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Watch Dogs im Test: Der Hacker mit dem Super-Handy

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Test zu Watch Dogs | Open World-Action-Adventure | PC, PS3, PS4, Xbox One, Xbox 360  

Der Hacker mit dem Super-Handy

27.05.2014, 12:15 Uhr | Michael Förtsch (jr / nic), Richard Löwenstein

Watch Dogs  im Test: Der Hacker mit dem Super-Handy. Watch Dogs für PC, PS3, Xbox 360, Wii U und PS4 (Quelle: Ubisoft)

Watch Dogs (Quelle: Ubisoft)

In naher Zukunft sind Privatsphäre und Datenschutzrechte nur noch ein verblasster Traum. Menschen sind wandelnde Datensammlungen, jederzeit anzapfbar. In einer komplexen, vernetzten Welt wird die Infrastruktur von High-End-Software - dem Privatunternehmen gehörenden "Central Operating System" (CTOS) - kontrolliert. Öffentlicher Nahverkehr, Sicherheits- und Überwachungssysteme, Stromversorgung - alles hängt an den digitalen Fäden des "CTOS", das in seinen Datenbanken alle Daten über die Bürger erfasst. Was aber passiert, wenn die Daten missbräuchlich genutzt werden? In Ubisofts Action-Adventure Watch Dogs für PC, PS3, PS4, Xbox One und Xbox 360 steht diese Frage im Mittelpunkt.

Zukunftsweisend oder hinter den Erwartungen?

Der erhoffte Grafik-Knüller ist das Spiel zumindest auf Konsolen nicht geworden. Trotzdem packt einen das Open-World-Abenteuer von Ubisoft. Im virtuellen Chicago kann der Spieler als Hacker mit seinem Super-Smartphone nämlich so intensiv wie noch nie zuvor seine Umgebung beeinflussen und manipulieren. Wenn das Videospiel mit dem Internet verbunden ist, vermag es auf eine Weise zu überraschen, die sich tatsächlich nach Zukunft anfühlt.

Watch Dogs: Spiel der Emotionen

Held von Watch Dogs ist der Hacker Aiden Pearce, dessen Leben ins Trudeln gerät, als er sich zu einem virtuellen Diebstahl hinreißen lässt. Der geht schief, und aus Rache setzten seine Auftraggeber einen Killer auf ihn an. Der erwischt jedoch nicht ihn, sondern seine Nichte. Fortan ist es Aidens Ziel, die Auftraggeber zur Verantwortung zu ziehen. Dafür ist Aiden bereit, alles zu tun. Eigentlich. Denn auch wenn die Story gut inszeniert wirkt, tritt sie doch schnell in den Hintergrund. Wird der Spieler nämlich erst frei und ohne Zwangsziel in die offene Spielwelt entlassen, sorgt die für mächtig Ablenkung. Zwar ist das virtuelle Chicago nicht ganz so groß wie Los Santos aus "GTA 5", zieht sich aber auch bis an den Horizont und bietet jede Menge Anreize, die einen magisch anziehen. Grenzen werden einem hier kaum gesetzt.

Die PC-Version gewinnt vorab den Schönheitspreis

Das Actionspiel kann auf PC mit toller Optik überzeugen.

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Der gebrochene Hacker

Das Game spart sich allzu viel an Erklärungen, sondern überlässt es vielfach dem Spieler, herauszufinden, wie etwas funktioniert. Ein großes Problem ist das nicht: Wie man aus Third-Person-Sicht die Gegend erkundet, klettert, Autos organisiert und fährt, das hat man ähnlich wie bei GTA schnell gelernt. Die Steuerung geht gut von der Hand. So brettert man alsbald mit einem Wagen durch die Häuserschluchten und heruntergekommene Ghettos. Man legt sich mit Passanten an, baut Unfälle, und hetzt sich spätestens mit dem ersten Schusswaffengebrauch höchstselbst die Polizei auf den Hals.

Am wichtigsten aber: Man spielt mit den Fähigkeiten des Smartphones. Mit Hacker-Attacken kann der Held die Spielwelt nachhaltig beeinflussen. Schlendert er zum Beispiel an einer Straßenkreuzung vorbei, schwirren dünne Linien samt dem Wort "Ampelanlage" umher. Ein Druck auf die angezeigte Taste, schon springen alle Ampeln gleichzeitig auf Grün. Das Resultat: Jede Menge Auffahrunfälle - und eine gute Gelegenheit, den Ort des Geschehens unbemerkt hinter sich zu lassen.

Volle Kontrolle

Dutzende Systeme kann der Spieler in der Welt von "Watch Dogs" manipulieren. Er kann Gasleitungen unter der Straße explodieren lassen, um Verfolger loszuwerden. Straßenpoller, Brücken und Tore werden hoch und runter gefahren. Ebenso lassen sich quietschend Straßenbahnen anhalten. Über Schaltkästen und Kameras an Häusern kann man in die Wohnungen fremder Menschen spähen. Und in dem Aiden die in der Stadt verteilten Rechenzentren des Computersystems CTOS übernimmt, werden gar Namen und Infos zu allen Passanten anzeigt: "Sam Walter, 32, hat Spielschulden", beispielsweise. Selbst Chats der Spielcharaktere werden mitgelesen. Das gibt ein Gefühl der umfassenden Kontrolle und Macht. Unweigerlich wird man alles ausprobieren und Chaos stiften, bevor man sich wieder an die eigentliche Story und die dazugehörigen Missionen wagt.

Der andere Spieler

Tatsächlich macht man sich für Wegbegleiter wie Hippy-Hacker T-Bone oder Punkdame Donna grundsätzlich gerne an Hol- und Bring-, Flucht- und Killer-Mission. Nicht zuletzt, da mit gesammelten Missionspunkten ähnlich wie bei einem Rollenspiel neue Hacks, Fahr- und Ballerfähigkeiten freigeschaltet werden. Beispielsweise kann Aiden später im Spiel den Strom der gesamten Stadt abschalten, in Zeitlupe kämpfen und weniger Schaden nehmen. Das hält bei der Stange. Zwischendrin darf man - auf der Übersichtskarte ist das entsprechend markiert - auch mal ein Verbrechen verhindern oder ein Drogenkartell ausheben.

Ein Hacker auf den Straßen Chicagos

14 Minuten Gameplay aus dem Action-Abenteuer "Watch Dogs".

14 Minuten Gameplay aus dem Action-Abenteuer "Watch Dogs".


Die Momente, in denen einen Watch Dogs" jedoch am meisten verblüfft, sind jene, in denen der Spieler in seiner Welt nicht alleine ist. Tatsächlich können andere Spieler via Internet unbemerkt ins eigene Spiel eindringen und umgekehrt. Wenn plötzlich ein Passant das Feuer eröffnet, ein Hack-Alarm anschlägt, auf der Flucht wie von Geisterhand Senkpoller und Brücken gehoben werden, dann hat sich da jemand anderes von außen eingemischt. Unheimlich und faszinierend zugleich!

Überhoben

Auch grafisch macht "Watch Dogs" eine ordentliche Figur. Doch die einst angekündigte und erhoffte Grafik-Offenbarung ist das Spiel höchstens auf dem PC. Konkurrenten wie etwa "Infamous: Second Son" für PS4 haben auf Konsole nach wie vor die Nase vorn. Dennoch: das Spiel von Licht und Schatten gefällt. Es beeindruckt, wie natürlich sich der Mantel des Helden im Wind bewegt, wie ausstaffiert die Spielfiguren erscheinen. Leider trüben verwaschene Texturen und teils fehlende Schatten das Bild. Schade.

Akustisch erfreuen jedoch die gute deutsche Sprachausgabe der wichtigen Charaktere und auch Passanten. Dazu kommen gut gewählte Motorengeräusche, surrende Straßenbahnen und das typische Grundrauschen einer Metropole. Allerdings: Was fehlt, ist der Anschein von Leben und Betriebsamkeit, die Los Santos und Liberty City aus der "Grand Theft Auto"-Serie so erlebens- und liebenswert machen. Da kann Ubisoft noch etwas von den Kult-Spielemacher von Rockstar Games lernen.

Was uns gefällt

Die Kampagne ist spannend, die Spielwelt lädt zum Erkunden ein und das Hacken und Eingreifen in das virtuelle Chicago ist definitiv spannend. Auch gefällt es, dass der Held Aiden durch etliche neue Fähigkeiten über die Spielzeit hinweg wächst und mächtiger wird. Einer ganzen Stadt den Strom abdrehen? Das ist schon Wahnsinn. Auch unterhalten jede Menge Nebenmissionen und kleine Aufgaben. Dazu ist Watch Dogs ein Hingucker und gefällt mit tollen Lichteffekten, Reflexionen und kleinen Details, wobei die Konsolen-Fassungen der PC-Version jedoch merklich hinterher hinken.

Was uns nicht gefällt

Abseits der Einzelspieler-Kampagne bringt "Watch Dogs" auch einen Mehrspieler-Part, der jedoch trotz vertrauter Modi wie einer Capture-the-Flag-Variante, Autorennen und Death Match leider recht lieblos erscheint und damit nur kurzzeitig zu unterhalten vermag. Schade natürlich auch, dass sich viele Missionsstrukturen über das Spiel hinweg wiederholen und damit nach einigen Stunde trist wirken. Die Grafik reicht sowohl auf den alten als auch neuen Konsolen nicht an die PC-Fassung heran und kommt mit teils faden Texturen und beschnittenen Effekten daher.

Fazit

Gelungen, aber nicht perfekt. Watch Dogs ist cool, modern und ziemlich spektakulär. Endlich darf der Spieler offene Spielwelten nicht erforschen, sondern sie auch manipulieren. Die Welt, der Held und seine Fähigkeiten und das Eindringen anderer Spieler in das eigene Game machen Spaß und zeigen, wo die Reise mit kommenden Games dieses Genres hingeht. Dennoch: Watch Dogs lässt die Perfektion und den Charme eines GTA 5 vermissen. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden und lässt Hoffnung für Erweiterungen oder ein potentielles Watch Dogs 2.

Infos zum Spiel

Titel: Watch Dogs
Genre: Action-Adventure
Publisher: Ubisoft
Hersteller: Ubisoft Montreal
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 60 Euro (PC) / zirka 70 Euro (Konsolen)
System: PC, PS3, Xbox 360, Wii U, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 18 Jahren
Wertung: Sehr gut

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