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Test zum Puzzlespiel Papers, Please für PC, Linux, OS X, iOS

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Test Papers, Please! | Puzzlespiel | PC, Linux, OS X, iOS  

Spielerische Grenzerfahrung

02.03.2015, 16:27 Uhr | Sönke Siemens (jr / ams), Richard Löwenstein

Test zum Puzzlespiel Papers, Please für PC, Linux, OS X, iOS. Papers, Please Puzzlespiel für PC, Linux, OS X und iOS von Lucas Pope (Quelle: Lucas Pope)

Papers, Please (Quelle: Lucas Pope)

Games mit politischen und gesellschaftskritischem Unterton sind selten. Aber es gibt sie. "Papers, Please" ist eines davon - und ein herausragend gutes. Das kleine Projekt von Lucas Pope, einstiger Mit-Entwickler der Actionabenteuer-Reihe "Uncharted", konfrontiert den Spieler mit einer Grenzerfahrung - und zwar sowohl im übertragenen als auch im wahrsten Sinn des Wortes. Wie fühlt es sich an, wenn man als Grenzbeamter arbeitet? Die stoische Stempelarbeit und bürokratischer Pragmatismus münden im Puzzlespiel für PC, Mac, Linux und iPad recht bald in einen moralischen Selbsttest und darauf basierend in einen sozialkritischen Gesellschaftskrimi.

Das System ist böse

Sollte man "Papers, Please" mit einem Wort beschreiben, dann wäre wohl "Grenzkontroll-Simulation" die einzig sinnvolle Wahl. Aber eigentlich verbirgt sich dahinter weiter mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Denn das Game versetzt den Spieler nach Arstotzka, einem der einstigen Sowjetrepublik nachempfunden autokratischen Regime. Mit lapidaren Texteinblendungen informiert ein anonymer Regierungsapparat einen darüber, das die eigene Familie bereits in eine Dienstwohnung umgesiedelt wurde und man im November 1982 zum Dienst am Grenzposten in Grestin antreten muss. Dort wird der Grenzverkehr zum einstigen Feindstaat Kolechia geregelt. Damit ist der bedrückende Rahmen gesetzt.

Dröge, aber stimmig

Der erste Arbeitstag beginnt, und damit das Spiel. Die Grafik ist kaum der Rede wert. Der obere Teil des Schirms zeigt aus Draufsicht das Grenzhäuschen, Wachen und eine lange Schlange Personen, die abgefertigt werden will. Darunter ist die Arbeitsfläche: Schreibtisch mit Dokumentenfach, Stempeln, Uhr und dem Blick durch die Glasscheibe. Alles in farbarmer Pixelgrafik. Die erste Dienstanweisung ist einfach. Arstotzkaer dürfen einreisen. Andere nicht. Nach und nach strömen die Personen herein, legen ihre Pässe ab. Besagt der Pass "Arstotzka", wird er mit "Genehmigt" abgestempelt und zurückgegeben. Kommt ein Ausländer, wird er abgelehnt. Zehn Minuten dauert dieser Tag, dann ist Feierabend.

Immer komplexer

Am Ende der Schicht steht die Auswertung: Pro kontrollierter Person wird der Grenzer mit 5 Credits entlohnt. Davon will einiges bezahlt werden: Miete, Heizung, Essen, Medikamente für den Sohn. Ob Geld dafür ausgeben wird, wird bei Bedarf abgehakt. Der nächste Tag beginnt. Ausländer dürfen heute rein. Aber nur mit gültigen Pass. Ist das Dokument abgelaufen? Stimmt das Bild mit dem Kerl vor der Scheibe überein? Nein? Dann wird abgelehnt.

Von Tag zu Tag ändern sich die Bestimmungen, erfordern immer mehr Aufmerksamkeit. So müssen alsbald nicht nur Passdaten wie Name, Geschlecht und Datum kontrolliert werden. Auch Passierscheine, Visa, Siegel, Impfpässe und Diplomatenausweise werden im Bemühen, den Überblick zu behalten, auf dem Schreibtisch hin- und hergeschoben. Überall hat man es mit Daten zu tun, die untereinander abzugleichen sind. Fehler sind da vorprogrammiert. Zwei Patzer sind in "Papers, Please" kein Problem - doch danach droht einem der Lohnabzug.

Kalte Schauer

Nach und nach erweitern sich die Möglichkeiten. Einreisende können verhört werden, dürfen sich erklären. Ein Körperscanner wird erworben. Damit werden Pixel-Grenzgänger auf Drogen und Waffen untersucht. Positive Funde bringen Geld. Doch bald kommen auch moralische Dilemmata auf. Anfangs liegen gewiefte Zeitgenossen zu den Papieren auch mal einige Scheine auf dem Tisch - damit die Angelegenheit wie geschmiert läuft. Damit könnte man dem Sohnemann dringend notwendige Stifte kaufen. Dann bettelt eine Frau ohne Papiere auf Durchlass, da sie bei ihrem Mann sein will. Oder ein Journalist will über die Zustände in Arstotzka berichten - hat aber keinen Passierschein. Seine Einreise könnte einiges ändern, sein Verhör hingegen eine Fangprämie einbringen. Kleine Geschichten, die trotz Pixeln und Text unter die Haut gehen.

Es lebe Arstotzka

Genau 31 virtuelle Tage umfasst der Story-Modus von "Papers, Please". Mit jedem Tag wird das Spiel komplizierter, stressiger und die Handlung gleichzeitig interessanter. Und mit jeder Schicht wird greifbarer, welch schrecklich verkommenes und willkürliches System der Staat Arstotzka verkörpert. Stetig intensiver schaukelt sich die Handlung auf. Anschläge und Überfälle spielen sich plötzlich in der ansonsten so ruhigen Draufsicht am oberen Teil des Schirmes ab. Jedoch locken auch immer wieder Schmunzler. Etwa ein kleiner Kerl namens Jorji, der Tag um Tag versucht, mit lausig schlecht gefälschten Pässen zu passieren. Mit all dem ist "Papers, Please" kein alltägliches, sondern schon recht spezielles Spielvergnügen. Eines, dem Sie eine Chance geben sollten.

Was wir mögen

Mit seiner Pixeloptik ist "Papers, Please" sehr liebevoll und trotzdem detailverliebt gestaltet. Innerhalb der rund fünf Stunden langen Kampagne werden jede Menge kleiner Geschichten erzählt, die betroffen machen und schmunzeln lassen. Dabei wird es einem trotz der quasi immer gleichen Bildschirmoberfläche nicht langweilig. Ob Spiele-Profi oder Gelegenheitsspieler ist hier egal, lediglich Aufmerksamkeit und Geduld zählen. Überdies lässt sich die iOS-Variante mit Touchsteuerung fast ebenso zackig und genau handhaben wie das PC-Original.

Was wir nicht mögen

Der recht wenig erklärende Anfang und die farbarme Optik werden manch Spieler sicher abschrecken. Zudem dauert es mindestens eine halbe Stunde, bis "Papers, Please" seinen herben Charme zu entfalten beginnt. Der Schwierigkeitsgrad steigt gegen Ende stark an und fordert sehr viel Aufmerksamkeit.

Fazit

Ja, "Papers, Please" ist schon besonders. Auf der einen Seite präsentiert es eine gewollt karge Optik und macht dröge Bürokratie zum Spielprinzip, während es gleichzeitig herzige Geschichten erzählt. Ein toller Mix. Am spannendsten jedoch ist es wohl, sich selbst dabei zu beobachten, wie man als Grenzbeamter auf moralische Fragestellungen reagiert und welche Reaktionen folgen. "Papers, Please" stellt Fragen danach, wie ein System mit Korruption und Repression seine Bürger verändert und wie die Menschlichkeit in einem Regime gewahrt werden kann. Aber vor allem, ob die Taten eines einzelnen etwas bewirken können.

Titel: Papers, Please
Genre: Story-Puzzlespiel
Publisher / Hersteller: Lucas Pope, 3909
Release: Im Handel
Preis: zirka 7 Euro (nur als DLC erhältlich)
System: PC, Linux, OS X, iOS (iPad)
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Sehr gut

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