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Civilization: Beyond Earth im Test: Strategischer Neuanfang im All

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Test zu Civilization: Beyond Earth | Runden-Strategiespiel | PC  

Strategischer Neuanfang im All

27.10.2014, 14:36 Uhr | Sönke Siemens / Benedikt Plass-Fleßenkämper tz/jr, Medienagentur plassma

Civilization: Beyond Earth im Test: Strategischer Neuanfang im All. Sid Meiers Civilization: Beyond Earth Strategiespiel von Firaxis für PC, OS X und Linux (Quelle: Firaxis)

Sid Meiers Civilization: Beyond Earth Strategiespiel von Firaxis für PC, OS X und LinuxEarth (Quelle: Firaxis)

Mit "Civilization" startete der Kanadier Sid Meier 1991 eine PC-Rundenstrategiespiel-Reihe, die auch 23 Jahre später noch zu den Meilensteinen im Genre zählt. Das Grundkonzept - eine Zivilisation von der Frühzeit bis ins Raketenzeitalter zu führen - übt eine ungebrochen hohe Faszination auf Strategie-Fans aus. Nicht zuletzt, weil historische Ereignisse, geschichtliche Zusammenhänge und wichtige Erfindungen der Menschheitsgeschichte plausibel mit der Spielstruktur verwoben wurden. 1999 folgte Meiers nächster großer Wurf: "Alpha Centauri" knüpfte inhaltlich genau dort an, wo Civilization aufhört, lässt die Spieler in einem Was-wäre-wenn-Szenario einen fremden Planten besiedeln. Mit "Beyond Earth" für den PC erscheint nun der spirituelle Nachfolger zu eben dieser Strategiespiel-Perle. Schaut man allerdings genau hin, ist das hier mehr Civilization 5 in neuem Gewand denn Alpha Centauri 2. Dem Spielspaß und der damit verbundenen Sogwirkung tut das jedoch keinen Abbruch.

Flucht in Richtung Milchstraße

Der Aufbruch in neue Welten beginnt mit einem atmosphärischen Render-Video. Zu sehen ist eine junge Frau, die zusammen mit ihrem Vater zu einem Weltraumbahnhof aufbricht. Dort angekommen scannt das Ordnungspersonal Barcodes, die den ausgewählten Reisenden auf den Unterarm tätowiert wurden; Priester segnen die Raumschiffe; die Crew im Kontrollzentrum trifft letzte Vorbereitungen. Wenig später erheben sich mehrere Trägerraketen majestätisch gen Himmel. Hintergrund der großangelegten Raumfahrermission: Nach einem globalen Kollaps moderner Gesellschaften will man einen Neuanfang im All wagen. Also schickt man Expeditionstrupps, um genau diesen vorzubereiten.

Die Qual der Wahl

Bevor es ans intergalaktische Eingemachte geht, muss der Spieler bereits erste wichtige Entscheidungen treffen. Welche der insgesamt acht Gruppierungen wie Polystralien, Franko-Iberia und Afrikanische Volksunion möchte ich anführen? Was können meine Kolonisten besonders gut? Mit welchem Raumschifftyp bin ich unterwegs? Welche Art von Cargo hat dieses geladen? Und auf welcher Art von Planet möchte ich mich überhaupt niederlassen? Durch Beantwortung dieser Fragen werden die wichtigsten Ausgangsparameter definiert. Gleichzeitig legt man sich so auf drei von insgesamt 15 Boni fest, die sich vor allem auf die Anfangsphase einer Partie auswirken. Das Raumschiff "Continental Surveyor" zum Beispiel deckt direkt zu Spielbeginn sämtliche Küstenlinien auf - ein nicht zu unterschätzender Vorteil für expansionsorientierte Spieler.

Spiele-Videos 
Civilization Beyond Earth - Gameplay Trailer

Designer Will Miller erklärt die Neuerungen im Spiel. Video

Die altbekannte Leier?

Was dann folgt, dürfte Kennern der Reihe schnell in Fleisch und Blut übergehen. Auf einer komplett in hexagonale Felder aufgeteilten Planetenoberfläche entscheidet man Runde für Runde über das Schicksal seiner aufblühenden Raumfahrer-Nation. Man gründet eine Hauptstadt, schickt Expeditionseinheiten in noch unwirtliche Gebiete, trifft auf erstes außerirdisches Leben, entsendet Bautrupps, um futuristische Straßen anzulegen und stadtnahe Gebiete mit Hightech-Fahrzeugen zu bewirtschaften, tritt in den Dialog mit auftauchenden Konkurrenten, treibt Forschung und Handel voran, gründet neue Außenposten, infiltriert mit Spionen Nachbarstädte, zettelt Kriege mit lästigen Mitbewerbern an und vieles mehr. Damit sich Civ-Einsteiger von der rasant zunehmenden Fülle an Möglichkeiten nicht erschlagen fühlen, assistiert ihnen auf Wunsch eine freundliche Computerstimme. Darüber hinaus werden viele grundlegende Spielmechaniken in bebilderten Testkästen noch einmal im Detail erklärt.

Harmoniebedüftig?

Klingt im Kern nach Civilization 5 mit grünen Männchen, futuristischen Technologien und neuem Szenario? In der Tat. Allerdings geht Beyond Earth in vielen Bereichen auch ganz eigene Wege. Allen voran mit der Einführung sogenannter "Affinitäten". Sie stehen stellvertretend für die Gesinnung eines jeweiligen Volkes und bestimmen dessen Möglichkeiten maßgeblich. Anhänger der Affinität Reinheit zum Beispiel verehren die Traditionen der Erde. Folglich sind sie der Auffassung, der Planet müsse sich im Laufe der Zeit ihnen anpassen - und nicht umgekehrt. Ganz anders die Verfechter der Affinität Harmonie. Sie streben nach einem natürlichen Gleichgewicht mit ihrer neuen Umgebung. Blieben noch die Fürsprecher der Affinität Vorherrschaft. Bei ihnen dominiert das Bestreben, menschlichen Erfindergeist in der neuen Welt anzuwenden und so zur dominierenden Spezies aufzusteigen.

Hauptsache individuell!

Welche Gesinnung sich am ehesten mit der eigenen deckt, kann der Spieler über den gesamten Spielverlauf hinweg immer wieder selbst bestimmen. Etwa, indem er die Forschung in bestimmte Richtungen lenkt oder vorgegebene Aufträge (Quests) auf eine bestimmte Art und Weise löst. Die Folge: Hat man vorgegebene Affinitätswerte erreicht, resultiert dies in speziellen Boni. Harmonie-Jünger werden zum Beispiel zunehmend resistent gegen sonst für den Menschen schädliche Miasma-Wolken. Reinheits-Ritter ziehen dagegen besonders effektiv gegen Außerirdische zu Felde, während Vorherrschaft-Unterstützer keinen Unterhalt für Straßen und Magnetschwebebahnen zahlen. Hinzu kommt: Mit dem Anstieg der Affinitätsstufe gehen regelmäßig neue Aufrüstoptionen für jeden Truppentyp einher.

Historisch betrachtet ist das System Firaxis’ Antwort auf den Einheiten-Editor aus "Alpha Centauri", wenngleich es bei Weitem nicht so komplex ausfällt. Dennoch: Da jede Fraktion fleißig individualisiert, halten vor allem spätere Schlachten immer wieder Überraschungen bereit.

Netz neuer Möglichkeiten

Grundlegend umgekrempelt wurde ferner das Gameplay-Element Forschung. Statt eines angestaubten Technologiebaums spielt diesmal ein in den ersten Spielstunden etwas gewöhnungsbedürftiges "Technologienetz" die erste Geige. Statt wie bisher bei Civ einem recht linearen, chronologisch strukturierten Entwicklungspfad zu folgen, kann man hier schon sehr früh in alle Forschungszweige seine Fühler ausstrecken. Das gilt natürlich auch für alle Mitbewerber und macht den Spielablauf noch unvorhersehbarer - und damit spannender. Gleichzeitig profitiert der Wiederspielwert - ein Faktor, bei dem die Spiele der Strategieserie ohnehin kaum zu schlagen sind.

Online-Hoffnungsträger

Eine faire Chance sollte man übrigens dem spannenden Mehrspieler-Modus geben. Gespielt wird entweder im Hotseat-Modus an einem Rechner, also abwechselnd nacheinander. Oder man tritt online gegen bis zu sieben Mitbewerber an. Bevor die Partie beginnt, darf der Spielleiter im Detail an dutzenden Optionen feilen, etwa die Beschaffenheit der Welt, konkrete Siegbedingungen, die Rundenzahl oder die Aggressivität der Aliens. Im Chat kommentieren die anderen Teilnehmer dann seine Entscheidungen. Einmal angefangen, steigt der Nervenkitzel rasant, denn selbstredend sind menschliche Spieler komplett unberechenbar.

Theoretisch unbegrenzter Spielspaß

Wer mag, darf obendrein Teams festlegen und nicht belegte Spieler-Slots mit KI-Hirnen besetzen. Prima: Speichern und Chatten während eines Online-Matches ist möglich. Während unserer Testphase liefen die Server die ersten Tage holprig, dann aber immer stabiler. In jedem Fall freut man sich, dass bei radikalen Verbindungsabbrüchen nicht gleich der gesamte Spielfortschritt der Konkurrenz in Schwarzen Löchern verschwindet, sondern umgehend der Computer einspringt. Der Multiplayer-Part hat in jedem Fall eine Menge Potenzial und verlängert den Spielspaß von Beyond Earth um viele Wochen.

Was uns gefällt

Egal, ob Atmosphäre, Bedienkomfort, Umfang oder Spieltiefe - auf all diesen elementaren Gameplay-Ebenen leuchtet Beyond Earth soll hell wie der Nordstern. Besonderes Lob gebührt dabei den Affinitäten, dem Tech-Netz und dem neuen Quest-System. In Kombination mit den zufallsgenerierten Karten, den insgesamt 60 Werte-Boni und einer recht fordernden KI sorgen sie dafür, dass sich wirklich keine Partie anfühlt wie die vorherige und auch langjährige Civ-Kenner bestens unterhalten werden. Nicht zu vergessen: die Mod-Unterstützung seitens der Community, die in Zukunft für weiteren Strategie-Nachschub sorgt.

Was uns nicht gefällt

Während die Präsentation auf der Hauptkarte einen gelungen Eindruck hinterlässt und mit vielen Detailanimationen und liebevoll inszenierten Umgebungen gefällt, geht’s im Stadtbildschirm minimalistisch zu. Sämtliche Wunder - die leider oft nur unspektakuläre Boni gewähren - und Stadterweiterungen werden beispielsweise nur langweilig in Skizzenform dargestellt. Auch die KI zickt hin und wieder. Wer feindlichen Generälen genau auf die Finger schaut, stellt zum Beispiel fest, dass diese bisweilen an einer Front angreifen, während sie sich anderer Orten aus heiterem Himmel zurückziehen. Bloß warum?

Tadeln müssen wir ferner die geringe Zahl an unterschiedlichen Fraktionen, die langen Ladezeiten zwischen den Runden im späteren Spielverlauf sowie einige Balance-Entscheidungen. Die nötige Technologie vorausgesetzt, sind etwa Handelskarawanen später immun gegen jedwede Art von Alien-Übergriffen. Resultat: Handel wird fast schon zu lukrativ.

Fazit

Zunächst eine Warnung vorweg: Wer nie ein Civilization gespielt hat und Beyond Earth als Einstiegsdroge in Sid Meiers Strategie-Universum wählt, sollte vorab schon einmal alle wichtigen Termine der nächsten Wochen absagen. Das hier ist ein Zeitfresser, wie er im Buche steht! Nicht selten ertappt man sich dabei, noch am frühen Morgengrauen mit tiefen Augenringen vor dem Rechner zu sitzen. Frei nach dem Motto: "Ein letzter Zug, dann hau’ ich mich aber wirklich aufs Ohr!" Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Noch fehlt in einigen Bereichen wie dem Mehrspieler-Modus und beim KI-Verhalten der nötige Feinschliff, um Genre-Primus Civilization 5 aus dem eigenen Haus endgültig in seine Schranken zu verweisen. Bekennende Rundenstrategen stört all das wenig. Sie frönen weiterhin Xeno-Titanen, Mag-Bahnen und Ultraschallzäunen, während sie hoffnungsvoll auf zukünftige Software-Flicken und erste Erweiterungen warten.

Titel: Sid Meier’s Civilization - Beyond Earth
Genre: Rundenstrategie
Publisher: 2K Games
Hersteller: Firaxis
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 50 Euro
System: PC
USK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Wertung: Sehr gut

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