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Wildstar: Test zum Online-Rollenspiel

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Test Wildstar | Online-Rollenspiel | PC  

Wundertüte für Online-Rollenspieler

01.07.2014, 17:15 Uhr | Benedikt Plass-Fleßenkämper (jr / ams), Medienagentur plassma

Wildstar: Test zum Online-Rollenspiel . WildStar Online-Rollenspiel für PC von Carbine Studios (Quelle: NCsoft)

WildStar (Quelle: NCsoft)

Wenn sich ehemalige Mitglieder aus dem Entwicklerteam des Online-Rollenspiel-Königs "World of Warcraft" zusammenschließen, um ein neues MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) für den PC zu erschaffen, dann darf man auf das Endergebnis zurecht gespannt sein. Genau das ist bei "Wildstar" passiert: 2005 gründeten 17 Ex-Blizzard-Mitarbeiter im kalifornischen Orange County die Carbine Studios - mit dem Ziel, ihre Vision des perfekten Online-Rollenspiels umzusetzen. 2007 nahmen die Kreativköpfe rund um Executive Producer Jeremy Gaffney ("Asheron's Call") die Arbeit an dem ambitionierten Projekt auf, Anfang Juni 2014 lieferte das mittlerweile auf 250 Köpfe angewachsene Studio sein Werk schließlich ab. Und unser Langzeit-Test zeigt: Wildstar ist ein Fest für Online-Abenteurer, die anspruchsvolle, enorm abwechslungsreiche MMORPGs mit klassischem Anstrich und behutsamen Innovationen lieben.

Ein wilder Online-Planet

Die Basis für ein ausschweifendes Online-Erlebnis ist der Planet Nexus, auf dem zwei Fraktionen um die Vorherrschaft kämpfen. Zum einen die Verbannten, ein buntes Völkchen entdeckungslustiger Naturen, die Nexus vor kurzem aufgespürt haben und dort gleich mal eine neue Heimat errichten wollen. Die Verbannten könnten glatt als die Rebellen aus "Star Wars" durchgehen und erinnern mit ihrem Space-Cowboy-Gehabe obendrein an Western-Revolverhelden. Ihnen gegenüber steht das Dominion, das nicht von ungefähr an das böse Star Wars-Imperium angelehnt ist - erneut lässt George Lucas' Science-Fiction-Epos grüßen. Auch das Dominion möchte sich Nexus unter den Nagel reißen und im Zuge dessen die Geheimnisse des mysteriösen Volkes der Eldan - gewissermaßen die Vorfahren dieser Fraktion - entschlüsseln. Denn die sollen einst auf Nexus ihr Unwesen getrieben haben und mächtige Relikte und uralte Technologien hinterlassen haben.

Spürbarer WoW-Einfluss

Nicht nur der Krieg der Sterne drängt sich einem bei der Wildstar-Hintergrundgeschichte förmlich auf: Wer WoW kennt, denkt sofort an die dort im Clinch liegenden Parteien Allianz und Horde. Und auch sonst kann Wildstar seine WoW-Wurzeln nicht leugnen, setzen seine Entwickler doch fast durchweg auf bekannte Genre-Zutaten und bewährte MMORPG-Mechanismen. Das fängt schon beim Charakter- und Klassensystem an: Pro Fraktion stehen Ihnen vier Völker und sechs Charakterklassen zur Wahl, daraus basteln Sie sich im potenten Editor Ihr individuelles Alter Ego. Vom Krieger über den Arkanschützen bis hin zum Meuchler oder den Sanitäter gibt es genügend Möglichkeiten, den persönlichen Spielvorlieben nachzugehen.

Die heilige Dreifaltigkeit

Das typische Dreieck "Tank, Schadensverursacher, Heiler" - im Online-Rollenspiel-Jargon die "Heilige Dreifaltigkeit" genannt - kommt auch in Wildstar zum Einsatz. Dabei hat Carbine die verschiedenen Klassen schön flexibel entworfen, sodass Sie im Gruppenspiel jeweils zwei Funktionen erfüllen können, zwischen denen Sie dank des durchdachten Skill-Systems jederzeit auf Knopfdruck hin und her wechseln. Der Krieger ist zwar das typische schadensabsorbierende Bollwerk, schwingt auf Wunsch aber auch als Nahkämpfer das Energieschwert. Im Gegenzug darf etwa der Sanitäter sowohl als Heiler als auch aus der Distanz angreifender Fernkämpfer agieren.

Sie dürfen nur acht Fähigkeiten in die Aktionsleiste ziehen, weshalb Sie stets gut abwägen sollten, welche Attacken und Spezialfertigkeiten Ihnen bei Ihrer aktuellen Aufgabe den größten Nutzen bringen. Klingt erst mal nach Restriktion, macht aber im Spielverlauf richtig Laune, da man seine Fertigkeiten mittels abgespeicherter Skill-Sets blitzschnell (und ohne zusätzliche Goldausgaben) aktivieren und an die vielfältigen Wildstar-Spielinhalte anpassen kann.

Quests, Quests und nochmal Quests

Das Questdesign von Wildstar hebt sich kaum von anderen Online-Rollenspielen ab: Durch Ausrufezeichen markierte Auftraggeber erteilen Ihnen Missionen, für deren Erledigung Sie Gold, Erfahrungspunkte und manchmal auch nette Ausrüstungsteile bekommen. "Töte dies und sammle das"-Aufgaben wechseln sich gelegentlich mit etwas pfiffigeren Jobs ab. So gilt es zum Beispiel, als Spinne getarnt Larveneier zu mopsen oder eine Variante des in den 1980er Jahren beliebten Farben-Merkspiels "Senso" zu daddeln. Und Zonen-Herausforderungen, in denen man unter Zeitdruck unter anderem eine bestimmte Anzahl Monster töten, entlaufene Tiere einfangen oder - die virtuelle Umwelt freut es - Müll einsammeln muss, halten auch MMORPG-Veteranen auf Trab. Außerdem platzen die verschiedenen Level-Gebiete fast vor Missionen, sodass Ihr Quest-Tagebuch stets gut gefüllt ist und Sie die Qual der Wahl haben.

Bitte lesen

Sollten Ihnen innerhalb eines bestimmtes Areals mal langweilig werden, ziehen Sie einfach weiter und erkunden andere Teile der riesigen Spielwelt – so lässt es sich dann doch recht abwechslungsreich questen. Zumal der Wildstar vom Waldgebiet über den Dschungel und schneebedeckte Hügel bis hin zur kargen Wüstenlandschaft allerhand optische Abwechslung nebst üppiger Flora und Fauna zu bieten hat. Im Gegensatz zu einem vollvertonten "Star Wars: The Old Republic" fällt die Quest-Präsentation jedoch ziemlich bescheiden aus, außer einem flotten Begrüßungsspruch schweigen die Computercharaktere die meiste Zeit. Stattdessen lesen Sie in einer Infobox, was Sie als nächstes tun müssen. Dennoch lohnt es sich, die Texte aufmerksam zu studieren, da sie oft sehr humorvolle Geschichten rund um die Verbannten und das Dominion erzählen.

Im Kampfrausch

Dass die Levelphase bis zur maximalen Charakterstufe 50 ein großer Spaß ist, liegt am exzellenten Aktiv-Kampfsystem von "WildStar". Das Carbine-Debüt spielt sich frisch und aufregend, weil die actionreiche Steuerung angenehm von der statischen "Klicken, Abklingzeit abwarten, wieder klicken"-Formel eines WoW abweicht. Man kann Saltos schlagen, Doppelsprünge hinlegen und im Kampf per Hechtrolle ausweichen. Deshalb geht’s hier herrlich dynamisch zur Sache und man metzelt sich hoch motiviert durch die verschiedenen Gebiete von Nexus. Widersacher visieren Sie per "Telegraf" manuell an: Ein blau markierter Wirkungsradius zeigt an, in welche Richtung Ihre Attacken treffen und hilft darüber hinaus, möglichst vielen Gegnern Schaden zuzufügen. Das funktioniert bei Feindangriffen, die als rote Markierungen dargestellt werden, nach dem gleichen Prinzip - selbst schuld, wer darin stehenbleibt! Im Gruppenspiel sind nützliche Zauber der Mitstreiter als grüne Flächen gekennzeichnet; stellt man sich dort rein, staubt man Heilung oder andere Stärkungen ab.

Wähle deinen Pfad

Zusätzliche Abwechslung garantiert der individuelle Pfad, für den man sich früh im Spiel entscheiden muss: Vier Berufsrichtungen - angelehnt an den vom Briten Dr. Richard Bartle erdachten "Bartle-Test" - dürfen unabhängig von der Charakterklasse gewählt werden. Siedler sammeln beispielsweise Ressourcen und bauen damit für alle Spieler nützliche Einrichtungen, Wissenschaftler hingegen scannen und katalogisieren die Umgebung und Kundschafter inspizieren selbst die entlegensten Winkel von Nexus.

Und wer von den tollen Kämpfen nicht genug bekommt, begibt sich auf den Soldaten-Pfad: An vorgegebenen Plätzen kloppen Sie sich mit wiederkehrenden Gegnerwellen, machen Jagd auf besonders seltene Feindexemplare oder testen kuriose Waffensysteme an ahnungslosen Kreaturen. Netter Nebeneffekt: Da es sich meistens um Gegner handelt, die Sie im Rahmen einer Quest ohnehin erledigen sollen, eignet sich dieser Pfad prima zum Sammeln von Erfahrungspunkten.

Motiviert auf dem Weg nach oben

Carbine versteht es hervorragend, dem Spieler immer wieder Motivationshäppchen in homöopathischen Dosen zu verabreichen: Ab Level 10 dürfen Sie in Spieler-gegen-Spieler-Duellen in Battleground-Arenen mitmischen, ab Level 15 stehen die sogenannten Gruppen-Abenteuer sowie Reittiere zur Verfügung, mit Level 20 dürfen Sie sich in das erste – und überraschend herausfordernde – Fünf-Spieler-Dungeon wagen, ab Level 25 bekommen Sie das Hoverboard zur schnellen Fortbewegung, und so weiter.

Nebenbei steht Ihnen ein vollwertiges Handwerkssystem offen, in dem Sie sich unter anderem als Architekt, Bergbauer, Rüstmeister oder Schneider betätigen können. Auch hier ähnelt vieles der aus "WoW" bekannten Prozedur aus Rohstoffen und Zutaten sammeln, die man anschließend an speziellen Werkstationen zu neuen Gegenständen weiterverarbeitet. Löblich: "Housing" - ein Feature, das WoW erst im kommenden Add-on "Warlords of Draenor" einführt - ist bereits ab Stufe 14 standardmäßig mit an Bord. Jeder Spiel kann sein privates Domizil mit Möbeln, in Abenteuern verdienten Souvenirs und allerlei Accessoires verzieren.

Gemeinsam statt einsam

Auf der höchsten Spielstufe geht der Spaß in Wildstar erst so richtig los. Das für Hardcore-Spieler so wichtige Endgame lockt mit etlichen Beschäftigungsmöglichkeiten, um seinen Charakter weiter zu verbessern und hochwertige Ausrüstung einzustreichen. Ein Aspekt, den Spieler am klassischen WoW besonders schätzten, feiert in Wildstar sein glorreiches Comeback: Epische Schlachtzüge für 40 Spieler, die von ihren Teilnehmern ein großes Maß an Spielverständnis erfordern. Diese Mega-Raids wurden aus WoW längst entfernt, in Wildstar stellen sie das Highlight der PvE (Player versus Environment)-Aktivitäten dar. Nicht ganz so viel Organisationsaufwand ist bei der 20-Spieler-Variante nötig.

Bemerkenswert: Die Computergegner malträtieren Wildstar-Gruppen mit wöchentlich wechselnden Fähigkeiten, die sie aus einem großen vorprogrammierten Pool abrufen. So sollen die Gefechte unberechenbar bleiben – und die Spieler sich stets neue Strategien ausdenken müssen.

Was uns gefällt

Das bewegungsintensive, actionlastige Kampfsystem ist das Prunkstück von Wildstar – da wird selbst noch der kleinste Ausflug in die Spielwelt zum Erlebnis! Ebenfalls stark: Das eigenwillige, bunte und anarchische Szenario steckt voll von augenzwinkerndem Humor, der sich wie ein roter Faden durchs Spiel zieht. Wildstar nimmt sich, seine Figuren und Geschichten nicht sonderlich ernst, dafür aber den Spieler: Es ist bereits zum Start erstaunlich komplett, hat ein Interface, das alle wichtigen Informationen auf einen Blick anzeigt, erzeugt einen packenden Spielfluss und liefert schon in der Levelphase reichlich Stoff für gepflegten Eskapismus.

An der Präsentation dürften sich Geister scheiden, wir finden die knallige, aber detailreiche Cartoon-Grafik äußerst ansprechend. Wenn man mit dem Hoverboard wie Marty McFly in "Zurück in die Zukunft 2" durch die Comicwelt prescht, dann im Hintergrund eine Lagerfeuer-Gitarre einsetzt, entsteht eine ganz eigene "Wilder Westen im Weltraum"-Atmosphäre. Abgerundet wird das MMORPG durch tonnenweise Inhalte und eine imposante Feature-Fülle, die die monatlichen Abogebühren in jedem Fall rechtfertigen.

Was uns nicht gefällt

Gelegenheitsspieler werden mit WildStar nur bedingt glücklich - sie dürften von all den Möglichkeiten, Modi und Features schlichtweg überfordert sein. Bei den Quests hätte sich Carbine durchaus etwas mehr einfallen lassen können als die üblichen Kill- und Sammelaufgaben. In diesem Bereich haben Konkurrenten wie "The Elder Scrolls Online" deutlich mehr zu bieten. Und von einer Vollvertonung wie in "Star Wars: The Old Republic" können WildStar-Spieler nur träumen.

Obwohl das Spiel seit seiner Veröffentlichung schon sehr rund läuft, kämpft es noch mit einigen Kinderkrankheiten: Die Performance bricht teils - vor allem bei Verwendung der mittlerweile zahlreich angebotenen Interface-Add-ons - stark ein, und immer wieder stolpert man über kleinere Bugs. Schade auch, dass manche Klassen im PvP (Player versus Player) derzeit noch klar im Vorteil sind – da müssen die Entwickler noch an der Balance feilen. Etwas nervig ist die unnötig fummelige Anpassung der Charakter-Kostüme.

Fazit

Aller Déjà-vu-Erlebnisse zum Trotz: Die Carbine Studios servieren mit Wildstar eine ganz eigene, enorm leckere MMORPG-Mischung. Es wirkt stellenweise wie World of Warcraft 2.0 - aber im positiven Sinn! Hier ist alles mit sehr viel Sachverstand und Detailliebe umgesetzt worden, man merkt den Machern ihre langjährige Erfahrung im Genre einfach an. Allein die spaßigen Kämpfe sind für erfahrene Online-Recken eine Wohltat, und das Komplettpaket überzeugt auf ganzer Linie. Auch - oder vielleicht gerade - weil die Entwickler nicht krampfhaft versucht haben, das Genre-Rad neu zu erfinden, könnte Wildstar zum neuen Stern am Onlinespiele-Himmel avancieren.

Infos zum Spiel

Titel: Wildstar
Genre: Online-Rollenspiel
Hersteller: Carbine Studios
Publisher: NCsoft
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 35 Euro (plus 13 Euro Spielgebühr pro Monat)
System: PC
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Sehr gut

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