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Gamescom 2014: Indie-Games - Angriff auf die herrschende Klasse

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Gamescom 2014  

Indie-Games - Angriff auf die herrschende Klasse

13.08.2014, 17:35 Uhr | jr , dpa-tmn

Gamescom 2014: Indie-Games - Angriff auf die herrschende Klasse. Independent Games auf der Gamescom 2014 (Quelle: dpa)

Independent Games auf der Gamescom 2014 (Quelle: dpa)

Ohne großen Publisher im Rücken konnte früher kein Spiel zum Welterfolg werden. Seit einigen Jahren bringen aber immer mehr unabhängige Entwickler ihre Games selbst heraus - das Internet und Spieleplattformen machen es möglich.

Independent Games: So spannend wie die Blockbuster

Zwischen den auf Hochglanz polierten Ständen der großen Publisher fällt die aus Sperrholz gezimmerte Indie Arena auf der Spielemesse Gamescom (noch bis 17. August) kaum auf. Keine Hostessen, keine Showeinlagen, keine laute Musik. Doch die dort präsentierten Spiele sind mindestens genauso spannend wie die Blockbuster. Der Unterschied: Was hier ausgestellt wird, kommt von kleinen Studios, manchmal sogar nur von einem einzelnen Programmierer - für Werbung fehlt das Geld. Die Hälfte der zwölf Aussteller aus Deutschland entwickelt ihre Spiele auf eigene Faust im Nebenerwerb.

Für Oliver Eberlei macht gerade das den Reiz der Indie-Szene aus. "Es gibt einen guten Kontrast zu den Großen", sagt der Spiele-Entwickler und Organisator des Messestandes. «Die kleinen Teams probieren mehr aus, die wollen etwas Neues machen.» Und die Ideen unterscheiden sich tatsächlich von den Blockbustertiteln der Großen. Am Stand sieht man etwa das 3D-Geschicklichkeitsspiel "Mercury Shift", den Zombie-Shooter "Splatter" oder den Weltraumflugsimulator "Darkfield VR", der versucht, im Spiel realistische Physikeffekte umzusetzen. Und auch ohne Publisher schaffen es die Entwickler, ihre Spiele weltweit verfügbar zu machen, noch vor einigen Jahren eine Unmöglichkeit.

Denn früher führte der Weg zum Spieler zwangsläufig über Händler-Regale und den Publisher. Der übernahm im Idealfall Finanzierung, Produktion und Marketing, hatte dafür aber auch großen Einfluss auf das entstehende Spiel. Genau wie viele Roman-Ideen schon am Lektor scheitern, schafften es auch viele etwas abseitige Spiele-Konzepte nicht durch die Vorauswahl der Publisher.

Viele Wege führen zur Veröffentlichung

Doch heute ist die Zusammenarbeit mit Publishern nur noch einer von vielen Wegen, sein Game an den Mann zu bringen. Dadurch, dass Spiele nun auch per Crowdfunding von vielen Interessenten finanziert werden können und über Spiele-Plattformen wie Steam oder App-Stores im Internet weltweit verfügbar sind, haben sich ganz neue Möglichkeiten ergeben. "Das ist die große Revolution, dass man jetzt in der Lage ist, die Spiele selbst herauszubringen", sagt André Bernhardt. Er hat selber lange für Publisher gearbeitet und berät nun Indie-Studios.

Mehr Vielfalt für die Spieler

Die neuen Produktions- und Verbreitungswege bieten nicht nur den Entwicklern Vorteile. "Als Spieler habe ich viel mehr Vielfalt", sagt Bernhardt. «Es gibt viel mehr Ideen und Konzepte.» Ein Eindruck, den Hendrik Lesser vom Game-Bundesverband teilt. «Die meisten Indie-Spiele hätten es früher nie durch das Raster der Publisher geschafft», sagt er und nennt den Erfolgstitel "Minecraft" als Beispiel. Das ungewöhnliche Spiel mit Klötzchenoptik begeistert mittlerweile Millionen Spieler weltweit und hat seinen Entwickler zum Millionär gemacht. «Das ist ein Angriff auf die herrschende Klasse», bewertet Bernhardt die weltweite Indie-Szene.

Die Spieler profitieren davon - nicht nur weil es mehr und ungewöhnlichere Spiele gibt und Indie-Entwicklungen und -Titel in der Regel günstiger sind als Produktion und Preise großer Blockbustertitel wie "Assassin's Creed" oder "Skyrim". Weil immer mehr Spiele als sogenannte Early-Access-Games oder in offenen Beta-Testphasen erscheinen, steigt für die Spieler der Einfluss auf den Entwicklungsprozess. Eine «Demokratisierung der Dinge» nennt Maximilian Schenk vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware die Entwicklung. "Die Spieler können mitentscheiden, was auf den Markt kommt", sagt er. "Es ist ein laufendes Miteinander von Entwicklern und Spielern." Schenk sieht die Indie-Produktionen als sinnvolle Erweiterung des Marktes - parallel zum Publisher-System.

Auf Partnersuche

An den Großen der Branche ist die Entwicklung hin zu mehr eher ungewöhnlichen Spielkonzepten nicht vorbeigegangen. Sowohl Microsoft als aus Sony haben für ihre Spielkonsolen mehr und mehr Titel auch aus kleineren Studios im Angebot. "Das ist im Moment der wichtigste Bereich in der Spiele-Industrie", sagt Guido Alt von Sony Computer Entertainment. Nicht umsonst werden in Köln dieses Jahr besonders viele Titel kleiner Entwickler gezeigt.

Dahinter steckt natürlich auch Geschäftsinteresse. "Die Branche öffnet sich für neue Spieler", sagt André Bernhardt. Durch die neuen Spiele-Ideen abseits etablierter Formate finden auch immer mehr Leute zum Spielen, die vorher nie zur Konsole oder zum Joystick gegriffen hätten. Einen Nachteil habe die große Anzahl der Veröffentlichungen aber auch. "Es wird immer schwieriger, die Spiele zu identifizieren, die mich interessieren", sagt der Experte. "Im Laden war das Angebot von der Regalfläche begrenzt."

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