Startseite
Sie sind hier: Home > Spiele > Tests & Previews >

"Ori and the Blind Forest" im Test: Verträumtes Metroidvania

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Test Ori and the Blind Forest | Action-Abenteuer | PC, Xbox One  

Verträumtes Metroidvania

13.03.2015, 14:18 Uhr | (jr / tz), Richard Löwenstein

"Ori and the Blind Forest" im Test: Verträumtes Metroidvania. Ori an the Blind Forest Action-Adventure für PC und Xbox One von Moon Studios (Quelle: Microsoft)

Ori an the Blind Forest Action-Adventure für PC und Xbox One von Moon Studios (Quelle: Microsoft)

Der Unterschied zwischen einem sehr guten und einem außergewöhnlichen Game lässt sich nur schwer in Worte fassen. Versuchen wir es anhand des für PC, Xbox One und Xbox 360 erscheinenden Action-Abenteuer "Ori and the Blind Forest" vom Entwickler Moon Studios. Die Schöpfung des Independent-Teams fühlt sich unterhaltsam und herausfordernd an und ist von hoher handwerklicher Güte. Das sind andere erstklassige Games auch, nur stellen die nicht so eine emotionale Verbundeheit her. Um keinen falschen Eindruck zu wecken: Ori and the Blind Forest funktioniert im Prinzip ähnlich wie so manches 2D-Game mit Singleplayer-Kampagne. Wir sprechen hier über ein Jump'n'Run, das Actionelemente und eine Handvoll Puzzles unter seine Geschicklichkeitstests mischt. Eingepasst in eine sinnstiftende Rahmenhandlung bekommt das Ganze eine gefühlsbetonte Note und so etwas wie einen tieferen Sinn.

Gefühlvolle Erzählung

Auch die Rahmenhandlung rund um das Schicksal des katzenähnlichen Helden Ori und seines Erwachsenwerdens in einem magischen Wald könnte man getrost als banal abtun, würde sie nicht so zauberhaft erzählt: Mit etwas etwas Gestik und Mimik, ein bisschen Bildtext und Fetzen einer abstrakten Fantasiesprache weckt das Spiel mehr Gefühle als all die aufwendigen Cutscenes in teuren Mega-Produktionen vom Kaliber "The Order 1886" und Co. Die verträumte Klangatmosphäre und der weichgezeichnete Look transportieren eine Geschichte von Leben und Tod, Freude und Trauer und liebevoller Verbundenheit zur Natur und erinnern ein bisschen an den Leinwand-Hit "Avatar".

Gameplay und Rahmenhandlung

Der erste Aha-Moment ist jener Augenblick, da man im Titelbild die A-Taste auf dem Controller antippt und das Abenteuer startet: Ohne auch nur den Hauch einer Ladepause, einer Unterbrechung oder sonstigen Auffälligkeiten schwebt die Kamera aus dem Titelbild heraus. Sie trägt den Betrachter mit sich in den Wald und setzt einen nahtlos bei der ersten Lauf- und Springübung ab. Begleitet wird die Szene von einem etwas schwermütigen Klavier, das später - sofern es angebracht ist - schnellere Tempi anschlägt. Diese ersten Minuten schüren Hoffnung: Ori and the Blind Forest wirkt wie ein zurückhaltendes, elegantes und handwerklich meisterlich gemachtes Game. Ein Eindruck, der sich im weiteren Spielverlauf bestätigt.

Lebendige Präsentation

Das gesamte Drumherum sprüht vor Liebe zum Detail. Man betrachte nur das Laub der Bäume, wenn der Held an deren mächtigen Stämmen vorbeihüpft. Oder die Gräser auf der Wiese, wenn er dort nach einem Sprung landet. Blätter zittern im Wind, Blumen wiegen hin und her, das lebt! Der Betrachter muss noch nicht einmal eine Vorliebe für 2D-Retrolook mitbringen und wird diesen Anblick dennoch genießen. Denn obwohl Ori and the Blind Forest die 2D-Darstellungsform wählt, sieht es durch unzählige nahtlos miteinander verwobene Parallax-Ebenen eher wie ein Film aus. Anders als manch andere cineastisch geprägte Unterhaltungssoftware vergisst Ori and the Blind Forest aber nie das Entscheidende - dass es ein Actiongame ist.

Metroidvania-Formel

Soll sich nämlich bloß niemand von der melancholischen Stimmung und den paar Kamerafahrten täuschen lassen. Auf eindrucksvolle Art und Weise belegt Ori and the Blind Forest, dass die alte Metroidvania-Formel immer noch für spannungsreiche Herausforderungen gut ist. Die Bezeichnung Metroidvania bezieht sich auf "Metroid" und "Castlevania", zwei Action-Jump'n'Run-Spiele aus den 80er Jahren. Diese Gattung stellt einen Helden ins Zentrum des Interesses, der einen Weg durch offen gestaltete Labyrinthe sucht und dabei durch Sammeln von Extras erstarkt. Der Held, das ist in diesem Fall eben Ori - ein Waise, der seinen Weg durchs Leben finden und nebenbei die Natur retten soll.

Suche nach Wegen

Indem Ori sich mächtigere Sprünge aneignet, Wände und Stämme senkrecht zu erklettern lernt und effektivere Waffen einsetzt, erobert er Lichtungen, Korridore, Tunnels, Katakomben. Er öffnet Pforten, lernt Engstellen zu meistern, sprengt Grenzen und erreicht anfangs unerreichbares Areal. So funktioniert Metroid, so tickt Castlevania, und auf genau diese Weise motiviert Ori and the Blind Forest. Das Spiel hält einem ständig Verheißungen vor die Nase und spornt zur Suche nach Energiekugeln, Körpermodifikatoren, Schlüsselsteinen und Heilpillen an. Wer fündig wird, dem öffnet sich ein Tor nach dem anderen.

Labyrinthisches Gelände

Mit der Zeit wächst sich der Wald zu einem wahrhaft labyrinthischen Areal. Da würde man sich manchmal mehr Führung wünschen. Doch Ori and the Blind Forest hält sich mit Tipps und Hinweisen zurück. Auf welche Weise Ori schleimspuckende Pflanzen umgeht oder Felsbarrikaden zerstört, das herauszufinden bleibt dem Spieler überlassen.

Wer sich durchbeißt, entdeckt interessante Orte.: Waldgebiete, Elendsruinen, Berge und Minen. Doch es ist ein langer Weg. In den sich vielfach verzweigenden Kavernen kann man sich leicht verlaufen. Die einblendbare Karte deutet manche Pfade nur an und führt einen gelegentlich aufs Glatteis. Das kann frustrierend sein, wenn man nach minutenlanger Lauferei feststellen muss: Oh, die erhoffte Energiezelle liegt auf eine Klippe; die kann Ori mit seinen begrenzten Sprungfähigkeiten gar nicht erreichen. Er benötigt ein Dreifachsprung-Extra.

Ordentliche Steuerung

Die Steuerung könnte einen Tick präziser reagieren, macht aber insgesamt einen ordentlichen Job. Man kann das Sprungtiming gut genug abschätzen - so gut wie es eben zu erwarten ist mit dem etwas unpräzisen Analogstick des Xbox-Controllers. Es sind die kleinen praxisnahen Ideen, die für ein prima Wohlgefühl sorgen. Beispielsweise eignet sich Ori recht bald einen schwebenden Begleiter an, der auf Kommando Energiesalven auf Angreifer verschießt. Diese Energiesalven suchen sich Schleimblobs, Riesenkäfer und andere Ziele selbst. Die Feuertaste anzutippen reicht.

Auf diese Weise kann man sich im gelegentlich etwas hektischen Trubel auf andere entscheidende Dinge konzentrieren. Auf das Timing schwieriger Jump'n'Run-Etappen zum Beispiel oder auf die Beobachtung des Labyrinths, damit einem ja kein Weg entgeht. Das ist Herausforderung genug.

Gamedesign alter Schule

Ori and the Blind Forest reaktiviert Gamedesign-Regeln aus den 80er- und 90er-Jahren. Automatische Selbstheilung des Helden? Gesäuberte Areale bleiben gegnerfrei? Automatische Fortschritts-Sicherung? Moderne Games machen das so, aber Ori and the Blind Forest zeigt diesen Moden den Stinkefinger. Ja, es gibt stationäre Rücksetzpunkte, und man darf sogar eigene beschwören - aber das Spiel erwartet eben, dass man selbst speichert. Und man muss damit klarkommen, dass einen die Suche nach Items und Wegen wieder und wieder durch vertrautes Gebiet voller Gewürm und Rieseninsekten führt. Das zählt halt zu den Charakteristika des Genres. Das kann Nerven kosten, vor allem wenn man sonst geradlinige Action bevorzugt.

Was uns gefällt

Die einfühlsame Eindeutschung der Bildtexte - es gibt keine echte Sprachausgabe, nur etwas Fantasiesprache á la Nintendo - rundet das hervorragende Spielerlebnis nach oben ab.

Was uns nicht gefällt

Die Schwierigkeitskurve schnellt nach einem entgegenkommenden Einstieg steil in die Höhe. Genreeinsteiger könnten daran scheitern.

Fazit

Der außergewöhnliche Spielfluss, die verträumte Ästhetik und die märchenhafte Erzählweise führen in die Irre: Hinter dem handwerklich perfekt ausgeführten Äußeren verbirgt sich ein knallhartes Actionabenteuer im Metroid-Stil. Kenner werden "Ori and the Blind Forest" als ernstzunehmende Herausforderung wahrnehmen, denn Geschicklichkeitstests und Actionszenen überwiegen bei weitem. Wegen des hohen Schwierigkeitsgrades empfehlen wir allerdings Durchhaltevermögen. Sonst verliert sich die Sogwirkung zwischen kritischen Jump'n'Run-Prüfungen und labyrinthischem Geländeaufbau.

Infos zum Spiel

Titel: Ori and the Blind Forest
Genre: Action-Abenteuer
Publisher: Microsoft
Hersteller: Moon Studios
Release: Im Handel
Preis: zirka 19 Euro (nur als DLC erhältlich)
System: PC, Mac,PS3, PS4, PS Vita
USK-Freigabe: Ab 0 Jahren
Wertung: Sehr gut

News, Tests & Previews, Demo-Downloads, Onlinegames und mehr auf Facebook: Werden Sie Fan von T-Online Spiele!

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal