Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

Raue Schale, spielbarer Kern: Test zum Rollenspiel Risen 3 von Piranha Bytes

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test Risen 3 - Titan Lords | Rollenspiel | PC, PS3, Xbox 360  

Raue Schale, spielbarer Kern

19.08.2014, 16:27 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Raue Schale, spielbarer Kern: Test zum Rollenspiel Risen 3 von Piranha Bytes . Risen 3: Titan Lords Action-Rollenspiel für PC, PS3 und Xbox 360 von Piranha Bytes (Quelle: Deep Silver)

Risen 3: Titan Lords (Quelle: Deep Silver)

Das dritte Action-Rollenspiel aus der "Risen"-Reihe macht Schluss mit modischem Piratensetting und anderen umstrittenen Merkmalen von Teil zwei. Das Entwicklungsteam Piranha Bytes aus Essen vertraut wieder auf traditionelle Qualitäten: Düstere Grafik, spannende Kämpfe und eine erkundenswerte Umwelt voller Abenteuer. Kämpfen, erobern und das eigene Seelenwohl retten können alle Besitzer eines PC, einer PS3 oder Xbox 360 - und müssen dabei in "Risen 3: Titan Lords" Grafikfehler und andere Macken tolerieren.

Ein Werk der Gothic-Schöpfer

Piranha Bytes' bis heute hoch geschätzte Debütproduktion "Gothic" aus dem Jahr 2001 vermochte PC-Abenteurer aufgrund ihrer hübschen Erscheinung, vielfältiger Charakterentwicklung und bemerkenswerter Handlungsfreiheit wochenlang an den Bildschirm zu fesseln. All diese Merkmale sowie auch das mittelalterliche Setting kennzeichnen nun erneut eine Schöpfung der Essener: "Risen 3". Held der Welt ist eine namenlose Figur, die eigentlich nur zur Krabbenküste segeln und dort Stahlbarts Schatz bergen möchte. Im Rahmen eines Tutorials übt sich die Heldenfigur während einer kleinen Seeschlacht im Schwertkampf und lernt nach der Landung im Dschungel das Handwerk der Monsterjagd.

Zwischen Leben und Tod

Doch dann hat das Schicksal andere Pläne. Während einer unheilvollen Begegnung mit einem furchteinflößenden Schattenwesen aus der Hölle verliert der Held seine Seele an die Kreaturen aus der Dunkelheit. Um einen erstrebenswerten Zustand scheint es sich nicht zu handeln: Jedenfalls beauftragt einen die Kampagne - auf die das Spiel fokussiert, es gibt keinen Mehrspieler-Modus - mit der Suche nach der verlorenen Seelenhälfte. Dass die zentrale Figur nebenbei etwas gegen die bösen Mächte unternehmen soll und dazu mehrere belebte Inseln abklappern muss, kristallisiert sich nach ein bis zwei Stunden Spielzeit heraus.

Eine offene Welt

Die erste Hauptquest ergibt sich aus den Umständen: Verbündete finden. Ergo trabt der Held von dannen, mit einer Verfolgerkamera im Kreuz und großartigen Heldentaten im Blick. Was immer die Third-Person-Kamera zeigt, wohin auch immer der Held sich bewegt: Es gibt überall etwas zu besprechen, zu kämpfen und zu entdecken. Zwischen Bergen und Seen, Stollen und Dungeons, dem Reich der Toten und dem Wald der Finsternis finden sich mannigfaltige Aufträge und Herausforderungen, die der Spieler annehmen oder ablehnen kann - je nachdem ob er den Faden der Handlung aufnehmen oder seiner eigenen Nase folgen und Entdeckungen machen möchte.

Düstere Atmosphäre

Wenn dem Spieler danach ist, dann klemmt er sich mit seiner Figur eben eine Zeitlang in die Taverne und lauscht bierseligem Geplapper. Oder setzt sich draußen in die Natur und betrachtet die Wipfel der Bäume, wie sie sich unter der Last des Windes biegen. Das gibt es beispielsweise auf der Magier-Insel Taranis zu sehen, der sogenannten Donnerinsel. Mit dichten Nadelwald und einer dicken Festungsanlage, alles in eher graue und braune Farbtöne gehüllt, weckt dieser Ort starke Erinnerungen an den Look des ersten Gothic-Abenteuers. Es heißt, hier leben die verbannten Magier. Sie seien stark genug, um die geraubte Seele wieder zu beschaffen.

Kampf in dunklen Kellern

Also steht ein Besuch bei den obersten Zauberern auf dem Tagesprogramm. Das ist aber alles andere als einfach, da die Wachen den Heroen zunächst gar nicht zu ihrem Ordensführern vorlassen wollen. Lösungen für das Torwächter-Problem gibt es mehrere. Der Held kann trickreich in den Brunnen springen, von dessen Grund ein Geheimgang ins Innere der Zauberer-Burg führt. Andererseits könnte er sich ebenso gut beim Vorgesetzten der Wache anbiedern und ihm zu Diensten sein. Der erwähnt beiläufig, dass doch bitte jemand in den Kristallminen nach dem Rechten schauen möge. Gesagt, getan: Risen 3 setzt auch in dieser Hinsicht auf Retroqualitäten und entsendet den Helden des öfteren in dunkle Dungeons mit reichlich Kämpfen.

Variantenreiche Echtzeit-Kämpfe

Mit Klingen, Pistolen, Schwertern und Feuerbällen stellt sich der Held haufenweise Dragonsnappern, Untoten, Höllenhunden und monumentalen Bosskämpfen. Das Monsterdesign überzeugt, und die temporeichen Kämpfe treiben den Blutdruck so einige Male in Höhe. Leicht machen es einem die Biester nicht. Überlebenschancen hat nur, wer das Tastenballett am Controller beziehungsweise der Tastatur ernst nimmt und mit Blocks und Attacken umzugehen lernt. Es zählt zum Pflichtprogramm, sich im Spielverlauf allerlei kämpferische und magische Fähigkeiten anzueignen. Erst so verkettet der Held leichte und schwere Schwertschläge, schlägt die Angreiferbrut mit Feuerstößen in die Flucht oder dreht einen Kampf mit Hilfe allesvernichtender Zauber um. Feuerregen und andere magische Tricks dürften übrigens gerne ein bisschen spektakulärer aussehen.

Ein kurzweiliges Vergnügen

In Sachen Umfang und Ausstattung kann es Risen 3: Titan Lords zwar nicht Schwergewichten wie The Witcher oder Skyrim aufnehmen, aber genug zu erkunden und zu tun gibt es allemal. Auf der Krabbeninsel, der Eisenbucht und den drei dazwischen gelagerten Inseln Kila, Taranis und Takarigua verbirgt sich genug Stoff für mindestens vier lange Abende - je nach Spielweise sind aber auch etliche Stunden mehr drin. Das Ganze erweist sich insgesamt als kurzweiliges Vergnügen, das Erfolgserlebnisse und Fortschritte in schneller Folge aneinander reiht.

Viele, viele Quests

Mit seiner Benutzerführung gewinnt Risen 3 aber keine Preise. Zwar genießt der Held zeitweise die Begleitung durch die hübsche Patty und andere NPCs, die einen mit Wegweisung an der Hand nehmen. Oft ist man aber auf sich selbst gestellt und stellt fest, das Minikarte und Hauptkarte weder mitrotieren noch Höhenebenen unterscheiden oder Ziele deutlich anzeigen. Sie sind schlicht untauglich und verkomplizieren die Orientierung. Dazu kommt, dass sich etliche Menschen, Gnome und andere Wesen auf Multiple-Choice-Gespräche einlassen. Daraus ergeben sich häufig Haupt- und Nebenaufgaben. Prima soweit. Nur füllt sich das Questbuch verflixt schnell. Welche Quests wirklich bedeutsam sind und welche "nur" der Mehrung von Gold und Lebenspunkten dienen, das ist irgendwann schwer zu unterscheiden.

Komplizierte Bedienung

Da passt auch das Menüsystem ins Bild, das sich der Verwaltung des Hauptcharakters widmet. Diesem Menü obliegt zum Beispiel die Verwaltung von Pilzen, Planken, Eisenteilen und vielen Dutzenden weiteren Objekten die sich im Lauf der Reise ansammeln. Außerdem baut man hier Heldenattribute aus, kümmert sich um Waffen und Rüstungen und erlernbare Handwerkskünste. Aufgrund der unnötig komplizierten Menüstruktur dürfte selbst Jetpiloten die Verwaltung aller Komponenten schwer fallen – Rollenspiel-Einsteiger sind klar überfordert. Kenner werden das eher hinnehmen, und sie haben allen Grund dazu. Denn hinter der rohen Schale verbirgt sich ein variantenreiches Rollenspiel mit spannenden Kämpfen, vielen offenen Räumen und großartigen Chancen zur Entfaltung eigener Ideen beispielsweise bei der Wahl der Lösungsweges.

Was uns gefällt

Die wechselnden Tag- und Nachtzyklen unterfüttern das Gameplay mit einer spannenden Dynamik. Sieht hübsch aus, wenn die Sonne untergeht, die Schatten lang und die Farben orange werden. Lob verdient außerdem die tolle Eindeutschung mit motivierten Synchronsprechern.

Was uns nicht gefällt

Die Konsolenversionen leiden unter starkem Zeilenversatz, ruckenden Bildern und Grafikfehlern hart an der Grenze zum handfesten Bug. Da schweben Boote in der Luft, Kulissenteile verdecken Kämpfe und Riesenpixel verschandeln die Kulissen.

Fazit

Ein klarer Fall für erfahrene Action-Rollenspieler. Risen 3 verzichtet weitgehend auf cineastische Bilder und spektakuläre Choreographien. Die Story ergibt sich vielmehr aus hunderten Kämpfen, Dialogen und Quests, die im Zusammenwirken ein vielschichtiges Abenteuer ergeben. Dass inmitten der stellenweise sehr schönen Kulissen Figuren wie aus der Puppenkiste agieren, das ist typisch für eine Produktion von Piranha Bytes. Da ist eben manches roh und fügt sich nicht immer alles richtig zusammen. Kenner beißen sich durch und werden prima unterhalten.

Infos zum Spiel

Titel: Risen 3 - Titan Lords
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Deep Silver / Koch Media
Hersteller: Piranha Bytes
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 50 euro
Systeme: PC, PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Gut

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Wahnsinn 
Cleverer Hund überwindet Gartenzaun mit Trick

Kaum zu glauben, wie der Hund es schafft zu seinen Freunden zu gelangen. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal