Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Preview zum Endzeit-Rollenspiel Wasteland 2 für PC von Koch Media

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Preview zu Wasteland 2 | Rollenspiel | PC  

Apokalyptisches Comeback

07.08.2014, 16:23 Uhr | jr, Richard Löwenstein

Preview zum Endzeit-Rollenspiel Wasteland 2 für PC von Koch Media. Wasteland 2 Endzeit-Rollenspiel von Inxile Entertainment für PC (Quelle: Deep Silver)

Wasteland 2 Endzeit-Rollenspiel von Inxile Entertainment für PC (Quelle: Deep Silver)

Das wird der totale Retro-Flash: Mit Draufsicht-Perspektive, Rundenkampf-System, einer reinen Singleplayer-Kampagne und vielen weiteren Retro-Attributen lässt das Endzeit-Rollenspiel Wasteland 2 die 80er-Jahre aufleben. Schöpfer ist das US-Studio Inxile Entertainment. Mit einem erfahrenen Mann an der Spitze: Gamedesigner Brian Fargo hat Anfang 1983 den Spiele-Entwickler Interplay gegründet und in den Folgejahren das Original-Wasteland sowie später die Fallout-Reihe mit initiiert. Ab Ende August kämpft sich erneut ein bunter Haufen von Überlebenskünstlern durch das postapokalyptische Ödland.

Postnuklearer Überlebenskampf

Das zweite Wasteland greift die Ereignisse aus dem Originalspiel von 1988 auf. Die Handlung wurzelt in einer Parallelwelt, die im Jahr 1998 durch nukleare Atomschläge weitgehend zerstört wurde. Die Apokalypse löscht die Zivilisation und verschont nur wenige Menschen. Rund hundert Jahre nach der Katastrophe kämpfen die paar Überlebenden noch immer ums Durchkommen. Ihre Umwelt ist geprägt durch Wüste, Radioaktivität und den Kampf verschiedener Gruppierungen um verbleibende Ressourcen. Genau wie bei "Mad Max" also.

Heldentruppe selbstgebaut

Allerdings sind in Wasteland 2 keine Einzelkämpfer am Werk. Vielmehr bastelt sich der Spieler zu Beginn der Kampagne einen Trupp aus vier Helden: die "Ranger". 16 vordefinierte Charaktere stellen sich zur Wahl. Eine Figur darf man sich frei erschaffen und auf Wunsch exportieren beziehungsweise an einen Freunde mailen - die einzige Online-Option im gesamten Game. Die Figuren tragen Namen wie Cherry "Zerstörer" Bomb oder Witwe "Alleskönner" O´Neill nicht ohne Grund. Das Gameplay nimmt sich gerne mal selbst auf die Schippe. Im Spielverlauf lockern häufig viele lose Sprüche die Atmosphäre auf. Dadurch fühlt sich Wasteland 2 keineswegs so trübe an wie man angesichts des Szenarios meinen könnte.

Flexibles Charaktersystem

Das Charaktersystem funktioniert klassenlos, die Helden definieren sich vielmehr aus einem System aus Glück, Stärke, Teamgeist und weiteren Attributen. Dazu kommen 30 Skills, die eine Figur als Naturbursche, auffassungsbereit, waffengeübt oder computerinteressiert umreißen. Ob und welche Skills sich im Spielverlauf weiter entwickeln, das hat der Spieler in der Hand. Indem die Ranger Kämpfe gewinnen und Missionen abschließen, sammeln sie Erfahrungspunkte. Diese Punkte verteilt der Spieler nach Wunsch auf verschiedene Skills und schult so jeden Charakter individuell beispielsweise zum Krieger, Dieb oder Verhandlungspartner. Ein derart vielschichtiges Rollenspiel-System verirrt sich nur noch selten in moderne Computerspiele.

Eine halbe Million Worte

Trotz vielfältiger Individualisierungs-Möglichkeiten, sagt Designer Brian Fargo, habe jede Figur ihren eigenen Kopf. Die Helden und genauso die computergesteuerten Charaktere seien mal gut und mal schlecht drauf, sie strahlen Zuversicht aus oder fügen sich einer Entscheidung nur unwillig. "Es handelt sich um eigenständige Persönlichkeiten, die man gerne kennenlernt und ins Herz schließt", sagt Brian Fargo. Ansehen kann man den Figuren ihren aktuellen Seelenzustand allerdings nicht, dazu sind die Modelle zu detailarm gezeichnet. Sie teilen sich stattdessen über Bildtext mit. Viel Bildtext. Eine halbe Million Worte sind laut Brian Fargo auf Dialoge, Missions- und Orts-Beschreibungen verteilt. "er dem Zauber von Wasteland 2 wirklich erliegen möchte, muss viel lesen.

Präsentation mit Höhen und Tiefen

Und so ziehen die Ranger also durch Wüsten und Savannen, verwilderte Industrieanlagen und von der Natur zurückeroberte Stadtarchitektur. Wiederum erklären sich viele Details nur über Texteinblendungen. Die Grafik hält sich mit Animationen oder gar Kamerafahrten ziemlich zurück. Büsche wehen im Wind und Figuren in Hab-acht-Stellung wackeln mit den Hüften, viel mehr passiert nicht. Insbesondere sind uns keine besonderen Spezialeffekte während Kampfszenen aufgefallen. An Gestein, Gebäuden, Wäldern und anderen Kulissenteilen ist aber ausreichend Detailzeichnung und Kontrast zwischen Licht und Schatten vorhanden, so dass sich insgesamt ein halbwegs attraktiver Anblick ergibt. Tages- und Nachtzyklen fehlen übrigens. Manche Karten sehen eher sonnig aus, andere eher fahl.

Eine offene Welt

Gelegentlich melden sich General Vargas und andere Unterstützer aus der Ferne zu Wort, meistens per Bildtext und gelegentlich zusätzlich per Sprechfunk. Sie berichten von Ereignissen aus aller Welt und beauftragen Missionen, die sich daraus ergeben. So stoßen die Ranger auf vielfältige Aufgaben: Die Gegend erkunden, Siedler retten, Dokumenten finden, eine Invasion fleischfressende Pflanzen stoppen, solche Dinge eben. Die Ranger erreichen ihr Ziel, indem sie einer traditionellen Mausbedienung folgen: Der Spieler klickt mit der rechten Maustaste den Zielort an, schon rennt die Bande. Waffenwahl, Dialogentscheidungen und alles weitere funktioniert über Icons.

Viele Wege führen ins Ziel

Laut Hersteller birgt die offene Welt rund 70 Stunden an Spieldauer, je nach Spielweise viele Stunden mehr oder weniger. Achtzig Prozent der Umgebung seien von Beginn an erreichbar. Ob und welcher Mission man folgt, ist jedermanns freie Entscheidung. Oft stehen mehrere Wege zur Wahl. Genauer gesagt macht gerade das den Reiz dieses Rollenspiels aus: Etwas ausprobieren und sehen, welche Folgen sich daraus ergeben. Wer an einem Ort beim Multiple-Choice-Dialog eine schnippische Antwort bevorzugt und so beispielsweise einem Non-Player-Charakter die Mitgliedschaft bei den Rangers verwehrt, wird später vielleicht dafür bezahlen. Wenn man so will, bildet Wasteland 2 den Gegenpol zu Call of Duty. Das Gameplay ist nicht durch vordefinierte Wege geprägt, sondern durch reichlich Handlungsfreiheit.

Rundenkämpfe alter Schule

Kämpfe kündigen sich teils in choreographierten Szenen an, teils ergeben sie sich zufällig bei der Wanderung über die Oberwelt. Bei Zufallsbegegnungen darf der Spieler entscheiden, ob er die Flucht ergreift oder - in Aussicht auf Erfahrungspunkte - die Herausforderung annimmt. Wer Riesenraupen, Wölfe, Söldner, Cyborgs und ähnlich übel gelauntes Gesocks aus dem Weg räumen mag, darf sich einem rundenbasierten Kampfsystem alter Schule anvertrauen. Die beteiligten Parteien bringen sich in Stellung und teilen abwechselnd aus. Unter Berücksichtigung von Aktionspunkten, Bewegungsradien, Waffenwahl und Reichweiten positioniert der Spieler die Mitglieder seiner Truppe, teilt aus und steckt ein.

Kein Game für Einsteiger

Ganz einfach ist die Bedienung allerdings nicht. Man kann zwar theoretisch die allermeisten Aktionen mit der Maus auslösen, greift in der Praxis aber doch häufig zur Tastatur. Dass das Menü zur Definition der Tastenbelegung über 60 Positionen umfasst, sagt eigentlich alles. Leider spart das Spiel mit Erklärungen zur Handhabung der Steuerung, des Kampfsystems und anderer Merkmale - und empfängt postapokalyptische Aufräumer auch sonst nicht gerade mit offenen Armen. Wie einen die Kampagne nach Spielstart ohne jedes Intro und fast ohne jede Begrüßung buchstäblich in der Einöde aussetzt, das werden selbst Hardcore-Rollenspieler als anachronistisch wahrnehmen.

Was wir mögen

Man mag von der schmucklosen Erscheinung und den ausufernden Textmengen halten was man mag. Aber wenigstens macht Wastelands 2 keine Kompromisse. Diese Produktion wendet sich ganz klar an Hardcore-Rollenspieler, die sich gerne für viele lange Abende in wundervollen Schilderungen und taktisch anspruchsvollen Rundenkämpfen verlieren.

Was wir nicht mögen

Das Spiel lebt von Beschreibungen und Dialogen auf dem Textticker. Viele Sprüche sind beim ersten Mal witzig, wiederholen sich aber. Und so lobenswert die Tatsache ist, dass die Bildtexte - leider kein Sprechfunk - eingedeutscht werden: Momentan macht die Übersetzung keinen homogenen Eindruck. Manches liest sich, als wären mehrere Übersetzer am Werk gewesen. Was tatsächlich der Fall ist.

Fazit

Generell setzt Wasteland 2 viel Basiswissen aus dem Rollen- und Taktikspiel-Genre voraus und wendet sich an eine klar definierte Zielgruppe: Liebhaber von Retro-Gameplay, die sich bei der Erforschung der unendlichen Details einer Fantasiewelt weder von Text- oder Zahlenwüsten, noch Dutzenden winziger Icons und wenig ausgeprägter Benutzerführung abschrecken lassen. Bei aller Retro-Liebe fehlen allerdings viele Elemente, die die Attraktivität des Pakets deutlich steigern würden. Beispielhaft genannt seien Höhenunterschiede, Tag-/ Nachtzyklen und vor allem eine überzeugende Benutzerführung.

Titel: Wasteland 2
Genre: Endzeit-Rollenspiel
Publisher: Deep Silver
Hersteller: Inxile Entertainment
Release: 29. August 2014
Preis: ab 30 Euro
System: PC
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Eindruck: Gut

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal