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Elite Dangerous im Test: Comeback einer Weltraum-Oper

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Test zu Elite Dangerous | Weltraum-Simulation | PC, OS X  

Comeback einer Weltraum-Oper

29.12.2014, 09:09 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Elite Dangerous im Test: Comeback einer Weltraum-Oper. Elite Dangerous Weltraum-Simulation für PC und Mac von Frontier Developments (Quelle: Frontier Developments)

Elite Dangerous Weltraum-Simulation für PC und Mac von Frontier Developments (Quelle: Frontier Developments)

Diese Space-Simulation legt Ihnen die komplette Milchstraße zu Füßen. Über 100.000 Sonnensysteme erforschen, Raumschiffe kaufen, Rohstoffe kapern und Piraten bekämpfen - einfach tun und lassen, was man möchte: In "Elite Dangerous" muss die Freiheit schier grenzenlos sein. Einen Preis müssen PC-Piloten (und später Mac-Piloten) dennoch zahlen: Das Spiel macht einem das Gondeln unter Sternen alles andere als leicht. Wer mitfliegen will, muss Geduld mitbringen. Viel Geduld. Genau wie beim Ur-Elite aus den 80er Jahren, dessen Wiederauferstehung wir hier erleben.

Zurück nach 1984

Wir schreiben den Herbst 1984. Während Gamer hierzulande Pac-Man durch das Labyrinth lotsten, wurden die vornehmlich englischen Besitzer des Heimcomputer-Modell Acorn BBC Micro Zeuge eines Durchbruchs: Sie erleben den Start der Weltraum-Flugsimulation "Elite". Das Game presst ein Universum aus 2000 Sonnensystemen in 32 Kilobyte Speicher. An Bord des Raumgleiters Cobra Mark III reist der Spieler zwischen Raumstationen, handelt Güter und übt sich im Kampf mit nimmersatten Weltraumpiraten. Die Festlegung der Ziele, der Routen, der Waren und der Handelspartner obliegt dem Spieler. Hunderttausende lieben das Gondeln unter Sternen, die weitreichende Entscheidungsfreiheit und die Einbindung in eine für damalige Verhältnisse umwerfend realitätsnahe 3D-Umgebung.

Kurierfahrer unter Sternen

Elite fand binnen kurzer Zeit den Weg auf Commodore 64, Amiga, PC und viele weitere Hardware-Plattformen. Ein wahrer Klassiker, der nun mit Elite Dangerous sein Comeback erlebt. Das Gameplay ist vergleichbar: Offenes Universum und Start in ein Weltraumabenteuer mit einem schwach bewaffneten Raumgleiter und kaum einem Credit - so hieß die Universalwährung unter Sternenfahrern schon in den 80er-Jahren - in der Tasche.

Die dringend notwendige Mehrung von Credits basiert in Elite Dangerous auf dem Handel von Güter zwischen Raumstationen in verschiedenen Sonnensystemen. Man kauft Kaffee, Fisch, Tabak, Obst, Halbleiter, Silber, Beryllium oder Roboter und transportiert die Ware von A nach B. Schön umgesetzt ist das alles allerdings nicht. Das kaufmännische Treiben setzt nach Andocken auf einer Raumstation ein und beschränkt sich auf die Sichtung fader Tabellen zwecks Preisvergleich. Durch die Raumstation spazieren, die Waren sichten, mit anderen Händlern darüber debattieren? Elite Dangerous verpasst die Chance auf atmosphärischen Aufbau durch solche Komponenten.

Händler, Pirat oder Kopfgeldjäger?

Es wirkt aber trotzdem motivierend, wenn simple Wirtschaftsketten vom Format Warenankauf, Transport und Lieferung funktionieren und Credits auf das Konto spülen. Der neue Reichtum lässt sich in viele schöne Dinge investieren. Ein größeres Schiff mit mehr Ladekapazität? Stärkere Schilde? Ein Bordcomputer, der das Andockmanöver zum Kinderspiel macht, oder einer automatischen Steuerung für den Frameshiftantrieb zwecks komfortabler Hyperraumreisen zwischen den Sonnensystemen?

All das ist möglich, und doch ist das Kaufmann-Dasein nur eine von mehreren möglichen Aufgaben. Das Universum in Elite Dangerous ist offen gestaltet. Das erlaubt beispielsweise ein Dasein als Pirat inklusive Überfallkommandos auf andere Frachtkuriere. Das können Computergegner sein oder aber auch Online-Mitspieler. Elite Dangerous setzt eine stetige Onlineverbindung voraus. Man bewegt sich auf Wunsch durch ein Universum voller Mitspieler. Wer es sich mit denen verscherzt, macht sich zur begehrten Beute von Kopfgeldjägern - der dritte Beruf, dem Elite-Piloten nachgehen können.

Keine Rahmenhandlung

Schade, dass Elite Dangerous auf eine ernstzunehmende Rahmenhandlung verzichtet. Anhand von Bildtext wählt man einzelne Missionen, transportiert Fracht von A nach B oder macht sich auf die Suche nach eine Megafregatte im Sonnensystem xy. Dabei ist gelegentlich die Rede vom Empire, der Föderation und der Allianz. Sogar eine altbekannte Alienrasse - die Thargoiden - wird sich irgendwann wieder einmischen, heißt es vom Entwickler. Aber all das wird nur sehr oberflächlich erzählt, steht in keinem bedeutsamen Zusammenhang zum Gameplay und wird auch nicht durch Figuren getragen. So kommt Elite Dangerous ein bisschen unterkühlt und abstrakt rüber, faszinierend eher für Technikfans.

Tutorial? Nicht zu Ende gedacht

Das Spiel bemüht sich dennoch um einen halbwegs sanften Einstieg. Ein mehrstufiges Tutorial widmet sich den wesentlichen Manövern und dem Kampf unter Sternen. Die Lektionen geben einem Gelegenheit, mit der Steuerung Freundschaft zu schließen und nebenbei an wehrlosen, statischen Minen erste Zielübungen durchzuführen. Es folgen ein erster Laser-Nahkampf unter Sternen gegen wendige Raumflitzer und der Einsatz von zielsuchenden Raketensystemen gegen multiple Ziele mit erhöhter Wendigkeit.

Leider macht das Tutorial keinen wirklich guten Job. Viele wichtige Details bleiben unerwähnt. Beispielsweise wird erklärt, man müsse im Rahmen eines Andockmanövers bei der angepeilten Raumstation die Landeerlaubnis erbitten. Aber über welches Menüsystem und mit welcher Taste das klappt, soll der Spieler bitte selbst herausfinden. Ärgerlich bei einer zur Hälfte mit Funktionen belegten Tastatur. Da wäre mehr Führung und Anleitung dringend notwendig gewesen.

Hunderttausende Sonnensysteme

Man muss schon Hardcore-Gamer sein, um sich da durchzubeißen. Wer das aber tut, kann vieles erforschen. Reisen zwischen hunderttausenden Sonnensysteme sollen möglich sein. Genau zählen wird das niemand. Eine Sternenkarte der kompletten Milchstraße hilft bei der Navigation. Der Zoom vom einzelnen Sonnensysten hinaus bis zur kompletten Milchstraße - beeindruckend!

Überhaupt präsentiert sich die Grafik ziemlich auf dem neuesten Stand. Bereits ab einem Mittelklasse-PC fühlt man sich wie unter Sternen, so schön sehen Vorbeiflüge an Asteroidenschwärmen und Sonneneruptionen aus. Diese schönen Momente, der flüssige Bildaufbau und die Monumentalmusik addieren sich gelegentlich zu erhebenden Aha-Momenten. Wenn ein Bildtext die Annäherung eines kapitalen Schlachtschiffs ankündigt und sich plötzlich eine riesige Struktur zwischen Sonne und Raumnebel aus dem Nichts schält - den möchten wir sehen, der da keine große Augen macht.

Tastatur, Stick, Controller oder Maus?

Das Spielerlebnis steht und fällt mit der Steuerung. Als Standardgerät kommen Maus und Tastatur zum Einsatz. Macht Sinn, da jeder PC-Gamer darüber verfügt. Alternative Kontrollmethoden sind Joystick, Gamecontroller – zum Beispiel das Xbox-Modell – oder sogar die nackte Tastatur, die einen erstaunlichen Job macht. In jedem Fall sollte man sich zu Beginn ausreichend Zeit nehmen und in den Einstellungen mit Totpunkt, Empfindlichkeit und anderen Werten experimentieren. Rollmanöver oder seitliche Giermanöver können sich sehr falsch oder ziemlich richtig anfühlen, die Einstellungen beeinflussen das Wohlgefühl enorm. Erste Wahl unter den Eingabegeräten ist der Joystick, beispielsweise das hochgelobte Hotas-Modell von Thrustmaster. Mit den diversen Analogreglern und dem Rundblickschalter - dem sogenannten Coolie-Hat - lässt sich das Schiff zielgenau führen.

Jonglieren mit Schubdüsen

Das Spiel per Stick erlaubt geschmeidige Manöver und senkt den Schwierigkeitsgrad spürbar. Allzu actionreich fühlt sich das Ganze dennoch nicht an, selbst wenn kitzlige Andockmanöver oder spannende Weltall-Dogfights anstehen. Elite Dangerous ist sehr langsam getaktet und kein Fall für schnelle Siege.

Die Handhabung von Beschleunigung, seitlichen Drifts und weiteren Standardmanövern fühlt sich anfangs seltsam an: Einerseits reagiert das Schiff träge, andererseits wirkt das Jonglieren mit einem halben Dutzend Schubdüsen selbst bei geringem Tempo wie ein Eiertanz. Das ist in Ordnung so, das passt zum Game - aber man muss das mögen. Sobald das erste Andockmanöver gelungen ist oder man im Raumkampf den Angreifer länger als ein paar Augenblicke im Visier halten kann: Dann fühlt sich das an wie ein Fest.

Wichtige Features fehlen

Letzten Endes tröpfeln die Erfolgserlebnisse - Fortschritte gelingen einem nur langsam. Dadurch fällt erst nach etlichen Abenden auf: Elite Dangerous konserviert viele Mängel, die bereits an den 1993 und 1995 veröffentlichten Elite-Nachfolgern "Frontier: Elite II" und "Frontier II" kritisiert wurden. Der Spielfluss stolpert immer wieder über Programmfehler, Spaziergänge auf Raumstationen sind immer noch nicht gestattet. Leider fehlen sogar Landungen auf Planeten.

Dabei haben "Mercenary", "Starglider 2" und sogar "Elite II" in den 1980er Jahren vorgemacht: Man kann eine Sternenfliegerei auf diese Weise um eine willkommene Prise Abenteueratmosphäre ergänzen. Laut Entwickler sollen diese und weitere Merkmale in künftigen Updates folgen.

Was uns gefällt

Grafik und vor allem Soundeffekte unterstützen die Atmosphäre hervorragend. Das Weltall ist nicht schwarz und tot, sondern steckt voller bunter Planeten und Sonnen und Nebel. Ein flüssiges und schön anzuschauendes Spielerlebnis ist auch auf schwächerer PC-Hardware möglich. Das All ist bevölkert von Computerpiloten und Onlinemitspielern. Mit ihnen kann man chatten, plaudern und Handel treiben oder sie im Flugduell schlagen und ausrauben. Die Musik passt sich dynamisch der Situation an. In Gefechtssituationen greift sie das Tempo auf und unterstützt so die Dramatik wirkungsvoll.

Was uns nicht gefällt

Das Tutorial erklärt viele notwendige Kleinigkeiten nicht oder unzureichend, das wirkt zermürbend. In der deutschen Version finden sich viele englische Fragmente zwischen übersetzten Texten. Selbst wenn man im Solo-Modus das Universum erkundet, setzt das Spiel eine stabile Onlineverbindung voraus. Laut Hersteller, weil das Wirtschaftssystem ständig Wareneinkaufs- und -verkaufpreise aktualisiert. Die Ladepausen sind teils sehr lang. Eine verpackte Spielversion ist nur über die Website des Hersteller erhältlich. Uns fehlt der Donauwalzer aus dem Soundtrack der 1985 veröffentlichten C64-Version von Elite.

Fazit

Eine Kaufempfehlung für Elite Dangerous aussprechen? Keine einfache Aufgabe. Die völlig offene Spielstruktur und die überaus komplexe Steuerung haben einerseits entscheidenden Anteil am Erlebniswert und stehen andererseits Einsteigern im Weg. Es dauert einige Stunden, bis man mit Elite Dangerous Freundschaft schließt und die Schönheit der Reisen zwischen Sonnensystemen genießen kann. Dem Ungeduldigen droht Überforderung. Wer sich bereitwillig in die Steuerung reinfuchst und frustrationsimmun jeden kleinen Erfolg innerhalb der offenen Welt erarbeitet, wird Hochgefühle ernten.

Infos zum Spiel:

Titel: Elite Dangerous
Genre: Action-Weltraumsimulation
Publisher / Hersteller: Frontier Developments
Release: Im Handel
Preis: zirka 50 Euro
System: PC (OS X-Version folgt in Kürze)
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Befriedigend

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde behauptet, zusätzliche Raumschiffe im Spiel seien nur mittels weiterem Geldeinsatz freischaltbar. Dies ist nicht korrekt und wurde entsprechend geändert.

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