen Hollywood und der Games-Industrie gesprochen. Warum wäre das eine gute Idee?

Albert Hughes: Hollywood ist in heute in erster Linie eine Industrie, die viel Geld verdienen will. Insofern wundert es mich eigentlich, dass die großen Studios nicht längst angefangen haben, Spiele-Entwickler zu kaufen. Games sind im Vergleich zu Hollywood unglaublich günstig. Man hat mir gesagt, dass die teuersten Spiele um die 80 bis maximal 100 Millionen Dollar kosten. Bei 100 Millionen fängt das Budget eines Triple-A-Blockbuster erst an. "The Avengers" soll 300 Millionen Dollar gekostet haben, und selbst mein "The Book of Eli", der eher ein künstlerisch ausgerichtetes Genre-Movie ist und weniger auf Mainstream abzielt, hat über 70 Millionen verschlungen. Ich weiß nicht, mit welcher Magie Spielestudios so günstig Special-Effects produzieren, aber ich finde es sehr faszinierend. Crysis 3 sieht auf einem guten PC aus wie ein 300-Millionen-Dollar-Blockbuster, hat aber deutlich weniger gekostet. Je niedriger die Kosten, desto experimenteller können die Künstler arbeiten. Ich meine, wie verrückt ist es bitte, einen Dschungel oder eine trockene Savanne mitten in Manhattan platzieren zu wollen? Crytek hat es geschafft, und die Atmosphäre wirkt. In Hollywood haben wir hingegen begnadete Schauspieler wie Gary Oldman, der jedem Charakter diesen ganz individuellen Touch verleihen kann. Mimiken lassen sich mittlerweile recht gut "scannen" und 1:1 in Spielen wiedergeben, das würde Games mehr Authentizität und schauspielerische Qualität verleihen. Gute Schauspieler kosten allerdings auch gutes Geld.

T-Online.de Spiele: Wir haben vorhin über Ihren Kollegen Christopher Nolan gesprochen, der gerade mit "The Dark Knight Rises" die magische 500-Millonen-Dollar-Hürde an den Kinokassen genommen hat. Sie meinten, er würde auch gerne mehr an Kunst, weniger an Kommerz arbeiten. Ist man als Regisseur nicht der Dirigent, der die Möglichkeit hat, aus einem Mainstream-Produkt Kunst rauszuholen?

Albert Hughes: Das Problem sind Investoren, die Börse und - so doof es klingt - unverschämt erfolgreiche Filme wie The Avengers, der diesen historischen Rekord von einer Milliarde US-Dollar Umsatz am zweiten Wochenende aufgestellt hat. In Hollywood redet jeder nur noch von der magischen Milliarde. Es ist vollkommen absurd, aber Studio-Bosse geben einem Regisseur lieber 150 Millionen Dollar für einen Blockbuster, statt 40 Millionen für einen künstlerisch ambitionierten Film, der zeigt, was Hollywood eigentlich kann. Wir haben unglaublich talentierte Schauspieler und Regisseure, die aber verbrannt werden. "The Dark Knight" war meiner Meinung nach ein perfekt durchkomponiertes Meisterwerk mit einer intelligent erzählten Geschichte. Der Joker zählt für mich zu den schauspielerisch stärksten Antagonisten-Rollen, die wir in den letzten zehn Jahren gesehen haben. Es war Nolans Meisterwerk, aber es hat eben auch 500 Millionen Dollar eingespielt. Ergo wurde er gedrängt, so schnell wie möglich nachzulegen. Und so gehetzt fühlt sich "The Dark Knight Rises" letztlich auch an. Christopher versucht noch irgendwie in diesem Mainstream-Terror-Thema politische Aussagen zur Bankenkrise unterzubringen und entwickelt eine starke Dramatik; die Perfektion des Erstlings erreicht er aber nie. Gier zerstört die Kunst. Ich hoffe, den Fehler macht die Spiele-Industrie nicht auch irgendwann mal.

T-Online.de Spiele: Mister Hughes, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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