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Bloodborne für PS4 im Test: Zum Fürchten schön und schwer

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Test zu Bloodborne | Action-Rollenspiel | PS4  

Zum Fürchten schön und schwer

25.03.2015, 08:31 Uhr | (jr / ams), Richard Löwenstein

Bloodborne für PS4 im Test: Zum Fürchten schön und schwer. Bloodborne Action-Rollenspiel für die PS4 von From Software (Quelle: Sony)

Bloodborne Action-Rollenspiel für die PS4 von From Software (Quelle: Sony)

Schöner hat Frust nie ausgesehen: Wer herrliche Bilder mag und keine Scheu vor einem beinharten Schwierigkeitsgrad hat, wird viele Abende mit dem Action-Rollenspiel "Bloodborne" von Entwickler From Software verbringen. In ihrem neuen PS4-exklusiven Fantasy-Gemetzel bleiben die Schöpfer von "Dark Souls" ihrer Linie treu. Düstere Stimmung, anspruchsvolle Kampfszenen und ein Alptraum von einem Schwierigkeitsgrad vermengen sich zu einem bockschweren Gesamtkunstwerk, das auf absurde Weise extrem motiviert.

Eigentlich versprach sich der von einer unheimlichen Krankheit befallene Held Heilung vom Besuch in Iosefkas Klinik. Er hoffte auf Linderung durch eine mysteriöse Bluttransfusion. Doch wie eine kurze Kamerafahrt und Monolog-Szene gleich zu Spielbeginn zeigt, kann von Erlösung keine Rede sein. Vielmehr findet sich der Held nach der Injektion in einer alptraumhaften Parallelwelt wieder, wo sich die Menschen hinter Türen verbarrikadieren. Ihre Angst gilt dem, was in den Straßen patrouilliert: grimmige Werwölfe, gewaltige Höllenbiester und abscheuliche Gestalten, deren bizarr deformierte Körper nur entfernt an ein früheres Menschendasein erinnern.

Ein Held wird geboren

Die aufwendige Heldengeburt deutet an, dass Bloodborne kein simpler Third-Person-Slasher sein möchte. Neun Basischaraktere stehen zur Wahl. Wer sich das Leben ordentlich schwer machen will, wählt den Nichtsnutz. Er kann weder bei Stärke noch Geschick oder arkanen Talenten ordentlich punkten und muss von Beginn an tüchtig aufgelevelt werden. Danach bestimmt der Betrachter das Aussehen des Körpers, von Narben und Brille, die Form von Stirn, des Kiefers und einiges mehr. Abschließend noch die Heldentaufe, dann beginnt das Verhängnis.

Vielseitiges Kampfsystem

Unbewaffnet tritt der Held durch das Tor einer Stadt namens Yharnam. Rohes Mauerwerk, rostgraue Eisenzäune und flackende Gaslampen erinnern an ein viktorianisches London um das Jahr 1900 herum. Verlassene Kutschen, von Ketten ummantelte Särge und brennende Kreuze passen allerdings nicht ganz ins Bild. Der Kampf beginnt sofort. Ein mutierter Mensch attackiert in gemächlichem Tempo. Es bleibt genug Zeit für eine geplante Strategie. Die Schultertasten lösen schnelle, ausladende oder kräftige Attacken aus. Sehr gut kontrollierbar. Oder doch einfach nur Draufhauen? Bei den ersten paar Kämpfen kann das durchaus zum Erfolg führen. Spätestens nach einer Stunde nicht mehr.

Learning by doing

Die Finessen des Kampfsystems lernt man in der Praxis kennen und nutzen. Mit jedem Kampf und mehr noch mit jedem Heldentod lernt man aus Fehlern und verbessert sich. Die Axt zur rechten Hand beispielsweise lässt sich auf doppelte Länge ausfahren. Das erhöht die Reichweite beträchtlich. Durch kurzes Aufladen streckt ein solcher Hieb zwei bis drei Angreifer gleichzeitig nieder. In engen Kulissen kehrt sich der Vorteil allerdings zum Nachteil um - dann zerschellt die Axt an der Wand oder bleibt an Hindernissen hängen.

Pro und Kontra prägen auch den Umgang mit Flinten verschiedenen Kalibers. Der Einstiegs-Vorderlader beispielsweise trifft auf nahe Distanz sehr gut, taugt sonst aber eher zum Erregen von Aufmerksamkeit. Abgesehen davon sind die zum Betrieb notwendigen Quecksilberkugeln rar. Genau wie andre hilfreiche Sachen wie Erste-Hilfe-Impfungen, Patronen und Brandflaschen.

Taktisch geprägte Kämpfe

Bloodborne zeigt sich sehr taktisch geprägt. Unüberlegte Handlungen enden fast immer tödlich. Nur kluge Beobachter, die eine Situation erst sichten, Schlüsse ziehen und dann aktiv werden, haben eine Überlebenschance. Angenommen, in einigen Metern Distanz kommt ein Mutantenrudel in Sicht, das sich mit dem Rücken zum Betrachter um eine brennende Skulptur versammelt. Wer da blindlings reinmarschiert, sieht sich im Nu von drei bis fünf Gegnern umzingelt. Nun steckt der Held zwar bis zu drei Hiebe, Bisse und Schusstreffer weg. Aber wenn mehrere Kreaturen mit Schilden, Mistgabeln, Fackeln und ähnlichem Werkzeug auf ihn eindreschen, stirbt er binnen eines Wimpernschlags den Heldentod.

Kampf mit Köpfchen

Nun reagieren Monster nachvollziehbar auf vorsichtige Annäherung. Sie nehmen Witterung auf, das ist regelrecht spürbar - und schon starten sie eine Verfolgung. Prima. Denn auf diese Weise lockt man eine Kreatur nach der anderen von der Gruppe weg und in einen Hinterhalt. Dort kommen passende Kampftaktiken zum Einsatz. Der Fackelträger beispielsweise verlangt eher nach Behandlung mit Fernwaffen, denn seine Fackel kann bösen Schaden anrichten. Bei einem Biest, das ein Holzschild vor dem Leib trägt, empfiehlt sich nach flotter Fußarbeit der Angriff von hinten. Andere Angreifer sind flink unterwegs, so dass sich hier der Gebrauch vom Schusswaffen empfiehlt. Kurz und gut: Jedes Biest sieht anders aus, verhält sich anders und verlangt nach angepassten Taktiken.

Eine Frage der Abwägung

So gelingt Bloodborne eine spannungsreiche Mischung aus anspruchsvollen Auseinandersetzungen mit einzelnen XXL-Gegnern und großen Monsterhorden. Man muss sich auf Situationen und Gegner einstellen, die Fertigkeiten eines Angreifers abschätzen und entsprechend reagieren. Selbst die Flucht nach vorn, also das gezielte Umgehen eines Kampfes, kann erfolgversprechend sein. Der weitgehende Verzicht auf Kamerafahrten und Dialoge passt prima ins Bild - das Gameplay dominiert klar und kann sich frei entfalten. Gelegentlich würde man sich vielleicht sogar etwas mehr Ruhe wünschen, denn selbst beim Aufruf der eigenen Ablage geht die Action im Hintergrund weiter. Bloodborne schenkt einem nichts, rein gar nichts. Selbst Rücksetzpunkte sind rar.

Dramatischer Heldentod

Doch wehe, man glaubt sich einem Etappensieg nahe. Selbst wenn man schon den nächsten Rücksetzpunkt vor sich sieht - schon kommt ein zwei Stockwerke großer Hühne anmarschiert und will einem mit seiner XXL-Säge eine frische Rasur verpassen. Solche Momente können einem Tränen der Verzweiflung die Augen treiben. Denn der Verlust nach einem Heldentod schmerzt sehr. Heilimpfungen, Brandsätze, Geld und ähnliche Mittel - alles ist weg, außerdem etliche Meter an Fortschritt verloren. Die Monster jedoch, die sind nach der Rückkehr ins Gebiet alle wieder da. Frust hoch drei!

Vielschichtiges Aufleveln

Erstaunlicherweise funktioniert Bloodborne trotzdem und gibt einem das Gefühl, das jede Herausforderung machbar sei. Es wirkt einfach nicht so, als hätten die Gamedesigner unfaire Momente aneinander gereiht. Vielmehr fühlt es sich eher so an, als würde man sich durch Arbeit an seinem Können und an der Heldenausstattung irgendwann doch zum Erfolg durchbeißen.

Apropos Ausstattung: Zwecks Erwerb empfiehlt sich der gelegentliche Besuch an einem Ort namens "Traum des Jägers". Es handelt sich um einen Hub, also eine Zentralwelt, die von markierten Stellen innerhalb Yharnam aus erreichbar ist. An diesem Ort schafft sich der Held Waffen an, er kauft bessere Schutzkleidung und verbessert Körperattribute. Außerdem sind von hier aus alle bereits freigespielten Areale erreichbar, dazu einige Dungeons, die von der Kampagne abgekoppelt sind. Es gibt viel zu entdecken. Selbst erfahrene Genrekenner sind etliche Abend lang ausgelastet, bis sie Bloodborne alle Geheimnisse entreißen.

Motivationstrick

Mit welchem Trick motiviert Bloodborne über so lange Zeit? Der Schlüssel ist die schlüssige Verzahnung der dynamischen Kämpfe mit der Rollenspielmechanik. Nach jedem Heldentod keimt die Hoffnung, dass es beim nächsten Versuch mit etwas besseren Beinschienen oder einer optimierten Anpirschmethode klappen könnte. Manchmal gelingt es - und schon hängt man am Haken, genau wie bei den Action-Rollenspielen "Demon's Souls" und "Dark Souls" vom selben Entwickler.

Nur fühlt sich Bloodborne im Vergleich etwas schneller und flinker an. Schwer aber schaffbar, sogar für Genreeinsteiger - sofern sie genug Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Bedienung und Steuerung sind gut kapierbar. Viele Bedien-, Kampf- und Lösungstipps leisten jenen Unterstützung, die sie suchen. Sie sind als Schautafeln im Boden vergraben und tauchen nur auf, wenn man sie aktiviert.

Was uns gefällt

Das Gameplay zielt in erster Linie auf Einzelkämpfer ab. Trotzdem gibt es sinnvolle Online-Komponenten. Beispielsweise kann man im asynchronen Multiplayer-Modus Notizen in den Kulissen hinterlassen, die Online-Mitspieler dann im Rahmen ihrer eigenen Singleplayer-Kampagne entdecken. Das können zum Beispiel Tipps sein. Man darf außerdem Online-Mitspieler zu Hilfe rufen und Koop-Teams bilden, beispielsweise wenn ein Bosskampf allzu hart gerät. Die entsprechenden Modi sind allerdings zu Beginn gesperrt und müssen erst freispielt werden.

Was uns nicht gefällt

Einige Figuren sind den Gestaltern nicht überzeugend geglückt. Die Augen des Helden wirken wie tot, seine Körperhaltung sieht manchmal ungelenk aus. Die Eindeutschung fängt die viktorianische Atmosphäre nicht ein. Schalter heißen "Gerät". Und soll der Held ein Licht entfachen, dann sagt das Spiel er solle "eine Lampe anmachen". Zudem bremsen Ladeunterbrechungen von über einer Minute nach dem Heldentod den Spielfluss aus.

Fazit

Im Vergleich mit den ähnlich aromatisierten Action-Rollenspielen Dragon Age und The Order 1886 wirkt Bloodborne wie ein schwerer Tritt in den Magen. Der extrem hohe Schwierigkeitsgrad fühlt sich an, als folgten auf jedem Schritt vorwärts sofort zwei Schritte zurück. Jeder einzelne Erfolg ist hart erkämpft und kostet viele Nerven. Die hervorragenden Soundeffekte tun das ihre dazu, dass man etappenweise ernsthaft Furcht in sich spürt - vor dem nächsten Heldentod und davor, die mühsam erarbeiteten Fortschritte wieder zu verlieren. Eine etwas gemeine Methode zur Erzeugung von Spannung. Dafür eine sehr wirkungsvolle.

Titel: Bloodborne
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: Sony
Hersteller: From Software
Release-Termin: 25. März 2015
Preis: zirka 60 Euro
System: PS4
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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