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Child of Light im Test: Ein Rollenspiel wie gemalt

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Test Child of Light | Rollenspiel | PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Wii U und PC  

Ein Rollenspiel wie gemalt

05.05.2014, 15:45 Uhr | Olaf Bleich (jr / ams), Medienagentur plassma

Child of Light im Test: Ein Rollenspiel wie gemalt. Child of Light Rollenspiel von Ubisoft Montreal für PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Wii U und PC (Quelle: Ubisoft)

Child of Light (Quelle: Ubisoft)

Normalerweise werden Videospiele anhand von Konzeptzeichnungen entwickelt. Aber nur selten schaffen es diese kleinen Kunstwerke der Grafikabteilung in die fertigen Programme. Das von Ubisoft Montreal entwickelte Rollenspiel "Child of Light" für PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Wii U und PC ist daher etwas ganz Besonderes: Es besteht ausschließlich aus Aquarell- und Tuschezeichnungen und erzählt mit seinem malerischen Grafikstil eine Geschichte, die direkt aus der Feder der Gebrüder Grimm stammen könnte.

Sonne, Mond und Sterne

Die kleine Aurora ist schwer krank. Sie fällt in einen tiefen Schlaf, und als sie träumt, erwacht sie in der Fantasy-Welt Lemuria. Ihr einziger Wunsch: Sie möchte zurück zu ihrem Vater. Doch das ist leichter gesagt als getan! Denn Aurora muss zunächst Sonne, Mond und Sterne nach Lemuria zurückbringen. Die Gestirne wurden nämlich von Umbra, der Königin der Nacht, gestohlen. Das Land liegt in Chaos und Finsternis - und die Aufgabe des Spielers ist es, das Ganze wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Märchenhafter Look

Der eigenwillige Grafikstil von "Child of Light" ist Grundlage für ein Spiel gewordenes Märchen. Die Geschichte wird dabei ausschließlich in teils hübsch gereimten Texten erzählt. Aurora als freche Heldin mit großem Herzen ist ebenso sympathisch wie die Freunde, die sie während der rund zehn bis zwölf Stunden Spielzeit trifft. Das Rollenspiel wird dabei von leiser Piano-Musik untermalt, was einen melancholischen Touch ins Spiel bringt.

Leuchte, kleiner Wurm!

Beim Erkunden von Lemuria mischt "Child of Light" Plattform-Passagen und kleinere Rätsel-Einlagen. Aurora hüpft und fliegt durch die Levels wie Rayman in besten Zeiten. An ihrer Seite steht das Glühwürmchen Igniculus. Im Einzelspieler-Modus steuert man das Insekt mit dem rechten Analog-Stick. Allerdings kann auch ein zweiter Teilnehmer jederzeit in das Spiel einsteigen und Igniculus übernehmen. Das Würmchen löst nämlich mit seinem Leuchten die einfachen Schalter- und Farbrätsel, knackt aber auch Kisten oder betätigt Schalter. Monster wiederum blendet Igniculus, sodass man Kämpfen ausweichen kann. Auf der anderen Seite verlangsamt er aber auch die Kreaturen im Gefecht und ist somit ein wichtiges strategisches Hilfsmittel.

Nur keine Zeit verlieren

Die Kämpfe bestimmen einen Großteil der Spielzeit. Beginnt "Child of Light" noch vergleichsweise brav, zieht der Schwierigkeitsgrad nach zwei Stunden merklich an, und die Schlachten mit bis zu drei Monstern gewinnen spürbar an Anspruch. Das Rundensystem wird dabei durch den Faktor Zeit ergänzt: Eine Leiste am unteren Bildschirmrand zeigt an, wer als nächsten dran ist. Aktionen wie Zaubersprüche, Angriffe oder Tränke dauern unterschiedlich lange, ehe sie ausgeführt werden können. Wird man in dieser Phase attackiert, unterbricht das die aktuelle Aktion, und die betreffende Figur büßt ihren Fortschritt ein.

Taktisches Kampfsystem

Das Kampfsystem ist leicht verständlich, aber trotzdem taktisch anspruchsvoll. Schließlich verfügen die Kreaturen über verschiedene Resistenzen und Anfälligkeiten gegen bestimmte Elementarattacken. Greift man beispielsweise eine Feuerspinne mit dem Wasserzauber von Zwerg Finn an, nimmt das Krabbeltier deutlich mehr Schaden. Schlägt man einfach zu, kontert das Biest automatisch, da es aggressiver auf körperliche Angriffe reagiert.

Kein Rollenspiel-Monster

Auch wenn sich Child of Light die großen japanischen Rollenspiele als Vorbild nimmt, an die spielerische Komplexität eines Final Fantasy reicht es längst nicht heran. So lassen sich die Charaktere nicht individuell ausrüsten. Sie behalten über die gesamte Spielzeit die gleichen Waffen und Outfits an. Das Charaktersystem wirkt ebenfalls zunächst wuchtiger, als es tatsächlich ist. Denn obwohl jede Figur einen umfangreichen Fähigkeitenbaum besitzt, so ist dieser doch vergleichsweise simpel und oberflächlich. Letztlich levelt man hier nur die Standardwerte, Angriffe und Spezialaktionen stetig auf. Echte Wahlmöglichkeiten oder gar die Individualisierung eines Charakters durch spezielle Fähigkeiten gibt es nicht. Die Helden spielen sich auch in den höheren Stufen wie zu Beginn des Spiels, nur richten sie eben mehr Schaden an und halten mehr aus.

Steinchen wechsle dich

Das Crafting-System hinterlässt einen ähnlich oberflächlichen Eindruck. Hier kombinieren Sie verschiedenfarbige Oculi - also magische Edelsteine - miteinander und verteilen diese neuen Klunker dann auf die Kategorien Angriff, Verteidigung und Magie. Standardattacken profitieren beispielsweise fortan von Elementarkräften oder verleihen den Charakteren passive Fertigkeiten wie Panzerung gegen bestimmte Angriffe. Allerdings gibt es hier weder ein Rezeptbuch noch sonstige Hilfsmittel. Und so nett das Zusammenbasteln der Steinchen auch ist, die Menüführung haben die Entwickler unnötig fummelig gestaltet.

Was uns gefällt

Child of Light glänzt mit seinem einzigartigen Grafikstil und der wunderbar erzählten Geschichte. Das Spiel mag zwar kindlich aussehen, ist aber dennoch leicht melancholisch und punktet mit herrlich gezeichneten Hauptcharakteren. Dazu ist besonders das Kampfsystem - inklusive Zweispielermodus mit Igniculus - handlich und fordernd zugleich. Child of Light ist angenehm anspruchsvoll, ohne jemals unfair oder gar frustrierend zu sein.

Was uns nicht gefällt

Als Rollenspiel ist Child of Light ein Leichtgewicht. Das Charaktersystem erlaubt nahezu keine Freiheiten oder Individualisierungsmöglichkeiten. Das Crafting ist trotz 600 Kombinationsmöglichkeiten nur schmückendes Beiwerk und obendrein auch noch sehr umständlich zu bedienen. Wer sich hier ein Komplexitätsmonster im Stile alter Japan-RPGs erhofft hat, wird leider enttäuscht.

Fazit

Ein Abenteuer wie von Grimms Märchen: Malerisch schön, fesselnd und bezaubernd. Child of Light ist eine Rollenspiel-Reise in eine fremde, fantastische Welt. Auroras Abenteuer sind derart stimmig inszeniert, dass man über die spielerischen Schwächen wie das oberflächliche Charaktersystem getrost hinweg schauen kann. Und zum Preis von gerade einmal knapp 20 Euro kann man hier ohnehin nicht viel verkehrt machen.

Infos zum Spiel

Titel: Child of Light
Genre: Rollenspiel
Hersteller: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 20 Euro
System: PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Wii U
USK-Freigabe: Ab 6 Jahren
Eindruck: Sehr gut

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