Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

"Destiny" im Test: Bungie macht vieles richtig und wenig falsch

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test zu Destiny | Ego-Shooter | PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One  

Ein Universum zu Deinen Füßen

14.09.2014, 15:13 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

"Destiny" im Test: Bungie macht vieles richtig und wenig falsch. Destiny MMOG-Ego-Shooter von Bungie für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One (Quelle: Activision)

Destiny MMOG-Ego-Shooter von Bungie für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One (Quelle: Activision)

Das vielleicht größte Kompliment, das man dem Ego-Shooter "Destiny" machen kann: Die 140-Millionen-Dollar-Produktion des US-Spielestudios Bungie ("Halo") wird selbst eingefleischte Einzelgänger zum Online-Gaming bekehren. Das SciFi-Spektakel verschmilzt Singleplayer- und Mehrspieler-Modi so unaufdringlich, das sich dem niemand entziehen kann. Einzel- und Mehrkämpfer in einer gemeinsamen Welt kämpfen Seite an Seite oder gehen den anderen aus dem Weg. Jeder wie er mag. Einzige Voraussetzung zur Teilnahme: PS3, PS4, Xbox 360 oder Xbox One - und eine ordentliche Portion Frustresistenz.

Dieses Spiel trägt dick auf

Der Ego-Shooter Destiny ist das Ergebnis von fünf Jahren Arbeit. Erste Diskussionen zum Projekt, sagt Bungie, datieren auf den August 2009. Seitdem waren rund 400 Mitarbeiter an der Entstehung beteiligt. Gut informierte Quellen behaupten, dass die Spiel-Entwicklung bisher rund 140 Millionen US-Dollar verschlungen habe. Dabei wird es nicht bleiben. Denn Destiny ist als zehn Jahre umfassender Dauerläufer angelegt. Was man beim Launch von Destiny erlebt, das ist nur der Anfang einer Geschichte, die den Spielern noch einige Mehrteiler, Ableger und Download-Inhalte bescheren soll.

Die Erde und der Reisende

Das Anfangs-Szenario, in dem Destiny spielt, ist gelinde gesagt unerfreulich. Denn die Erde in rund 700 Jahren ist kein schöner Platz: Nach endlosen Kriegen gegen eine Allianz außerirdischer Rassen ist unser Planet weitgehend zerstört. Die wenigen Überlebenden rotten sich in der "letzten Stadt" zusammen. Diese Enklave wird beschützt von einer geheimnisvollen Sphäre und einem mystischen Wesen namens "Der Reisende". Die Sphäre schwebt wie ein nimmermüder Wächter am Himmel. In ihrem Schatten, umgeben von hohen Schutzwällen, leben die Bürger der letzten Stadt. Zu Ihrem Schutz sind die Hüter abgestellt. Sie sind Krieger und stellen sich den Alien-Fraktionen entgegen. Als Hüter macht sich der Spieler auf die Suche nach Antworten: Was hat es mit dem Reisenden und seiner Sphäre auf sich? Warum sind die Außerirdischen hier? Können wir sie zurückschlagen?

Neue Spielszenen aus Destiny im Trailer

Ein kleines Team stürmt die Höhle der Teufel.

Neue Spielszenen aus Destiny im Trailer


Und so beginnt alles

Mithilfe eines bravourös synchronisierten Erzählers, des stimmungsvollen Einstiegsvideos und wundervoller Begleitmusik gelingt der Aufbau eines tragfähigen Spannungsbogens. Die Neugier ist jedenfalls bald geweckt: Man möchte zu gern erfahren, was das Schicksal für die Hüter bereithält. Doch vor Beginn der Kampagne kreiert der Spieler erst einmal seinen eigenen Helden. Weder Name noch Geschlecht des Avatars sind vorgegeben. Als Basis dienen die drei Klassen Jäger, Warlock und Titan. Jäger bewegen sich angenehm flott von der Stelle, stecken dafür weniger Treffer weg. Die Warlock-Klasse bündelt die Energie des Universums und nutzt sie als Angriffswaffe - der Magier in der Runde, wenn man so will. Wer sich für den Titan entscheidet, wählt den Allrounder.

Ob der Held als Mensch, blauhäutiger "Erwachter" oder kybernetischer Exo geboren wird, ist eine Frage des Geschmacks. Unabhängig von Rasse und Klasse darf man seine Figur gleich zu Beginn individualisieren und an Frisur, Kopfform, Augenfarbe und mehr basteln. Die Optik ist zu Beginn das einzige gravierende Unterscheidungsmerkmal.

Bau dir deinen Helden

Zu Anfang haben alle Figuren Zugriff auf gängige Waffen und lernen zügig den akrobatischen Doppelsprung. Je später das Spiel, desto mehr klassengebundene Spezialisierungen prägen sich heraus. Warlocks zum Beispiel lernen die Heilkunst und retten Mitspielern das Leben. Ein rollenspieltaugliches Rangsystem stützt die Motivationskurve. Durch Teilnahme an Kämpfen arbeiten sich Hüter im Spielverlauf durch eine 20 Levels umfassende Hackordnung und wachsen vom Revolverheld zur Legende heran. Zwei bis drei Rangaufstiege pro Spielabend sind durchaus mach- und die damit verbundenen Fortschritte erlebbar: Schilde und Brustpanzer und Abzeichen und Sammelkarten finden sich dabei alsbald ein.

Motivierende Klassenaufstiege

Nach der Charakter-Geburt beginnt das Abenteuer. Sofort ist eine kleine schwebende Drohne mit ersten Tipps zur Stelle. Hinweise und Symbole lotsen den neugeborenen Helden zu ersten Etappenzielen. Dank Selbstheilung gehen die ersten Scharmützel locker von der Hand. Das Ganze spielt sich zu Beginn geradlinig, das macht den Einstieg leicht. Später lösen sich die Grenzen auf, die Außenareale geraten offener und laden zum Erforschen ein. Die Singleplayer-Kampagne baut auf einer genreüblichen Struktur auf. Der Turm der Hüter bildet den Mittel- und Ausgangspunkt. An diesem offenen Hub trifft man die Avatare von Mitspielern, und NPCs plaudern über die Welt und darüber, was mit ihr passiert ist.

Wenig Handlung

Ein Bewohner des Turms stellt sich als Sprecher des Reisenden vor. Er unterbreitet Missions-Vorschläge. Ob man ihnen und damit dem Faden der Handlung folgt oder auf eigene Faust Orte erforscht und auf versteckte Waffen oder Hinweise untersucht, bleibt einem selbst überlassen. Leider erinnern sein Charaktermodell und die anderer NPCs eher an Puppen als Menschen. Warum verstecken sie sich hinter Masken? Dadurch prägen sich die Figuren nicht ein und wirken austauschbar. Videos und andere cineastisch aufgepolsterte Szenen machen sich ebenfalls rar.

Kurz gesagt: Charaktertiefe oder dramatisches Gefühlskino sind nicht die Stärke von Destiny. Der Reiz des Ganzen nährt sich aus Action und dem Wechsel aus Anspannung und Belohnung. Vom Turm aus tritt man die Reise zu den Einsatzgebieten an. Allzu viele Ziele gibt es nicht: Ein verlassener russischer Raketen-Startplatz auf der Erde samt Umfeld, Orte auf dem Mond, der Venus, dem Mars sowie eine Multiplayer-Karte auf dem Merkur stehen zur Auswahl.

Grafik, Sound und Gameplay ergänzen sich

Nach Ankunft auf Erde, Mond, Mars und anderen Zielen werden die Augen groß. Die Grafik macht richtig was her. Der Mond beispielsweise: Inszeniert als wundervolle Kulisse, den die insektoide Alienrasse der "Schar" mit massiven Bauten unterhöhlen. Die Venus: Dschungel und Tempel als Kulisse für schnelle Duelle mit den Aliens der Vex-Rasse. Der Mars: rot und herausfordernd und besetzt von kybernetischen Kreaturen namens Kabal, die allein mit ihrer Körpergröße Angst und Schrecken verbreiten. Hier wie dort sucht der Umgang mit Farben, dynamischen Schatten und sich verändernden Lichtverhältnissen seinesgleichen. Schön, wie Lichtführung, Feinzeichnung, Animationen, Audioeffekte und Gameplay ineinandergreifen. Computergegner nutzen dunkle Bereiche für Hinterhalte oder jagen einem im dichten Dschungel mit irrlichternden Geräuschen Schauer über den Rücken.

Jede Menge Feuerprügel im Spiel

Die Waffenvielfalt und die Möglichkeiten zur Individualisierung von Karabinern, Maschinenkanonen und Strahlengewehren erinnern an "Borderlands", ohne allerdings dieselbe Spieltiefe zu erreichen. Dennoch: Schnellfeuernd oder großkalibrig, projektilbasiert oder plasmabetrieben, scharf zielend oder breit streuend - die Eigenschaften der Waffen sind sehr deutlich unterscheidbar. Die Schießeisen erhält man in der Regel vom Händler im Turm im Tausch gegen Spielwährung. Mithilfe des futuristisch gestalteten Status-Bildschirms lassen sich jederzeit Durchschlagskraft, Rückstoß, Nachladetakt und weitere Faktoren bereits erworbener Waffen vergleichen. Das zu tun, ist entscheidend. Denn an falscher Waffenwahl und nachlässigem Aufleveln der Schutzkleidung scheitern Missionen, des hohen Schwierigkeitsgrades wegen. Dazu gleich mehr.

Beinharte Feuergefechte

Genrekenner werden die Schießereien als kontrollierbar und motivierend wahrnehmen. Die visuelle Umsetzung der Waffen und der Gefechte vermittelt ein gutes Gefühl dafür, ob man einen Gegner im Visier hat und ob beziehungsweise wo man ihn getroffen hat. Die KI der Computergegner verdient ihren Namen. Die Angreifer unterscheiden sich namentlich, visuell und in Angriffsmustern. Manche nutzen die Wucht ihrer Körper, andere rotten sich zusammen, dritte attackieren aus dem Hinterhalt, vierte verfolgen einen wie Bluthunde oder setzen Tarnschilde ein. Wer überleben will, muss gekonnt zwischen in Deckung gehen, Frontalangriff und geschicktem Beharken von Schwachstellen wechseln.

Klassenaufstiege ergrinden

Nach jedem Triumph klopft man sich gedanklich auf die Schulter und genießt ein herrliches Gefühl von Unbesiegbarkeit. Solch erhabene Momente sind freilich teuer erkauft. Man bezahlt mit Frust. Denn obwohl vor Beginn jeder Mission eine manuelle Wahl zwischen Schwierigkeitsgraden gestattet ist, kippt die Balance zwischen fair und unfair einige Male auf die falsche der beiden Seiten. Einige Herausforderungen scheinen beim ersten Mal unschaffbar zu sein. So ein riesiger gepanzerter, skorpionähnlicher Teufelsläufer schluckt zum Beispiel Treffer wie unsereiner Tic Tacs. Da hilft oft nur lästiges Grinding, also wiederholtes Aufsuchen weniger stark besetzter Orte zwecks Punktesammeln und Klassenaufstieg. Irgendwann wird dann sogar so ein Teufelsläufer von Treffern einer getunten Waffe außer Gefecht gesetzt. Da hüpft das Herz, das schon, ohne dass man aber den steinigen Weg bis dahin vergisst.

Symbiose aus Single- und Multiplayer

Angesichts einiger bockschwerer Kämpfe wird sich mancher Unterstützung wünschen. Wäre verfügbar, sofern man sich mit Mitspielern verbünden mag. Denn wie eingangs erwähnt, hebt Destiny die strikte Trennung zwischen Single- und Multiplayer elegant auf. Das funktioniert so: In einem Moment schleichen Sie mutterseelenallein durch die düsteren Korridore eines geheimnisvollen Bauwerks auf dem Mars. Im nächsten Moment erreichen Sie eine offene Lichtung und sehen, wie mehrere Mitspieler aus Fleisch und Blut um ihr Leben kämpfen. Man kann sie dabei beobachten und lernen, sie im Kampf unterstützen, oder selbst um Unterstützung bitten - oder einfach weglaufen und dem Faden der Handlung folgen. Je nachdem fühlt sich Destiny eher an wie ein Singleplayer-Shooter oder eben ein Multiplayer-Erlebnis.

Koop und Mehrspieler-Action

Wer Gesellschaft schätzt, geht auf die gelegentlichen Einladungen zu Koop-Einsätzen gemeinsam mit zwei Mitspielern ein. Im Rahmen solcher Gemeinsam-Missionen schwebt beispielsweise ein dickes Mutterschiff heran, lädt Bossgegner aus und überlässt deren Abreibung dem Spieler und seinen Mitspielern. Für weitere Multiplayer-Abrundung sorgt der Spielmodus "Schmelztiegel". Unter diesem Begriff sind die genreüblichen Mehrspieler-Wettbewerbe versammelt: Drei gegen drei, Sechs gegen Sechs, Punktejagd, Basisverteidigung und vieles mehr auf diversen Karten. Es gäbe hierzu seitenweise zu schreiben.

Belassen wir's bei einem Satz: Bis zu zwölf Online-Hüter können sich viele Abende lang gemeinsam und / oder im Wettstreit entdecken, individualisieren und ausprobieren. Interessanterweise zündet der Multiplayer erst mit Erreichen der Charakterstufe 20 die Nachbrenner: Sobald diese Hürde genommen ist, sind etliche Waffen und Freispiel-Extras verfügbar.

Was uns gefällt

Die Serverkapazitäten scheinen ausreichend bemessen, der Zugang zum Spiel gelingt problemlos. Faszinierend, wie einen das Spiel pronto in sein Universum saugt. Die dichte Atmosphäre geht mit großartigem Spielfluss Hand in Hand. Die Ladepausen werden geschickt überbrückt. Ein Respawn - also der Wiedereinstieg ins Spiel - ist in aller Regel nicht weit vom Ort des Heldentodes entfernt. Die Eindeutschung verdient Komplimente: Die poetischen Texte fangen die Dramatik der Ereignisse stilsicher ein, und die Synchronsprecher machen einen herausragenden Job.

Was uns nicht gefällt

Die Menüs punkten mit schönem Look, jedoch setzen kryptische Kürzel und Zahlenwerte Rollenspiel-Basiswissen voraus. Die Bildwiederholrate liegt bei nur 30 Frames, das kriegen andere Shooter flüssiger hin. Das Spiel startet nur bei vorhandener Onlineverbindung, selbst im Singleplayer. Besitzer von Xbox 360 und Xbox One benötigen zwingend ein Xbox Live-Gold-Abo auch für den Singleplayer. PS3-Gamer benötigen keinerlei Online-Abo, PS4-Gamer ein PS Plus-Abo für die Multiplayer-Modi. Der PS4-Verpackung liegt ein Gutschein für einen PS-Plus-Schnuppermonat bei. Plattform-übergreifendes Gaming zwischen Besitzern verschiedener Konsolen-Systeme ist grundsätzlich nicht möglich.

Fazit

Destiny macht vieles richtig und wenig falsch. Schon bei Halo verstand sich Bungie darauf, aus mythologischen Andeutungen fremdartige Welten zu formen. Das klappt erneut prima und bildet einen reichen Humus für einen motivierenden, anspruchsvollen und abwechslungsreichen Ego-Shooter. Allerdings spielt sich Destiny nicht wie von selbst. Wer Erfolg haben will, muss das zugrunde liegende Rollenspiel-System verstehen und teils unfair gewichtete Bossgegner-Kämpfe hinnehmen. Mal eben ein paar Stunden mit zugänglicher Action verbringen? Dafür eignet sich Destiny nicht.

Infos zum Spiel

Titel: Destiny
Genre: Ego-Shooter
Publisher: Activision
Hersteller: Bungie
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 70 Euro
System: PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Gut

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal