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Pillars of Eternity im Test: Ein Rollenspiel der alten Schule

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Test zu Pillars of Eternity | Rollenspiel | PC, Mac, Linux  

Ein Rollenspiel der alten Schule

31.03.2015, 12:51 Uhr | (jr / tz), Richard Löwenstein

Pillars of Eternity im Test: Ein Rollenspiel der alten Schule. Pillars of Eternity Rollenspiel für PC, Mac und Linux von Obsidian (Quelle: Obsidian)

Pillars of Eternity Rollenspiel für PC, Mac und Linux von Obsidian (Quelle: Obsidian)

Pure Rollenspiele im Stil von "Baldurs Gate" schienen lange ausgestorben. Eine Heldentruppe durch wilde Gefilde lotsen und sich zugleich in literarischen Beschreibungen handelnder Figuren verlieren: Mit sowas hat man sich in den 80er- und 90er-Jahren viele Nächte um die Ohren geschlagen. Die Obsidian-Produktion "Pillars of Eternity" beschwört die alten Zeiten herauf, sogar inklusive Retro-Grafikstil. Besitzer von PC, Mac und Linux-Rechnern erwartet ein spannendes Abenteuer.

Dass dieses Fantasy-Rollenspiel im Stil der Interplay-Klassiker "Planescape Torment" und "Baldurs Gate" wahr werden konnte, dafür darf sich die Community selbst auf die Schulter klopfen. Der US-Entwickler Obsidian suchte im Jahr 2012 Unterstützer für sein Vorhaben namens "Project Eternity". Die Kalifornier rund um den Ex-Black-Isle-Mann Feargus Urquhart nutzten die Crowdfunding-Plattform Kickstarter zur Geldsammlung. Bis 16. Oktober des selben Jahres fanden sich rund 70.000 Fans. Sie schossen zusammen knapp vier Millionen US-Dollar vor. Diese Summe bildet das finanzielle Fundament für ein Rollenspiel, das sonst wohl nicht entstanden wäre.

Ein Roman zum Mitspielen

Die großen Hersteller aus der Spiele-Industrie hätten ein eher waghalsiges Vorhaben wie Pillars of Eternity wohl nicht finanziert. Allein schon das Vorhandensein eines 80 Seiten starken Handbuchs mit ausführlichen Beschreibungen von Bedienelementen, Tastatur-Shortcuts, Bildschirm-Layout und Figureneigenschaften ist heute nicht mehr üblich. Das Vorhandensein dieses Ausstattungs-Merkmals unterstreicht die Tatsache, dass Pillars of Eternity von Fans für Fans gemacht ist. Allerdings: Wer mit Pillars of Eternity in ein großes Abenteuer starten möchte, muss sich Zeit nehmen. Das Spiel verzichtet weitgehend auf schnelllebige Kamerafahrten, belanglose Dialoge und anderes, heute gängiges Handwerkszeug der Geschichtenerzähler.

Vielseitige Heldengeburt

Die Schaffung von Atmosphäre und Schilderung von Charakteren wird vorrangig mit Beschreibungen im Bildtext geleistet. Manche Schilderung von Orten, Figuren und Ereignissen umfasst mehrere Bildschirmseiten. Multiple-Choice-Dialoge wechseln viele Male zwischen beteiligten Charakteren hin und her. Das muss man mögen. Doch wir greifen vor - denn zuallererst steht die Erschaffung eines Helden oder einer Heldin auf dem Programm. Zur Auswahl stehen die sechs Rassen Mensch, Aumaua, Zwerg, Elf, Orlander oder Gottähnlich sowie elf verschiedene Klassen, darunter Barbar, Kämpfer, Paladin oder Priester. Die hier vom Spieler getroffene Entscheidung beeinflusst zunächst das Aussehen, später dann Quests und Dialoge.

Handlung und Erzählstruktur

Der frischgeborene Held zieht sodann gemeinsam mit einem automatisch gesteuerten NPC-Charakter namens Calisca los: Beeren sammeln, ein bisschen Larven und Gewürm erledigen, eine Bande von Dieben stellen - in diesem Rahmen mit überschaubaren Quests macht man sich mit den Basiselementen der Bedienung vertraut. Das Spielgebiet gliedert sich in viele kleine Karten, die miteinander verbunden sind und so ein großes Reich bilden. Im Lauf der ersten zwei bis drei Stunden beginnt sich die Erzählung zu entfalten. Mal geschieht das über Dialoge, mal über Zeichnungen wie aus einem Bilderbuch. Ganz grob gesagt, und ohne zu viel zu verraten: Das Königreich des Herrschers Lord Raedric hat ein Geburtenproblem. Neugeborene kommen ohne Seele zur Welt, sie sind eher Zombies als Menschen. Warum das so ist und was zu tun bleibt, das erweist sich im Spielverlauf. Indem man Geiseln rettet, Banditen stellt, Drachen herausfordert und andere Quests erledigt, verschafft man sich Antworten und findet Verbündete.

Altbewährtes Gameplay

Im Verlauf vieler Abende kombiniert "Pillars of Eternity" Lesevergnügen mit etlichen anderen Qualitäten. Isometrischer Bildaufbau, scrollende Karten, indirekte Maussteuerung und zahlreiche andere Elemente erinnern an vergangene Rollenspiel-Zeiten. Die Steuerung der Heldenfigur funktioniert prima: Held auswählen, Ziel anklicken, schon setzt er sich in Bewegung. Die Wegfindung macht einen verlässlichen Job. Die Figur findet ihr Ziel auch wenn Berge, Flüsse und andere Hindernisse der direkten Erreichbarkeit im Weg stehen. Die Figur wandert drumherum und nutzt dabei mitunter Pfade, die man selbst noch gar nicht entdeckt hat.

Einfaches Kampfsystem

Beim Marsch durch Höhlen, Wälder und verlassene Städte kommt es immer wieder zu Begegnungen mit angriffslustigem Getier. Manchmal lässt sich der Zwist durch kluge Dialogführung umgehen; meistens eher nicht. Das Quasi-Echtzeit-Kampfsystem erinnert an Baldurs Gate 2: Das Spiel schaltet nach Sichtung des Angreifers in den Pausenmodus. Diese Maßnahme gestattet eine gewisse Vorbereitung auf den bevorstehenden Kampf. Man darf zum Beispiel Waffen tauschen und eine Formation bestimmen - jedenfalls sobald die Heldenfigur Mitstreiter gefunden hat. Bis zu vier Charaktere schließen sich an und stehen einem mit Ratschlägen und als Kampfgefährte zur Seite. Sogar Hunde und andere tierische Begleiter trotten auf Wunsch mit. Die Kämpfe laufen automatisch ab, wobei man durch Stellungswechsel und Zielauswahl Einfluss nimmt.

Gute Hilfestellung

Die Bedienung verdient sich ein dickes Kompliment. Wer noch kein vergleichbares Retro-Rollenspiel durchgespielt hat, den nehmen zahlreiche Hilfen bei der Hand: Das Quest-Logbuch listet offene Aufgaben auf, alle wichtigen Funktionen werden auf Wunsch per Einblendung erklärt. Waffenbildschirm, Tagesjournal, Charakterwerte, Umschalten vom Marsch- auf den Schleichmodus sind per Schnellzugriffs-Menü nur einen Klick entfernt. Der Einstieg gelingt verblüffend leicht für ein Spiel, das im Hintergrund mit komplexen Kampf- und Charakterwerten jongliert. Wer sich näher mit diesem Rollenspiel-System befassen möchte, kann im Handbuch Tabellen und Statistiken nachlesen und das Zahlenprotokoll eines Kampfverlaufs per Log nachvollziehen.

Geeignet für Einsteiger und Kenner

Derart fokussierte Abenteurer deaktivieren vielleicht sogar das HUD nebst anderen Spielhilfen und maximieren zugleich den Schwierigkeitsgrad. Im Extremfall entwickeln dann alle Gegner übermächtige Werte, und der Held stirbt im Ernstfall den Permadeath - ohne Chance auf eine Wiederbelebung. Kurzum: Pillars of Eternity lässt sich hervorragend an eigene Vorlieben anpassen - der eine spaziert halt eher durch Dialoge und Kämpfe durch, der andere findet etliche Herausforderungen. So können alle Rollenspiel-Abenteurer, egal ob erfahren oder unerfahren, die wunderschöne Atmosphäre auf ihre Art genießen.

Großartige Musikbegleitung

Visuell macht Pillars of Eternity einen sehr schönen Eindruck. Die hohe Detaildichte ist auf Screenshots zu erahnen. Dass selbst ein verlassener Finsterwald einladend wirkt, bewohnte Dörfer und monumentale Bauwerke sowieso, liegt an Kleinigkeiten: waberndem Bodennebel, glitzerndem Wasser, flackernden Fackeln. Bilder unterschlagen allerdings den Beitrag von Sound und Musikbegleitung zum Gesamtbild: Wasserrauschen, Flammenknistern, Rufe und Echos füllen das Spiel mit Leben. Ein fidel aufspielendes Orchester motiviert zu Wanderungen, beim Eintritt in ein Rasthaus verändert Lautenmusik die Stimmung sofort. Kämpfe wiederum fühlen sich nochmal so spannend an, weil Choräle die Dramatik der Szene perfekt unterstreichen.

Was uns gefällt

Das Spiel lässt sich hervorragend an eigene Vorlieben anpassen. Vier Schwierigkeitsgrade bestimmen über den Einfluss von Mikromanagement, das Können von Angreifern und wo beziehungsweise ob der Held im Sterbensfall wiederbelebt wird. Einsteiger finden sich nach einer etwas störenden Ladeunterbrechung an einem der zahlreichen Rücksetzpunkte wieder, Hardcore-Abenteuer müssen den Permadeath ihres Helden verkraften und von vorn anfangen.

Was uns nicht gefällt

Es fehlt jeder Mehrspieler-Modus, die Kampagne ist strikt auf Einzelkämpfer ausgelegt. Die Texte sind im Großen und Ganzen trefflich eingedeutscht, zwischendurch stören Wortwiederholungen und schiefe Bilder aber Stimmung und Lesefluss. Das Spiel ist multilingual und lässt sich in den Optionen auf englisch oder spanisch umstellen.

Fazit

Zwischen "Dragon Age", "Skyrim" und all den anderen modischen Actionrollenspielen schlägt sich Pillars of Eternity äußerst wacker. Die literarische Machart, die herrlich detailverliebte Grafik und die atmosphärische Musik wecken wohlige Erinnerungen an Rollenspielklassiker aus den 90er-Jahren. Die vielseitig konfigurierbare Mausbedienung reicht Genreeinsteigern die Hand und gestattet Kennern dennoch Zugriff auf komplexe Hintergrund-Informationen. Kompliment an die Designer für diesen gelungenen Balanceakt.

Infos zum Spiel

Titel: Pillars of Eternity
Genre: Rollenspiel
Publisher: Paradox Interactive
Hersteller: Obsidian
Release-Termin: 26. März 2015
Preis: zirka 50 Euro
System: PC, Mac, Linux
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut

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