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Godus für iOS im Test: Aufbau-Frust statt Götter-Lust

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Test Godus | Simulations-/Aufbauspiel | iOS  

Aufbau-Frust statt Götter-Lust

06.09.2014, 11:13 Uhr | Benedikt Plass-Fleßenkämper (jr / ams), Medienagentur plassma

Godus für iOS im Test: Aufbau-Frust statt Götter-Lust. Godus Simulations- / Aufbauspiel für iOS, Android, PC und OS X von 22 Cans Studios (Quelle: 22 Cans Studios)

Godus Simulations- / Aufbauspiel für iOS, Android, PC und OS X von 22 Cans Studios (Quelle: 22 Cans Studios)

Eine neue Göttersimulation von Peter Molyneux? Da erwartet man beim Endergebnis jede Menge Kreativität, Genialität und Innovation. Mindestens. Schließlich hat die britische Entwickler-Ikone mit Spiele-Klassikern wie "Populous" und "Black & White" das Genre quasi im Alleingang erfunden. Da wundert es kaum, dass über 17.000 Fans Molyneux' Crowdfunding-Aufruf auf Kickstarter folgten und mehr als eine halbe Million britische Pfund für die Entwicklung von "Godus" locker machten. Doch das Endergebnis enttäuscht: Das iOS-Spiel, das in Kürze auch für Android-Systeme, PC (eine Early-Access-Edition gibt's bei Steam zum Download) und OS X erscheinen soll, verkommt mit jeder Stunde Spielzeit mehr zur mühsamen Fummel-Arbeit, unter der Spielspaß und Motivation leiden.

Foto-Serie mit 8 Bildern

Der Glaube versetzt Berge

Das Intro zu Spielbeginn verheißt noch Großes: Man blickt auf eine idyllische Hügellandschaft mit saftigen grünen Wiesen, hohen Bergen und weißen Stränden. Anschließend startet Godus als klassische Göttersimulation. Es gilt, zwei Menschen vor einer großen Flut zu retten. Per Finger verformt man auf dem Touchscreen die Erde - fertig ist das rettende Land und damit der Grundstein für eine hoffentlich bald prächtig gedeihende Population. Über einfache Schaltflächen platziert man nun erste Gebäude und erfreuen sich daran, wie die kleine Männchen langsam eine kleine Zivilisation aufbauen. Ihre Schützlinge produzieren zunächst Glauben - die wichtigste Währung in Godus, denn nur mit Glauben kann man die Umgebung formen und zum Beispiel Hügel platt oder neue Landstücke im Meer anlegen.

Renitente Bewohner

Das ist spielerisch allerdings auch schon das Kernelement des neuen Molyneux-Werks: Letztlich geht es in Godus auf lange Sicht nur noch um das Schaffen neuer Bauflächen, um Hütten und Siedlungen aufzubauen. Leider erweist sich die Touch-Steuerung des iOS-Titels als äußerst unpräzise, das Verformen einzelner Gesteinsschichten ist eine einzige Geduldsprobe. Und obwohl Sie die Einwohner mit der Lasso-Funktion zu bestimmten Arbeiten anweisen können, machen die Computer-Zivilisten selten, was sie sollen. Mal finden sie eigens gebaute Treppen nicht, mal bleiben sie irgendwo in der Landschaft hängen. Das ermüdet schnell und schmälert obendrein die Aufbau-Lust.

Wie die Lemminge

Neue Gebäude erhalten Sie in Form von Spielkarten. Um deren Funktionen aber freizuschalten, benötigen Sie Sticker. Diese wiederum findet man entweder in versteckten Kisten, in kostenpflichtigen Sticker-Tütchen oder als Belohnung für Expeditionen. Die Minispiele erinnern stark an den Amiga-Klassiker "Lemmings". Sie müssen nämlich Ihre Mannschaft vom Schiff durch einen Hindernisparcours in einen Tempel lotsen, ohne dass die armen Trottel im Sumpf versinken oder von Riesen zu Klump gehauen werden.

Was in einfachen Levels noch Laune macht, gerät im Spielverlauf zur Zerreißprobe. Die Kombination aus der unpräzisen Steuerung und den dümmlich agierenden KI-Selbstmördern garantiert reichlich Frust und noch mehr Wartezeiten. Denn: Geht Ihre Crew im Einsatz drauf, dauert es etliche Stunden, ehe das Boot wieder auslaufen darf.

Warten oder zahlen?

Tatsächlich schlägt bei Godus nach etwa zwei Stunden Anfixzeit der Free-to-Play-Hammer gnadenlos zu. Plötzlich auftauchende Ressourcen wie Getreide und Erze benötigen enorm lange, ehe sie gefördert sind. Dann haben Sie die Wahl: Abwarten? Oder doch im Ingame-Shop Geld ausgeben? Kaum gehen Ihre Rohstoffe einmal zur Neige, nervt das Spiel mit winkenden Kärtchen und verweist gnadenlos auf den Shop. Dazu wird der Spielablauf immer monotoner. Eigentlich planieren Sie nur noch die immerhin nett anzusehende Hügellandschaft und schaffen Platz für weitere Häuschen. Von einer echten Göttersimulation kann hier aber nicht mehr die Rede sein.

Was uns gefällt

Die Pluspunkte des iOS-Spiels sind seine schöne Präsentation, der anfangs ebenso motivierende wie unterhaltsame Aufbaupart und die interessante "Lemmings"-Variante. Das war's dann aber auch schon.

Was uns nicht gefällt

Nahezu kein Anspruch, eine fürchterlich ungenaue Steuerung und jede Menge Leerlauf: "Godus" bietet für ein Molyneux-Werk erschreckend wenig spielerische Substanz und ärgert einen dazu noch mit seinen penetranten Ingame-Shop-Hinweisen.

Fazit

In der Theorie beinhaltet das neue Molyneux-Spiel alles, was das Göttersimulations-Genre ausmacht: Man erschafft eine eine eigene Welt und darf diese als Herrscher nach Lust und Laune formen. In der Spielpraxis entpuppt sich das Ganze jedoch als eintönige Fleißarbeit in einer hübschen Inselwelt. Spielerischen Anspruch sucht man vergeblich, dafür muss man sich mit einer unpräzisen und anstrengenden Steuerung und langen Wartezeiten herumschlagen. Und die immer wieder angepriesenen Ingame-Käufe gehen einem ziemlich schnell auf den Wecker. Schade: Dieses Kickstarter-Experiment ist gründlich misslungen.

Infos zum Spiel

Titel: Godus
Genre: Simulations- / Aufbauspiel
Hersteller / Publisher: 22Cans
Release-Termin: Im Handel
Preis: Free-to-play-Game (mit optionalen Ingame-Käufen)
System: iOS (ab Version 7.0) / Android, OS X und PC-Version in Vorbereitung
USK-Freigabe: Nicht geprüft (Apple-Freigabe: 4+)
Wertung: Ausreichend

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