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Assassin's Creed: Unity: Warum Sie dieses Spiel erleben müssen

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Test zu Assassin's Creed: Unity | Action-Adventure | PC, PS4, Xbox One  

Auf der Jagd nach dem Vatermörder

14.11.2014, 12:25 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Assassin's Creed: Unity: Warum Sie dieses Spiel erleben müssen. Assassin's Creed: Unity Action-Adventure von Ubisoft für PC, PS4 und Xbox OneUnity (Quelle: Ubisoft)

Assassin's Creed: Unity Action-Adventure von Ubisoft für PC, PS4 und Xbox One (Quelle: Ubisoft)

Drei Gründe gibt es, warum Sie das neue Action-Adventure aus der "Assassin's Creed"-Reihe erleben sollten: Erstens handelt es sich bei "Assassin's Creed: Unity" um den ersten Serienableger, der eigens für PC sowie die technisch besonders leistungsfähigen Spielkonsolen PS4 und Xbox One entwickelt wurde. Zweitens kann sich das traditionelle Open-World-Gameplay durch optimierte Steuerung und eine beseelte Geschichte besser entfalten denn je. Drittens hat Ubisofts Actionabenteuer, getragen von exotischem Flair und verführerischen Bildern, einige faustdicke Überraschungen zu bieten.

Das Szenario: Die Französische Revolution

Serientypisch lädt "Assassin's Creed: Unity" den Betrachter der Singleplayer-Kampagne zunächst auf eine Zeitreise ein. Der Ausflug führt in die französische Hauptstadt Paris des Jahres 1791, zur Zeit der bürgerkriegsähnlichen Zustände der Französischen Revolution. Das Abenteuer steigt nicht gleich voll ein. Es beginnt wie in der Assassin's Creed-Reihe üblich mit leichten Fingerübungen. Zunächst steht eine kurze Episode im frühen Mittelalter an, danach einige Momente aus des späteren Helden Kindheit. Wir sprechen über ein paar Wortgefechte, Apfelklau und Botenläufe. Die Steuerung kennen lernen. Nichts Ernsthaftes.

Der Kampf für die Freiheit

Erst zwei Stunden nach Spielstart entwickelt sich zunehmend ein von Chaos und Anarchie geprägtes Bild. Aufständische Bürger tragen lodernde Fackeln durch die Straßen, Unruhestifter schüren die Stimmung mit flammenden Parolen. Die Kamera fängt einen Kerl im wehenden Rock ein: Die Heldenfigur, Arno Victor Dorian, hält das Gesicht im Schatten seiner Kapuze verborgen. Er tut gut daran. Denn Arno lässt sich im Spielverlauf zum Assassinen ausbilden. Ein Meuchelmörder, der im Auftrag einer geheimnisvollen Bruderschaft für die Freiheit kämpfen soll. Tief in seinem Herzen allerdings treibt Arno anderes an. Er will den Mördern seines Vaters auf die Schliche kommen. Los geht's.

Überzeugende Figuren und Handlung

Stark vereinfacht könnte man "Assassin's Creed: Unity" als Third-Person-Actionabenteuer bezeichnen. Eines, das eine Geschichte erzählt. Mission um Mission baut das Spiel durch eingestreute Dialoge und Kamerafahrten eine Rahmenhandlung auf. Arno gerät in den Mittelpunkt eines Verwirrspiels aus Intrigen und Hinterhalten. Er kommt den Machenschaften einer skrupellosen Templer-Sekte auf die Spur, die den Bürgeraufstand zur Durchsetzung eigener Interessen manipuliert.

Unity gelingt dabei, woran bisher jedes Assassin's Creed scheiterte: eine differenzierte Porträtierung des Helden, seiner Geliebten Elise, von Ludwig XIV, Napoleon, Robespierre und anderen Beteiligten. Arno selbst kommt mit seinem charmanten Lächeln und frechen, stilsicher synchronisierten Sprüchen ausgesprochen sympathisch rüber. Die erzählerischen Momente sind so nachvollziehbar mit der Action verknüpft, die Figuren so lebendig gezeichnet, dass man sich bald mit ihnen verbunden fühlt und wissen will, wohin das Schicksal sie treibt.

Handliche Steuerung

Typisch für Assassin's Creed dient die Location Paris als Ausgangspunkt für vielfältige Muss- und Kann-Aufgaben. Man hat die freie Wahl, könnte auch stundenlang nur spazieren gehen. Wo was zu tun wäre und mit welchem Schwierigkeitsgrad zu rechnen ist, zeigt eine Abrufkarte. Wer eine alternative Darstellung per Second Screen bevorzugt, holt sich die kostenlose "Companion App" auf sein iOS- oder Android-Device. Manche Aufgaben sind kampfbetont, meistens wird eher behutsames Vorgehen belohnt.

An Wachen vorbeitasten, im rechten Moment Deckung suchen oder in der Menschenmenge untertauchen, das klappt spürbar intuitiver als in den Vorgängerspielen. Ähnliches gilt für die Klettereien. Arno ist ein besserer Parcour-Akrobat als seine Ahnen. Leichtfüßig sucht er sich einen Weg über Fassaden, Dächer, Simse und Leitern - man muss ihm nur die Richtung weisen. Eine Mauer im Weg, ein Sturz aus großer Höhe? Der Held erkennt und überwindet Hindernisse automatisch. Er sprintet nach großer Fallhöhe sofort weiter. Fühlt sich handlich an und tut dem Spielfluss ausgesprochen gut.

Prima kontrollierbare Kämpfe

Das Kampfsystem zeigt sich ebenfalls in Topverfassung. Arno gerät zwar immer noch in wilde Rudelkämpfe, sobald er Wachen, Aufrührer und Templer auf sich aufmerksam macht. Das Tun der Gegner gleicht aber nicht mehr so sehr einem planlos um sich pickenden Hühnerhaufen. Sobald Diebe, Soldaten oder Patrouillen aufmerksam werden, blasen sie zur Verfolgung und greifen koordiniert an. Man muss sich häufig um zwei bis drei Angreifer gleichzeitig kümmern. Ausdauerndes Tastenhämmern führt in den seltensten Fällen zum Sieg. Das relativ behäbige Kampftempo und die gesteigerte Kampfintelligenz der Gegner führt zu gut kontrollierbaren Duellen. Der Verlauf eines Kampfes lässt sich mit klugen Attacken, Paraden und Ausweichschritten prima beeinflussen.

Der individualisierte Held

Jeder Sieg, jede erfolgreiche Tat wird mit Erfahrungspunkte belohnt. Diese ziehen Rangaufstiege nach sich. In 30 Schritten vom Rekrut zur Legende: Das dauert viele lange Abende. Erst recht da Paris als offene Welt enorm viel Freiraum für eigenes Tun lässt. Hundert Prozent-Durchspieler widmen sich beispielsweise mehreren Dutzend Nebenaufgaben. Keine banalen Wettläufe oder Auftragsmorde an anonymen Figuren, sondern ernstzunehmende - nur eben nicht in die Zentralhandlung eingebundene - Missionen. Man macht beispielsweise Scharlatane ausfindig, die Brunnen vergiften und vom Wasser betäubte Opfer berauben.

Gute Taten und Opferplünderung finden ihren Widerhall in der Spielwährung. Das dort angesammelte Kapital wiederum lässt sich in einen schützenden Wams, sturzabfedernde Beinkleider, schnittige Stich- und Schusswaffen und andere teils kosmetische, teils praktische Individualisierungsmaßnahmen ummünzen.

Visuelle Höhepunkte

"Assassin's Creed: Unity" bezieht wie von der Reihe gewohnt einen großen Teil seines Reizes aus der gekonnten Inszenierung besonderer Momente. Wenn der Held beispielsweise markante Gebäude erklettert und deren höchsten Punkt erreicht, löst das wundervolle Panorama-Kamerafahrten aus. Während der Blick über die Umgebung schweift und sich einem Paris zu Füßen legt, steht einem manchmal der Mund offen - denn dieses Assassin's Creed sieht einfach wundervoll aus. Paris, was für ein wundervoller Spielplatz! Eine Welt aus hunderten Straßen, Häusern, Kirchen und Plätzen, die sich nahezu endlos bis zum Horizont ausdehnt. So viele Gebäude, so viele Dächer. Jedes einzelne Bauwerk ist erkletterbar, bei überraschend vielen lädt die Innenarchitektur zur genaueren Betrachtung ein.

Häuser mit Innenleben

Oft stehen Türen und Fenster offen. Die Räume dahinter bieten sich als Versteck oder Abkürzung an, wenn man mal nicht über das Dach klettern möchte. Die Ausstattung der Zimmer und Hallen belegt den qualitativen Sprung, den Unity im Vergleich mit den Vorgängerspielen erreicht. Bäder, Esszimmer und Empfangsbereiche sind alles andere als tote Staffage. Man sieht zerwühltes Bettzeug, flackernde Kerzen, filigrane Dekorarbeiten. Unzählige Details an Böden, Wänden und Möbeln wecken das Gefühl, dass in den vier Wänden tatsächlich jemand wohnt.

Durch die realitätsnahe Darstellung von Licht und Schatten gewinnt das Ganze an Wärme und Lebendigkeit, auch außerhalb der Gebäude. Man werfe nur einen Blick an den Himmel: Je nachdem, ob sich gerade Wolken vor die Sonne schieben, verändern sich Schattenwurf und Lichtstimmung unten am Boden.

Die Straße lebt

Das Leben in den Gassen bestätigt den realitätsnahen Eindruck. Computergesteuerte Menschen überall - Ubisoft spricht von bis zu 5000 Avataren, in einer Szene sollen sogar bis zu 10.000 NPCs auftreten. Die meisten sind Staffage, reagieren aber zumindest auf Annäherung und Rempeleien. Sie dienen dem Aufbau von Atmosphäre oder als Deckung vor neugierigen Blicken einer Computerwache. So ähnlich kennt man das aus der Assassin's Creed-Reihe. Der Gesamteindruck ist trotzdem ein anderer. Stellenweise entsteht durch die schiere Menge an Menschen ein interessantes Gefühl von Bedrohung.

Selbst in Situationen, in denen Arno einen Weg durch die Scharen finden soll, sind kaum eineiige Zwillinge auszumachen. Jede Figur trägt individuelle Frisuren und Kleider und Broschen und Gürtel. Kein Vergleich beispielsweise mit "Assassin's Creed 2", wo man beim Spaziergang durch Rom von einem Déjà-vu ins nächste stolpert.

Playstation 4 am Limit

Der Spielfluss überzeugt im Großen und Ganzen. Action- und Erzählszenen lösen einander nahtlos ab und zeigen keine störenden Unterschiede bei den Charakterdetails wie beispielsweise "Call of Duty: Advanced Warfare". Also alles bestens? Nein. Die getestete PS4-Version scheint mit der Komplexität des Gesamtkunstwerks etappenweise überfordert. Die Bildwiederholrate sinkt einige Male von den üblichen 30 Frames auf deutlich weniger. Außerdem fallen ungewöhnlich viele Bugs auf: Computergegner bleiben an Kulissen hängen und versuchen sich freizuzappeln. Der Held geht auf Luft oder fällt durch den Boden ins Polygon-Nirwana. Ernsthafte Probleme entstehen durch diese Softwarefehler nicht, die Illusion einer Zeitreise bleibt weitgehend intakt. Dennoch bleibt zu hoffen, dass ein Download-Patch bald für Ordnung sorgt.

Was uns gefällt

Die sieben Viertel von Paris bieten ausreichend visuelle und atmosphärische Abwechslung. Die Ile de la Cité beispielsweise wirkt eher mittelalterlich und entgegenkommend, Le Louvre mondän und bedrohlich, das Militärquartier offen und weitläufig. Die Eindeutschung hat Ubisoft hervorragend hinbekommen. Die Texte sind stilsicher übersetzt, die Synchronsprecher impfen den Figuren Leben ein. Überzeugender Straßenlärm nebst französischen Sprachsprenkeln unterstützt das Flair. Die dramatische Musik verdient ein Sonderlob.

Was uns nicht gefällt

Ganz leicht ist das Spiel nicht. Ärgerlich daher, dass auf Heldentod durch misslungene Kämpfe, Sprungprüfungen oder Schleichmissionen manchmal lange Ladepausen folgen. Schade außerdem, dass Ubisoft durch ein Werbevideo bereits einen von mehreren dramatischen Umschwüngen innerhalb der Handlung vorweggenommen hat. Wer nichts darüber wissen möchte, sollte das Video "Time Anomaly" meiden.

Fazit

"Assassin's Creed: Unity" lässt einen viele Abende lang lachen und weinen, jubeln und fluchen, sehen und staunen. Rund 20 Stunden an Spieldauer sollte einplanen, wer an der Seite von Arno Dorian französische Historie miterleben möchte. Mit der dreifachen Zeit darf rechnen, wer sich zusätzlich den Nebenmissionen und Koop-Abenteurern widmet, seinen Held modisch stylt und einige seiner Rückzugspunkte wohnlich gestaltet. Unterm Strich ergibt das vielschichtige und gefühlsbetonte Actionunterhaltung, die dank einiger überraschender Wendungen fast durchgehend blendend unterhält.

Infos zum Spiel

Titel: Assassin's Creed Unity
Genre: Action-Adventure
Publisher / Hersteller: Ubisoft
Release-Termin: 13. November 2014
Preis: zirka 60 Euro
System: PC, PS4, Xbox One
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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